Handwerker im Haus:-))

Wohl dem, der ein Häuschen sein eigen nennen darf. Das sogenannte Eigenheim ist manchmal auch nur zur Hälfte, zu einem Drittel oder noch weniger wirklich "das Eigene". Im Gegensatz zu Ihrer Bank allerdings dürfen SIE darin wohnen.
Ein paar Jahre nach Erstbezug, die Ihnen wie wenige Monate vorkommen, stellen Sie erste Schwachstellen am Zustand der Immobilie fest und beschließen, dass ein paar Renovierungsarbeiten unumgänglich sind.

Neue Tapete im Wohnzimmer? Unbedingt! Oder doch lieber verputzen und streichen? Bei den schiefen Wänden sowieso die bessere Lösung und außerdem viel moderner. Und, ach ja, die alten Türen! WENN wir schon anfangen, dann müssten die doch auch direkt neu. Wäre ja total unvernünftig, nicht alles in einem Rutsch zu erneuern. Der Flur und die Küche? Stimmt, die Tapete ist da dann auch ruiniert. Am Schluss wird die Liste noch um Parkett und Treppe abschleifen erweitert.
Gleich am nächsten Morgen schlendern Sie durch den heimischen Baumarkt – zwecks Inspiration. Oh weh, was für eine Auswahl! Sie wünschen sich Tine Wittler oder einen anderen kompetenten Einrichtungsberater an Ihre Seite, doch die haben im Privatfernsehen zunächst noch andere Bedürftige zu versorgen.
Also muss der örtliche Malermeister Ihres Vertrauens herhalten. Bei der Inspektion des in die Jahre gekommenen Wohnzimmers ist er guter Dinge, hat tolle Ideen und verspricht, gleich Anfang nächsten Monats mit seiner Mannschaft bei Ihnen anzurücken.
Beim Einpacken der Wohnzimmer-/ Esszimmerutensilien erahnen Sie langsam das Ausmaß der bevorstehenden Aktion. Alles muss erstmal raus! Stereoanlage und Fernseher müssen abgebaut werden – (Nein, KInder, in den nächsten Tagen (doch wohl nicht Wochen?) sind Hannah Montana, Harry Potter und Nils Holgersson nicht unsere Gäste) – und alle Schränke in Einzelteilen im Keller verstaut werden.
Als dann, die bei der Vorbesprechung noch sehr harmlos aussehenden Handwerker mit ihrer Arbeit beginnen, denken Sie bereits über eine Ausquartierung nach. Bereits nach wenigen Stunden liegen die fünf alten Türen auf der Wiese vorm Haus, der Wohn- und Kochbereich liegt quasi in Schutt und Asche und die Geräuschkulisse ist unerträglich.
Wer hatte nur diese hirnrissige Idee vom Renovieren?
Sie quartieren sich vorübergehend mit KInd und Kegel bei Ihrer Mutter ein und treiben die fleißigen Handwerker zur Eile an. Kochen ist in der mit Folie verhüllten Küche sowieso nicht praktikabel und warmes Wasser ist gerade Mangelware.
Morgens um 06.30(!) schließen sie die BAUSTELLE auf (von Eigenheim kann nun gar nicht mehr die Rede sein) und betrachen seufzend das Elend.
"Mittwoch werden die neuen Türen geliefert, und ach ja, der Parkettschleifer is bis nächste Woche in Urlaub, aba erstma muss ja sowieso verputzt werden, neh? Und dazu müsse wir die Heizkörper abhänge, hamse da wen, der das macht, oder? Und ach, übrigens, wollense nich die Fensterbänke auch neu machen, wo se nu alles so schön kriege?", mischt sich der Chefpolier in Ihre Gedankengänge und überreicht Ihnen lächelnd die erste Rechnung. Ja, okay, alles klar, macht ihr mal!

Zwei lange Wochen später hat sich der Bauschutt immerhin von groben Steinchen in feinen, weißen Staub verwandelt, der aber mindestens genauso lästig ist und auch vor der kleinsten Ritze kein Halt macht. Dann endlich ist ein Ende abzusehen und Sie überlegen an den Farben für die Wände herum: Etwa zehn unterschiedliche Tafeln mit Probemalungen zieren die noch nackten Wohnzimmerwände und werden abwechselnd hin und her getragen. Mediterranes Orange, Terracotta, gediegenes Beige, Muschelweiß, Sandbraun. Ganz mutig: eine Wand in Scharlachrot?
Nach einer weiteren Woche ist dann auch der Feinstaub verschwunden, Sie räumen Ihr Hab und Gut mit letzter Kraft wieder an Ort und Stelle und fallen erschöpft in den nächsten Sessel. Zugegeben, der Aufwand hat sich gelohnt und die eigenen vier Wände erstrahlen in modernem, frischem Wohlfühlambiente.
Aber eins ist sicher: Während der nächsten Renovierung (die hoffentlich noch in sehr ferner Zukunft liegt) planen Sie zeitgleich Ihren Urlaub und überspringen so elegant die Müll- und Schuttphase!
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Georg Schmidt aus Diemelstadt | 17.09.2011 | 23:10  
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