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Eigenen Wasserzähler testen

Im Gandersheimer Kreisblatt wurde vor einiger Zeit in einem Leserbrief geklagt, dass der Wasserzähler jahrelang falsche – zu hohe – Werte angezeigt habe. In jenem Leserbrief ging es um die Differenz zwischen Hauptzähler und mehreren Unterzählern in den Wohnungen. Am 10. Juni 2011 brachte daraufhin das Gandersheimer Kreisblatt einen redaktionellen Beitrag über die Stellungnahme der Stadt Bad Gandersheim als Wasserversorger. Hierbei wurden auch die Auskünfte des Wasserzählerherstellers Zenner dargestellt.
Das Gandersheimer Kreisblatt berichtete aus einer „Schrift der Firma Zenner“, dort stehe, bezogen auf den vom Versorger eingebauten Wasserzähler:
Der Zähler misst ab einer Durchflussmenge von sieben Litern pro Stunde.
Es gilt die „zugestandene Messtoleranz“ von zwei bis fünf Prozent.
Messabweichungen ergeben sich (auch) aus der „Einbaulage“: Wasserdurchfluss waagerecht oder senkrecht, waagerecht ergibt einen höheren Messwert. - Versorger bauen ihre Messgeräte stets waagerecht ein.
Messgeräte, und ein Wasserzähler ist ja nur ein Messgerät, haben immer einen untersten Wert, bevor sie überhaupt ansprechen (Empfindlichkeit) und zeigen im Übrigen immer in einem Bereich um den exakten Wert an (Messtoleranz). Wie hoch der Wert der Empfindlichkeit ist und wie groß die Toleranz ist, ist von der Bauart abhängig. Bisweilen gibt es auch gesetzliche Vorschriften, dass ein bestimmter Wert nicht über- oder unterschritten werden darf. Der Tacho im Auto darf nur einen höheren, niemals aber einen geringeren Wert als die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit anzeigen, daher haben die Tacho alle einen „Vorlauf“. Der Messfehler ist übrigens meist von der Größe des Messwertes abhängig, deshalb wird der Messfehler (Toleranz) auch in einem Prozentsatz des Messwertes angegeben.
Unser Wasserzähler zeigt die deutlich sichtbaren Ziffern, die geben den Verbrauch in vollen Kubikmetern an. Das kleine Zahnrad zeigt an, ob überhaupt etwas gemessen wird. Steht es still, fließt kein Wasser oder so wenig, dass der Wasserzähler nicht anspricht. Mit diesem Zahnrad kann man die Empfindlichkeit des Wasserzählers erkennen. Dann haben wir dort vier kleine „Uhren“ mit einem Zifferblatt jeweils von 0 bis 9 mit Teilstrichen dazwischen. Diese „Uhren“ tragen jeweils eine Überschrift:
„x 0,1“ diese „Uhr“ misst in Zehntel Kubikmetern, jeder Teilwert sind 100 Liter, ein voller Zeigerumlauf sind 1 Kubikmeter.
„x 0,01“ diese „Uhr“ misst in hundertstel Kubikmetern, jeder Teilwert sind 10 Liter, ein voller Zeigerumlauf sind 100 Liter oder 0,1 Kubikmeter.
„x 0,001“ diese „Uhr“ misst in tausendstel Kubikmetern, jeder Teilwert sind 1 Liter, ein voller Zeigerumlauf sind 10 Liter oder 0,01 Kubikmeter.
„x 0,0001“ diese „Uhr“ misst in zehntausendstel Kubikmetern, jeder Teilwert sind 0,1 Liter, ein voller Zeigerumlauf sind 1 Liter oder 0,001 Kubikmeter. Wenn der Zeiger dieser den kleinsten Wert anzeigenden „Uhr“ einmal umgelaufen ist, hat sich der Zeiger der nächst höheren „Uhr“ (Bezeichnung: „x 0,001“) genau um einen Teilwert weiter bewegt.
Soweit die Theorie, jetzt zur Praxis. Wir brauchen die „Uhr“ mit der Bezeichnung „x 0,0001“ bei deren vollständigem Zeigerumlauf also ein Liter durchgeflossen sein muss. Wer sich nicht sicher ist, welche „Uhr“ die richtige ist: irgendeinen Hahn leicht aufdrehen und den Wasserzähler beobachten, die „Uhr“, deren Zeiger sich am schnellsten dreht, ist die richtige. Und jetzt beginnt unser Test.
Das kleine Zahnrad steht still, wenn nicht, alle Wasserzapfstellen kontrollieren. Das Zahnrad sollte bei Testbeginn still stehen. Jetzt unsere ausgesuchte „Uhr“ ablesen, sie mag zum Beispiel auf „5“ stehen. Wert aufschreiben! Nun füllen wir genau einen Liter Wasser ab – bitte genau messen, Messbecher aus der Küche reicht aus (den Messzylinder aus dem Chemielabor brauchen wir nicht). Zurück zum Wasserzähler. Das kleine Zahnrad sollte wieder still stehen. Den Zeiger auf der betrachteten „Uhr“ ablesen und aufschreiben. Steht der Zeiger dieser „Uhr“ jetzt genau auf dem gleichen Wert, in unserem Beispiel auf der „5“, wie beim Beginn unserer Messung, dann hat der Zähler richtig gezählt. Steht der Zeiger vor dem Ausgangswert, zum Beispiel auf der „4,5“, dann wurde weniger als der tatsächliche Verbrauch gemessen, der Wasserzähler hat einen Nachlauf. In unserem Zahlenbeispiel (Beginn: „5“, Ende: „4,5“) sind dies 5 Prozent. Steht der Zeiger aber hinter dem Ausgangswert, zum Beispiel auf der „6“, dann hat dieser Zähler einen Vorlauf und zeigt einen zu hohen Verbrauch an. In unserem Zahlenbeispiel (Beginn: „5“, Ende: „6“) sind dies 10 Prozent. Das war die ganze praktische Arbeit zur Kontrolle der Messgenauigkeit des Wasserzählers. Um nicht auf eigene Messfehler hereinzufallen, den Versuch mehrmals durchführen, noch besser mit einer zehnfach größeren Wassermenge wiederholen – Wissenschaftler machen es auch nicht anders.
Und jetzt geht es ums Geld. Der Versorger setzt zur Messung des zu bezahlenden Verbrauchs nur seine Messgeräte ein, alle anderen hat er verboten. Der Versorger kennt die Kennzahlen seiner Messgeräte genau, er kennt auch das Problem der Messtoleranz. Der Versorger weiß also, dass der Abnehmer/Kunde wegen des Vorlaufs für nicht gelieferte Ware zahlen soll und muss, und er lässt dies geschehen, obwohl es für ihn ein Leichtes wäre, diesen Zustand zu ändern. Der Kunde kann nur seinen Verbrauch einschränken: Regenwasser, mindestens für den Garten; Wasser mehrfach nutzen: die Toilettenspülung braucht kein keimfreies Trinkwasser, das Duschwasser tut es auch.

23.06.2011
Hermann Müller
Bentieröder Bruch 8
OT Bentierode
D-37547 Kreiensen


Ein Beitrag für das „Gandersheimer Kreisblatt“; Abdruck: 23.06.2011
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