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Bankbetrug, Teil 11 – Eigenkapitalverzinsung, Eigenkapitalunterlegung, Sicherheit einer Bank

Die Sache mit der Eigenkapitalverzinsung
Sie tragen Ihr eigenes Geld zur Bank und bekommen, wenn Sie gut verhandelt haben, dafür 2,5 Prozent Zinsen – und dann lesen Sie, dass der Chef der Deutschen Bank eine Eigenkapitalverzinsung von 25 Prozent als selbstverständlich mindestens zu erwirtschaftendes Ziel für seine Bank vorgibt. Welch ein Unterschied! Welch eine Ungerechtigkeit! Aber Vorsicht.
Die Bank arbeitet mit viel Fremdgeld. Der Anteil ihres eigenen Geldes, ihr Eigenkapital, ist bestenfalls 10 Prozent meistens aber deutlich weniger. Noch einmal: von jeweils 100 Euro der Bankbilanzsumme sind lediglich 10 Euro eigenes Geld.
Die Bank mag nun auf ihr gesamtes Vermögen (= Bilanzsumme) – in unserem Beispiel 100 Euro – einen durchschnittlichen Zinsertrag von 2,5 Prozent erwirtschaften. Dann sind diese erwirtschafteten 2,5 Prozent – im Beispiel 2,50 Euro – bezogen auf das Eigenkapital – im Beispiel 10 Euro – 25 Prozent! Die große Bank ist also nicht besser als Sie armes Würstchen. Die Prozentspielerei verzerrt nur das Bild, wenn man nicht auf die Basis der Berechnung achtet.
Will nun die Bank die Eigenkapitalverzinsung steigern, dann kann sie es – bei sonst unveränderten Bedingungen – durch Senkung des Eigenkapitalanteils. Sinkt der Eigenkapitalanteil zum Beispiel von 10 Prozent auf 8 Prozent, dann bedeutet das in unserem Beispiel, dass die Eigenkapitalverzinsung auf 31,25 Prozent steigt. Und darum wollen die Banken mit möglichst wenig Eigenkapital arbeiten, und wehren sich so sehr gegen eine gesetzlich vorgegebene Erhöhung der Eigenkapitalunterlegung.
Alles klar? Nein? Noch einmal, hier ein Beispiel:
Bankbilanz: 500 (Millionen)
Eigenkapital: 50 (Millionen)
Erwirtschaftete Gesamtverzinsung: 2,5 Prozent, bezogen auf 500 (Millionen) sind das (500 [Millionen] * 0,025 =) 12,5 (Millionen) Ertrag. Aber bezogen auf das eingesetzte Eigenkapital von 50 (Millionen) sind diese 12,5 (Millionen) dann ((12,5 [Millionen]*100) / 50 [Millionen] =) 25 Prozent!
Bei der Prozentrechnung kommt es immer auf die Basis an, was ist in der Rechnung 100 Prozent?
Warum nun die große Deutsche Bank – und alle anderen Banken sind nicht besser – nur eine so mickerige Gesamtverzinsung des insgesamt eingesetzten Kapitals erreicht, wird uns an anderer Stelle noch einmal beschäftigen.

Die Sache mit der Eigenkapitalunterlegung
Sie wollen ein Haus bauen, Sie denken sich was aus, nichts Besonderes, soll ja auch nur 1.000.000 Euro kosten. Ein bisschen Geld haben Sie ja, also auf zur Bank, die soll den lumpigen Rest geben. Dort erzählen Sie dann treuherzig, 50.000 Euro hätten Sie ja – die weiteren 950.000 soll die Bank geben. Und was sagt die Bank? Sie rät Ihnen, es doch erstmal mit einer Laube für 100.000 oder maximal 150.000 Euro zu versuchen. Also weniger höflich gesagt: Ihr Eigenkapital reicht nicht. Von Ihnen für Ihren Hausbau verlangt die Bank einen Eigenkapitalanteil von 30 bis 40 Prozent. Und diese 30 bis 40 Prozent sind Ihre höchstpersönliche Eigenkapitalunterlegung für Ihr Bauvorhaben.
Warum handelt die Bank so? Nun, es könnte doch sein, dass Sie zahlungsunfähig werden und dann möchte die Bank aus dem Verkauf Ihres Hauses ihre Darlehensforderung sich daraus sichern können. Wenn die Bank Ihnen also nur 60 Prozent der Hauskosten (einschließlich Grundstück) gibt, dann kann sie im Fall des Falles auch mit einem Verkaufspreis von 65 Prozent des Wertes des Hauses noch ihre Forderung abdecken. Die möglichen Verluste tragen Sie allein. So sieht das also aus – für Sie.
Ganz anders bei der Bank. Die hat nämlich eine Eigenkapitalunterlegung von 5 Prozent oder weniger und damit gilt sie als nicht besonders sicher. Bei 6 Prozent aber gilt sie bereits als krisenfest, und mit 7 oder 8 Prozent steigt sie in die Oberklasse auf.
Das aber besagt nichts anderes, als dass die Bank pleite ist, wenn sie diese 5 oder 6 oder 8 Prozent ihrer Bilanzsumme verliert, weil dann ihr Eigenkapital aufgebraucht ist. - Und weil die Banken dies so genau wissen, misstrauen sie sich in der eben gehabten Krise und geben einander keine Kredite, so kann die Bankenkrise überhaupt erst entstehen. Und weil nun alle Banken auf einmal auf die Idee kommen, ihren Eigenkapitalanteil zu erhöhen, knausern sie mit Krediten an die Wirtschaft und lösen so die Kreditklemme aus.
Gemessen an dem Eigenkapital, das die Banken als Voraussetzung für einen Kredit von Ihnen oder allen Privatpersonen aber auch den Unternehmen, vom Handwerkermeister bis zum Industriegiganten, verlangen, ist jede Bank unterkapitalisiert und damit kreditunwürdig. Und weil das so ist, gehen Banken so schön pleite – oder müssen vom Staat mit vielen Milliarden gestützt werden, um noch größere Schäden abzuwenden. Und das wird auch so bleiben, solange andere den Banken die Schulden und Verluste bezahlen. Sie, der Sie dies gerade lesen, sollen zahlen und Ihr Vermögen, dass Sie leichtsinnig der Bank als Einlage übergeben haben, auf diese Art verlieren.
So ist das mit der Sache der Kapitalunterlegung bei den Banken.
Übrigens: Nur Banken dürfen Geld bei der Bundesbank deponieren. Einige große Unternehmen möchten das auch gern – wenigstens über Nacht -, weil ihnen die Banken zu unsicher sind, die Bundesbank lehnt das bisher aber ab. Nun versuchen es manche Unternehmen anders: sie gründen eine Bank. Nur wir armen Wichte sollen auch weiter unser Geld zur Bank tragen und dürfen hoffen, es mal wieder zusehen.

Sicherheit einer Bank
Wir sahen, dass die Banken unterkapitalisiert sind. Der Anteil des Eigenkapitals an der Bankbilanz liegt zwischen 5 und 10 Prozent. Wenn dieses Eigenkapital verloren geht, ist die Bank pleite – und daran muss die Bank nicht einmal immer selbst schuld sein.
Ein Beispiel. Die Bank habe eben diese 10 Prozent an Eigenkapital. Weitere 50 Prozent hat sie in angeblich völlig sicheren Bundesanleihen angelegt. Der Zinssatz dieser Bundesanleihen mag 2 Prozent sein, die Laufzeit 10 Jahre. Alles solide, sicher nicht besonders zweckmäßig, aber legal und eben solide.
Nun steigt der Zins am Kapitalmarkt (Ursache: Entscheidung der unabhängigen EZB) auf 4 Prozent. Damit fallen die Kurse der 2-prozentigen Bundesanleihe von bisher 100 Prozent auf etwas über 50 Prozent. Unsere ach so solide Bank hat plötzlich ein viertel ihrer Bilanzsumme verloren, denn sie muss nach den geltenden Gesetzen die nicht realisierten Buchverluste wie reale Verluste ausweisen, - und da dieser „Verlust“ weit über ihrem Eigenkapital liegt, geht sie, von diesen Gesetzen gezwungen, zum Gericht und meldet ihren Konkurs an. Pleite. Pleite, weil sich der Marktzins erhöht hat! Kein Fehler der Bank – und das mit ganz sicheren Bundesanleihen!
Welche Folgen hat eine Bankpleite für ihre Kunden? Alles, was im Depot liegt, ist von der Pleite der depotführenden Bank nicht betroffen, denn dies ist ein Sondervermögen. Es mag eine Weile dauern, bis der Depotinhaber wieder über sein Vermögen verfügen kann, aber er verliert es nicht.
Ist die Pleitebank in einem Einlagensicherungsfonds, dann sind die Einlagen (Kontoguthaben) bis zu einer bestimmten Höhe gesichert. Auch hier, es dauert nur etwas, bis wieder Verfügungen möglich sind.
Daraus ergeben sich für den Kunden einige Folgerungen:
Frage deine Bank, ob sie Mitglied in einem Einlagensicherungsfonds ist und bis zu welcher Höhe die Einlagen gesichert sind.
Bezieht sich die Sicherung auf jedes Konto oder je Kunde als Inhaber mehrerer Konten?
Vermögen auf mehrere Banken verteilen?

16.10.2010
Hermann Müller
Bentieröder Bruch 8
OT Bentierode
D-37547 Kreiensen
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2 Kommentare
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Christoph Friedrichs aus Düsseldorf | 12.04.2013 | 07:38  
1.774
Hermann Müller aus Einbeck | 12.04.2013 | 11:04  
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