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Lesung von Herbert Regele beim Autorenkreis

Herbert Regele, Ehrenbürger der Stadt Landsberg, Träger der „Ehrenuhr“ (1980) und des „Goldenen Ehrenrings“ (1990) und mit der Stadt Landsberg auf vielfältige Weise verbunden, beging seinen 85. Geburtstag. Da war es für den Landsberger Autorenkreis, wie Organisator und Moderator Roland Greißl eingangs der Veranstaltung feststellte, natürlich eine Ehrensache, dem Jubilar eine eigene „Feierstunde“ (aus der schließlich drei wurden!) zu widmen.
Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Landsberg, Franz-Xaver Rössle, ging in seiner Laudatio vor allem auf die vielfältigen Aktivitäten und Verdienste Regeles ein: Leiter der Volkshochschule, Gründer der Arbeitsgemeinschaft Alpenländisches Singen und Musizieren, Verfasser der „Chronik der Stadt Landsberg“, schließlich Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft Landsberger Wälder“ und engagierter Naturschützer und Kämpfer gegen einen im Obereren Stadtwald geplanten Schießplatz und die Verschandelung des Lechwehrs durch ein unterirdisches Kraftwerk. Und nicht zuletzt Autor, der sich in seinen Texten wie kein anderer mit Landsberg beschäftigt.
Rössle apostrophierte Regele als Visionär, als Philosophen, als Dichter, der von tiefer Sympathie für diese „Stadt am Fluß“ durchdrungen ist, aber gerade deshalb die Schattenseiten einer dunklen Vergangenheit nicht vergisst und ihr mit kritischen Worten Ausdruck verleiht.
Dann kam Herbert Regele selbst zu Wort. Trotz seiner langen Erkrankung las er mit fester Stimme und gewohnter Hingabe und Emphase. Für viele der zahlreichen Zuhörer war die Auswahl aus seinen Büchern ein Wiedersehen mit alten Bekannten: „An Frieden für alle“
(aufwühlend die Szene von Petrus´ Verrat: „ A woachs Bröckerl bin i, a Loam, a Lettn, a Sumpfloch, aber koa Fels!“), „Erntedank“ (hier vor allem die kritischen Gedichte über die aufgeräumten, toten Fluren, die gesichtslosen Einheitsdörfer), „Tröster Tod“, „Stadt am Fluß“ – wer kannte sie nicht, die vielen Gedichte, die berührten, betroffen machten, zum Nachdenken anregten, Freude bereiteten oder einfach nur – schön waren.
Zwischendurch rezitierte auch Sohn Ulrich Regele (eindrucksvoll das Gespräch der Hirten und die Verkündigung des Engels), und seine Frau Gertraud las ein Kapitel aus ihrem schönen autobiographischen Roman „Unter meinem Regenbogen“.
Im zweiten Teil des Abends brachte Herbert Regele ungedruckte Texte und Gedichte zu Gehör. In seinem Werk „Ein Marienleben“ stellt er die „Gottesmutter“ in einen ungewohnten, geradezu häretisch anmutenden Kontext. Es war beeindruckend, mit welch expressiver Sprachkraft und Gefühlstiefe der Autor Schmerz, Zweifel, aber auch Glück und Freude der jungen Frau darstellte. Und zuletzt eine Sammlung von Gedichten über die „letzten Dinge“, Sein und Nichtsein, Zeit und Ewigkeit, Anfang und Ende: Hymnisch, wortgewaltig - ein Erlebnis.
Wie selbstverständlich war auch die musikalische Umrahmung in Familienhand: Das „Duo Traderne“ mit Enkelin Iris Regele (Klarinette) und Johannes Sift (Steirische Harmonika) erfreute mit seinen flotten bairischen und irischen Weisen die zahlreichen Zuhörer, die sich begeistert noch einige Zugaben erklatschten.
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