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Fährbetrieb nach 135-jähriger Pause wiederaufgenommen

gefunden auf TIP Verlag Lampertheim (Artikel lesen)

Lampertheim: LAMPERTHEIM - Es ist eine kleine Sensation, die da am Altrhein stattfindet. Nach nur drei Jahren intensiver Bemühungen haben Werner Reuters und Richard Hinz ihre Vision Wirklichkeit werden lassen und dafür gesorgt, dass der Fährverkehr zwischen der Spargel- und der Nibelungenstadt wieder aufgenommen wird. Zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober soll die Fähre "Frischling" zwischen dem Anleger "Alter Hafen" (Am Bau, schräg gegenüber Lessing-Gymnasium) und dem Anleger der Rhein-Neckar Schifffahrt (nähe Hagenbräu) wieder zirkulieren. An Samstagen und feiertags werden dann bis zu 40 Personen die rund einstündige Fahrt über den malerischen Altrhein antreten. Abfahrt am "Alten Hafen" ist um 15 Uhr. In Worms macht der "Frischling" um 16 Uhr die Leinen los und kehrt in die Spargelstadt zurück. Erwachsene zahlen 6 Euro, Kinder 4 Euro. Für Fahrräder und Hunde sind 2 Euro fällig.

Fährführer Werner Reuters ist die Freude bereits ins Gesicht geschrieben. "Im April wird die Tradition wieder aufleben", freut er sich und erzählt darüber, wie die Rheinbegradigung 1876 zur Auflösung des Fährrechts führte. Da ist Werner Reuters ganz in seinem Element. Drei Publikationen hat er bereits zu seinem Thema Nummer eins vorgelegt, auch in diesem Sommer wird er wieder an der VHS einen Vortrag zum Thema Fährbetrieb und Altrhein halten. Einige Klippen galt es im Vorfeld zu umschiffen: Für den Alten Hafen musste ein Steiger (Anleger) gefunden und herantransportiert werden. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Mannheim musste eine Abnahme durchführen. Auch für die Fähre musste eine Zulassung beantragt werden. Und schließlich musste noch die Fährstrecke abgenommen werden, was in letzte Woche erfolgte. Rund zwei Jahre hat Kapitän Werner Reuters übrigens in seinen Fährführerschein investiert. Letzten Montag hat er mit Erfolg das Rheinpatent Klasse F erworben.

"Die letzte Hürde ist, jetzt noch die Fährzeiten und Bedingungen am Alten Hafen anzubringen", schmunzelt Richard Hinz. Das passende Schild dazu steht jedenfalls schon bereit. Der Alte Hafen geht dank des Fährvereins nun nach 70-jähriger Unterbrechung wieder in Betrieb. Einige andere Hürden galt es in organisatorischer Hinsicht zu nehmen: Die Fähre, eine "Dauerleihgabe" der Stadt Ebersbach, musste organisiert werden. Der Technologiepark, ein Unternehmen von Richard Hinz, das offiziell für den Fährbetrieb zuständig ist, trägt die Unterhaltskosten für die Fähre und sorgt für deren symbolträchtigen Einsatz beim Kuckucksmarkt. Das war eine Bedingung der Ebersbacher, gilt der traditionelle Betrieb der Fähre dort doch als symbolträchtiges "Politikum". Während der fünf Festtage nutzen mehr als 20.000 Besucher die 12 Meter lange Fähre. Eine passende Anlegestelle in Worms musste ebenfalls ausfindig gemacht werden. Lange Zeit sah es so aus, als ob der "Frischling" im Winterhafen am "Fürst" anlegen würde. Sogar einige Testfahrten zur ehemaligen Rheinbadeanstalt waren unternommen worden und mit Inhaber Rudolf Strupp man war sich bereits handelseinig.

Die Havarie in der Silvesternacht hat diese Hoffnung aber untergehen lassen. Umso besser, dass das Unternehmen RNF-Schifffahrt doch als Partner gewonnen werden konnte und seine Anlegestelle an der Rheinpromenade zur Verfügung stellt. Im Gegenzug will das Unternehmen den Steiger im Alten Hafen in Lampertheim nutzen um eine romantische Altrheinroute in ihr Programm aufzunehmen. Und wie beurteilen Richard Hinz und Werner Reuters die Erfolgsaussichten? "Wir waren uns nie sicher, ob es jemals zum Fährbetrieb kommt", macht Richard klar. "Den Ehrgeiz hatten wir aber immer." Ob das Projekt kostendeckend zu realisieren sein wird, ist aber noch ungewiss. "Wir müssen mindestens 50 Fahrten im Jahr mit 20 Personen an Bord durchführen, damit wir in die schwarzen Zahlen kommen", rechnet Werner Reuters vor. "Da hängt natürlich sehr viel vom Wetter ab", ergänzt er nachdenklich. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit wähnen sich der Fährverein, bzw. das Schifffahrtsbüro im Erdgeschoss des Technologieparks in der Biedensandstraße 56 gut aufgestellt.

Von hier aus werden Fahrten geplant, Informationen erteilt und die Tickets verkauft. Der Kontakt zu "cultur communal” ist nicht nur durch das Event Jazz am Althrein sehr gut, das in diesem Jahr in die dritte Runde gehen wird. Man pflegt auch seine Kontakte zu vielen Vereinen in der Region und will auch ein Abkommen mit dem ADFC treffen. Sonderfahrten für Wander- und Radfahrvereine und Ausflüge dürften nämlich ein wichtiges Standbein der neuen Fährverbindung darstellen. "Eine Goldgrube ist das hier natürlich nicht", erklärt Richard Hinz. "Rein aus unternehmerischen Aspekten dürfte man ein solches Projekt gar nicht erst angehen". Werner Reuters ergänzt: "Es geht in der ersten Linie um die Tradition". Dank eines Tiefgangs von lediglich 60 cm hat Kapitän Reuters keine Bedenken wegen des wasserarmen Altrheins. "Nur bei extremen Tiefwasser sind Fahrten unmöglich. Die Chancen stehen gut, dass wir das ganze Jahr durchfahren können." In Kürze sollen weitere Informationen auch auf der Homepage des Fährvereins unter www.fvnl-la.de zu finden sein.

Kontakt zum Schifffahrtsbüro gibt es unter Telefon 06206-950281. Dort informiert Werner Reuters auch alle Interessenten gerne zum Thema "Fährführerschein".

Kai Mühleck


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