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Maifische, Krebse und ein Zacheies

Reihmeister des Poller Maigeloogs mit ausgewachsenem Maifisch (Foto: M.M. Foto-Team Deutz)
 
Reihmeister Hans Burgwinkel, NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser, MdL Jochen Ott, Bürgermeisterin Stadt Köln Elfi Scho-Antwerpes (Foto: M.M. Foto-Team Deutz)
 
Aussetzen der jungen Maifische in den Rhein mit Reihmeister Hans Burgwinkel, Gustav Nostitz, Christoph Heider, HIT-Umweltstiftung, Elfi Scho-Antwerpes, Bürgermeisterin der Stadt Köln (Foto: M.M. Foto-Team Deutz)
Köln: Poll |



Das ehemalige Kölner Fischerdorf Poll hatte am Donnerstag, 06.Juni 2019, dank u.a. des Rheinischen Fischerverbandes von 1880 e.V. und des Poller Maigeloogs die Ehre, zumindest für einen Tag Mittelpunkt der europäischen Maifischprojekte zu sein. Im Rahmen des „Länderübergreifenden Projektes zur Wiederansiedlung des Maifisches im Rheingebiet“ unter Führung des Fischereiverbandes fand hier die offizielle Feier zum Maifisch-Besatz 2019 statt. Schulkinder der Gemeinschaftsgrundschule Poller Hauptstr. nahmen zusätzlich am Schulklasseninformationsprogramm der Stiftung Wasserlauf teil und trugen mit ihren Lehrern den Zacheies des Maigeloogs, eine Strohpuppe, zum Ertränken an den Rhein. Sie wurden begleitet von einem Polizeibeamten auf einem Polizeimotorrad, das sie sich ausführlich erklären ließen.

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Essen und die Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes begrüßten Gäste aus Frankreich, England, den Niederlanden, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz neben Experten, Politikern und Prominenten aus dem Kölner und rheinischen Raum. Auch die Vorsitzenden bzw. Präsidenten des Rheinischen Fischereiverbandes und des Fischereiverbandes NRW, Reiner Gube und Johannes Nüsse, hießen die Gäste willkommen. Reiner Gube führte durch die Veranstaltung.
Die Gäste zeigten sich zudem beeindruckt von Ort und Ambiente der Veranstaltung: Auf dem Rhein präsentierte das große Feuerlöschboot der Feuerwehr Köln seine Wasserfontänen und ein Polizeiboot präsentierte sich vor der Domkulisse

Der Maifisch galt ab Mitte des vorigen Jahrhunderts im Rhein und in Deutschland ausgestorben. Der letzte größere Fang ist zwar für 1949 in Wesel dokumentiert, aber angeblich wurden noch 1950 beim Poller Maifest zum letzten Mal Maifische verzehrt.
Da bislang Zuchtversuche für Maifische in Deutschland gescheitert sind, wurden kleine Maifische, sogenannte Maifischlarven, in einem Nachttransport vorsichtig aus der Zuchtanstalt Bruch von Süd-West-Frankreich nach Köln transportiert. Ca. 470.000 wurden am 05.06.2019 in Vallendar bei Koblenz unter der Führung von Projektleiter Dr. Andreas Scharbert, Rheinischer Fischerverband, in den Rhein entlassen und ca. 30.000 blieben für die Besatzfeier am nächsten Tag in Köln zurück.

Seit Beginn des Programms wurden ab 2008 bislang über 10 Millionen winzige Maifischlarven aus Frankreich in den Rhein eingesetzt. Diese lassen sich flussabwärts treiben, erreichen im Spätherbst die Nordsee und kehren nach ca. 5 Jahren mit einem Gewicht von bis zu 5 Kg und einer Länge bis 80 cm zurück, um zu laichen. Ab 2014 wurden erstmals Rückkehrer beobachtet, sogar in Mosel, Neckar, Main und im Oberrhein. Am Oberrhein scheint es auch inzwischen eine eigenständige Population zu geben. 2017 wurden sogar in Deutschland erstmals seit fast 100 Jahren laichende Maifische auf einer Kiesbank bei Koblenz entdeckt.

Das zunächst als EU-Projekt gestartete Maifischprojekt erhielt bereits 2 europäische Umweltpreise und der Maifisch war 2004 „Fisch des Jahres“. Das Projekt entstand 2003 in einem Kölner Brauhaus. Die Gebrüder Dohle hatten die HIT-Umweltstiftung gegründet und suchten einen Rheinfisch zum Fördern. Walter Sollbach, damals Vorsitzender des Rheinischen Fischereiverbandes von 1880, schlug nach einigen Diskussionen den Maifisch vor, weil er das Poller Maispill mit den Bezügen zum Maifisch und die Maifischgasse in Poll kannte.
Durch diese räumliche Nähe kam dann auch schließlich das Poller Maigeloog 2010 in das Projekt und durch die gute Kooperation mit dem Rheinischen Fischereiverband wurde dann auch der Maifisch fester, stets steigender Bestandteil der Aktivitäten des Poller Maigeloogs.

Nicht zuletzt durch diese enge Verbindung gelang es Reihmeister (Vorsitzender des Maigeloogs) Hans Burgwinkel, die diesjährige Veranstaltung nach Poll zu holen. Der „länderübergreifende“ Besuch und die große Presseresonanz gaben ihm recht. Die Veranstaltung wieder einmal zu einem vollen Erfolg mit den Höhepunkten der Teilnahme von NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser und der Ersten Bürgermeisterin der Stadt Köln, Elfi Scho-Antwerpes.

Die Kinder der GGS Poller Hauptstr. sahen in einem Schulklassenprogramm der Ufernetzbefischung zu und durften anschließend mit wechselndem Erfolg selbst mit dem Kescher nach Fischen und kleinen Lebewesen im Uferbereich suchen. Außerdem lernten sie das Edelkrebsprojekt kennen und wurden über das Wanderfischprogramm der Stiftung Wasserlauf informiert. Als Höhepunkt durften sie selbst Maifische in den Rhein freilassen.

Für die Gäste hatte Reihmeister Hans Burgwinkel eine besondere Überraschung: frischen Maifisch aus dem Rio Mino/Rio Minho , Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal. Dort ist das Fangen von Maifischen noch erlaubt, aber der Bestand geht wie in Frankreich massiv zurück. Ein spanischer Fischerfreund hatte in zwei Nächsten zwei Maifische gefangen, darunter einen besonders großen mit 4,2 kg und 70 cm Länge und ihn in einem Übernacht-Tiefkühltransport nach Deutschland gesandt…

Nach kurzer Zeit war der frisch gegrillte Fisch bei der Abschlussfeier im Restaurant Rheinlust vertilgt: festes Fleisch, sehr lecker aber mit vielen Gräten. Aufgrund dieser Eigenschaft wurde er in historischen Zeit auch als „Lachs für Arme“ in Köln als „Löhrgasser Salm“ bezeichnet.

Die nächsten Besatzorte werden vermutlich in Hessen, im Elsass oder in den Niederlanden sein, aber Hans Burgwinkel hofft, in ca. 5 Jahren wieder die Feier in Köln, dem Geburtsort des Maifischprogramms, ausrichten zu können. Wenn am Oberrhein weitere Fischtreppen neben den Staustufen in Betrieb genommen werden, wird auch sicherlich die Schweiz als Besatzort in Frage kommen. Die Schweiz ist aber dennoch bereits jetzt Mitglied des „Länderübergreifenden Maifischprojektes“.

Bemerkung am Rande: Der Zacheies konnte nicht ertränkt werden… Die Umweltministerin verbot das Ertränken im Rhein, nicht zuletzt auch wegen der „Mikroplastikanteile“… So fand auch dieser Spaß ein glückliches Ende, obwohl er am Ende der Veranstaltung wieder auf mysteriöse Weise verschwunden war….

Das länderübergreifende Maifisch-Projekt wird unter der Leitung des Rheinischen Fischereiverbandes von 1880 e.V. von Frankreich, der Niederlande und der Schweiz, den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz, sowie vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg, von der Rheinfischereigenossenschaft NRW, der Bezirksregierung Düsseldorf und dem Verband Hessischer Fischer getragen.

Der Reihmeister des Poller Maigeloogs, Hans Burgwinkel, bedankt sich auch im Namen von Poll besonders bei den Sponsoren, den Partnern, den beteiligten Behörden und insbesondere der oft viel kritisierten Stadt Köln. Es wurden für dieses besondere Event mit großer Außenwirkung viele unbürokratische Lösungen gefunden, ohne die eine derart erfolgreiche Veranstaltung von kleinen Vereinen nicht hätte durchgeführt werden können.

Mehr und nähere Informationen siehe http://www.pollermaigeloog.de/maifischbesatz-2019....
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