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Der Vita-Parcours von Atzbach

Infostation zum Waldlehrpfad
 
Beginn vom Vita-Parcours bei Atzbach
  Lahnau: Vita-Parcours | Der kleine Ort Atzbach in der Nähe von Gießen verfügt noch über einen alten Vita-Parcours. Am 3. Oktober 2018 waren jedoch nur noch acht der einst zwanzig Trimmstationen verhanden. Eine ausreichende Zahl von Wegweisern erlaubte es aber, dem Verlauf des Trimmpfads zu folgen.

Um zum Vita-Parcours zu kommen, folgt man zunächst der am Ortsrand beginnenden Straße "Waldweg", welcher im Tal des Schwalbenbachs verläuft. Dabei kommt man auch einer Infotafel vorbei, welche über Nordic Walking informiert und die ausgeschilderten Laufstrecken zeigt. Ein Stück dahinter erstreckt sich Wald bis an die Straße. Hinter dem Wald geht nach rechts ein Abzweig kräftig den Berg hinauf. Am Ende dieses ebenfalls asphaltierten Weges befindet sich der Waldparkplatz, an welchem der Vita-Parcours beginnt.

Während für den hier ebenfalls vorhandenen Naturlehrpfad eine auffällige Tafel am Rande des Parkplatzes aufgestellt wurde, weist auf den Trimmpfad nur ein blauer Wegweiser mittlerer Größe hin. Zwischen Buchen und Eichen geht es auf einem breiten Weg zunächst leicht bergauf. An diesem Wegeabschnitt finden sich noch die Übungsstationen 1,2,3 und 5, an welchen sich keine Geräte befinden.

Hinter Station 5 weist ein von einem Vita-Parcours-Wegweiser abgeschnittener Pfeil nach links auf einen gut ausgebauten Wirtschaftsweg. Der folgende Wegeabschnitt folgt ein Stück dem geradlinig und bergauf verlaufenden Weg. Am Wagesrand befinden sich rechts Informationstafeln zu verschiedenen Baumarten. Auf der linken Seite stehen ein Wegweiser mit der Laufanweisung "Laufen mit Knieheben und Anfersen im Wechsel" und die Übungsstation 7, welche ungefähr in der Mitte dieses Streckenabschnitts liegt.

Nach dem Verlassen des Hauptwegs trifft der Besucher auf die erste Übungsstation mit Gerät: Drei Stangen zwischen drei Holzpfosten sollen für Klimmzüge genutzt werden. An einem der Pfosten befindet sich das Schild mit der Übung. Von dem Schild wurde unten ein Stück abgeschnitten. Das Gerät ist eine selbst gebastelte Konstruktion, wie es für viele Vita-Parcours typisch war.

An einem stark abwärts führenden Wegeabschnitt steht Station 10, welche sehr hoch ist. An den zwischen vier Pfosten aufgehängten Stangen hingen ursprünglich vier Paare mit Ringen zum Rumpfkreisen, von denen eines fehlt. Das Schild mit der Übungsanweisung wurde auch hier an einem der Pfosten montiert und ist noch in sehr gutem Zustand.

Hinter Station 11 geht es steil abwärts, bis der Trimmpfad nach rechts auf einen Wirtschaftsweg abbiegt. Hier finden sich nur noch Wegweiser, wobei sich immerhin einer mit der Laufanweisung "Gehen mit Beinspreizen rückwärts" darunter befindet.

An einer Wegekreuzung wird in einer Kurve ein Bachtal überquert. Nun führt der Trimmpfad entlang des Bachtals auf einem schmalen Pfad. An diesem Pfad findet sich links eine Steintreppe, welche wohl früher Teil des Trimmpfads war. Inzwischen ist sie zugewachsen, da die Besucher wohl vorzugsweise einen Pfad neben der Treppe genutzt haben.

Nach einem weiteren Stück auf dem Pfad kommt man an die letzte verbliebene Übungsstation. Zur Übung 15 gehört ein Gerät, welches aus Eisenrohren zusammengeschraubt wurde. Hinter der Übungsstation geht es wieder abwärts bis zum vorher schon genutzten Wirtschaftsweg.

Auf der anderen Seite des Weges ist ein großer Platz mit Sitzgelegenheiten, einem Becken zum Wassertreten, einem Insektenhotel und Infos zu Vogelarten. Auf einem Stück von einem früheren Stationsschild wird nun das Ende des Vita-Parcours verkündet. Ein handgeschriebenes Schild und ein Pfeil zeigen den Weg zum Waldparkplatz.

Geschichte
Der Vita-Parcours wurde vom Verein "Natur- und Vogelfreunde Atzbach e.V." angelegt. In einer Sammlung von Radtouren rund um Gießen findet sich im Text zu Tour 9 (Über den Königsstuhl zur Dicken Eiche) eine sehr ausführliche Beschreibung zur Geschichte des Trimmpfads, welche von den Natur- und Vogelfreunden verfasst wurde:
Der Trimmpfad mit Tretbecken wurde von uns 1971/72 gebaut. Er hat eine Länge von ca. 2,5 km. Der Verlauf ist ausgeschildert und beginnt am Atzbacher Waldparkplatz. Unser Ziel war, die von vielen gewünschte sportliche Betätigung auf einen bestimmten Bereich zu beschränken und somit Ruhezonen im Wald zu erhalten.
Immer wieder mussten Stationen und Hinweisschilder, teils durch Verschleiß, aber verstärkt aufgrund mutwilliger Zerstörung, erneuert werden. 1990 hat uns die VlTA Versicherung Zürich noch einmal einen Satz Schilder zur Verfügung gestellt und dabei mitgeteilt, dass sie sich aus der Förderung der Parcours in Deutschland zurückzieht. In Zukunft müssen die Schilder auf eigene Rechnung beschafft werden.
Leider sind seit vier Jahren alle Schilder aufgebraucht. Mittlerweile sind diese nicht mehr zu beschaffen, da die Herstellerfirma die Produktion eingestellt hat. Zudem hat sich durch Umfragen bei Ortsvereinsversammlungen und in der Bevölkerung herausgestellt, dass der Trimmpfad in seiner früheren Form nur noch wenig genutzt wird. Der Trend liegt zurzeit bei reinen Lauftreffs und dem Nordic-Walking. Daher hat unser Verein beschlossen, defekte Stationen aufzulösen, aber den Trimmpfad als Laufstrecke zu erhalten.


Darüber hinaus finden sich auf der Internetseite der Natur- und Vogelfreunde noch folgende Angaben:
Die Renovierung des Wassertretbeckens geschah in den Jahren 1986 und 2008.
Eine Grundüberholung des Waldsportpfades wurde 1993 durchgeführt. 1994 vollendete die Gemeinde Lahnau die Arbeiten, die von uns mangels Geräten nicht durchgeführt werden konnten.


Damit weist der Vita-Parcours von Atzbach zumindest eine Besonderheit auf - es sollte nicht sehr viele Trimmpfade geben, welche von einem Verein für Vogelkunde angelegt wurden. In der Regel dürften Sportvereine und Gemeinden die Vita-Parcours angelegt haben.

Es ist schön, dass durch kreative Verwertung der vorhandenen Materialien zumindest der Verlauf des Trimmpfads noch zu erkennen ist. Leider ist abzusehen, dass auch die verbliebenen Schilder nicht beliebig lange erhalten bleiben. Ungünstig ist, dass sie nicht wie üblich auf Bretter passender Größe geschraubt wurden. Dadurch können sie leichter zerbrochen werden. Außerdem können auch die kleineren Wegweiser durch Einwachsen der Schrauben so stark unter Spannung gesetzt werden, dass sie sich verbiegen und schließlich brechen.

Auch wenn der Vita-Parcours nur noch über einen Teil der früheren Ausstattung verfügt, lohnt sich ein Besuch wegen der abwechslungsreichen Wegeführung und der individuell konstruierten Geräte.

Links:
Aufbau eines Vita-Parcours: https://www.myheimat.de/stadtallendorf/sport/aufba...
Gießen radelt - Tour 9: https://giessen-radelt.weebly.com/tour-9-koumlnigs...
https://www.natur-und-vogelfreunde-atzbach.de/
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