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Vorsicht Falle! „Freunde und Helfer“ bei Verkehrsunfällen

Das Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, besteht selbst bei größter Vorsicht für jeden Verkehrsteilnehmer, grade im bevorstehenden Urlaubsverkehr. Immerhin kracht es statistisch pro Minute 8 mal auf deutschen Straßen. Hat´s dann mal gekracht, wird dem Geschädigten von verschiedenen Seiten „Hilfe“ angeboten, die sich bei genauerem Hinsehen aber oft als das Gegenteil entpuppt.

Mit besonderer Vorsicht zu genießen sind dabei Angebote der gegnerischen Haftpflichtversicherung, die den Schaden zu regulieren hat. Nicht selten wendet sich bereits kurz nach dem Unfall der Sachbearbeiter der Versicherung telefonisch an den Geschädigten, um dessen Vorgehensweise möglichst frühzeitig zu steuern. Stichworte, wie „schneller Schadensservice“ etc. dienen dazu, den Geschädigten in Sicherheit zu wiegen und ihn davon abzuhalten, kompetente Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ziel der Versicherer ist es dabei, zu verhindern, dass der Geschädigte einen Anwalt mit der Schadensabwicklung beauftragt, den Schaden durch einen unabhängigen Sachverständigen begutachten und in der Fachwerkstatt seines Vertrauens reparieren lässt, was nach Gesetz und Rechtsprechung das gute Recht eines jeden Unfallgeschädigten ist. Die gegnerischen Haftpflichtversicherung hat sowohl die Anwalts- als auch die Sachverständigenkosten zu übernehmen. Dies ist jedoch den wenigsten Geschädigten bekannt.

Dass diese Strategie der Versicherer erfolgreich ist, zeigt die Tatsache, dass nach wie vor nur ein sehr geringer Prozentsatz der Unfallgeschädigten ihren Schaden über einen Anwalt regulieren lässt.

Die Folge ist, dass sie dem „Streichkonzert“ der Versicherungen bezüglich ihrer Schadensersatzansprüche meist hilflos ausgeliefert sind, schon weil sie oft gar nicht bemerken, wo sie ausgetrickst werden. Beliebte Methoden sind dabei:

- Anbieten eines firmeneigenen Sachverständigen „zur unkomplizierten und schnellen Schadenabwicklung“ – in Wahrheit um den Schaden schon im Gutachten niedrig zu halten;
- Anzweifeln von unabhängigen Gutachten, oft mit Hilfe von externen Unternehmen wie Control Expert, die mit gewiefter, aber oft nicht rechtmäßiger Argumentation Gutachten „zerpflücken“.
- Übertriebene Überprüfung z. B. bei Abrechnung auf Gutachtensbasis ohne Reparatur; obwohl der Geschädigte auch ohne tatsächliche Reparatur Anspruch auf Ersatz der vollen Reparaturkosten hat, werden Autofahrer, die Bargeld bevorzugen, von den Versicherungen häufig der Schummelei bezichtigt und ihre Kosten besonders pingelig und mit langen Verzögerungen geprüft;
- Kürzungen im Detail, z. B. bei Wertminderung, Verdienstausfall, Schmerzensgeld, Mietwagenkosten und Unkostenpauschale – grade hier fehlt dem Laien die erforderliche Kenntnis um unberechtigten Kürzungen wirksam zu begegnen.

Vorsicht geboten ist auch bei der Abwicklung von Unfallschäden allein über die Kfz-Werkstatt. Auch hier sollte der Geschädigte bedenken, dass die Werkstatt, durchaus legitim, in erster Linie ihre eigenen Interessen im Blick haben muß, nämlich schnellstmöglich zu ihrem Geld zu kommen. Sind die Reparaturkosten bezahlt, ist der Fall fürs Autohaus meist erledigt. Für die Geltendmachung der weiteren Anspruche des Geschädigten fehlt der Kfz-Werkstatt zum einen – auch nach Wegfall des Rechtsberatungsgesetzes – die Berechtigung, zum anderen die Kompetenz. Diese Ansprüche fallen daher nicht selten unter den Tisch.

Mindestens genauso viel Skepsis ist gegenüber der sogenannten „Schadenschnellhilfe“ (SSH) angezeigt, einem Zusammenschluss von 250 Gutachterbüros, die im Internet „schnelle Abwicklung Ihrer Schadenangelegenheit“ durch einen „guten Draht zu Ihrer Versicherung“ anpreist. Wie eng dieser Draht ist und wie wenig er sich zu Ihrem Vorteil auswirkt, wissen die wenigsten Geschädigten.

Diese Rechte sollte daher jeder kennen:

- Recht auf einen unabhängigen Sachverständigen eigener Wahl bei Schäden ab 750,-- €;
- Freie Wahl der Reparaturwerkstatt;
- Freie Entscheidung, ob tatsächlich repariert oder auf Basis eines Kostenvoranschlags oder des Gutachtens abgerechnet wird;
- Recht auf Mietwagen oder Nutzungsausfall bei unfallbedingtem Werkstattaufenthalt;
- Freie Wahl eines Rechtsanwalts und das Recht auf Erstattung aller Kosten durch den schuldlos erlittenen Unfall.

Wer diese Rechte nicht wahrnimmt, riskiert nicht unerhebliche finanzielle Verluste nach einem unverschuldeten Unfall. Dies gilt insbesondere bei schwereren Verletzungen, bei denen sich die Unfallabwicklung oft über Jahre hinziehen kann.

Letztendlich gewährleistet dem Geschädigten nur die Vertretung durch einen im Verkehrsrecht versierten Rechtsanwalt eine ordnungsgemäße Schadenabwicklung. Denn nur er ist unabhängig von Interessen anderer Beteiligter, kennt die Tricks und Kniffe der Versicherungen und weiß ihnen zu begegnen. Denn nach wie vor hat, gerade im Verkehrsunfallrecht, Gültigkeit, was ja Jakob Grimm bereits im 19. Jahrhundert erkannte: „Was aber helfen die edelsten Rechte dem, der sie nicht handhaben kann?“
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