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11. Teil - Kinder- und Jugendjahre im Schatten des Nationalsozialismus. (Erinnerungen der 89-jährigen Zeitzeugin Maria Bengtsson Stier)

Erinnerungen der 89-jährigen Zeitzeugin Maria Bengtsson Stier
1938 – 1942 ….ab der Kristallnacht, als nach und nach alle unsere jüdischen Nachbarn „verschwunden“ waren, änderte sich vieles in unserem Wohnviertel. Die früheren Häuser der jüdischen Nachbarn wurden nun alle mit „arischen“ Parteigenossen „besiedelt“, die zum großen Teil sehr aufmerksame Beobachter ihrer Mitbürger und Nachbarn waren.

Meine Familie war zwar „arisch“, aber Parteigenossen waren wir nicht. Das war jedoch nur möglich, weil mein Vater selbständig war. Alle „abhängigen“ Beamten und Angestellten waren verpflichtet der Partei beizutreten, wenn sie ihre Anstellung nicht verlieren wollten. Ich selbst arbeitete ja anfangs in dem Kontor eines Großhandelsbetriebes, dessen Chef ebenfalls Nichtmitglied der Partei war. Da „klappte“ alles reibungslos. Später, als ich auf dem Landratsamt arbeitete, hatte ich in unserem Personalchef (und Nachbar) einen sogenannten „Gönner“, der meine fehlende Mitgliedschaft in der Partei „übersah“.

Aber jene in unserem Wohnviertel neu zugezogenen Parteimitglieder, welche von einer Nichtmitgliedschaft ihrer Nachbarn irgendwie erfahren hatten, waren nicht ganz so nachsichtig. Sie peinigten alle, die sich vor einer Mitgliedschaft „drückten“, mit ständigen mehr oder weniger ausgeprägten „Sticheleien“ und Bespitzelungen. Kleine, nahezu lächerliche Anpöbelungen kamen vor, wie ich eine davon in meiner wahren Erzählung „Die kleine Rache“ geschildert habe.

Einmal, kurz nach der Übersiedlung aller arischen Nachbarn in die früheren jüdischen Häuser, traf ich auf der Straße rein zufällig eine alte Bekannte, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Meine Bekannte fragte mich, wer wohnt denn jetzt da oder dort. Ich klärte sie auf und sagte aber im gleichen Atemzug: „Ich finde das sehr komisch, dass in den Häusern jetzt fremde Menschen wohnen. Uns hat man im BDM erzählt, dass alle Juden für eine gewisse Zeit in ein Arbeitslager kommen, um dort arbeiten zu lernen. Aber wo hat man denn eigentlich alle unsere jüdischen Nachbarn hingeführt. Kommen sie denn nicht mehr zurück?“.

„Weißt Du das denn nicht?“ fragte meine Bekannte geheimnisvoll. „Was“? fragte ich dumm. „Nun, die Juden kamen wirklich in ein Arbeitslager, aber zurück kommen sie nie mehr?“ klärte meine Bekannte mich auf. „Aber wieso denn das?“. Niemand hatte mich darüber aufgeklärt. Ich verstand überhaupt nichts mehr. „Ja das ist so: alle im Lager ankommenden Juden bekommen ein Stück Seife in die Hand gedrückt mit der Erklärung, dass sie alle zuerst duschen müssten, bevor sie sich im Lager installieren konnten. Dann mussten sie sich entkleiden und man führte sie alle zusammen in einen riesigen Duschraum. Aber aus den Duschen kam kein Wasser, sondern Gas und alle Menschen in dem Duschraum erstickten. Alle waren tot“.

„Nein, nein das kann ich nicht glauben. Das ist sicher nur ein sehr übles Gerücht“, sagte ich entrüstet. Eine solche Grausamkeit ging ganz einfach über meinen Verstand.

„Nein, Du kannst es wirklich glauben, es ist wahr. Aber Du darfst es niemand erzählen, dass Du das von mir gehört hast, hast du das verstanden“?

„Ja, ja“ sagte ich, aber daran glauben konnte ich trotzdem nicht.

Nach diesem Gespräch hörte ich nie, nie wieder ein einziges Wort über den vermutlichen Tod unserer Nachbarn. Von nirgendwo her, von keiner Seite wurde mir diese horrible Erzählung meiner Bekannten bestätigt. Und ich glaubte nun allen Ernstes, dass das alles wirklich nur ein unwahres, scheußliches Gerücht war.

Doch es war sehr wahrscheinlich so, dass die „Obrigkeit“ bemerkt hatte, dass einiges von den verbrecherischen Vorhaben in den Konzentrationslagern nach außen gedrungen war und man hatte das Weitertragen solcher Informationen und Strafe verboten, denn ich habe – wie gesagt – nie wieder etwas darüber gehört, jedenfalls nicht solange Hitler regierte…..

Fortsetzung folgt……http://www.myheimat.de/linz-am-rhein/gedanken/letz...
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