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Ein Schwabe, der Hollywood begründete

Warten auf die Führung im Cafe Schloss Großlaupheim
Fast ein Sommertag, zu schön um ins Museum zu gehen. 45 Seniorinnen und Se-nioren kutschierte ein Bus der Firma Eisele im Rahmen der traditionellen Kulturfahr-ten der Arbeitsgruppe 60Plus der Landsberger SPD, nach Schloss Großlaupheim.

Gleich zu Beginn der Führung erinnert ein Dokumentarfilm im Kino des Museums an den jüdischen Schwaben, der Hollywood erfand. Der deutsche Auswanderer Carl Laemmle gründete mit Universal die erste Filmstadt in Amerika. Laemmles Heimatort Laupheim, damals eine 8000-Seelen-Stadt, war zurzeit von Laemmles Geburt die größte jüdische Gemeinde Württembergs. Carl Laemmle, als Jude ge-boren, sah für sich dort keine Zukunft. Mit 17 bestieg er den Auswandererdampfer „Neckar“, lernte als Geschäftsführer einer Textilfirma in Wisconsin, wie man Ware gewinnbringend an den Kunden bringt. Mit 40 setzte er Beruf und Vermögen aufs Spiel und gründete einen Filmverleih. Bald besaß er 50 Kinos und produzierte Fil-me wie „Der Glöckner von Notre Dame“, „Das Phantom der Oper“ oder verfilmte den Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“, für den er den Oscar gewann. Als Begründer der Universal Pictures Corporation und von Universal City schuf er die größte und wichtigste Filmmetropole der Welt: Hollywood. Drei Jahrzehnte dauerte die Glückssträhne Laemmles, dann musste er die Universal City nach Verlusten verkaufen.

Der Rundgang durch das Museum zeigt vor dem Hintergrund der Geschichte des oberschwäbischen Landjudentums Beispiele geglückter und misslungener Integra-tion von christlicher Mehrheit und jüdischer Minderheit. Leben und Werke herausra-gender jüdischer Persönlichkeiten wie die des Hollywood-Pioniers Carl Laemmle oder des Jugendstilkünstlers Friedrich Adler werden exemplarisch dargestellt. Ein kleiner Spaziergang durch den Schlosspark führte die Gruppe auf den Judenberg zum jüdischen Friedhof. Gleich hinter dem Haupteingang befinden sich Gräber mit Grabsteinen von 1730. Die niedrigen Grabsteine haben archaische Formen mit halbrundem oder spitzigem Abschluss. Kein Stein soll den anderen überragen, treu gehorchend dem jüdischen Glaubensgrundsatz der Bescheidenheit. Unter anderen ist Samuel Obermauer, der Urgroßvater des Physikers Albert Einstein und Rebekka Laemmle, die Mutter von Carl Laemmle dort begraben. Mitte des 19. Jahrhundert wandelte sich die Grabsteinkultur hin zu zeitgenössischer Baukunst. Stilistisch rei-chen die Arbeiten vom Jugendstil über Expressionismus bis in die Moderne.

Die gesellige Runde unter Genossen durfte auch dieses Mal nicht fehlen. Nach ei-ner Stunde Fahrt, begleitet von untergehender Abendsonne und nachrückender Dunkelheit: ein Stopp in Kammlach. Ein deftiges Abendessen und ein Glas Bier im Gasthof "Zum Schwanen“ ließen den Kulturnachmittag harmonisch ausklingen. Kurz bevor der Bus Kaufering erreichte, erntete Werner Gutmann Riesenapplaus für die erstklassige Organisation des Ausflugs.
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