Helen-Keller-Schule: „Mein Körper ist mein Freund“

Wann? 15.01.2010

Wo? Helen-Keller-Schule, Sonderpädagogisches Förderzentrum Dinkelscherben, Kohlstattstraße 2a, 86424 Dinkelscherben DEAuf Google Maps anzeigen
  Dinkelscherben: Helen-Keller-Schule, Sonderpädagogisches Förderzentrum Dinkelscherben | Unter diesem Motto stand ein präventives Theaterprojekt des Diedorfer Spielwerk-Theaters EUKITEA (Kenner des Altgriechischen brauchen sich hier nicht den Kopf zu zerbrechen – EUKITEA steht für „Europäisches Kinder- und Jugendtheater) in Kooperation mit dem Forschungsprojekt FENESTRA der Kath. Stiftungshochschule München.
Am 1. Projekttag stand eine Fortbildungsveranstaltung für die Lehrer der Klassen 1 – 6 des Förderzentrums auf dem Programm. Fachkundig geleitet von Christine Klein, die als Dipl.Sozialpädagogin wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule ist, wurden die Lehrer auf den weiteren Verlauf vorbereitet und grundlegendes Fachwissen zum Thema „Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ vermittelt. Auch für den Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten bei Verdacht auf sexueller Gewalt wurden die Telnehmer sensibilisiert und mit entsprechenden Literaturhinweisen versorgt. In ihrem Vortrag betonte die Referentin die für die Jugendarbeit unverzichtbare Zusammenarbeit mit relevanten Institutionen, sei es das Jugendamt, Schulen oder Kindergärten: „ Erwachsene müssen bei der Prävention die Initiative ergreifen, da Kinder von sich aus nur selten von Übergriffen berichten.“ In der Diskussion mit den Lehrkräften wurde die Bedeutung individueller Hilfen hervorgehoben und Diskretion im Umgang mit der Problematik angemahnt.
Im zweiten Teil erhielten im Rahmen eines allgemeinen Elternabends, zu dem Sonderschulrektor Marvin Fogelstaller auch den pädagogischen Leiter des Kreisjugendamts Hannes Neumeier und die Vorsitzende des Elterbeirats Sabine Wirtz begrüßen konnte, zahlreiche interessierte Eltern die Gelegenheit, das Theaterstück kennen zu lernen und den Akteuren Fragen zu stellen.
Am 2. Projekttag standen die Kinder im Mittelpunkt. Nach der Aufführung des Stücks, das viele Elemente eines Musicals enthielt, wurde den Schülern (nach Geschlechtern getrennt) die Chance geboten mit ihren Lehrern die Thematik zu vertiefen und Erfahrungen auszutauschen.
Zum Inhalt des Stücks: Mit Fred Brunner (musikalischer Leiter) und den Akteuren Sarah Hieber und Michael Gleich bewiesen die Vollblutmimen mit großem Engagement und Einfühlungsvermögen, dass auch schwierige Sachverhalte inspiriert und unaufdringlich mit wenig Aufwand an Requisiten in unterhaltsamer Weise sowohl einem erwachsenen als auch einem jüngeren Publikum nahe gebracht werden können.
Zwei Kinder (Lea und Sven) beschäftigen sich spielerisch – dazu gehören auch kindlich-naive „Doktorspiele“ mit ihren Körpern. Dabei schlüpfen sie in verschiedene Rollen: So kann Svens Freund Peter Annäherungsversuche eines Sporttrainers mit einem entschiedenen „Stopp! Nein!“ erfolgreich abwehren. Das „Nein“, aus einem Bauchgefühl kommend, zieht sich als roter Faden durch die Szenenfolge. Auch in der Schule und in der Familie sind die Kinder Anzüglichkeiten ausgesetzt. In Leas Geschichte wird im Rotkäppchenmärchen die Parabel vom Wolf als Verführer in Gestalt eines Herrn Schmidt (Allerweltsname für einen Allerweltstäter!), der sich Zutritt zu Leas Wohnung verschaffen will, bemüht. Mit Hilfe ihres Teddybären Jakob, dem sie menschliche Züge verleiht, kann sie sich aus der Affäre ziehen. Allerdings beklagt sich Lea in der Beschreibung eines typischen Familienlebens, dass Eltern oft nicht zuhören. Sie fordert mehr Aufmerksamkeit ein.
In Susis bedrückender Begegnung mit Onkel Franz, der es auf körperliche Kontakte abgesehen hat, wird verdeutlicht, dass die Mehrzahl der Missbrauchsfälle im engeren Familienkreis passieren. Der Onkel fordert Verschwiegenheit über seine Aufdringlichkeiten ein und Lea bewahrt zunächst das „schlechte“ Geheimnis. Nächtliche Albträume, in denen die Täter wie schon in den einzelnen Szenen mit Gesichtsmasken auftreten (um die Zufälligkeit und Beliebigkeit der Täterschaft zu illustrieren), führen dazu, dass Susi sich schließlich ihren Eltern offenbart. Fazit: Kinder brauchen zuverlässige Ansprechpartner, denen sie vertrauen können!
Mit gemischten Gefühlen, von Heiterkeit bis zu Betroffenheit, hatten die jungen und erwachsenen Zuschauer die Aufführung verfolgt. Anhaltender Applaus zeigte, dass es den Akteuren gelungen war, Emotionen und Nachdenklichkeit zu wecken. Nach der Vorstellung wies Hannes Neumeier auf den Kinderschutzbund als Adressat bei Verdacht auf Kindesmissbrauch hin. Auch die Dinkelscherbener Familienstation sei ein kompetenter Ansprechpartner.
Fragen aus dem Publikum beendeten das von Sonderschuloberlehrerin Roswitha Malik initiierte Projekt, das breite Zustimmung bei allen Beteiligten hervorgerufen hatte.


M. Fischer
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Stadtmagazin krumbacher | Erschienen am 05.02.2010
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