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"Wir leben länger, aber wovon?"

v.l.n.r.: Kathrin Kelichhaus, Thomas Weigel, Gabriele Fograscher, Mirjam Steiner und Martin Knecht.

SPD-Bundestagsfraktion stellte Konzepte gegen die Altersarmut in Lauingen vor
In einer sehr gut besuchten Versammlung stellte MdB Gabriele Fograscher (Nördlingen) Ende Juli im Lauinger Kolpinghaus die aktuelle Problematik der gesetzlichen Rentenversicherung und die Konzepte der SPD gegen Altersarmut dar. Experten von der Deutschen Rentenversicherung und aus Mitarbeitervertretungen nahmen in der anschließenden Diskussion Stellung zu Fragen der Besucher.

Bezirkstagslistenkandidat Martin Knecht begrüßte die Teilnehmer seitens des gastgebenden Lauinger Ortsvereins. Knecht erinnerte daran, dass es die gesetzliche Rentenversicherung in ihren Grundzügen seit dem Kaiserreich gebe und es daher gelte, den „Generationenvertrag“ in die heutige Zeit herüberzuretten.
Gabriele Fograscher, MdB, rüttelte die Zuhörer in ihrem Impulsreferat mit plakativen Aussagen wach: „Die deutsche Bevölkerung schrumpft und altert.“ Damit stehen künftig die immer weniger werdenden Erwerbstätigen einer wachsenden Anzahl von RentnerInnen gegenüber. Der „Demografie-Schreck“ wird allerdings allzu häufig als die einzige Ursache für die Finanzierungsprobleme des umlagenfinanzierten Rentensystems benannt, die vermeintlich nur durch das Absenken des Rentenniveaus, die Anhebung der Lebensarbeitszeit und durch private Vorsorge gelöst werden könnten. Die wachsende Altersarmut ist ein Spiegelbild des Arbeitsmarktes: Familienarbeit, Teilzeit, Minijobs, Leiharbeit, Werksverträge und Niedriglöhne führen bei vielen zu geringen Rentenansprüchen. Heutige Erwerbsarmut wird so zur Altersarmut von morgen. Seit der globalen Finanzkrise zeigt sich immer mehr, dass auch die private Altersvorsorge oftmals auf tönernen Füssen steht: erst kürzlich meldete die amerikanische Millionenstadt Detroit Konkurs an, weil die privaten Pensionsfonds, in die sie investiert hatte, pleite waren.
Darum will die SPD laut Fograscher die Erwerbsarbeit etwa durch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, den Grundsatz „gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ und durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf verändern. Zudem will die SPD eine Solidarrente einführen, mit der die Rente von Geringverdienern und Menschen mit sehr geringen Ansprüchen aufgestockt wird. Wenn die eigene Rente nicht zum Leben reicht, soll es für langjährig Versicherte eine steuerfinanzierte Mindestrente von 850 Euro geben. Fograscher sprach sich auch dafür aus, dass Rentner nach 45 Erwerbsjahren die volle Rente erhielten, sowie für eine branchenspezifische Differenzierung des Renteneintrittsalters von 67.
Thomas Weigel, Bezirkstagskandidat der SPD und Mitarbeitervertreter im Kloster Holzen, beklagte die Zunahme von Zeitverträgen und befristeten Arbeitsverhältnissen, gerade im sozialen Sektor, und wandte sich vor allem gegen „sachgrund-lose Kettenbefristungen“ in diesem Bereich.
Kathrin Kelichhaus von der Deutschen Rentenversicherung in Augsburg bestätigte aus ihrer täglichen Beratungspraxis heraus die geschilderten Probleme der Altersarmut. Sie appellierte vor allem an die jüngeren Veranstaltungsteilnehmer mit ihrer Aussage: „Altersvorsorge ist ein wichtiges Thema ab Beginn Ihres Erwerbslebens!“ Kelichhaus erläuterte auf Nachfrage die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem Schweizer Rentensystem. In der Schweiz zahlen in die Grundsicherung alle ein, auch der Millionär. Für dieses Modell einer Bürgerversicherung plädierte Martin Knecht sowohl in der deutschen Renten- wie in der Krankenversicherung, weil dann neben den Arbeitnehmern auch Beamte und Selbständige in die Lasten mit einbezogen würden.
Mirjam Steiner, Landtagskandidatin der SPD und Betriebsrätin, beklagte die verständliche Unsicherheit vieler junger Menschen, was ihre finanzielle Absicherung anbetreffe. Dies führe dazu, dass sich immer weniger „trauten“, Kinder in die Welt zu setzen. Sie forderte daher Anstrengungen der Wirtschaft wie der Politik, um dieser Entwicklung z.B. mit kostenloser Kinderbetreuung entgegen zu wirken.
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2 Kommentare
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Martin & Sylvia Knecht aus Lauingen (Donau) | 04.08.2013 | 11:27  
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Ingeborg Steen aus Moormerland | 05.08.2013 | 22:22  
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