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Kindheitslexikon: Jahn, Friedrich Ludwig

Das weiße Haus ist das seinerzeitige Domizil Jahns. Aufnahme vom Frühjahr 1980.
 
Und hier vom Jahr 2010. (© 2010 by Edelgard Koch, Kölleda. Bild wurde im Auftrag des Autors erstellt.) Am Rande bemerkt: Das eindrucksvolle Fachwerkhaus in der Mitte stammt von 1797.
Deutscher Pädagoge, der als Initiator der deutschen Turnbewegung gilt. Aus dem von ihm begründeten Turnen ging unter anderem die heutige Sportart Gerätturnen hervor. Die Turngeräte Reck und Barren wurden von ihm eingeführt. (Wobei hier auch die Verdienste des vor seiner Zeit wirkenden Johann GutsMuths berücksichtigt werden müssen, auf dessen Leistungen Jahn bereits aufbauen konnte.)
In Kölleda befand sich Jahn in Verbannung wegen seiner politischen Aktivitäten. Bis zum heutigen Tage wird daran auf verschiedene Weise erinnert.

Geboren am 11. August 1778 als Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn in Lanz (Prignitz). Sohn eines Pfarrers.

Zuerst Hausunterricht beim Vater.

Ab 1791 Gymnasium in Salzwedel (Altmark).

Von 1794 an Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, das er zwei Jahre später ohne Abschluss verließ.

Ohne das dafür erforderliche Abitur immatrikulierte er sich 1796 an der Universität Halle zum Theologiestudium und verbrachte sieben Jahre an verschiedenen Universitäten, darunter der Universität Greifswald und der Universität Göttingen, die er, wie schon die Gymnasien, wegen schlechter Führung und seines nie bestandenen Abiturs verlassen musste.

1800: Prozess in Leipzig wegen seiner politischen Aktivitäten, es wurde ihm ein Verbot für alle deutschen Universitäten ausgesprochen.

Intensive Beschäftigung mit deutscher Sprache und Geschichte. In Halle trat er für die Reinheit der deutschen Sprache ein und verfasste die Schrift "Patriotismus in Preußen", woraufhin er die Stadt verlassen musste. Schon davor war er während seiner Hallenser Zeit, so um das Jahr 1800 herum, oftmals gezwungen, sich in einer Höhle in einem Felsen an der Saale, heute als Jahnhöhle bekannt, zu verstecken.

Nächste Station: Breslau.

Juli 1801 bis Januar 1802: Aufenthalt an der Brandenburgischen Universität Frankfurt ohne Immatrikulation.

1802 Begegnung mit Ernst Moritz Arndt an der Universität Greifswald; die vaterländische Idee des "Vereinigten Deutschland" entstand.
Er verließ die Universität ohne Abschluss.

Jahn gehörte dem Studentenorden der Unitisten an.

1803/04: Hauslehrer der Kinder von Baron Friedrich Heinrich Gottlieb von le Fort in Neubrandenburg.

Glashütte Sophienthal bei Waren (Müritz).

Privatlehrer in Jena.

Während der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 fungierte Jahn als Kurier im Regierungsauftrag.

1807 traf er Johann Christoph Friedrich GutsMuths in Schnepfenthal, dem er Impulse für das Turnen in Deutschland verdankte.

1808: Verfassung der Schrift "Deutsches Volksthum". Jahn skizzierte darin erstmals seinen entschiedenen Nationalismus, zu dem er während der französischen Besatzung gekommen war und den er mit scharfen Angriffen verband:
"Unglückliches Deutschland! Die Verachtung deiner Muttersprache hat sich fürchterlich gerächt. Du warst schon länger dir unwissend durch eine fremde Sprache besiegt, durch Fremdsucht ohnmächtig, durch Götzendienst des Auslandes entwürdigt. Nie hätte dein Überwinder so vielfach in einem andern Lande gesiegt, wo die Vergötterung seiner Sprache nicht mitgefochten […] Diese Sprache hat deine Männer betört, deine Jünglinge verführt, deine Weiber entehrt. – – – Deutsche, fühlt wieder mit männlichem Hochsinn den Wert eurer edeln lebendigen Sprache, schöpft aus ihrem nieversiegenden Urborn, grabet die alten Quellen auf, und lasset Lutetiens (Synonym für Paris, Anm..) stehende Lache in Ruhe!"
Jahn vertrat auch die Ansicht, Deutschland solle eine größere Rolle in Europa einnehmen. Ihm schwebte ein "Großdeutschland" vor, zu dem auch die Schweiz, Holland und Dänemark gehören würden. Hauptstadt solle die neue Stadt "Teutonia" werden, die in Thüringen gegründet werden solle, wo sich die Fernstraßen aus den dann deutschen Grenzstädten Genf, Memel, Fiume, Kopenhagen, Dünkirchen und Sandomir treffen würden.
Daneben richtete er seine Angriffe gegen die seiner Ansicht nach minderwertige Unterhaltungsliteratur der damaligen Zeit: "Diese sogenannten Unterhaltungsbücher werden zusammengeschmiert von elenden Hungerleidern …"

1810 an der Plamannschen Erziehungsanstalt in Berlin tätig, scheitert dann aber an einer Prüfung für die Oberlehrerstelle in Königsberg. Er wurde Hilfslehrer in Berlin und widmete sich der Turnerei.
Ebenfalls 1810 wird "Deutsches Volksthum" in Lübeck publiziert.

13. November 1810: An jenem Tag gründet Jahn mit elf Freunden in der Hasenheide bei Berlin den geheimen "Deutschen Bund zur Befreiung und Einigung Deutschlands". Aus den ausgedehnten Wanderungen, die Jahn mit seinen Schülern unternahm, entwickelte sich schließlich regelmäßiges Turnen.
Die Turnbewegung, auch Turnerbewegung oder turnerische Bewegung genannt, war von Anfang an mit der frühen Nationalbewegung verknüpft. Sie war unter anderem mit der Zielsetzung entstanden, die Jugend auf den Kampf gegen die napoleonische Besetzung und für die Rettung Preußens und Deutschlands vorzubereiten.

Am 19. Juni 1811 begann er an dem Treffpunkt seiner elf Mitstreiter mit dem öffentlichen Turnen. Somit wurde die Hasenheide zum ersten deutschen Turnplatz, der mit Geräten nach dem Vorbild von GutsMuths ausgestattet wurde. Ebenso entstammten die Leibesübungen, die Jahn Turnen nannte, dem Vorbild GutsMuths', allerdings meinte Jahn mit Turnen die Gesamtheit aller Leibesübungen: Geräteübungen wurden weiterentwickelt und durch Spiele, Schwimmen, Fechten und Wandern ergänzt.
Die von ihm und seinen Mitstreitern in der Hasenheide demonstrierten Vorstellungen von der "Deutschen Turnkunst" sind im heutigen Turnbetrieb noch wiederzufinden. Ebenso haben grundlegende von Jahn eingeführte Begriffe und Bezeichnungen Eingang in die Terminologie des Gerätturnens gefunden.
Was die politischen Ziele der Zusammenkünfte betraf, so waren diese zunächst von der romantischen Aura einer Freiheitsbewegung getragen. Als ideologische Gegner sah man sowohl die Franzosen als auch die deutschen Fürsten, die weiterhin die Einheit und Freiheit der deutschen Nation verhinderten, an. Jahn war ein leidenschaftlicher Befürworter der deutschen Einheit. Ihm schwebte die Idee eines künftigen deutschen Reiches unter preußischer Führung vor. Doch zunächst wollte er vor allem die Jugend durch das Turnen auf einen künftigen Befreiungskrieg gegen das napoleonische Frankreich ertüchtigen. Ein Modell dafür waren die Guerilla-Krieger, die kurz zuvor in Spanien gegen Napoleon gekämpft hatten.
Zusammen mit Anderen versuchte Jahn dem preußischen Königshof die Notwendigkeit des Aufstands deutlich zu machen. Offenbar verabredete er mit Scharnhorst und Hardenberg die Gründung eines Freikorps, denn er kam schon zum Sammelplatz, bevor dem König von den Ministern die Bitte um die Errichtung des Lützowschen Freikorps vorgelegt wurde. Mit einigen Turnern aus Berlin kam er dazu auch nach Breslau, viele weitere Freunde und Bekannte aus Studientagen konnte er darüber hinaus für das Korps gewinnen. Bei der Anreise regte er in Frankfurt (Oder) die Gründung des ersten Turnplatzes auf den Laudonsbergen der Frankfurter Dammvorstadt an.
Im Freikorps leistete er vor allem bei der Verwaltung, der Ermutigung und Anfeuerung der Freiwilligen sowie durch seine Ortskenntnis in Mittel- und Norddeutschland besondere Dienste. Er war auch zeitweise als Anführer eines Bataillons eingesetzt.

1813, in der Zeit der Völkerschlacht bei Leipzig, forderte Jahn: "… freie Rede, Verfassung, Einheit des Vaterlandes …" Im selben Jahr nahm Jahn in Berlin den in der Zwischenzeit von Ernst Eiselen geleiteten Turnbetrieb wieder in seine Hand. Er half bei der Verbreitung des Turnens, wo es ihm möglich war: Er schickte Vorturner und besuchte auf seinen Turnfahrten selbst verschiedene Turnplätze.

Am 12. Juni 1815 wurde in Jena die Urburschenschaft gegründet. Die Bewegung der Burschenschaften stand in engem Bezug zum Turnwesen. Sie und die Turner verfolgten im Grunde die gleichen politischen Ziele. Allerdings gab es auch kleine Gruppierungen, die sich von diesen Zielsetzungen abhoben. Es kam zur Spaltung des deutschen Liberalismus in eine demokratische und eine nationalliberale Richtung.

Der Wiener Kongress enttäuschte Jahn, da sich dort eine Politik des europäischen Gleichgewichts durchgesetzt hatte. Der Deutsche Bund unterdrückte die liberalen Verfassungsbewegungen in den Einzelstaaten. Von den eigentlichen Zielen Jahns war nur die Befreiung von Frankreich erfüllt.

1816 erschien das Buch "Die Deutsche Turnkunst" von Jahn und Ernst Eiselen. In diesem Buch beschreibt Jahn folgende Punkte:
- Ziele, Inhalte und Formen.
- Verhaltens- und Kleiderordnung.
- Allgemeine Verhaltensregeln.
Das Buch entstand aus der Praxis heraus für die Praxis. Für die Turner und Anhänger Jahns war es eine Art Bibel einer neuen volkstümlichen Erziehung über den Körper. Das Buch ist in mehrere Abschnitte unterteilt:
- In einem Vorbericht wird die Entstehung des Buches als Ergebnis einer Gemeinschaftsarbeit beschrieben.
- Die eigentlichen Turnübungen werden behandelt: Gehen, Laufen, Springen, Schwingen, Schweben, Reckübungen, Barrenübungen, Werfen, Ziehen, Schieben, Heben, Tragen, Strecken, Ringen.
- Turnspiele.
- Musterbeschreibung eines Turnplatzes und der Turngeräte.
- Turnordnung, Turngesetze, das Verhalten und die Kleidung der Turner und Lehrer.

Der Turnerwahlspruch "Frisch, fromm, fröhlich, frei" geht auf einen Reimspruch des 16. Jahrhunderts zurück – "Frisch, frey, fröhlich, frumb – Sind der Studenten Reichthumb!" 1816 erhob Jahn ihn im Turnlehrbuch "Die deutsche Turnkunst" zur sittlich-moralischen Maxime der Turner.

Einen Höhe- und Wendepunkt erlebte die frühe Turnbewegung in den Jahren 1817/18. Nach den Befreiungskriegen gewannen die konservativen politischen Kräfte in Preußen wieder an Einfluss. Somit war die Zeit reformatorischer Bestrebungen zunächst vorüber.
Auf dem Höhepunkt der Turnbewegung in Deutschland mit über 100 Turnplätzen allein in Preußen fand am 18./19. Oktober 1817 das Wartburgfest statt. Dabei kam es auf Jahns Initiative zur ersten neuzeitlichen Bücherverbrennung im deutschsprachigen Raum. Jahn war zwar nicht bei dem Fest anwesend, hatte aber die Liste der Bücher zusammengestellt, sein Schüler Hans Ferdinand Maßmann war maßgeblich an der Aktion beteiligt. Dieser symbolträchtige Akt zog den Argwohn Metternichs auf sich. Nachdem Jahn zudem bei einer Abendgesellschaft – mit nur gemischtem Erfolg – ein Hoch auf die Studenten des Wartburgfestes ausgebracht hatte, wurde er beim preußischen Ministerium zunehmend zur missliebigen Person. Seine Vorlesung über "Deutsches Volksthum" durfte er im Wintersemester nicht mehr offiziell an der Universität halten.
Jahn begann 1817 mit einer Vortragsreihe zum genannten Thema, in der er die Missstände im preußischen Heer anprangerte und die Beschränkung der bürgerlichen Rechte im Staat bedauerte. Damit schuf er sich nicht nur Anhänger, sondern auch Gegner wie den Staatskanzler Hardenberg, der das Turnen unter staatliche Aufsicht an den Schulen übernehmen wollte. Außerdem gab er immer wieder in derben Worten seinem Patriotismus beziehungsweise Nationalismus Ausdruck. Zuhörer waren von seiner Schroffheit nicht selten unangenehm berührt, etwa wenn Jahn auch noch nach dem Sieg über Napoleon die französische Sprache und ihr Erlernen verteufelte.

Die Ermordung des Schriftstellers, Journalisten und russischen Generalkonsuls August von Kotzebue, zuvor schon durch die Bücherverbrennung betroffen, durch den Studenten und Turner oder Burschenschafter Karl Ludwig Sand im März 1819 löste letztendlich das Turnverbot aus. Im Zuge der sogenannten Demagogenverfolgung wurde dem Turner und Burschenschafter Jahn die Wiederaufnahme des Turnens auf der Hasenheide untersagt, da die Turnübungen im Rahmen des Unterrichts stattfanden und der Schulbehörde untergeordnet werden sollten. Im Sommer 1819 kam es zur Berliner und Breslauer Turnfehde, worin Kritik gegen das Turnen oder gegen seine religiös-patriotische Richtung laut wurde.

13. Juli 1819: Inhaftierung Jahns wegen seiner politischen Umtriebe.
Die nächsten fünf Jahre verbrachte er in Haft in Spandau, Küstrin und Kolberg. Der Dichter und Richter E. T. A. Hoffmann leitete die Ermittlungen im Fall Jahns und seines Umfeldes. Jahn verharmloste seine Rolle im vergangenen Jahrzehnt, was durch seine ebenfalls verhörten Freunde gedeckt wurde. Hoffmann fällte 1820 ein mildes Urteil, trotz Beschuldigung des Regierungsrats Johann Ernst Theodor Janke, eines ehemaligen Mitglieds des geheimen Deutschen Bundes. Jahn solle freigelassen werden, da keine hochverräterischen Tendenzen bei ihm sichtbar geworden seien. Jedoch wurde Jahn auf höhere Anweisung noch fünf Jahre in Haft gehalten, da man in ihm nicht ganz zu Unrecht neben Fichte und Arndt den geistigen Vater der studentischen Freiheits- und Einheitsbewegung sah.

Infolge der Karlsbader Beschlüsse vom August/September 1819 wurden die Burschenschaften verboten, Universitäten unter Staatsaufsicht und viele studentische Turner und Burschenschafter unter polizeiliche Aufsicht gestellt. Mehrere Turner aus Jahns Umfeld wurden festgenommen oder erhielten ein Berufsverbot, so dass sie ins Ausland, vor allem Amerika, auswanderten. Ein Turnverbot in ganz Preußen und anderen deutschen Staaten wurde erlassen. Somit war offiziell in Preußen 1820 das Turnen eingestellt, allerdings fanden weiterhin vielerorts trotz dieser Sperre Leibesübungen statt.

Der Maler Caspar David Friedrich stellt in seinem in jenem Jahr entstandenen Gemälde "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes" Jahn zusammen mit dem Neubrandenburger Pastor Franz Christian Boll, er lebte von 1776 bis 1818, dar. Es handelt sich hier um eines der Gedächtnisbilder für den verstorbenen Boll, dem man die etwas untersetzte Figur mit Umhang zuordnen kann. Die andere, sportlich wirkende Figur ist aus den historischen Umständen heraus als Friedrich Ludwig Jahn in jungen Jahren zu identifizieren, während seiner Hauslehrerzeit in Neubrandenburg.

15. März 1825: Freispruch unter der Bedingung, in keiner Universitäts- oder Gymnasialstadt zu wohnen.
Von 1825 bis 1852 lebte Jahn unter Polizeiaufsicht in Freyburg an der Unstrut. Hier steht heute noch die älteste Turnhalle Deutschlands, deren Bau Jahn nach der politischen Rehabilitation initiiert hatte.

1828: Wegen des Kontakts mit Schülern und Lehrern Verbannung nach Cölleda. Sie dauert bis 1835. An der Fassade des Hauses Roßplatz 21 befindet sich eine Gedenktafel für ihn.

Im Laufe der Jahre wurden die Bestimmungen gelockert, und Ärzte und Pädagogen unterstützten das Wiederaufleben der Leibesübungen. 1837 wurden in den Gymnasien Leibesübungen gestattet.

1838/39: Jahn baut sich in Freyburg (Unstrut) ein Wohnhaus.

1840 erfolgte Jahns Amnestierung und vollkommene Rehabilitierung durch Friedrich Wilhelm IV.. Jahn erhielt das ihm aberkannte und vorenthaltene Eiserne Kreuz aus den Befreiungskriegen.

1842 hob Friedrich Wilhelm IV. den Erlass seines Vaters auf und beendete damit offiziell die Turnsperre. Turnen wurde in Preußen zugelassen und sogar Schulfach.

Ende 1843 erklärte Jahn der Frankfurter Turngemeinde die Bedeutung seines Wahlspruches "Frisch, fromm, fröhlich, frei", den er am Giebel seines Wohnhauses in Freyburg, dem heutigen Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum, anbringen ließ:
- "frisch nach dem Rechten und Erreichbaren streben, das Gute thun, das Bessere bedenken, und das Beste wählen";
- "frei sich halten von der Leidenschaft Drang, von des Vorurtheils Druck, und des Daseins Ängsten";
- "fröhlich die Gaben des Lebens genießen, nicht in träumerisch vergehn über das Unvermeidliche, nicht in Schmerz erstarren, wenn die Schuldigkeit gethan ist, und den höchsten Muth fassen, sich über das Mißlingen der besten Sache zu erheben";
- "fromm die Pflichten erfüllen, leutseelig und volklich, und zuletzt die letzte, den Heimgang. Dafür werden sie gesegnet sein, mit Gesundheit des Leibes und der Seele, mit Zufriedenheit so alle Reichthümer aufwiegt, mit erquickenden Schlummer nach des Tages Last, und bei des Lebens Müde durch sanftes Entschlafen."
Aus den Anfangsbuchstaben des Turnerwahlspruches, den vier F, formte der Darmstädter Kupferstecher Heinrich Felsing 1843/46 das Turnerkreuz.

1848 wurde Jahn in die Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche gewählt. Er wandte sich vom patriotischen Turnen ab, engagierte sich für Ruhe und Ordnung und vertrat die Idee eines preußischen Erbkaisertums. Damit büßte er seine Volkstümlichkeit zwar weitgehend ein, gelangte aber in der Folgezeit zu voller Anerkennung als Bahnbrecher der Leibeserziehung.

Gestorben am 15. Oktober 1852 im Alter von 74 Jahren in Freyburg (Unstrut). Dort wurde er an der Stirnseite der ersten deutschen Turnhalle beigesetzt.

Erhielt nach seinem Tod im Volksmund den Beinamen "Turnvater Jahn".

10. August 1872: An der Gründungsstätte der Turnbewegung, in der Berliner Hasenheide, wird die Bildsäule Friedrich Ludwig Jahn's enthüllt.

Der 1893 gegründete sozialistische Arbeiter-Turnerbund wandelte das Jahnsche Motto "Frisch, fromm, fröhlich, frei" in einen neuen Wahlspruch um: "Frisch – Frei – Stark – Treu".

Ab den 1930-er Jahren entsteht in dem neu erschlossenen Siedlungsgebiet in der Kölledaer Flur Geböse die Jahnstraße.

1931: Das Gymnasium in Salzwedel (Altmark), auf dem Jahn einen Teil seiner Jugendzeit verbrachte, wird nach seinem berühmten Schüler benannt.

Aus Anlass der Olympischen Spiele in Berlin 1936 Umbettung der Gebeine Jahns. Sie fanden ihre letzte Ruhestätte im Ehrenhof seines Wohnhauses von 1838/39. Dieses Gebäude beherbergt heute das Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum.

Vermutlich zweite Hälfte der Fünfziger Jahre: Der Stalinplatz am südlichen Ende der Stadt Kölleda wird in Jahnplatz umbenannt.

1. Mai 1967: An diesem Datum wird in Kölleda in der Adresse Straße des Friedens 77 die "Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportstätte" unter anderem als Heimstätte des örtlichen Fußballvereines eröffnet.

1972: Der bisher unter dem Namen "Zentralschule" geführten Bildungseinrichtung in der Straße der Jugend 15 in Kölleda wird der Name "Polytechnische Oberschule 'Friedrich Ludwig Jahn'" verliehen.

1992: Gründung der "Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft e. V.", einem Förderverein zur Traditionspflege und Erhaltung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gedenkstätten.

2008 durch Satzungsänderung Umbenennung der "Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft e. V." zur "Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft" mit Sitz in Freyburg (Unstrut). Der Fokus der Arbeit lag nun noch stärker auf der Jahn-Forschung. Dazu unterhält die Gesellschaft Beziehungen zum Deutschen Turner-Bund und den Landesturnverbänden, zu Hochschulen, Schulen, Museen und weiteren dem Thema verpflichteten Organisationen.
Dem Schaffen Friedrich Ludwig Jahns widmet sich auch die Friedrich-Ludwig-Jahn-Bibliothek in Freyburg (Unstrut), eine Einrichtung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft.

31. Mai 2013: Friedrich Ludwig Jahn wird in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Ein Teil seines Nachlasses wird heute durch die Historischen Sammlungen der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin verwaltet.


Eine – alles andere als vollständige – Liste von Institutionen, die in Deutschland Jahns Namen tragen:
- Schulen:
+ Staatliche Regelschule "Friedrich Ludwig Jahn" Kölleda (Jahnschule).
+ Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium Greifswald.
+ Sportschule Potsdam "Friedrich Ludwig Jahn".
+ Friedrich Ludwig Jahn Grundschule Freyburg.
- Sportstätten:
+ Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin, Prenzlauer Berg.
+ Jahn-Sporthalle Berlin-Neukölln.
+ Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion (Hoyerswerda).
+ Jahnstadion (Marl).
+ Jahnstadion (Rheine).
+ Jahnstadion (Bottrop).
+ Ludwig-Jahn-Stadion (Herford).
+ Jahnstadion (Neubrandenburg).
+ Jahnsportforum in Neubrandenburg.
- Sportvereine:
+ SSV Jahn Regensburg.
+ SpVgg Jahn Forchheim.
+ TS Jahn München.
+ TV Jahn-Rheine 1885.
- Verkehrsmittel:
+ Motorschulschiff "F. L. Jahn" der GST-Marineschule "August Lütgens" in Greifswald-Wieck. Das ehemalige Fischereifahrzeug war als Ausbildungsschiff der Gesellschaft für Sport und Technik von 1958 bis 1972 im Hafen Greifswald-Wieck stationiert und wurde anschließend in den Stadthafen Rostock verlegt.
- Sonstiges:
+ In zahlreichen deutschen Städten wurden Straßen und Plätze nach Jahn benannt.
+ Jahnhöhle in Halle (Saale).
+ Jahn-Bergturnfest auf dem Bückeberg im Landkreis Schaumburg (Niedersachsen).
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ludwig_Jah... Abruf vom 31. März 2017)

Eine persönliche Erinnerung: Ich war ja von 1982 bis 1992 Schüler der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule Kölleda. Wenn man das Schulgebäude über den Eingang in der Straße der Jugend betrat, hing zu meiner Zeit an der Wand gleich gegenüber ein riesiges Konterfei des Turnvaters.
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