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Eine bewegte Saison für die Kreuzkröte

"für einen Strich mehr in der Landschaft" lautet das Projekt zur Wiederansiedlung der Kreuzkröte des NABU Langenhagen. Der Projektname bezieht sich auf den für Kreuzkröten typischen Strich auf ihrem Rücken. (Foto: Ricky Stankewitz)
 
Rufende Kreuzkröte während der Paarungszeit (Foto: Ricky Stankewitz)

„Um die Kreuzkröte in Langenhagen ist es nicht gut bestellt“, erklärt der Amphibienexperte und erste Vorsitzende des NABU Langenhagen, Ricky Stankewitz. „Wurde sie Ende der Neunziger Jahre noch an zwei Stellen nachgewiesen, ist sie heute im Stadtgebiet ausgestorben. Ein "Sanierungsstau" im öffentlichen Naturschutzhaushalt führt - wie auf anderen Ebenen auch - zu nachhaltigen Schäden. Nur kann man eine ausgestorbene Population nicht wie ein marodes Schulgebäude einfach abreißen und neu bauen. Die genetischen Informationen der ausgestorbenen Tiere sind verloren,“ mahnt Stankewitz. Das letzte an Langenhagen angrenzende Vorkommen der Kreuzkröte befindet sich auf der Kugelfangtrift in Hannover. Die Barrierewirkung der Bundesautobahn 2 verhindert, dass Tiere von dort wieder nach Langenhagen einwandern können. Um die seltene Amphibienart in Langenhagen wieder heimisch zu machen, ist menschliche Unterstützung unumgänglich. So entstand die Idee zum Projekt des NABU Langenhagen "für einen Strich mehr in der Landschaft", bei dem es Ziel ist, die Kreuzkröte durch Schaffung geeigneter Lebensräume und eine aktive Wiederansiedlung nach Langenhagen zurückzuholen.

„Den Grundgedanken dahinter hatte die Stadtverwaltung Langenhagen im Rahmen des von der EU geförderten SPARC-Projektes zwar bereits aufgegriffen, jedoch die erforderlichen Maßnahmen nicht in die Wege geleitet“, kritisiert Stankewitz. Um bei der Wiederansiedlung erfolgreich zu sein, musste der NABU zunächst mögliche Spenderpopulationen finden. „Dabei ist es wichtig den Erhaltungszustand der Spenderpopulation zu kennen und - sofern erforderlich - zu verbessern, um durch eine Entnahme von Laich oder Larven das Vorkommen nicht zu gefährden“, erläutert der Amphibienexperte. Im vergangenen Jahr wurden erste Pflegemaßnahmen auf der Kugelfangtrift durchgeführt. Drei vorhandene Gewässer wurden entkusselt, drei ehemalige Gewässerstandorte wieder hergestellt.

Die Überprüfung während der Laichsaison 2017 ergab laut NABU Langenhagen erfreuliche und unerfreuliche Ergebnisse. In den drei bestehenden Gewässern wurden erneut massenhaft Goldfische gefunden, die dort illegal ausgesetzt wurden. „Die ökologischen Schäden, welche die Fische in Naturschutzgewässern anrichten, sind enorm.“ Laut Stankewitz riefen zwar Kreuzkröten aus diesen Gewässern, jedoch wurde der Laich sofort nach dem Absetzen von den Fischen gefressen. Anders sah es bei den drei ehemaligen Gewässern aus, die wieder hergestellt wurden. Diese sind fischfrei und in allen drei Gewässern konnten zunächst Laichschnüre, später auch Larven der Kreuzkröte gefunden werden. Die Zahl der rufenden Männchen reduzierte sich im Vergleich zum Jahr 2017 um fast die Hälfte von 26 bis 30 auf 15 Rufer. „Daran zeigt sich, dass ohne unterstützende Maßnahmen die Kugelfangtrift-Population ebenfalls dem Untergang geweiht gewesen wäre“, macht Stankewitz auf die Wichtigkeit der Pflegemaßnahmen aufmerksam. Zwar können Kreuzkröten im Freiland verhältnismäßig alt werden, jedoch ist eine erfolgreiche Reproduktion für den Erhalt der Population unabdingbar. „Durch den Fischbesatz und das Fehlen alternativer Laichgewässer ist davon auszugehen, dass es in den vergangenen Jahren keinen Nachwuchs bei den Kreuzkröten gab“, ist sich Stankewitz sicher. Das konnte in diesem Jahr erfolgreich geändert werden. Der NABU Langenhagen wird den Bestand auch in den kommenden Jahren genau betrachten. Weitere unterstützende Maßnahmen sind durch die untere Naturschutzbehörde (kurz UNB) der Region Hannover geplant und werden in den nächsten Jahren umgesetzt. Um die Kreuzkröte mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu lenken, hatte der NABU Langenhagen am 20. Mai 2017 erstmals ein Kreuzkröten-Konzert im Rahmen der bundesweiten Aktion „NABU NachtnaTOUR“ im Programm angeboten.

Im Rahmen des Projektes "für einen Strich mehr in der Landschaft" werden derzeit mehrere Kleingewässer auf einer Pferdeweide in Isernhagen zwischen den Wietzeseen geplant. Auch hier ist die UNB Region Hannover Mittelgeber, sodass im Bereich Wietzeaue spätestens 2018 neue Lebensräume entstehen werden. „Mittelfristig hoffen wir auch auf Langenhagener Stadtgebiet weitere Maßnahmen für die Kreuzkröte durchführen zu können“, erklärt Stankewitz. Er ist überzeugt davon, dass im Bereich des Wietzeparks, wie auch auf derzeitigen Ackerflächen in Krähenwinkel, die im städtischen Eigentum sind, durchaus die Möglichkeit bestünde, geeignete Lebensräume für die Kreuzkröte zu schaffen. „Wir hoffen hier, dass die Stadtverwaltung ihr Versprechen aus dem SPARC-Projekt zur Kreuzkröte einlöst: Holen wir sie zurück!“, blickt Stankewitz optimistisch in die Zukunft.



(Quelle: Ricky Stankewitz / NABU Langenhagen)
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Werner Szramka aus Lehrte | 27.06.2017 | 13:13  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 27.06.2017 | 15:36  
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