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Hermann Löns und die Abbenser Mühle

Hermann Löns und die Abbenser Mühle

Walter Euhus, Langenhagen

Spricht man in ländlichen Orten nördlich von Hannover mit älteren Leuten und erwähnt den Namen Löns, so kennt in der Regel jeder Geschichten des Heidedichters. Oft werden dabei auch seine angeblichen Liebesbeziehungen verwiesen. Dichtung oder Wahrheit? Tatsache ist, daß es immer wieder solche und andere Geschichten gab, die man Löns zuschreibt, auch wenn man davon ausgehen muß, daß vieles nur ausgedacht ist. So vermutlich auch die von der Abbenser Mühle.

In der Wedemark, Region Hannover, gab es auf den Kuppen der eiszeitlichen Abla-gerungen sechs Wind-mühlen, und in den Bachtälern neun Wassermühlen, die an der Wietze, Jürse, Beeke und am Mühlengraben standen. Die Geschichte dieser Mühlen zieht sich durch die Jahrhunderte, weil sie nicht alle im gleichen Zeitraum geschrotet und gemahlen haben.

In Abbensen wurde schon früh auf dem Höhenrücken nördlich der Jürse eine Bock-windmühle errichtet. Sie ist bereits 1557 erwähnt, brannte vermutlich 1825 ab und wurde durch einen „Erdholländer“ ersetzt, dessen Körper noch steht, aber schon stark verfallen ist.

Der letzte Müller, Heinrich Meyer, stellte 1925 den Betrieb ein, als seine Tochter Lina heiratete. Der Schwiegersohn Höper war kein Müller. Lina ist auf der Mühle groß ge-worden. Sie erinnert sich an ihre Kinderzeit und daran, daß vor dem Ersten Weltkrieg in jedem Jahr Truppen zum Kaisermanöver kamen. Damals war die ganze Bergkup-pe, auf der Mühle und Haus stehen, noch kahl. Die Heide war seit Jahrhunderten Truppenübungsgelände. Auf der Höhe an der Mühle war der „Feldherrnhügel“.

Der letzte Abbenser Windmüller hat seiner Tochter auch von dem „verrückten Dichter Löns“ erzählt. Der Redakteur aus Hannover kam um die Jahrhundertwende bei sei-nen Streifzügen mit dem Fahrrad gelegentlich auch zur Mühle in Abbensen und schwatzte mit den Müllersleuten und ihren Mahlgästen. Einmal habe er den abson-derlichen Wunsch geäußert, kopfüber an seine Flügel gebunden zu werden, um dann nach einer halben Drehung des Kreuzes von oben weit über das Land bis zum Deister und zum Steinhuder Meer schauen zu können. Sie glaube nicht, daß ihr Va-ter diesen Wunsch erfüllt hätte, meinte Lina Höper. Aber sie räumte ein, daß Gesel-len derlei wohl getan hätten, wenn der Meister nicht in der Nähe war.


Quelle: Heinz Koberg: „Mühlen rund um Hannover“, Schlütersche,
Hannover, 1986.
Abbildung: im Besitz von Magdalene Höper, Abbensen, Schwieger-
tochter von Lina Höper, der Tochter des letzten Müllers der
Abbenser Mühle
Foto: Autor
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Dieter Goldmann aus Seelze | 30.06.2011 | 13:42  
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