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Unsere Hospizbegleiterin Gertrud Schlosser berichtet über ihr Ehrenamt

Hospizbegleiterin Gertrud Schlosser
Hospizverein Christrose:
Liebe Frau Schlosser, Sie haben im Gründungsjahr von Christrose 2004 an einer der ersten HospizbegleiterInnen-Ausbildungen teilgenommen. Wie haben Sie von der Idee der Hospizbegleitung erfahren und was hat Sie dazu bewogen für Menschen in ihrer letzten Lebensphase da zu sein?

Gertrud Schlosser:
Ich glaube, durch mein damaliges Engagement in der Katholischen Pfarrgemeinde habe ich von der Ausbildung zur HospizbegleiterIn im Pfarrbrief gelesen. Mein Interesse für die Hospizarbeit war für mich damals schon eine logische Folge meiner ehrenamtlichen Arbeit in der Pfarrgemeinde, wo ich vor allem in der Seniorenarbeit tätig war, sowie im Krankenhausbesuchsdienst, der bedauerlicherweise nach 20 Jahren im Zentralklinikum eingestellt wurde. Für mich war es immer wichtig, auch DAS zu tun: für Sterbende Da-Sein. Die Ausbildung war hart und ging oft an die eigenen Grenzen. Man muss belastbar sein für diese Aufgabe. Nicht jeder ist dazu geeignet. Wir hatten ein sehr kompetentes Team, das uns an diese Aufgabe herangeführt hat.

Hospizverein Christrose:
Können Sie sich an Ihren ersten Einsatz erinnern? Wie ist es Ihnen dabei ergangen?

Gertrud Schlosser:
Mein erster Einsatz war wunderbar. Das liegt sicher auch daran, dass die Koordinatorinnen immer ein sehr gutes Gespür für die Wahl der passenden HospizbegleiterIn haben. Meine erste Dame, die ich begleitete war dement, aber ich wusste aufgrund ihrer Biografie, dass sie sehr gerne singt. Ich selber singe auch gerne, und so konnte ich mit ihr viele Lieder immer wieder singen. Sie hat sich dabei jedes Mal so gefreut und richtig gestrahlt. Das gemeinsame Singen war für mich ein großer Halt, als das Reden nicht mehr möglich war. Nach ihrem Tod wurde ich zu einer kleinen Abschiedszeremonie miteingeladen. Das war sehr schön.

Hospizverein Christrose:
Haben Sie in der Hospizbegleitung auch Schwierigkeiten erlebt.
Gertrud Schlosser: Ja, ich empfand es schwierig, als Hospizbegleiterin Ablehnung zu erfahren. Man kommt dann sehr ins Zweifeln, ob das was man tut richtig ist. Manchmal dauert es sehr lange bis ein Sterbender oder schwerkranker Mensch Zutrauen fasst. Aber dann wird man festgehalten.

Hospizverein Christrose:
Heute sind Sie eine erfahrene Hospizbegleiterin. Sie haben viele Schwerkranke auf ihrem letzten Lebensweg begleitet. Was war ihr beeindruckendstes Erlebnis?

Gertrud Schlosser:
Sehr intensiv war für mich persönlich die Begleitung einer Wachkoma-Patientin. Der Umgang mit einer Person, die nicht sprechen und sich nicht äußern kann ist sehr ungewohnt. Ich habe gelernt auf kleine Anzeichen zu achten. Wenn sie bei meinem Besuch die Augen geschlossen hatte und auch nicht öffnete, war ich einfach nur still da. Dies war für mich ein Zeichen, dass sie ihre Ruhe haben will. Während der Begleitung kam die Frage auf, ob man die Ernährung über die Sonde einstellen sollte. Die Angehörigen waren sich uneinig und haben mir Ihr Herz ausgeschüttet. Ich habe mir die Sorgen angehört und versucht zu vermitteln. In dieser Situation hat mir der fachliche Rat von unserer Koordinatorin und von Seiten der Seelsorger und Ärzte sehr geholfen. Beeindruckend fand ich den liebevollen Umgang des Pflegepersonals mit dieser Patientin.

Hospizverein Christrose:
Welche Tipps würden Sie einem neu ausgebildeten Hospizbegleiter mit auf den Weg geben?

Gertrud Schlosser:
Als HospizbegleiterIn benötigt man viel Geduld und Einfühlungsvermögen, z.B. wenn man am Bett eines Kranken sitzt und erstmal nicht weiß, was man tun soll. Die Gefahr ist groß. in Aktivität auszubrechen. Dabei ist Ruhe besonders wichtig. Man sollte auch keine Angst haben, um Hilfe zu bitten und sich bei den Koordinatorinnen melden, wenn es Probleme gibt. Sehr wichtig finde ich außerdem, als HospizbegleiterIn nicht alles persönlich zu nehmen. Der Sterbende, seine Angehörigen, das gesamte Umfeld sind in einer sehr schwierigen Ausnahmesituation. Das A und O für eine/n HospizbegleiterIn ist Einfühlungsvermögen, auch in sich selber. Mein Rat ist: „Immer gut auf sich selbst zu achten. Bin ich bereit dies oder das zu tun?“ Damit ich gut begleiten und für die oder den anderen da-sein kann, muss es mir selber gut gehen! Sehr hilfreich fand ich auch immer die regelmäßige Teilnahme an den angebotenen Supervisionen und der Austausch mit den anderen HospizbegleiterInnen.

Hospizverein Christrose:

Gibt es noch Etwas, dass Sie uns sagen möchten?

Gertrud Schlosser:
Sehr bedeutsam ist auch die Entlastung, die man Angehörigen schenken darf. Sie wagen es nicht mehr das Haus zu verlassen. Sie wollen und können den Sterbenden nicht alleine lassen. Wenn jedoch der/die HospizbegleiterIn die Wache am Sterbebett übernimmt, kann sich der Angehörige eine kleine Verschnaufpause gönnen.

Hospizverein Christrose:
Sie haben sich entschlossen, zum Ende des Jahres ihr Ehrenamt als Hospizbegleiterin niederzulegen. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Gertrud Schlosser:
Alles hat seine Zeit – zum einen habe ich gespürt, dass ich durch persönliche Trauererfahrungen mich derzeit nicht mehr so belastbar fühle, wie ich es gerne als Hospizbegleiterin wäre, andererseits hat mich mein Wegzug aus Königsbrunn bewogen, mein Ehrenamt als Hospizbegleiterin hier in Königsbrunn niederzulegen. Die zurückliegenden Jahre als Hospizbegleiterin waren für mich eine sehr wertvolle und schöne Zeit, auf die ich immer gerne zurückblicken werde.

Hospizverein Christrose:
Herzlichen Dank

Im Herbst 2018 beginnt unsere nächste
HospizbegleierInnenschulung

Weitere Informationen erhalten Sie ab sofort bei uns im Büro
Tel. 08231/91 52 03
hospizverein@christrose.info
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