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Letzter Teil - Kinder- und Jugendjahre im Schatten des Nationalsozialismus. (Erinnerungen der 89-jährigen Zeitzeugin Maria Bengtsson Stier)

Meine vier Brüder wurden einer nach dem anderen zur Wehrmacht eingezogen und in den Krieg geschickt. - Nach drei Monaten wurde auch ich zum Militär, näher gesagt zur Flak (Fliegerabwehr), eingezogen.
 
Erinnerungen der 89-jährigen Zeitzeugin Maria Bengtsson Stier)
…..Im September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus.

Meine vier Brüder wurden einer nach dem anderen zur Wehrmacht eingezogen und in den Krieg geschickt. Einer davon ist 1940 gefallen und ein zweiter hat im Krieg ein Bein verloren und kam verstümmelt nach Hause. Ein dritter war in amerikanischer Gefangenschaft und der vierte war in englischer Gefangenschaft.

Auch alle jungen Männer aus unserer nächsten Nachbarschaft „verschwanden“ zum Militär. Sehr viele kamen nie wieder zurück.

Und so kamen während des Krieges die feindlichen Kriegsgefangenen nach Deutschland. Zuerst aus Frankreich und dann auch von den Oststaaten. Aber allen Deutschen war es unter harter Strafe verboten Privatgespräche mit Kriegsgefangenen zu führen. Ein kleines Erlebnis in dieser Richtung: „Der verbotene Morgengruß“ habe ich in meinem Buch „Wie ein leichter Sommerwind“ geschildert.

Nach Abschluss meiner Berufsausbildung wurde ich auf ein Jahr zum Arbeitsdienst eingezogen. Im Arbeitsdienst sollte uns Mädchen alle praktische Arbeit beigebracht werden. Wir arbeiteten ein Jahr wechselweise beim Bauern oder in kinderreichen Familien für 25 Pfennige am Tag.

Nach einem Jahr jedoch wurden wir nicht entlassen, sondern alle „Arbeitsmaiden“ (so wurden wir genannt) wurden kollektiv auf ein halbes Jahr in einem „kriegswichtigen Betrieb“ dienstverpflichtet. Ich arbeitete in einem chemischen Laboratorium der IG. –Farben in Frankfurt / Main –Höchst.

Nach der Entlassung aus dieser – ohne Zweifel hoch interessanten – Dienstverpflichtung kam ich nach Hause und arbeitete auf dem damaligen Landratsamt in Alzey.

Nach drei Monaten wurde auch ich zum Militär, näher gesagt zur Flak (Fliegerabwehr), eingezogen. Dort habe ich einen Teil meiner Jugend – mit allen Strapazen, Entbehrungen und Gefahren eines Militärdienstes während des Krieges – bis zum Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ – verbracht. Meine Zeit als aktiver Soldat habe ich in der wahren Erzählung „Schutzengel, gibt es die – oder die Odyssee meiner Heimkehr“ in meinem Buch „Wie ein leichter Sommerwind“ – erschienen im Zwiebelzwerg-Verlag – geschildert.

Ja, so hat man uns während der Nazizeit um unsere Kindheit und Jugend, ja sogar um unser ganzes Privatleben betrogen. Die von den Nazis so hochgepriesene Freiheit war nichts als eine Utopie und in das „gelobte Land“ führte Hitlers Weg weiß Gott nicht! Nein, es war genauso wie mein Vater schon zu Anfang gesagt hatte: „Alles war ein großer Bluff“.

Bei dieser ständigen, politischen Überwachung und dem gewaltigen Druck, der auf die Menschen – speziell aber auf die Jugend – ausgeübt wurde, war es nicht immer leicht den rechten Weg zu finden. Froh und dankbar bin ich darüber, dass ich diese Zeit mit reinem Gewissen überstanden habe. Eine gute Stütze war mir mein Elternhaus.

Natürlich ist diese Schilderung nur ein Gerippe von all dem, was ich wirklich erlebt habe. Doch würde es viel zu weit führen, wollte ich hier jede Einzelheit aufzeichnen.

Vielleicht aber hat meine Schilderung manchem außenstehenden trotzdem einige Fragen beantwortet. Dann hätte ich dieses Dokument nicht umsonst geschrieben.

-Alle Rechte bei Maria Bengtsson Stier, Malmö / Schweden-.
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4 Kommentare
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Heike L. aus Springe | 30.03.2013 | 10:43  
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Bernd Sperlich aus Hannover-Bothfeld | 30.03.2013 | 11:24  
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Natalie Parello aus Sarstedt | 30.03.2013 | 17:06  
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 12.04.2013 | 23:02  
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