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Vermögen umverteilen von oben nach unten: Wie globale Ursachen lokale Probleme schaffen

Die Koordinatoren bei Attac Landsberg (v.l.n.r.) Jacqueline Langrehr aus Kaufering, Volker Gold aus Landsberg und Daniela Leiser aus Ummendorf
 
Der Vortragende Bruno Marcon aus Augsburg bei seinem PowerPoint Vortrag am 14. 02. 2013 in Landsberg
Gelöst und erleichtert stellten sich nach einer gelungenen Veranstaltung am 14. Februar die drei KoordinatorInnen von Attac-Landsberg zum Gruppenphoto zusammen. Immerhin hatten sie mit ihrer neu gegründeten Gruppierung aus eigener Kraft die erste öffentliche Vortragsveranstaltung ordentlich bewältigt. Prominenter Gast war Bruno Marcon, Attac-Rat auf Bundesebene und Sprecher von Attac Augsburg. Spannung herrschte zuvor, wie das Thema im Landsberger Raum ankommen würde: "Umverteilung des Vermögens von Mehrfachmillionären".

Das von Attac entwickelte Konzept sieht vor, dass Vermögen ab zwei Millionen Euro im Schnitt europaweit mit 50% einmalig belastet werden; "Arme Millionäre" schont eine Staffelung der Abzüge. Billionen sollen dem schädlichen Geldkreislauf rund um die Welt entzogen und wieder an die Gemeinschaften, sozusagen an die Matrix abgegeben werden. Auch wohin es konkret fließen soll, haben sich die Attac-Leute natürlich ausgedacht: An die Länder für Bildung, Gesundheit und Pflege, in die Kommunen für Kindertagesstätten, Familienunterstützung und die Infrastrukturen (Wasser, Energie, Verkehr). Es ist der Sinn von Umverteilung, die riskante Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich wieder mehr zu schließen, zum sozialen Frieden beizutragen, alle am gesellschaftlich erwirtschafteten Reichtum teilhaben zu lassen.

Nicht nur das Netzwerk Attac und einige andere NGOs stehen nach vier Jahren kaum bewältigter Banken-, Währungs- und Staatsschuldenkrisen hinter diesem Konzept - auch einige oppositionelle Parteien haben es schon adoptiert. Mit der Bereinigung gesellschaftlicher Ungleichverteilung soll zwar so begonnen werden, doch soll die einmalige Vermögensabgabe nicht isoliert dastehen. Ginge es nach dem globalisierungskritischen Netzwerk, sollte auch die Vermögenssteuer wieder eingeführt werden, die Finanztransaktionssteuer - eh schon längst versprochen - jetzt in elf Euroländern auch tatsächlich kommen und Kapitalflucht gleichzeitig wirksam verhindert werden.

Gibt es nicht doch auch ein bisschen Hemmungen, den Superreichen ihr Geld streitig zu machen? Ist da bei denen, die große Forderungen stellen, nicht auch ein wenig Sozialneid im Spiel? In der anschließenden Diskussion ging der Referent Marcon, ein Fachmann für Gemeinwesenarbeit, mit diesen Fragen sensibel um. Am Ende hatten er und Attac Landsberg ein "sauberes Gewissen". Die jetzigen Zustände erinnerten immerhin an schon längst überwunden geglaubte Feudalherrschaften und hätten bittere Konsequenzen für den Arbeitsmarkt. "Vermögensverteilung hat nichts Radikales an sich. Sie ist die systemimmanente Korrektur zurück vor Einsetzen der neoliberal geprägten Globalisierung. Globalisierung kann auch sozial, gerecht, menschenwürdig und solidarisch sein." (B. Marcon)

Von da wäre es nicht mehr weit gewesen zu einem Slogan wie: Empört euch, Traut euch, eine andere Welt ist möglich! Doch diese Stimmung kam in der Versammlung nicht auf. Eher waren die Besucher beeindruckt von der Fülle von Zahlenverhältnissen, die Publikationen von Finanzmarktspezialisten entnommen waren. Wie soll sich auch jemand begeistern können, wenn er auf einem riesigen Schuldenberg sitzt, der noch Generationen nach einem belasten wird? Zum Weitermachen entschlossen sind die Landsberger Attacies aber doch. Am 13. April veranstaltet Attac in 40 Städten einen Aktionstag zum Thema. Landsberg ist dabei. Man darf gespannt sein, wie die Bevölkerung sich dann dazu einstellt.

Genauer nachzulesen ist das Problem und das Lösungskonzept (vom Mai 2012) in: http://www.attac.de/fileadmin/user_upload/Kampagne...
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1 Kommentar
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Hans Bucsek aus Landsberg am Lech | 01.04.2013 | 17:48  
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