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Landsberg Langsamverkehr auf einer Bundesstraße sinnvoll?

  Wenn in einem Buch von Elisabeth Michler von sinnvollem Rückbau zum Langsamverkehr gesprochen wird, wurde dieses Ziel an einer Bundesstraße, der B17 Alt, kaum sinnvoll in die Tat umgesetzt. Vor dem Umbau waren Autos auf dem Parkstreifen in Höhe des Restaurants Lago di Garda schräg einzuparken. Das Ein- und Ausparken war ohne den Verkehr auf der B17 zu behindern ohne weiters möglich. Beim Umbau wurde nachfolgendes Zi-tat aus dem Buch von Elisabeth Michler „Der Nahverkehr von Landsberg a. L. Ist Zustand – Perspektiven – Konzepte“ – sowohl was die Parkflächen, den Fußgängerweg und die Grünflächen betrifft gründlich strapaziert.

„Es liegen bereits Überlegungen seitens der Stadtverwaltung Landsberg am Lech vor, die Bun-desstraße B17 Alt rückzubauen (s. Kap. 7.2.6). Im Gefolge dieser Maßnahme wäre ein Umbau der Kreuzungen auf der Linie B17 Alt aus Sicht heutiger Verkehrsplanung wünschenswert. Diese Kreuzungen sind nach dem Verständnis der 70er Jahre auf den Autoverkehr ausgelegt. Durch sinnvollen Rückbau kann gleichzeitig stärker auf die·Belange des Langsamverkehrs eingegan-gen werden“.

Der Betrachter stellt sich die Frage: was ist sinnvoller Rückbau? Tatsache ist, dass ein Fußweg gebaut wurde, der locker das Befahren mit einem Kleinlasters verkraften könnte. Im Gegensatz dazu gibt es Parkbuchten auf beiden Seiten der Straße, aus denen nur das Ausparken einiger-maßen gefahr- und reibungslos zu bewerkstelligen ist, weil für das Ausparken eine Lücke im laufenden Verkehr abgewartet werden kann. Anders sieht das Einparken aus, insbesondere wenn die Parkplatzsuche aus einer Schlange fahrender Autos erfolgen muss. Kolonnenverkehr ist auf der B17 Alt keine Seltenheit. Ist der Parkstreifen leer, gibt es kein Problem das Auto vorwärtsfahrend abzustellen. Anders sieht es aus, wenn das Fahrzeug in eine Lücke zwischen zwei geparkten Autos oder dem Grünstück abzustellen ist. Das geht in der Regel nur rückwärtsfahrend. Dazu muss zunächst das zu parkende Auto und zwangsläufig der nachfolgende Ver-kehr auf der Straße anhalten. Ist der Abstand entsprechend groß, kann eingeparkt werden. Pre-kärer wird die Situation, wenn der nachfolgende Fahrer die Parkplatzsuche des Vorherfahrenden nicht bemerkt oder gar ignoriert und soweit auffährt, dass ein Rückwärtseinparken unmöglich wird. Dann wird versucht auf der Bundesstraße zu wenden oder einen Umweg von ca. 1km, um einige Häuserblocks zu fahren, um erneut einen Parkversuch zu starten. Das Ein- und Aussteigen war bei den schräg geparkten Autos gefahrlos. Der jetzige Zustand schafft zumindest durch das Öffnen der Türe auf der Fahrerseite eine Gefährdung, die auf einer Bundesstraße nicht unterschätzt werden darf.

Wenn Frau Michler damals noch von „sinnvoll“ sprach, wird heute offensichtlich dem Autofah-rer in der Stadt das Leben systematisch schwergemacht, auch dort wo eine sinnvolle Lösung machbar wäre. An Langsamverkehr und künstlich herbeigeführten Staus, wird in der Stadt weiter geplant. Als Beispiel spricht die Max-Friesenegger-Straße. Hier geht die Stadt rigoros an eine Verschmälerung der Straßenbreite heran, obwohl sich die Anwohner dagegen ausgesprochen hatten und aus deren Sicht für eine Verschmälerung keinerlei Notwendigkeit besteht. Ignoriert wird offensichtlich die Tatsache, dass die Deutschen immer mehr Autos besitzen. Auf 100 Haushalte kommen laut Statistischem Bundesamt mittlerweile 101,6 Pkw. Im Jahr 2000 waren es noch 95,3 Fahrzeuge (Focus online). Diese Entwicklung wird sicher nicht durch Verkehrsver-langsamung gestoppt werden können. Vielleicht durch die nächste „sinnvolle“ Vision einer autofreien Stadt, mit Parkplätzen außerhalb der Gemeindegrenze, wie dies in vielen kleinen Schweizer Kommunen längst Realität ist.
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