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Besser Spielen, Malen, Kochen - Mechatronik-Studenten bauen Geräte für Menschen mit Handicap

  Zum zweiten Mal präsentierten Mechatronikstudenten der Hochschule Augsburg neue Entwicklungen, die körperliche Einschränkungen von Menschen mit Handicap ausgleichen. Das interessierte Publikum konnte im Fritz-Felsenstein-Haus (FFH) neun Geräte testen, die sich dem hauswirtschaftlichen, spielerischen oder künstlerischen Bereich widmen. Diesmal war die Schule des Königsbrunner Kompetenzzentrums für Menschen mit Körperbehinderung Projektpartner der Studierenden am Lehrstuhl für Mechatronik.

Äpfelschälen per Tastendruck

Kompakt und apfelgrün steht die automatische Apfelbearbeitungsmaschine da. Studentin Maria Krammer steckt einen Apfel auf den Metallspieß und fordert FFH-Schüler Maximilian Wagenseil auf, den roten Taster zu drücken, der das Gerät in Bewegung setzt. Surrend erledigt die Apparatur ihren Dienst: Sie entkernt und schält den Apfel spiralförmig; dabei passt sie sich flexibel der jeweiligen Apfelform an. „Mehr beim Kochen tun können“, das war das Anliegen einer 14-jährigen FFH-Schülerin, deren Wunsch das 6-köpfige Studententeam zur Entwicklung dieser Konstruktion anregte. Erfindungen wie diese sind das Ergebnis einer besonders fruchtbaren Kooperation zwischen der Hochschule Augsburg und dem FFH in Königsbrunn. Unter der Ägide der Professoren Franz Raps, Wolfgang Klüver und Martin Bayer haben neun Teams aus jeweils sechs Studenten Projektarbeiten entwickelt und gebaut, die den Alltag behinderter Menschen erleichtern. Unterstützt wurden sie dabei vom Team INTERAKTIV, den Experten für Kommunikations- und Assistenztechnologie im FFH.

Projektpartner Schule

Vor drei Monaten kam es zu einem ersten Treffen zwischen Schülern und Studenten. Dabei wurden Wünsche und Voraussetzungen für die Projektarbeiten definiert. Kunstlehrerin Eva Fiedler zum Beispiel benötigt für ihren Unterricht ein Gerät, das das Malen mit flüssiger Farbe auf großformatigen Leinwänden ermöglicht. Dieser Herausforderung haben sich gleich zwei Teams gestellt. Und auch Spiele sind immer wieder Grundlage für außergewöhnliche Ideen: Ein automatisiertes Mensch-Ärgere-dich-nicht-Spiel oder das Kugelgeschicklichkeitsspiel Amazing Desk sind tolle Bespiele dafür.

Um die fehlenden feinmotorischen Fähigkeiten der körperbehinderten Schüler auszugleichen, können alle Geräte mit großen Tastern, einem Joystick oder einer Maus bedient werden. In vielen Fällen haben die Studenten auch an ein ansprechendes Design gedacht oder gar ein Logo für ihr Gerät entwickelt: „Alles in allem ist das eine sehr professionelle Vorstellung. Unsere Studenten waren hochmotiviert und haben schätzungsweise insgesamt 15.000 Arbeitsstunden investiert“, so Professor Franz Raps vom Lehrstuhl für Elektrotechnik.

Unterstützung durch Sponsoren

Neben den künftigen Nutzern der Geräte haben sich auch zahlreiche Sponsoren unter das Publikum gemischt. Der Rotary Club Augsburg-Fuggerstadt, vertreten durch Präsident Stefan Holzamer, sowie die Hochschule Augsburg spendeten zusammen 4000 Euro für das Projekt. Und auch die Studierenden selbst konnten für ihre Projekte weitere Sponsoren aus der Wirtschaft gewinnen.

Prof. Ulrich Thalhofer, Vizepräsident der Hochschule Augsburg, zeigte sich begeistert vom Engagement der Studenten und sieht in der sozialen Komponente des Projekts den eigentlichen Gewinn für alle Seiten. Und auch FFH-Geschäftsführer Gregor Beck nannte die angehenden Mechatroniker „Akteure der Inklusion“, die die Welt für Menschen mit Handicap ein Stück besser machen. „Die Zusammenarbeit mit der Hochschule Augsburg ist für beide Seiten sehr inspirierend“, so Beck. „Es ist erstaunlich, auf welchem Niveau die Studenten an Lösungen für unsere Klienten arbeiten.“ Die Kooperation soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin königsbrunner | Erschienen am 06.07.2013
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