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"Das Thema Königstherme wird die Stadt Königsbrunn in den nächsten Jahren noch intensiv beschäftigen": Ein Interview mit Bürgermeister Franz Feigl

Das Stadtoberhaupt weihte den Erna-Dörle-Weg ein
 
Bürgermeister Franz Feigl beim traditionellen Dreikönigskonzert
 
Der Rathauschef mit Blumen an der Gandhi-Statue im Rathaus
myheimat: Der indische Nationalfeiertag findet am Geburtstag des Befreiungshelden Mahatma Gandhi statt. Dieser wurde im Königsbrunner Rathaus gefeiert. Was hat Indien mit Königsbrunn zu tun und pflegen Sie weitere internationale Kontakte?

Feigl: Bereits seit vielen Jahren besteht zwischen dem Königsbrunner Gymnasium und der Highschool Myasore ein enger Kontakt und Austausch. Jedes Jahr finden gegenseitige Besuche der Schülerinnen und Schüler statt. Erst im November war wieder eine Gruppe Königsbrunner Gymnasiasten zu Besuch in Indien. Der Gegenbesuch der indischen Schüler findet 2017 statt. Wie hoch die Wertschätzung dieser Kontakte auch in Indien gesehen wird, zeigt die lebensgroße Gandhi-Statue im Königsbrunner Rathaus. Diese wurde der Stadt Königsbrunn von der indischen Staatsregierung als Auszeichnung der Kontakte geschenkt. Ein weiteres internationales Hilfsprojekt für Indien ist die Aktion „Hand in Hand – für Menschen in Indien“. Hier engagiert sich bereits seit 20 Jahren die katholische Pfarreiengemeinschaft Königsbrunn. Was mit der Übernahme einer Patenschaft für ein indisches Kind begann, hat sich mittlerweile zu einem Projekt mit drei Säulen entwickelt. Ausbildungspatenschaften werden vermittelt und indischen Kindern werden dadurch der Schulbesuch und die Aussicht auf eine bessere Zukunft ermöglicht. Nach der Fertigstellung von zwei Schulgebäuden wird nun den Bau eines so dringend notwendigen Krankenhauses finanziell unterstützt. Witwen, die gesellschaftlich isoliert leben müssen, wird durch monatliche Unterstützung oder den Bau eines kleinen Hauses ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht.

myheimat: Königsbrunn war ein Etappenziel der Benefizradltour der Lohnsteuerhilfe (Lohi) durch ganz Deutschland, bei der Spenden für die Kinderkrebshilfe gesammelt wurden. Der ehemalige Lohi Regionalleiter Klaus Greskowiak hat selbst eine Krebserkrankung besiegt. Was können wir von ihm und seiner Radltour lernen?

Feigl: Die Diagnose „Krebs“ zu erhalten, ist zunächst einmal für den Betroffenen selbst und für dessen Angehörige ein absolut einschneidendes bzw. veränderndes Ereignis im eigenen Leben. Sich nach dieser Mitteilung nicht in sich selbst zurückzuziehen, sondern sich weiterhin aktiv zu betätigen und vor allem Engagement für Andere zu zeigen, zeugt von einer absolut positiven Lebenseinstellung. Diese Einstellung liefert uns ein nachahmenswertes Vorbild, auch in schwierigsten Situationen den Kopf nicht hängen zu lassen, sondern an sich selbst zu glauben. Mutig weiter voran zu gehen und sich von der eigenen Erkrankung nicht besiegen zu lassen, ist sicherlich in einer solchen Situation, in der sich Klaus Greskowiak befunden hat, ein unverzichtbares Hilfsmittel, diese Erkrankung zu besiegen.

myheimat: Beim diesjährigen Neubürgerempfang zählten Sie die Vorzüge von Königsbrunn auf. Was ist das Schönste an der Stadt und was unterscheidet Königsbrunn von den Nachbarstädten? Auch sprachen Sie von Pflichten, die die neuen und alten Bürger einhalten müssen.

Feigl: Die Schönheit unserer Stadt liegt sicherlich „im Auge des jeweiligen Betrachters“. Für mich persönlich ist es das Schönste, dass wir in Königsbrunn noch ein erhebliches Entwicklungspotential vorfinden. Egal ob im Baubereich, in der Stadtentwicklung oder in der weiteren Ausweitung der Freizeitangebote. Königsbrunn bietet bereits vieles – vieles kann aber auch noch ausgeweitet oder neu entwickelt werden. Dies ist für mich als Bürgermeister ein täglicher Ansporn in meiner Arbeit. In diesem Entwicklungspotential liegt auch der größte Unterschied zu unseren Nachbarstädten. Als Beispiel sei hier das Thema Zentrum genannt. Alle unsere Nachbarstädte haben ein entweder gewachsenes oder bereits entwickeltes Zentrum. Königsbrunn hat – bedingt durch die Entwicklung unserer Stadt an der alten B17 – kein solches gewachsenes Zentrum. Aus diesem Grund arbeiten wir bereits seit vielen Jahren an einer entsprechenden Zentrumsentwicklung. Als von mir angesprochene Pflichten unserer neuen und alten Bürger sehe ich an erster Stelle die Bereitschaft eines jeden Einzelnen, sich in das Gemeinwesen „Stadt Königsbrunn“ integrieren zu wollen. Dies bedeutet nicht mehr aber auch nicht weniger, als die Bereitschaft zu haben, sich an die örtlichen Regeln zu halten und Königsbrunn als Heimat und Mittelpunkt des eigenen Lebens zu sehen.

myheimat: Die Stadt Königsbrunn hat in Kooperation mit den Lechwerken (LEW) öffentliche Ladesäulen für Elektroautos in Betrieb genommen. An welchen Standorten können diese Autos „getankt“ werden und wie kommen die Ladestationen bei den Königsbrunner Bürgern an?
Feigl: Bereits seit mehreren Jahren gibt es im Stadtgebiet von Königsbrunn verschiedene Ladestationen für e-Bikes – teils von der Stadt aufgestellt, teils auf Privatgrund errichtet. Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr die Ladestation für Elektroautos am Parkplatz hinter dem Informationspavillon 955.

myheimat: In diesem Jahr hat Königsbrunn - wie viele andere Städte - Asylbewerber aufgenommen, was bei einigen Bürgern Unsicherheiten geweckt hat. Sind Sie mit dem Fortschritt der Integration zufrieden?

Feigl: Augenblicklich leben in Königsbrunn 324 Asylbewerber in 6 dezentral angelegten Einrichtungen. Diese Einrichtungen wurden bewusst über das gesamte Stadtgebiet verteilt, um kleinteilige Unterkünfte zu erreichen. Durch das enorme ehrenamtliche Engagement vieler Köngsbrunner Bürgerinnen und Bürger konnten die Asylbewerber größtenteils unproblematisch aufgenommen werden. Wie auch von Maximilian Wellner, dem Leiter der Polizeiinspektion Bobingen, bei der letzten Bürgerversammlung berichtet, hat es im Jahr 2016 keinerlei Probleme und Auffälligkeiten mit den Asylbewerbern außerhalb der Unterkünfte gegeben. Betrachtet man dies alles in seiner Gesamtheit, sind wir in Königsbrunn sicherlich auf einem guten Weg.

myheimat: Nach einem Wasserschaden im Kindergarten St. Michael muss das Gebäude generalsaniert werden. Wann werden die Pläne umgesetzt und was beinhalten diese? Wird der Kindergarten barrierefrei?

Feigl: Den Zeitpunkt der Generalsanierung kann ich Ihnen leider nicht genau nennen, da diese Sanierung durch den kirchlichen Träger des Kindergartens durchgeführt und auch terminiert wird. Auch über den genauen Umfang der geplanten Maßnahmen kann ich augenblicklich leider keine detaillierte Auskunft geben. Die Umsetzung der Generalsanierung des Kindergartens St. Michael ist aber auch abhängig von der Sanierung des Kindergartens St Ulrich, da die Kinder von St. Ulrich während der Bauphase in anderweitigen Räumlichkeiten betreut werden müssen. Auch das Thema Barrierefreiheit wird bei der Sanierung sicherlich nochmals angesprochen und geprüft werden.

myheimat: Im Jahr 2016 gab es viele Diskussionen über die Königstherme, die geschlossen und von der städtischen Freizeit- und Sportstätten Königsbrunn GmbH (FSK) aufgekauft wurde. Zuletzt wurde der Rutschenturm des ehemaligen Spaßbads abgebaut, was 23.000 Euro gekostet hat. Soll nun auch der Rest der Therme abgerissen werden?

Feigl: Augenblicklich prüfen wir alle Möglichkeiten: von einer Teilsanierung bis zu einem möglichen Komplettabriss der gesamten Liegenschaft „Königstherme“. Inwieweit ein Komplettabriss der Königstherme in Frage kommt, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, da hierzu die Ergebnisse der beauftragten Gutachten abgewartet werden müssen. Bereits heute wissen wir aber, dass das Thema „Königstherme“ die Stadt Königsbrunn in den nächsten Jahren noch intensiv beschäftigen wird, sprechen wir hier doch von einem finanziellen Volumen in Höhe von mehreren Millionen Euro, egal ob Teilsanierung, Umbau oder Abriss.

myheimat: Die Neugestaltung der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße soll laut Stadträtin Doris Lurz eine hohe Aufenthaltsqualität und eine urbane Identität für die Stadtmitte schaffen. Gibt es schon konkrete Pläne für das Königsbrunner Zentrum?

Feigl: Bereits im letzten Jahr fand ja zu diesem Thema eine „Ideenwerkstatt“ statt, an der vier verschiedene Architektenteams und Königsbrunner Bürgerinnen und Bürger teilgenommen haben und ihre Ideen eingebracht haben. Die Ergebnisse dieser Ideenwerkstatt werden augenblicklich durch unsere Bauverwaltung weiter vorangetrieben. Im Jahr 2017 werden hier die ersten Weichen für eine Umsetzung gestellt.

Interview: Redaktion, Bilder: Stadt Königsbrunn
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.königsbrunner | Erschienen am 19.12.2016
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