Anzeige

Der andere Blick auf den Krefelder Arbeitsmarkt

Trotz insgesamt guter Konjunktur ist die Arbeitslosigkeit etwas stärker gestiegen als im Sommer letzten Jahres und die Spaltung am Arbeitsmarkt setzt sich fort. Hartz IV-Empfänger und Geringqualifizierte profitieren nur unterdurchschnittlich von der guten Entwicklung. Der Blick auf die Arbeitslosenstatistik des Krefelder Arbeitsmarktes weist eine Zunahme der Arbeitslosigkeit bei Jüngeren von 15 - 25 Jahren von 18 % auf, der Zugang in die Arbeitslosigkeit dieser Gruppe im Juli wird sogar mit über 33% angegeben.
"Die Zunahme der Arbeitslosigkeit auch in Krefeld im Juli ist fast ausschließlich auf den Anstieg bei Arbeitslosen unter 25 Jahren zurückzuführen. Für viele junge Frauen und Männer ist der Tag ihrer Abschlussprüfung zugleich der Einstieg in die Arbeitslosigkeit. Es ist ein Skandal, dass Unternehmen einerseits den Mangel an Fachkräften beklagen, aber andererseits ihren Auszubildenden eine Übernahme verweigern. Die Wirtschaft muss endlich begreifen, dass der Fachkräftebedarf nur gedeckt werden kann, wenn ehemalige Auszubildende eine Chance bekommen und weiter beschäftigt werden. Denn nur durch Berufspraxis können sich junge Menschen zu kompetenten Fachkräften entwickeln.", so DGB-Kreisvorsitzender Ralf Köpke zu den Krefelder Zahlen.

Um den prognostizierten Fachkräftemangel zu verhindern, muss darüber hinaus ein stärkerer Fokus auf die lebenslange Weiterbildung von Beschäftigten gesetzt werden. Der DGB ist der Überzeugung, dass eine Arbeitsmarktpolitik vonnöten ist, die stärker vorsorgend aktiv wird und Qualifizierung während des Berufslebens organisiert.

Leider steuert nach Auffassung der Gewerkschaften die Bundesregierung in die entgegengesetzte Richtung, das schwarz-gelbe "Sparpaket" wird sich als kontraproduktiv erweisen. Die Kürzungspläne im Bereich der Arbeitsmarktpolitik allein für NRW summieren sich -von 2012 bis 2016 - auf insgesamt 7,34 Mrd. Euro, in Krefeld geschätzt für den gleichen Zeitraum von mindestens 10 Millionen Euro. Vor allem an qualifizierter Aus- und Weiterbildung soll gespart werden.

"Die Krefelder Statistik weist jetzt schon in allen Eingliederungsmaßnahmen der Agentur für Arbeit, von Beruflicher Weiterbildung, über Gründungszuschuss bis hin zu Arbeitgelegenheiten erhebliche Reduzierungen aus, insbesondere im Bereich der Hartz IV-Empfänger, bundesweit sind im Juli schon 28 % weniger Personen gefördert worden als noch vor einem Jahr. Eine verantwortungsvolle und zukunftstaugliche Arbeitsmarktpolitik seitens des Bundes sieht anders aus", so Köpke weiter.

Es ist, laut DGB, sozial- und beschäftigungspolitisch falsch, wenn die Arbeitsministerin in diesem Jahr die Arbeitsförderung im Hartz IV-System um 25 Prozent kürzt und damit verantwortlich wird für die schlechteren Weiterbildungschancen für geringqualifizierte Arbeitslose. Mehr als die Hälfte aller Arbeitslosen im Hartz IV-System bundesweit und knapp 70 % der erwerbsfähigen Hilfeempfänger in Krefeld haben keine Berufsausbildung; sie müssten dringend fit gemacht werden für die Herausforderungen der Zukunft.
"Wenn nicht gegengesteuert wird, droht ein Fachkräftemangel bei gleichzeitiger Verhärtung der Arbeitslosigkeit. Im Hartz IV-System gibt es auch im Aufschwung keine signifikanten Senkungen der Zahlen, von Juni auf Juli-Veränderung 0 %. Gerade jetzt muss in den Arbeitsmarkt investiert werden. Dieses Geld wäre für die Zukunft gut angelegt."
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.