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Kreiensen: Wecke geht

Herr Wecke, der Mann für den Haushalt, seit 2000 auch einer der beiden Geschäftsführer der WVEK (Wasser-Ver- und Entsorgungs-GmbH Kreiensen) und seit einigen Jahren der „Allgemeine Vertreter“ des Bürgermeisters, praktisch (aber nicht dem Titel nach) der Bürgermeister-Stellvertreter.
In diese letzte Funktion (mit freundlicher Unterstützung des Landes) gezwungen wurde seine Stelle von bis dahin A11 auf A13 aufgewertet. Das bringt ihm jetzt die höhere Pension nach A13 ein, was grob geschätzt so um die 200 Euro im Monat als Erhöhung sein mögen und der Gemeinde so um die 50.000 Euro kosten wird. - Sei es ihm gegönnt. Immerhin haben wir seit Mai 2012 keinen Bürgermeister mehr in Kreiensen. Es gilt die alte Verwaltungsregel: Fehlt die Putzfrau, fällt das allen sofort auf, fehlt der Chef, bemerkt das keiner. In unserem Fall leider doch, denn mancher taktische Fehler (Stichwort: Straßennamen und Postleitzahl) wäre dem alten Taktiker Rode wohl nicht passiert.
Herr Wecke hat sich sicher nicht danach gedrängt, Geschäftsführer der Wasser-GmbH zu werden. Überarbeiten musste er sich dabei aber auch nicht, denn die WVEK war und ist noch viel weniger als eine Briefkastenfirma. Wenn für die gesetzlich vorgeschriebene jährliche Prüfung nur jeweils 3.000 bis 4.000 Euro ausgegeben werden, was etwa drei Tagessätzen eines Wirtschaftsprüfers entspricht, dann gibt es nicht viel zu prüfen, denn die Geschäfte werden von einer anderen Eurawasser-GmbH geführt und außerdem war bereits vor Jahren eine Schreibkraft(?) als pro forma Prokuristin eingesetzt worden. Die Probleme der WVEK liegen in ihrer Gründung, als das gesamte Vermögen ohne Gegenleistung von der Gemeinde auf eben diese GmbH übertragen wurde und damit zu 49 Prozent automatisch in das Eigentum von Eurawasser überging. Hier hat die Fachaufsicht des Landkreises mal wieder geschlafen. Herr Wecke als in diesem Spiel lediglich Beamter in mittlerer Einstufung trifft daran kaum eine Schuld (wie übrigens auch den seinerzeitigen Gemeindedirektor Rode nicht, der nur ausführendes Organ des alleinentscheidenden Gemeinderates war). Der andere Gründungsfehler war die Finanzierung, die, sehr freundlich formuliert, außergewöhnlich unüblich für einen Gemeindekredit war. Es waren die gesamten Wassergeld-Einnahmen von 2000 bis 2025 an eine Bank verpfändet worden, mit dem Ergebnis, dass die gerade gegründete WVEK praktisch ohne Eigenkapital existierte (Bilanzsumme um 22 Millionen Euro bei 50.000 Euro Eigenkapital). Als vor Jahren die Bankenkrise begann, musste die Gemeinde Kreiensen (Eurawasser gab keinen Cent) eine Million als Eigenkapital nachschießen. Und mit der Fusion musste der Vermögensteil der Entwässerung für nun 12 Millionen von der Gemeinde zurückgekauft werden. Diese Finanztanzaktionen waren kaum Fußnoten in den Haushaltsplänen wert, denn, so wörtlich, sie belasten den Haushalt der Gemeinde nicht, da sie von den Wasserverbrauchern gezahlt werden müssen. Wer es immer noch nicht begriffen hat: Die Gemeinde Kreiensen hat erst ihr Vermögen verschenkt und es dann für viele Millionen auf Kosten der Bürger zurückgekauft. – Für Eurawasser ein Gewinn so um die fünf bis zehn Millionen. Danke, liebe Akteure im Gemeinderat.
Herr Wecke war als Haushälter für den Haushalt zuständig. Kreiensen war eine der letzten Gemeinden, die ihren Haushalt von der früher üblichen Kameralistik auf die Doppik umgestellt hat. Und die Gemeinde Kreiensen hat bis heute nicht die vorgeschriebenen Bilanzen vorgelegt und wird es auch bis zum 31. Dezember 2012, dem letzten Tag ihrer Existenz, nicht mehr tun. Man hatte dafür viele Jahre Zeit, man hat die Zeit nicht genutzt – oder die Arbeit vorsätzlich verschleppt? Bedenkt man die eben beschriebenen Millionenspielchen, drängt sich die Frage auf: war und ist die Gemeinde Kreiensen etwa ganz einfach überschuldet und musste die Fusion deshalb so überstürzt durchgezogen werden?
Nun, wir werden uns die Haushaltspläne und Bilanzen von Einbeck ansehen, vielleicht gewinnen wir dann neue Erkenntnisse.

17.12.2012
Hermann Müller
Bentierode
Bentieröder Bruch 8
D-37547 Kreiensen

Ein Beitrag für das Gandersheimer Kreisblatt; Abdruck: 17.12.2012
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