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Weihnachten, wo bist Du

oder die Wünschelrute

und was Reinhard Mey damit zu tun hat

eine Wünschelrute hat die Form eines Y, ist aus Draht oder Holz, man kennt sie auf der ganzen Welt, und sie kann, lt. Mythologie, bei richtiger Handhabung unsere Wünsche erfüllen, sie könnte uns vielleicht helfen, etwas zu finden, was verloren gegangen ist, oder uns den Weg zeigen, wie wir ein schönes Ziel erreichen können,

und so eine Rute wünsche ich mir,

so in etwa sagte es mir die Bewohnerin eines Pflegeheims, als das Gespräch auf Wünsche kam, und da Weihnachten ganz nahe war, war das nur logisch, irgendwie kam dann die Wünschelrute ins Spiel,

wir saßen mit anderen Bewohnern in einem weihnachtlich geschmückten Raum des Heimes , bei einer Weihnachtsfeier , die unter der sanften Regie der Heimleitung zu einem besinnlich schönen Nachmittag wurde,

verschiedentlich waren Freunde oder Verwandtschaft gekommen, ein Kuchenbuffet war aufgebaut, und ein Kirchenchor war zu Gast, den ich, wohl konfessionsbedingt zum ersten Mal hörte, und der mit klaren, den Liedern angepassten Stimmen, sehr gut ankam
es kam ein bisschen wehmütige doch letztlich gute Laune auf, in einem Haus in dem die Bewohner und Mitarbeiter eher mit Problemen wie Einsamkeit, Krankheit und Verzweiflung zu tun haben, doch heute herrschte die Atmosphäre, wie sie Weihnachten üblich ist,

und wie sie Joachim Ringelnatz treffend beschrieb, als er sagte,

Weihnachten ist der Heiland geboren, und wir sind eher traurig,
Ostern sind wir fröhlich, und er war grad gestorben,

und unsere Tischnachbarin schaute auf den Tannenbaum hing ihren Gedanken nach
und seufzte ein wenig,
Weihnachten im Heim ist nun mal nicht Weihnachten wie früher, die Wünsche werden bescheiden, aber sie sind noch da, und meist geht es um Erinnerungen an vergangene Jahre, in denen man so gern wieder wäre,

mit einem Klick die Zeit zurückholen, wie schön wäre das, sie wäre zu Hause, schmückte den eigenen Tannenbaum, an dem manchmal die elektrischen Kerzen nicht leuchteten, weil eine Birne die Sommerzeit im Karton nicht überlebt hatte, was man ja schon Anfang Dezember überprüfen wollte, und natürlich nicht dazu kam, aber letztlich klappte doch alles, und es war jedes Jahr der schönste Baum, den man je hatte,

und es gab nicht so viele Unglücksmeldungen im Fernsehen wie heute,

sie hätte wieder ihr großes Radio, mit einem eingebauten Plattenspieler, mit drei Geschwindigkeiten, wie sie betonte, da klappte man das Oberteil auf, legte eine Platte ein, und es klang immer wunderbar, sagte sie, so wie die Musik im Hintergrund jetzt auch, doch an ein Lied müsse sie jetzt öfter denken, kein Weihnachtslied, sondern "viertel vor sieben", von Reinhard Mey aus dem Jahr 1998, das allerdings hatte sie nicht als Schallplatte, aber auf Cassette, und später auf CD,

ja, damals konnte sie auch noch alles selbst machen, vor allem selbst kochen, für ihren Mann, für sich, und für ihren Liebling sorgen, für Paul, ihren Kater,

das alles sollte ihr die Wünschelrute wieder bringen,

und auf einem Weihnachtsfest wie heute an einem Freitag hätte sie vor 64 Jahren, als sie 17 war, ihren Mann kennen gelernt, und fügte lächelnd hinzu, ja, und die alten Freunde wiedersehen, das wäre schön,
sie zuckte die Schulter, ja, sagte sie, Weihnachten wo bist Du

denn Weihnachten ist das Fest des Wiedersehens, mit allem Stress, der manchmal, aber nicht immer, damit verbunden ist,

in diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen, und trotz allem, eine schöne Weihnacht, und das sich die Menschen wiedersehen, die sich das wünschen,

und wenn es sich nur einer wünscht, jemand sagt:
"warum denn eigentlich nicht"

wenn es denn irgendwie machbar ist, sich wieder in die Arme zu schließen,
und sei es, nur um zu sagen: "es ist so schön, dich wiederzusehen"

vielleicht im Sinne von Reinhard Mey

"ich wünschte, es wär nochmal viertel vor sieben,
und ich hielt es vor Glück nicht mehr aus
und ich wünschte,
es wär wieder viertel vor sieben
und ich wünschte
ich wäre zu Haus"

vielleicht, um noch einmal eine Zeit, einen Tag zu erleben, der wunderschön war,
oder um ihn besser zu machen, als damals

Gerd Szallies

https://www.youtube.com/watch?v=QQqICrfdGhs
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8 Kommentare
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Romi Romberg aus Berlin | 23.12.2016 | 15:20  
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Romi Romberg aus Berlin | 23.12.2016 | 15:22  
57.006
Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 24.12.2016 | 04:28  
1.257
Christel Löhle aus Wedemark | 24.12.2016 | 12:12  
7.231
Barbara S. aus Ebsdorfergrund | 24.12.2016 | 15:57  
2.140
Silke Dokter aus Erfurt | 26.12.2016 | 21:59  
3.048
Gerd Szallies aus Laatzen | 27.12.2016 | 19:37  
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Gerd Szallies aus Laatzen | 27.12.2016 | 20:01  
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