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So erlebte ich in den Neunziger Jahren die Adventszeit in Niederösterreich - Teil 1

Retzer Advent
 
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Retzer Advent - "Nie wieder eine dieser Billig-Schönheitskliniken in Osteuropa!"
 
Retzer Advent

Kapitel 51.: Adventszeit in Retz

Kapitel 51. 1.: Der 13. November 1994

Am Sonntagnachmittag war ich in den Versammlungsraum im Pfarrhaus gegangen. Wie es in der Pfarre Retz Tradition ist, bastelten die Mitglieder der ältesten Jungschargruppe ihre ganz persönlichen Adventskränze. Die fachliche Anleitung erfolgte durch den städtischen Friedhofsgärtner Harald Eibl.
Ich machte ein Bild für meine Reportage über die Retzer Adventsaktivitäten und ging wieder.

Kapitel 51. 2.: Der 14. November 1994

Die erste Stunde am Morgen war ausgefallen. Ich war aber trotzdem losgegangen. Jedoch nicht in die Schule, sondern in den Pfarrsaal. Wo die Mitgliederinnen der örtlichen Katholischen Frauenbewegung damit begonnen hatten, die Adventskränze für ihren Adventsmarkt zu basteln. Ich hatte beschlossen, ein Bild für meine Adventsreportage in der Zeitung zu machen.
Überall lagen Tannengrün und Tannenzapfen auf den Tischen, als ich die Treppe in den Saal hinab stieg. Im ganzen Raum roch es nach Wald.

Da es sich nicht lohnte, noch einmal nach Hause zu gehen, ging ich hinterher gleich in die Schule. Ich setzte mich in unseren noch leeren Klassenraum. Ich hatte beschlossen, ein paar Artikel über aktuelle Sachen in der Schule handschriftlich zu verfassen, sodass ich sie zuhause nur noch abzutippen brauchte.
Der erste handelte vom Tag der Offenen Tür an der Schule:
"Mit verschiedensten Präsentationen, so vielfältig wie ihre Bildungsangebote selbst, warb die HAK Retz an ihrem unlängst stattgefundenen Tag der Offenen Tür wieder einmal kräftig um Schüler für das kommende Schuljahr. Höhepunkt der Veranstaltung war eine von Schülern organisierte und mehrfach durchgeführte Sportbekleidungs-Modenschau, in welcher die Arbeit der an der Schule existierenden fiktiven Lernfirma 'Hit & Fit' vorgestellt wurde."

"Junge Literatur
Absolventenverein der HAK/HAS Retz, Deuticke-Verlag, Stadtgemeinde und Raiffeisenkasse Retz-Pulkautal laden am 05. 02. um 20:00 Uhr zu einer Lesung unter dem Schlagwort 'Junge Literatur' in die Aula der HAK ein. Präsentiert werden die Siegerarbeiten eines Aufsatzwettbewerbes zum Thema '5 Jahre offene Grenze'. Darüber hinaus tragen die ehemaligen HAK-Schüler Gerhard Hofer und Christopher Staininger, die mittlerweile schriftstellerisch tätig sind, Passagen aus ihren Werken vor. Für musikalische Umrahmung und Buffet sind gesorgt."

"Lesung Pavel Kohout
Die HAK Retz konnte vor kurzem in ihren Räumen wieder mal einen Star-Schriftsteller zu einer Lesung willkommen heißen. 'Lange Welle hinterm Kiel' heißt das Buch des im Westen vor allem als Mitbegründer der früheren tschechoslowakischen Bürgerrechtsbewegung 'Charta 77' bekannt gewordenen tschechisch-österreichischen Autors Pavel Kohout, welches von ihm selbst vorgestellt wurde. Es handelt von den Schicksalen einiger Bewohner Südmährens, denen entweder aufgrund ihrer tschechischen Muttersprache in der Nazi-Zeit oder aufgrund ihrer deutschen Muttersprache nach dem Zweiten Weltkrieg menschenrechtswidriges Unrecht angetan wurde.
Fazit: Ein feinfühliges Stück Literatur, das weder belehren noch verurteilen will, welches auch für keine der beiden Seiten direkt Partei ergreift. Fast mit der teilnahmslosen Nüchternheit eines Polizeiberichtes schildert Kohout das Unfassbare, das sich jede der an den Kriegshandlungen beteiligten Volksgruppen zu Schulden kommen ließ. Am Schluss des Buches findet sich auch nicht wirklich eine Patentlösung, wie sich die entstandenen Gräben überwinden lassen. Jedoch wird auf diese Art der Leser indirekt aufgefordert, sich selbst bewusst und aktiv zu dieser Problematik eigene Gedanken zu machen."

"Auszeichnung für Norbert Silberbauer
Den Anerkennungspreis Literatur des Kulturpreises des Landes NÖ erhielt kürzlich der im Retzer Land ansässige Schriftsteller Mag. Norbert Silberbauer. Silberbauer, der hauptberuflich als Lehrer für Deutsch und Geschichte an der HAK Retz arbeitet, schuf in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl an Prosa, Lyrik und Theaterstücken, die teilweise auch international schon beachtliche Erfolge feierte."

"Projektwoche
Auf Projektwoche in Amsterdam hielt sich kürzlich die V. A der HAK Retz auf. Bereits im vorigen Jahr waren innerhalb der Klasse und fächerübergreifend zwischen den Gegenständen Religion und Geschichte Projektgruppen zu den Themen Judentum, Anne Frank und Holocaust; Kunst und Kultur; Alltagsgeschichte sowie Reiseprogrammerstellung gebildet worden, in welchen die Schüler dann vor Ort recherchierten und anschließend Vorträge hielten. Höhepunkt der Reise war ein Ausflug in das Dorfmuseum Zaanse Schans, einer Einrichtung ähnlich dem Museumsdorf Niedersulz in Niederösterreich.
Dass man es mit einer Ausbildung an der HAK Retz im wahrsten Sinne des Wortes 'weit' bringen kann, erlebten einige Schülerinnen und Schüler bei einem Spaziergang durch die Amsterdamer Altstadt, als sie unversehens einer HAK-Absolventin des Maturajahrgangs 1991 begegneten. Dabei stellte sich heraus, dass die mittlerweile 22-jährige Studentin der WU in Wien mit einem Erasmus-Stipendium der EU zu einem Auslandsstudium an der Universität von Amsterdam zugelassen wurde."

Zum Glück hatte ich die Gabe, dass die Artikel immer schon im Kopf fertig waren, als ich sie schrieb.

Nach Schulschluss trat ich wie jeden Montag am späteren Nachmittag meinen "Patrouillengang" zu sämtlichen mir bekannten öffentlichen Informations-Aushängen der Stadt an, um mir – zusätzlich zu den Einladungen – eigenständig Pressetermine zu verschaffen. Auf diese Weise war ich stets umfassend über das öffentliche Leben in der Stadt informiert.
Nach der wie immer gleichen Reihenfolge:

Zettel oder Plakate im Fenster des "Club-Café Kajak" am Beginn der Fladnitzerstraße bezüglich Veranstaltungen der Caritas.
Schaukästen am Beginn der Ostseite der Znaimerstraße/Ecke Hauptplatz.
Foyer der Raiffeisenkasse Retz-Pulkautal an der Nordwestseite des Hauptplatzes.
Plakatanschlagswand im Eingangsbereich der Marktpassage im Scherzerhaus.
Schaukästen an der Ostseite der Torfahrt des Stadtamtes und Info-Materialien-Regal im Foyer im ersten Stock.
(Rückweg zur Nordostseite – "unteren Hälfte" – des Hauptplatzes.)
Litfasssäule bei der Pizzeria.
Erdgeschoss des Gebäudes der Bauernkammer.
Foyer der Weinviertler Sparkasse.
(Gang zur Südostseite des Hauptplatzes.)
Fensterbrett des Foyers der Post.
Litfasssäule beim Stadtkino.
Schaufenster des Caritas-Büros.
Torfahrt des China-Restaurants.
Info-Materialien-Regal der Dominikanerkirche.
(Gang über den Klosterbrücklweg in südliche Richtung und anschließend durch die Roseggergasse.)
Schaukasten an der Bezirksstelle des Roten Kreuzes am Beginn der Jahnstraße.
Die dem Parkplatz zugewandte Außenwand der alten Sporthalle in der Jahnstraße.
Stromkabelkasten in der Straße "An der Mauth" auf der Höhe Jahnstraße.
Schaukästen der Gemeinde bei der Fahrschule, gegenüber der "Schlecker"-Filiale.
(Gang durch die gesamte Ausdehnung des Stadtparks.)
Info-Materialien-Regal der Stadtpfarrkirche.
Schaukasten bei der Musikschule.
Gelegentlich Holztor zum Pfarrgarten bezüglich Veranstaltungen des Vereines "Aktive Jugend Retz".
Foyer der Volksbank Donau-Weinland.
Hölzernes Scheunentor auf der Südseite des Angers.
Schaukasten der Gemeinde in der Fladnitzerstraße auf der Höhe Angertorstraße.

Kapitel 51. 3.: Der 15. November 1994

Kapitel 51. 3. 1.: Der lange Weg nach Hofern


Früher Morgen. Ich stand auf und ging vorsichtig die ersten Schritte in Richtung Tür. An meinem Arbeitstisch angekommen, geriet mir der am Rand stehende Terminkalender ins Blickfeld. Ich warf einen Blick auf die Spalte des heutigen Tages. Wie ich schon am Abend zuvor festgestellt hatte, lautete die einzige Eintragung "Leopoldimarkt des Dorferneuerungsvereines Hofern".

Ich hatte den Holzapfelberg links der Strecke passiert. Jener Teil des Weges nach Hofern begann, welcher mich immer besonders stark an eine mittelalterliche Handelsstraße erinnerte. Überall herrschte völlige Stille.
In meinen Artikel über den Leopoldimarkt, dachte ich, werde ich auf jeden Fall mit hereinnehmen, dass der Heilige Leopold Schutzpatron von Niederösterreich ist. Dass an seinem Tag, dem Leopolditag am 15. November, schulfrei ist. Und dass er die niederösterreichischen Ortschaften Klosterneuburg, Seitenstetten und Heiligenkreuz gegründet hat.

In kurzen Abständen machte der Weg Kurven abwechselnd nach links und nach rechts. Immer öfter ragten auf seinem Boden am Rand die Granitsteine des beginnenden Waldviertels heraus. Sie waren um so häufiger zu sehen, je höher der Weg führte.

Links fiel der Blick die Weingärten hinab. Es waren bereits die auf dem Abhang des langgezogenen Manhartsberges. Die letzten in der Landschaft. Direkt hinter ihnen lag schon der scharfkantige Beginn des Waldes. Der feuchte Nebel hing ziemlich tief. Trotzdem konnte man noch relativ weit in die kilometerlange Landschaft von Weingärten hineinsehen. Im Moment wurde sie von einer Unzahl erdfarbener Töne dominiert. Erzeugt in erster Linie von den sandigen Böden des Weinviertels. Teilweise auch vom Granit des Waldviertels, in den die Sandböden an dieser Stelle sukzessive übergingen. Eine gewisse Rolle spielten auch die braunen, fast blätterleeren Rebreihen. Irgendwo am Horizont gingen die erdfarbenen Pastelltöne stufenlos in die graue Farbe des bewölkten, nebligen Himmels über.

Rechts zog direkt neben dem Weg der Rand des Parapluiebergwaldes vorbei. In seinem Gemisch aus Laubbäumen, Nadelbäumen, Sträuchern und Waldwiese stand der Nebel ebenfalls dicht. Hervorgerufen durch die Lichtverhältnisse wirkte der Wald schon etwas weihnachtlich.

Ich erreichte das Ende des Parapluiebergwaldes. Links und rechts begann der Bereich, wo sich die tatsächlich allerletzten Weingärten über die Hänge ausbreiteten.

Rechts erschien die Stelle, wo die Rebreihen im Vergleich zu links extrem steil den Berg hinab fielen. Dahinter, in der Mitte der sichtbaren Landschaft, die zwei flankierenden Berge. Rechts der Parapluieberg, links der Hardeggerberg. Am Horizont gaben sie wie immer den Blick auf einen Teil des Spittelmaiß-Berges frei. Ich dachte daran, dass mich der Ausschnitt schon öfters an ein auf die Spitze gestelltes Dreieck erinnert hatte.
Auch der Spittelmaiß-Berg wirkte irgendwie schon etwas weihnachtlich. Wie beim Parapluieberg waren es ebenfalls die Lichtverhältnisse, die dazu beitrugen. Den überwiegenden Anteil daran hatte jedoch seine größtenteils aus Nadelhölzern bestehende Vegetation.

Per Zufall sah ich während des Gehens zu meiner Pressetasche herab, die ich an der rechten Hand trug. Auf der ledernen Oberfläche hatte sich ein bisschen was von dem feuchten Nebel abgesetzt, fiel mir auf.

Ich betrat das letzte Stück der geradeausführenden Wegstrecke, wo links und rechts schlagartig der Wald begann. Nach ein paar Metern kam auch die Stelle mit dem Weganstieg. Nach einer ganzen Weile ebenmäßigen Weges ging es kurz wieder merklich steiler nach oben.

Nur wenige Minuten später erreichte ich auch schon wieder die Wegkreuzung. Horizontal lief der Weg von Hofern nach Obernalb vorbei. Direkt über ihn hinweg begann der kleine Sackweg, der mitten in das Walddickicht hineinführte. Links an seinem Beginn erschien der im Volksmund Bilderbaum genannte alte Baum. Ich dachte daran, wie ich in einem Artikel mal über die religiösen Insignien an seiner Außenhaut berichtet hatte. Auch den angeschraubten Holzpfeil mit den zweieinhalb Kilometern Entfernungsangabe bis zum Retzer Rathaus hatte ich erwähnt.
Ich schlug die rechte Richtung ein, die nach Hofern führte. Am Wegrand auf der rechten Seite tat sich inmitten der Strauchreihe die Vegetationslücke auf. Die inzwischen beträchtlich angestiegene Höhenlage wurde an diesem Punkt wieder einmal sichtbar. Ich erinnerte mich, wie man von der Stelle aus bei wolkenlosem Himmel den Stadtrand von Znaim sehen konnte.

Kurz darauf war links und rechts wieder nur Wald.

Ungefähr zehn Minuten später kam ich an der kleinen Lichtung an. Das schmale Grünbrachefeld rechts des Weges tauchte auf. Ganz am Anfang des Feldes zweigte der schmale Waldweg zum Haidgraben ab. Ich musste daran denken, wie ich an dieser Stelle schon manchmal einen Wildwechsel beobachtet hatte.

Die Lichtung war bald überquert. Das letzte Stück Weg durch den Wald vor Hofern begann.

Wie immer relativ unvermittelt endete der Wald. Ein Stück rechts von mir tauchte der Steinbruch der Firma Krausegg auf. Noch weiter rechts zog sich parallel die Landstraße nach Hofern entlang. In ihrer Mitte zeigten die zwei langen rot-weißen Eisenbahnschranken gerade wieder in die Luft. Direkt hinter der Straße wiederum, gleich neben ihrem Rand, setzte sich der Wald fort.
Zwanzig Meter vor mir erschien der Graben der Drosendorfer Bahn. Zunächst das horizontal verlaufende Stück. Dann die Kurve links, nach der die Trasse vertikal weiterging. Ich erinnerte mich, wie ich von seinem Rand aus manchmal das Dach des blau-weiß-roten Regionalbahntriebwagens der Baureihe 5047 entlangfahren sah.

Ich erreichte das Ende des geradeaus führenden Weges. Die Stelle, wo er sich nach links und rechts gabelte. Vor mir befand sich der waagerecht verlaufenden Bahngraben. Links begann der Sackgassen-Feldweg. Auf deren rechter Seite wiederum kam in einiger Entfernung die Reihe altmodischer Kellereingänge in Sicht.
Ich betrat die rechte Abzweigung, auf der es weiter in Richtung Hofern ging.

Kapitel 51. 3. 2.: Vor Hofern


Der Nebel hatte sich inzwischen etwas verzogen, als ich die Zufahrtsstraße zum Ort hinabging. Vor mir lag der zweite Bahnübergang nach dem beim Steinbruch. In seiner Nähe tauchte links von der Straße bereits die Hoferner Haltestelle auf.
Hinter den Schranken fiel der Blick auf die roten Dächer des Dorfes. Es war eine leichte Draufsicht gegeben, da das Dorf in einer kleinen Mulde lag. Bei dem Anblick erinnerte ich mich, wie ich erst kürzlich im Telefonbuch per Zufall die Seite für Hofern entdeckt hatte. Dabei war mir aufgefallen, dass der Ort nur über etwa 50 Anschlüsse verfügte.
Von weitem wirkte die Ortschaft wie ausgestorben. Weder war jemand im Freien unterwegs, noch war ein Auto zu sehen oder gar zu hören. Nur auf der Landstraße, von der die Zufahrtsstraße abzweigte, waren sehr entfernt ein paar Motorengeräusche vernehmbar.

Kapitel 51. 3. 3.: Im Dorfhaus

Zehn Minuten später erreichte ich das Dorfhaus, das in der alten Schule untergebracht war. Die Stände des Marktes befanden sich in dem kleinen Hof neben dem Gebäude, wie mir gleich als erstes auffiel. Aller möglicher selbstgefertigter Adventsschmuck wurde angeboten, teilweise auch schon Weihnachtsschmuck. Ganz am Ende der Reihe, kurz vor dem Eingang ins Haus, befand sich ein Punschverkauf. Mitglieder des örtlichen Dorferneuerungsvereines standen hinter den Ständen und verkauften.
Ich kam am Hauseingang an und stieg die Treppe hinauf, um mich auch innen umzusehen. Um das Foto kümmere ich mich dann, wenn ich den Vorsitzenden des Dorferneuerungsvereines gefunden habe, nahm ich mir vor.
Ein schwach beleuchteter, altmodischer Hausflur im Jahrhundertwendestil tat sich auf. Nach ein paar Schritten zweigte er nach rechts ab. Ein weiterer, etwas längerer Flur schloss sich an. Ganz an seinem Ende hörte ich etliche Gespräche hinter einer Tür.
Ich öffnete sie. Es war das Caféhaus des Marktes, wie sich herausstellte. Der Raum war gut geheizt. Das Licht brannte im Vergleich zum Flur sehr hell. Überall waren Tische und altmodisch wirkende Stühle in ihm aufgestellt worden. Etwa die Hälfte davon war besetzt. Rechts im Raum befand sich das Kuchen- und Tortenbuffet. Vereinsfrauen in weißen Küchenschürzen standen dahinter.
Ich rief ein "Grüß Gott" in die Reihen der Anwesenden. Danach stellte ich die Tasche auf dem Boden ab und knöpfte den Mantel auf. Noch während ich ihn auf den Kleiderständer hängte, sah ich mich nach einem Platz um. Ich setzte mich dann an einen leeren Tisch in der Ecke gleich neben der Tür. Eine der Vereinsfrauen kam auf mich zu, um meine Bestellung aufzunehmen.

Kapitel 51. 3. 4.: Rückweg bei Nacht

Ich hatte draußen mit dem letzten Rest Tageslicht das Bild arrangiert. Danach hatte ich noch eine ganze Weile mit dem Vorsitzenden des Dorferneuerungsvereines über die Vorhaben für das nächste Jahr gesprochen. Das größte davon war die geplante Revitalisierung des Ortsteiches.
Beim Verlassen des Geländes war es bereits Nacht.

Nach etwa einer Viertelstunde hatte ich wieder den Beginn des Waldes hinter dem Dorfrand erreicht. In dem Moment fiel mir auf, dass über den Spitzen der nachtschwarzen Bäume überall Sternhimmel zu sehen war.

Kapitel 51. 4.: Der 17. November 1994

Als es schon Nacht war, machte ich mich auf den Weg zu der Rentnerin in der Langen Zeile, die, um zu ihren bescheidenen Alterseinkünften etwas dazuzuverdienen, selbstgebastelten Adventsschmuck verkaufte. Darüber werde ich auf jeden Fall eine Extra-Geschichte machen, unabhängig von der Sammelreportage über die Adventsaktivitäten in der Stadt, nahm ich mir vor. Als Journalist hat man schließlich soziale Verantwortung.

Kapitel 51. 5.: Der 18. November 1994

Es war bereits stockfinstere Nacht, als ich zur Feierabendzeit den Hof des Caritas-Geländes in der Fladnitzerstraße betrat.
Zielstrebig steuerte ich geradeaus auf die Werkstatt zu. Das Licht schien aus ihr bereits von weitem auf den Hof.
Ein paar verworrene Geräusche drangen aus dem Wohntrakt westlich von mir, als ich ihn passierte.
Ich betrat das Innere der Werkstatt. An mehreren Stellen waren Heimbewohner und Bürger der Stadt beim gemeinsamen Krippenbauen zugange.
So habe ich mir als Kind immer ein wenig die Werkstatt vom Weihnachtsmann vorgestellt, dachte ich. Das Holz überall, die Leimtöpfe, das Geruchsgemisch aus beidem, die Tische mit den Arbeitsspuren von Jahren, die Werkzeuge und Maschinen, …

Kaum war ich zuhause in meinem Zimmer angekommen, setzte ich mich auch gleich an die Schreibmaschine und begann den Artikel zu verfassen:

"Ein kleines Bethlehem

Adventsvorbereitungen auf vollen Touren laufen zurzeit beim Dorferneuerungsverein Altstadt Retz. Wie schon in den vergangenen Jahren wurde auch heuer wieder von der Möglichkeit der Teilnahme am traditionellen Krippenbaukurs rege Gebrauch gemacht. Neu in diesem Jahr ist jedoch, dass der Kurs erstmals integrativ mit Bewohnern des Retzer Caritasheimes durchgeführt wird, die mit Hilfestellung ihrer Betreuer arbeiten. Für alle diejenigen, die überlegen, sich im nächsten Jahr selbst einmal am Bau solch eines kleinen Kunstwerks zu versuchen, ist am 02. 12. der richtige Termin, nähere Informationen einzuholen. An diesem Tag findet nämlich im Foyer der Raiffeisenkasse die feierliche Segnung der 'kleinen Bethlehems' statt. Dort sind sie im Anschluss daran bis zum 21. 12. zu besichtigen, einige auch käuflich zu erwerben."

Kapitel 51. 6.: Der 25. November 1994

Über der Stadt graute der Morgen, als ich im Eintrittsraum der Raiffeisenkasse ankam. Auf beiden Seiten des Durchgangs standen bereits die Tische mit den Waren des KFB-Adventsmarktes. Bei meinem Eintreffen erinnerte ich mich, wie mir in den Tagen zuvor beim Vorbeigehen an der Bank der Aufbau aufgefallen war.
Pfarrer Groll nahm wie üblich die Segnung der Verkaufsgüter vor. In seiner Ansprache zählte er auf, welchen sozialen Zwecken die Erlöse allesamt zugute kommen würden. Friederike hatte danach in ihrer Eigenschaft als KFB-Ortsvorsitzende und Marktleiterin bekannt gegeben, dass ich ein Bild für die Zeitung machen will. Ich bat die anwesenden KFB-Mitgliederinnen und den Pfarrer daraufhin, dass sie sich vor dem linken der beiden Verkaufstische im Vorraum aufstellen. Als sich schließlich alle dort in einer Reihe eingefunden hatten, gab ich noch jedem irgendein Verkaufsobjekt vom Tisch dahinter in die Hand. Danach ging ich bis unmittelbar an den Tisch an der anderen Seite heran und drückte dreimal ab. Wie üblich beendete ich die Aufnahme mit "Danke, das war's". Schlagartig bewegte sich eine Menschenmenge vorüber, welche vorher gewartet hatte, bis ich fertig war. Trotz der frühen Morgenstunde befanden sich bereit zahlreiche Kunden auf dem Markt.
Die KFB-Vorsitzende kam auf mich zu. "Christoph, deaf i di nau auf a Toasse Koaffee und a Möhlspeis eiladn?"
"Gern, da sage ich nicht nein."
"Setzt di eina ins Caféhaus."
Ich stieg die Treppe zu dem kleinen Raum links hinab, der sonst immer für Ausstellungen genutzt wurde. Unten setzte mich an einen der Tische.
Kurz darauf stellte mir eine der KFB-Mitgliederinnen eine Tasse Kaffee vor mir auf den Tisch. "Möhlspeis suachns eahna söba aus. Sie sehns eh doa dribn."
"Ja, mach ich. Danke!" Ich stand auf und ging zur gegenüberliegenden Wand. Auf mehreren aneinandergestellten Tischen befanden sich dort unzählige Teller mit jeweils einem hausgemachten Kuchen- oder Tortenstück. Es überforderte mich, was ich nehmen sollte, da durch die Bank alles sehr gut aussah. Ich wählte daher ohne weiter zu überlegen ein rotes Stück Torte mit einem Sahnehäubchen an seinem Ende, welches direkt vor mir stand. Ich nahm es und ging damit zum zurück Tisch.
Ich setzte mich wieder hin und nahm den ersten Schluck aus der Kaffeetasse. Währenddessen kam mir automatisch der Text zum Bild in den Sinn: "Bestens besucht war auch in diesem Jahr der Adventsmarkt der Katholischen Frauenbewegung Retz vom 25. – 27. 11. im Foyer der Raiffeisenkasse Retz-Pulkautal. Adventskränze und –gestecke, Handarbeiten und verzierte Kerzen in gewohnt guter Qualität sowie Kaffee und Kuchen ließen den Markt wieder zu einem vorweihnachtlichen Einkaufserlebnis werden."

Kapitel 51. 7.: Der 26. November 1994

Kapitel 51. 7. 1.: Beim Hilfswerk

Ich hatte Bilder von bastelnden Kindern samt ihren Betreuerinnen an mehreren Tischen des Raumes gemacht. Danach hatte ich mich von den Betreuerinnen verabschiedet und war zur Tür gegangen, neben der meine Pressetasche stand. Ich hockte mich vor ihr hin, nahm die Kamera vom Hals, öffnete die Tasche und verstaute die Kamera in ihr. Dabei fiel mir bereits der Untertitel ein, den ich für das Bild in der Zeitung verwenden würde: "Christbaumkugeln nach eigenen Ideen und Vorstellungen fertigten Retzer Kinder am 26. 11. unter Anleitung der Mitarbeiterinnen des NÖ Hilfswerks Retz im Werkraum der Hauptschule Retz an."
Da ich mich bereits verabschiedet hatte, öffnete ich die Tür und verließ den Raum.

Kapitel 51. 7. 2.: In der Caritas

Bereits auf dem Fußweg kurz vor dem Eingang des Caritasheimes kamen mir mehrere Leute mit Adventskränzen in der Hand entgegen. Ich erinnerte mich, dass ich mich schon gestern bei der Eröffnung des KFB-Adventsmarktes nach einem Adventskranz umsehen wollte. Ich nahm mir dann vor, mich gleich im Anschluss auf dem Caritas-Markt um die Angelegenheit zu kümmern.
Ich betrat den Hof des Heimareals. Auf ihm waren ebenfalls zahlreiche Gäste unterwegs.
Links zog der Eingang zum Wohntrakt des Heimes vorbei. Gleich darauf kam ich an der Ecke des Gebäudes an, wo der Hof nach links weiterging. Schräg gegenüber vor dem Eingang des Werkstättenhauses befand sich ein Glühweinstand. Ein paar Betreuer aus dem Haus verkauften hinter ihm. Der Geruch des Getränkes lag weithin in der Luft.
Ich betrat das Innere des Werkstättenhauses. Gleich gegenüber der Tür war der erste Stand mit Adventswaren aufgebaut worden. Windlichter aus buntem Glas gab es an ihm. Hergestellt in den Werkstätten des Hauses, so wie alles, was auf dem Markt angeboten wurde. Zwei Bewohner des Hauses standen hinter dem Tisch und verkauften.
Wie schon im letzten Jahr wurden die Adventskränze und –gestecke in den zwei nebeneinanderliegenden Räumen auf der linken Seite verkauft. Ich betrat zunächst den rechten davon. In ihm waren vor allem Gestecke mit Kerzen zu finden. Entlang sämtlicher Wände und in der Mitte standen ebenfalls noch Tische, auf denen überall Gestecke lagen.

Ungefähr eine halbe Stunde später hatte ich dann in dem linken Raum einen Adventskranz für uns ausgesucht und bezahlt. Die Auswahl war mehr als schwierig, denn gefallen hätten mir mehr oder weniger fast alle. Aber für einen musste man sich schließlich entscheiden.
Ich verließ den Raum und stieg die Treppe in den ersten Stock empor. Bereits auf den letzten Stufen der zweiten Treppenhälfte sah ich, dass an der Flurwand genau gegenüber der Treppe ein ziemlich großes Ölbild hing. Oben angekommen, blieb ich kurz davor stehen, um es mir näher anzusehen. Es stammte von einem Mitglied der Kunstgruppe des Hauses, wie aus einem Schild daneben hervorging.
Nachdem ich das Werk eine Weile betrachtet hatte, fiel mir wieder etwas auf, das mir schon früher in Ausstellungen mit solchen Bildern durch den Kopf gegangen war. Die Maler, die hinter so etwas steckten, standen ja unter keinerlei Sachzwängen wie überlieferte künstlerische Traditionen, Modetrends oder Kommerzdruck wie "normale" Künstler. Und aufgrund dessen brachten sie in ihren Werken auf eine sehr unmittelbare und unkomplizierte Weise tief sitzende, archaische Symbole zum Ausdruck, die uns allen innewohnten. Den wahren tiefenpsychologischen Forschungswert dieser Bilder weiß jedoch wahrscheinlich kaum jemand so richtig zu würdigen, dachte ich abschließend. Behindertenkunst existiert ja nach wie vor nur in einer eigenen Subkultur-Szene und wird selbst dort von der Öffentlichkeit eher mit einer selbstgefälligen Gönnerhaftigkeit zur Kenntnis genommen, obwohl sie sich eigentlich mehr verdient hätte.
Ich ging in Richtung des Flures rechts von mir. Von weitem sah ich im Zimmer geradeaus wieder Hermann Neumayr vom Stadtamt fürs Gemeindearchiv fotografieren.
Ich betrat das Zimmer rechts von mir und begann mir anzusehen, was auf den Verkaufstischen ausgestellt war.
Gleich links neben der Tür standen, hintereinander zu Batterien aufgestapelt, Duftsäckchen mit Rosenblättern. Neben den Säckchen befanden sich etliche Reihen verschiedenartig bedruckter Kerzen. Hinterglasmalereien folgten.
Auf den Tischen an der Stirnseite schloss sich dann eine ziemlich umfangreiche Keramiksammlung an. Der Großteil waren Töpfe, Kannen, sonstige Gefäße und Untersetzer. Am Ende der Aufstellung, wo die Wand gegenüber der Tür begann, lagen aus Keramik hergestellte Schlüsselanhänger in Form von Lebkuchennachbildungen.
Gleich danach waren Grußkarten mit einer Vielzahl von Seidenmalereimotiven ausgestellt. Am Ende des Tischs lagen Haferkissen für spezielle Entspannungstherapien.
Da ich in dem Raum alles gesehen hatte, was es zu sehen gab, verließ ich ihn wieder.
Im nächsten Raum wurden ausschließlich Holzarbeiten angeboten, wie ich gleich beim Eintreten feststellte. Weihnachtspyramiden, kleine Krippen, verschiedenste Holzsteckspiele für Kinder, kleine Holzeisenbahnen, ein Spielzeughandwagen. Ich begann wieder ab dem Tisch links von der Tür mir alles näher anzusehen.

Ungefähr eine Viertelstunde lang hatte ich mich in dem Raum mit den Holzsachen aufgehalten. Als ich den Raum daneben betrat, sah ich Christoph Fastenzeit hinter einem der Tische stehen. Wie die meisten Betreuer aus dem Haus verkaufte er ebenfalls mit. Ich ging auf ihn zu, um ihn zu begrüßen.

Nachdem ich meinen Rundgang durch das Haus beendet hatte, beschloss ich, meinen Aufenthalt im Caféhaus der Veranstaltung zu beenden. Auf dem Weg dorthin sprach mich ein mir unbekannter Heimbetreuer an. Er übergab mir einen Zettel mit Fakten über die Geschichte des Hauses. Dabei fragte er mich, ob ich das im Artikel mit unterbringen könne. Ich nahm das Schriftstück, bedankte mich und setzte meinen Weg in Richtung Caféhaus fort.
Es war in einem Raum im vom Treppehinaufgehen aus gesehen linken Flur eingerichtet worden. Ich bestellte ein Stück von den hausgemachten Torten und eine Tasse Kaffee. Danach nahm ich das Gleiche noch einmal mit einer anderen Tortenart. Nachdem ich das zweite Stück Torte gegessen hatte und die Kaffeetasse noch etwa Dreiviertels voll war, kam mir die Idee, mir den Zettel über die Geschichte des Hauses anzusehen.
Ich öffnete meine Pressetasche, um ihn aus dem Hefter zu holen, in dem ich ihn verstaut hatte.
Ich überflog kurz den Inhalt. 1874 erbaut. (...) Lehr- und Erziehungsanstalt der Döblinger Schwestern vom armen Kinde Jesu. Fünf Volksschulklassen, vier Bürgerschulklassen. (...) Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen und Arbeitslehrerinnen. (...) Hauswirtschaftsschule. (...) Ab Juni 1939 Kaserne der Deutschen Wehrmacht. (...) 1956 nach der Niederschlagung des Budapester Aufstandes gegen die kommunistische Regierung im Land Auffanglager für ungarische Flüchtlinge. (...) Heim für schwererziehbare Kinder ...
Direkt im Artikel über den Adventsmarkt lässt sich das wahrscheinlich nicht verwenden, dachte ich abschließend. Aber ich werde das auf jeden Fall im Auge zu behalten. Im Presseordner werde ich den Zettel darum erst einmal ganz hinten bei den unerledigten Sachen abheften. Das lässt sich irgendwann später wieder mal für einen heimatgeschichtlichen Artikel gebrauchen. Die bisherigen Artikel dieser Art, die ich geschrieben hatte, waren ja alle stets sehr gut angekommen, erinnerte ich mich. Die meisten positiven Reaktionen in der Öffentlichkeit kamen auf solche Artikel.

Kapitel 51. 7. 3.: An der Eislaufbahn

Meine letzte Station war die Eislaufbahn. Ab dem heutigen Tag war sie wieder geöffnet. Thomas hatte mich gebeten, ein paar Schnappschüsse von Eisläufern zu schießen.
Ich kam an der nordwestlichen Ecke der Eislauffläche an. Dort wo die Hecke entlang der Westfront endete. Jede Menge Eisläufer bewegten sich im Zwielicht des späteren Nachmittages über die gespritzte Fläche. Dahinter, jenseits der östlichen Längenbegrenzung der Eisbahn, lag das geschlossene städtische Schwimmbad in Winterruhe.
Ich stellte meine Tasche ab, packte die Kamera aus und begann, das Objektiv mit der längeren Brennweite draufzuschrauben.

Kapitel 51. 8.: Der 1. Dezember 1994

Ich kam in meinem Zimmer am Fenster in Richtung Schloßgasthaus vorbei. Per Zufall sah ich dabei durch das Glas. Draußen schneite es nach wie vor sehr dicht. Das nasskalte Regenwetter der letzten Wochen hatte sich in den frühen Mittagsstunden in Schneefall verwandelt.
Ich ging zurück zu meinem Arbeitstisch und sah auf den hinten in der Mitte stehenden Terminkalender. Unter der aktuellen Spalte des Ersten Dezembers hatte ich nichts aufgeschrieben. Die nächsten Einträge betrafen den Zeitraum vom zweiten bis vierten Dezember, in dem die vom Tourismusverein koordinierten offiziellen Adventsfeierlichkeiten der Gemeinde stattfanden.
Mir kam die Idee, den Artikel über den Adventsmarkt im Caritasheim vergangenes Wochenende zu schreiben. Ich rückte daher den Stuhl vor und setzte mich an den Tisch. Danach öffnete ich die Schublade mit dem weißen DIN-A-4-Papier und zog ein Blatt hervor. Zuletzt schob ich die Schreibmaschine vor mich hin, schaltete sie an und wartete, bis das Schreibwerk in die richtige Position gefahren war. Als ich im Anschluss das Blatt einspannte, kam mir schon die Idee für die Überschrift: "Adventsmarkt der Caritas Retz – Geben und Nehmen".
Ich beeilte mich, die Überschrift auf das Blatt zu bringen. Nicht zuletzt deshalb, weil bei mir währenddessen im Kopf bereits wieder gleich etliche der Sätze danach entstanden waren. "Dass Integration von Behinderten allen etwas Gutes bringen kann, die Sinn für schöne Dinge haben, das beweist Jahr für Jahr auf überzeugende Weise der Adventsmarkt der Caritas Retz. So auch in diesem Jahr wieder in der Zeit vom 26. bis 27. 11.. Für dessen Gestaltung man auch heuer wieder auf das bewährte Konzept der vergangenen Jahre zurückgegriffen hatte: dem Verkauf von Handwerkserzeugnissen, Advents- und Weihnachtsschmuck aus den hauseigenen Werkstätten. Erzeugnisse, fernab von 'Merry Christmas'-Kitsch und Massenware, in gemeinsamer Arbeit von Behinderten und ihren Betreuern entstanden und in die von beiden Seiten sehr viel Persönlichkeit und Kreativität eingeflossen sind. Sehr gut angenommen wurde auch wieder das Caféhaus mit seinen vielen selbstgemachten Mehlspeisen.
Doch begnügt man sich beileibe nicht mit Bewährtem, sondern denkt schon wieder an Morgen. Wie die 'Bezirksnachrichten' bereits des Öfteren berichteten, ging das Caritasheim in den letzten Jahren mehr und mehr dazu über, nicht nur für die Integration zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen zu sorgen, sondern als zusätzlichen Aspekt auch die europäische Integration mit ähnlichen Einrichtungen wie sie selbst in Ländern des ehemaligen Ostblocks hereinzunehmen. Diesem Gedanken trug man auch beim heurigen Adventsmarkt mit einer Neuerung Rechnung. Und zwar waren in diesem Jahr zum ersten Mal auch Beschäftigte der Regionalcaritas Znaim mit einem eigenen Verkaufsstand beim Markt zugegen, an welchem Erzeugnisse aus Behindertenwerkstätten jenseits der Grenze feilgeboten wurden. Die tschechische Caritas ist noch eine relativ junge Organisation, da so etwas wie sie zu Zeiten der sozialistischen Tschechoslowakei verboten war. Wie sich jedoch die 'Bezirksnachrichten' anhand der Vielfalt und Besonderheit der an ihrem Stand angebotenen Waren überzeugen konnten, scheint man mittlerweile, was die Qualität der Behindertenbetreuung betrifft, 'den Fuß gewaltig auf dem Gaspedal zu haben'."

Kapitel 51. 9.: Der 2. Dezember 1994

Kapitel 51. 9. 1.: Eröffnung der Krippenausstellung in der Raiffeisenkasse

Während ich die Haustür zuschloss, sah ich auf der Armbanduhr, dass es zehn Minuten vor Um Zwei war.
Ich sah in Richtung Straße. An ihren Rändern lag der beiseite geräumte Schnee bereits fast einen Meter hoch. Die ganzen letzten Tage hatte es geschneit.
Ich stieg die zwei Stufen vor der Haustür herunter und ging in Richtung Wienerstraße. Im selben Moment fuhr auf der Straße vor dem Wiklickyhaus einer der riesigen, orangen Unimogs des städtischen Bauhofes vorüber. Mit der der Karosserie vorgebauten Schneeschaufel schob er den matschigen Schnee auf der Straße vor sich her. Beim näheren Hinsehen erkannte ich auch den Fahrer am Steuer. Es war Martin Fastenzeit, der Bruder vom Caritas-Fastenzeit.

Ein paar Minuten später kam ich an der Südostecke des Hauptplatzes an. Den ersten Eindruck bildeten die Holzbuden vom Weinlesefest. Ich erinnerte mich, wie sie Tage zuvor an den Rändern des Platzinnenteils lückenlos aufgebaut worden waren. Auch sie lagen weitestgehend im Schnee.

Nach insgesamt etwa zehn Minuten erreichte ich das Foyer der Raiffeisenkasse. Wie immer erinnerte mich der Raum aufgrund seiner weißen Wände und seiner teils archaischen Formen ein wenig an griechische Küstenarchitektur.
Im Raum befand sich bereits eine Reihe von Ehrengästen. In erster Linie waren es Stadt- und Gemeinderäte. Als Nächstes sah ich, dass quer über die Ecke zwischen rechter und gegenüberliegender Wand der "Rhythmix"-Chor Aufstellung genommen hatte. Überall hinter den Umherstehenden befanden sich die Tische mit den selbstgemachten Adventskrippen.

Ungefähr zwanzig Minuten nach meinem Eintreffen hatte die Eröffnung der Krippen-Ausstellung begonnen. Als Erstes war der Chor aufgetreten. Danach begrüßte Bankdirektor Schausenberger die Gäste, danach trat wieder der Chor auf. Im Anschluss sprach die Vorsitzende des Dorferneuerungsvereines Altstadt Retz, Helga Patschka. Als nächsten Punkt sang der Chor wieder ein Lied. Danach schließlich begann Dr. Werner Nachbargarten, der Leiter des örtlichen Caritasheimes in der Fladnitzerstraße, die Hauptansprache zu halten. Er wies unter anderem darauf hin, dass sich der "Rhythmix"-Chor aus Bewohnern der Stadt und Behinderten des Caritasheimes zusammensetzt.
Ich hatte schon eine ganze Reihe von Aussagen aus der Rede Nachbargartens mitgeschrieben, als ich ihn plötzlich sagen hörte: "Vor ein paar Wochen hat Christoph Altrogge einen Artikel in den 'Bezirksnachrichten Hollabrunn' über die Krippenausstellung veröffentlicht. Er hat darin meiner Ansicht nach sehr prägnant und aussagekräftig Inhalt und Zweck dieser jährlich stattfindenden Aktion zusammengefasst. Ich darf Ihnen den Text an dieser Stelle vortragen."
Er holte einen Zettel aus seiner Jackettasche, faltete ihn auseinander und begann zu lesen:
"Ein kleines Bethlehem.
Die Hirten und die drei Könige, die das Jesuskind aufsuchten, hatten unterschiedliche Lebensbedingungen und Begabungen. Doch gemeinsam verfolgten sie eine Idee und waren damit am Ende erfolgreich. Eine Philosophie, der sich auch Dorferneuerungsverein Altstadt Retz und Caritas Retz mit dem jährlichen integrativen Weihnachtskrippenbaukurs in der Werkstätte des Caritasheimes verschrieben haben, an welchem Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam teilnehmen.
Die erfolgreiche Aktion wurde auch heuer wieder von DEV-Obfrau Helga Patschka geleitet, organisatorisch unterstützt von Tischlermeister Helmut Mann aus Obermarkersdorf und Caritasdirektor Dr. Werner Nachbargarten. Zu besichtigen und teilweise auch käuflich zu erwerben sind die 'kleinen Bethlehems' wie gewohnt zu den Adventswochenenden im Foyer der Raiffeisenkasse."

Kapitel 51. 9. 2.: Engel in der Fabrikantenvilla

Noch während der Ausstellungseröffnung war eine zweite Ausstellung bekanntgegeben worden. Dem Feiertag entsprechend zeige die Retzer Künstlerin Beatrice Berg ihre Sammlung Engelsmotive. Zu sehen sei diese im ersten Stock des Gebäudes parallel zu den Öffnungszeiten der Krippenausstellung. Ich beschloss daraufhin, nach dem offiziellen Teil zuerst wie immer das Gruppenbild von den Verantwortlichen zu machen. Danach wollte ich mir die Krippen auf den Tischen ringsum anzusehen, danach die Engel-Ausstellung.
Aufgrund des enorm hohen Maßes an Kreativität, Detailvielfalt und handwerklichem Können jedoch, das in jedem der Objekte steckte, hatte ich mich nach dem offiziellen Teil insgesamt über eine halbe Stunde bei den Krippen aufgehalten. Danach war ich die Treppe in den ersten Stock hochgestiegen.
Der Parkettboden, die weißen Wände mit dem Stuckwerk und der grün glasierte Ofen mit den Jugendstilverzierungen bildeten wie immer den ersten Eindruck, wenn man das obere Stockwerk betrat. Obwohl es inzwischen bald ein halbes Jahrhundert her war, lieferten die Räume noch immer einen sehr deutlichen Eindruck von den Zeiten, als in ihnen die Weingroßhändlerfamilie Lechner wohnte, der einstmals die halbe Stadt gehörte.
Ich begann die Besichtigung der Bilder gleich rechts neben dem Eingang. Die Gemälde bestanden durchwegs aus Aquarellen, wie sich zeigte. Was angesichts der Transzendenz des Themas eine durchaus intelligente Materialwahl war.
Fast alle der Engelsdarstellungen waren, bis auf ein paar Ausnahmen, in irgendein Umfeld integriert. Viele der Kulissen waren Landschaftsmotive aus der Umgebung. Weingärten mit Kellergasse oder Weingärten allein. Überall dazwischen erschienen – zunächst kaum sichtbar – die Engel als durchschimmernde Halbwesen. Nicht ganz der einen und nicht ganz der anderen Welt zugehörig. Oftmals waren sie auch Teil bestimmter Strukturen des Bildes, von Bäumen oder Wolken etwa. Man erkannte sie dann erst nach zwei-, dreimal Hinsehen.

Nach ungefähr zehn Minuten war ich in der Mitte der Wand angekommen. Als ich per Zufall hinter mich sah, bemerkte ich, dass auch im zweiten Raum noch Bilder dieser Art hingen.

Kapitel 51. 9. 3.: Der Nikolaus kommt!

Zwischendurch war ich kurz zu Hause gewesen. Es war bereits fast Nacht, als ich am späteren Nachmittag wieder auf der oberen Hauptplatzhälfte ankam. Auf dem Hauptplatzinnenteil hatte sich mit vorgerückter Stunde eine ziemlich große Anzahl von Gästen eingefunden. Die meisten von ihnen hielten sich bei den Ständen auf und tranken etwas. Irgendwo im Hintergrund trat ein Chor auf. Er hatte gerade die erste Strophe des aus der Alpengegend stammenden Adventsliedes "Es wiad scho glei dumpa" angestimmt. Das musste das angekündigte adventliche Gemeinschaftssingen sein, dachte ich.
In der Mitte der oberen Hauptplatzhälfte befand sich bereits wieder die relativ große, viereckige freie Fläche. Wie im Jahr zuvor hatte die Feuerwehr das Gelände wieder mit einem Seil abgesperrt. Am oberen Ende des rechten Seils standen ein paar Feuerwehrmänner in ihren militärgrünen Uniformen. Sie bewachten von dieser Stelle aus die Absperrung.

Ungefähr eine halbe Stunde später fuhr Gemeinderat Dohnal auf seinem Eselsgespann den "Nikolaus" durch das Verderbertor. Ich hatte mich bereits gegenüber am Beginn der Hauptplatzinnenfläche hingestellt, um die Ankunft zu fotografieren.
Die Kutsche blieb kurz hinter dem Beginn der Absperrung stehen. Ich wiederum hatte unmittelbar hinter dem Gefährt die Absperrung betreten. Mit der angeschalteten Kamera in der Hand hielt ich mich wenige Schritte neben dem linken Trittbrett des Wagens auf.
Der "Nikolaus" stieg aus dem Fahrzeug und ging in Richtung Rathauskopfende, wo bereits Tourrrrrrrismusstadtrrrrrrrrat Grrrrrrruber stand. In seinem langen Wintermantel und mit der Pelzkappe erkannte ich ihn erst auf den zweiten Blick.
Ich folgte dem "Nikolaus" direkt hinter ihm. Als er neben Stadtrat Gruber ankam, nahm dieser wieder das Mikrophon in die Hand und begann zu moderieren: "So. Es ist also soweit. Der große Augenblick ist da. Der Heilige Nikolo ist hier auf dem Retzer Hauptplatz angekommen, mit vielen, vielen Sachen. Grüß Gott, Heiliger Nikolo! Als Stadtrrrrat fürrrrr Tourrrrrrismus" – Gut, dass er das ausnahmsweise mal sagt, ging es mir beim Hören des Titels ironisch durch den Sinn. Sonst wüssten die Leute gar nicht, welches Amt er bekleidet. – "darf ich dich hier in der Weinstadt Retz auf das Allerherzlichste begrüßen. Danke, dass du wieder zu uns gekommen bist! Was hast du uns denn zu sagen?"
"Einen schönen Guten Abend, liebe Kinder! Ich freue mich, dass ich wieder hier bei euch in Retz sein kann. Wir sind den ganzen Tag lang unterwegs gewesen zu euch, um den Artigen von euch ein paar Köstlichkeiten überreichen zu können. Ich hoffe, dass ihr alle artig gewesen seid und somit jeder von euch ein kleines Nikolopackerl bekommen kann. Und so frage ich euch: Seid Ihr denn immer artig gewesen?"
"Jaaaaaaaaaaaa", schrien die anwesenden Kinder wie aus einer Kehle.
"Ja, lieber Nikolo, ich kann das nur bestätigen", beglaubigte Gruber die Massenantwort.

Gruber hatte sich noch eine Weile mit dem Nikolaus unterhalten. Danach war die symbolische Übergabe des Stadtschlüssels durch Bürgermeister Schehr an den Nikolaus erfolgt. Ich hatte von beiden Situationen mehrere Bilder gemacht, damit Thomas in der Redaktion die Auswahl hatte.
Als nächster Programmpunkt auf die Reden folgte, von Gruber vorher angekündigt, ein Chor aus einer Klasse der Retzer Volksschule. Zusammen mit seiner Lehrerin hatte er bereits hinter dem südlichen Rand der Absperrung auf seinen Auftritt gewartet. Er sang mehrere Adventslieder.
Danach brachten schließlich zwei Feuerwehrmänner den Sack mit den in diesem Jahr 700 Geschenkpäckchen. In den Reden war dazu bekanntgegeben worden, dass die Aktion bereits seit 19 Jahren vom Tourismusverein finanziert wird.
Nachdem die Feuerwehrmänner den Sack geöffnet hatten, begann der Nikolaus am oberen Ende der rechten Absperrung mit dem Verteilen. Die beiden Feuerwehrmänner hielten ihm dabei den Sack geöffnet hin. Er entnahm die Päckchen und gab sie den Kindern. Im Hintergrund spielte unterdessen das kürzlich aus Mitgliedern der Stadtkapelle gebildete Blechbläserquartett mit Namen "A quattro voci".
Ich hatte schon eine ganze Reihe Bilder von dem Päckchenübergeben gemacht, als plötzlich wieder Hermann Neumayr vom Stadtamt neben mir auftauchte. Ebenfalls mit Kamera, wie bei fast jedem Pressetermin, bei dem wir beide anwesend waren. "Hallo, Hermann", begrüßte ich ihn.
"Griaß di! Doa san joa de Retzer Stadtfotogroaphn wieda amoi beinaund", meinte er.

Kapitel 51. 9. 4.: Modellbauclub Retz im Schloßgasthaus

Gleich nach dem Ende des Päckchenverteilens hatte ich mich auf den Weg ins Schloßgasthaus gemacht. Der Modellbauclub Retz hatte dort seine Eisenbahnanlage aufgebaut.
Und tatsächlich. Der gesamte hintere Teil vom Schlittensaal war für die Anlage "in Beschlag genommen worden".

Kapitel 51. 9. 5.: In der Gärtnerei Roggenschroth

Meine nächste Station war der kleine Verkaufskiosk der Gärtnerei Roggenschroth auf dem Platz in der Mitte der Znaimerstraße. Wo die ganzen drei Tage über eine Verkaufsausstellung mit Adventsgestecken stattfinden würde.
Auch dort machte ich ein Bild.

Kapitel 51. 9. 6.: Auf dem Adventsmarkt im Rathaus

Nachdem ich die Gärtnerei verlassen hatte, war ich zum Rathaus gegangen, um zu sehen, was dort so los war.
Nachdem ich das Ende der langen, spätmittelalterlichen Treppe erreicht hatte, kam gerade eine größere Gruppe von Leuten aus der Rathaustür. Ihren Taschen und Beuteln nach zu urteilen schienen sie im Inneren des Gebäudes umfangreiche Einkäufe getätigt zu haben. Ich trat an den Rand der Treppenabsatzbrüstung, um sie vorbeizulassen.
Auch im anschließenden Bürgersaal herrschte ziemlich viel Betrieb, wie ich feststellte, als ich die altmodische Holztür aufstieß. Zahlreiche Verkaufstische befanden sich an der Außentürwand und der Wand gegenüber. Unzählige Arten von Weihnachtsgeschenkartikeln wurden an ihnen angeboten.
Am linken Kopfende des Raumes befand sich das weihnachtliche Sonderpostamt, welches ich bereits in der Zeitung angekündigt hatte. Zwei Tische waren dabei aufgebaut worden. Wie ich bereits von weitem sah, wurden an einem davon Briefe mit einem Adventssonderstempel abgestempelt. An dem anderen wurden Ersttagsbriefe mit regionalen Themen verkauft. So wie ich es in dem Artikel geschrieben hatte. Ich beschloss, die Postbediensteten wegen ein paar Fotos anzusprechen, damit die Bildreportage für Thomas möglichst vielseitig wurde.

Gleich rechts neben dem Eingang zum Ratssaal war quer über die Zimmerecke der Kaffee- und Kuchenverkauf der Ortsgruppe der ÖVP-Frauen. Leiterin Leopoldine Neubauer und Hilfswerk-Einsatzleiterin Barbara Bern standen dahinter.
In der Mitte des Raumes befanden sich mehrere Tischeinheiten für den Caféhausbetrieb.
Entlang der Ränder des Zimmers schließlich waren die Tische für die Buchverkaufsausstellung angeordnet. Ich erinnerte mich, wie Gruber kurz zuvor in einem seiner Moderationsbeiträge auf sie aufmerksam gemacht hatte.
"Griaß Gott!" sprach mich Leopoldine Neubauer über den Tisch hinweg an. "Deaf i Sie auf Kosten von uns zu ana Tasse Koaffee un ana Möhlspeis eiloadn?"
"Oh ja, sehr gern, danke! Ich möchte mich aber, wenn es Recht ist, zuerst bei den Büchern umsehen, damit mir bei dem Ansturm nicht die besten Sachen vor der Nase weggekauft werden."
Wie ich sah, bestand das Buchangebot im Wesentlichen aus drei Teilen, nachdem ich ein paar Schritte weitergegangen war: Kinderbücher, Regionales und Ratgeberliteratur aller Art. Ich ging gleich auf die Tische mit der Regionalliteratur zu, da mich das Themengebiet am meisten interessierte.

Ich hatte ein Buch übers Retzer Land, zwei übers Weinviertel und eines über Wien als Nachschlagewerke für meine Pressebibliothek daheim gekauft. Danach suchte ich mir am Kuchenstand ein Stück Torte aus. Während ich auswählte, stellte mir Leopoldine Neubauer eine Tasse Kaffee auf meinen Platz.
Nach dem Essen verstaute ich die gekauften Bücher, so gut es ging, neben der Kamera in der Pressetasche, verabschiedete mich und ging.

Kapitel 51. 9. 7.: Auf dem Adventsmarkt auf dem Hauptplatz

Am Fuß der Treppe angekommen, entschied ich mich, als Nächstes einen Rundgang entlang der Markthütten zu machen. Ich begann bei dem Stand gleich links vom Treppenende. Kerzen in allen möglichen Farben und Formen wurden an ihm verkauft.

Ein Stand folgte, an dem es Pfefferkuchenhäuser gab. Und Punsch, wie bereits von weitem zu riechen war.
Zwischen den einzelnen Holzhütten war jeweils eine kleine Tanne aufgestellt worden.

Ein Maronistand schloss sich an.

Nach ihm kam einer, an dem Kunsthandwerk und Holzspielzeug verkauft wurden.
Nebenbei fiel mir auf, dass an den Hauptplatzhäusern bereits die Adventsbeleuchtung brannte. An ausnahmslos jedem Haus des Platzes hatte man über der Fensterreihe des ersten Stocks eine horizontale Lichterkette gespannt. Ich erinnerte mich, dass mir diese Art der Bespannung schon in den letzten zwei Jahren aufgefallen war.
Auch um die Halterungen der Laternen, die direkt an den Hauswänden befestigt waren, befanden sich wieder Tannengrünkränze mit Lichterketten.

Ich war an der Südwestecke des Hauptplatzinneren angelangt. Über den hölzernen Standdächern, hinter den Hauptplatzdächern, hob sich die schwarze Silhouette der Dominikanerkirche vom Nachthimmel ab.

Der erste Stand, der sich auf der Westlinie des Hauptplatzinnenteils anschloss, verkaufte Kuchen, Torten, Kaffee, Punsch und Weihnachtsschmuck.

Am Stand darauf wurden Plätzchen angeboten. Ich blieb kurz davor stehen, um sie mir näher anzusehen. Unzählige Sorten lagen auf der Verkaufsfläche ausgebreitet. Vanillekipferl. Herzen mit Schokoladenüberzug. Sterne mit weißer Glasur. Pfefferkuchen mit Mandeln drauf. Runde Plätzchen mit rosa Zuckerguss. Kringel mit gehackten Mandeln. Kringel mit gehackten Mandeln auf dem Rand und Marmeladenfüllung in der Mitte. Auch so etwas wie essbare Tannenbäume gab es. Sie bestanden aus fünf bis sechs sternförmigen, weißglasierten Plätzchen mit nach oben hin proportional abnehmenden Größen. Diese hatte man auf einen Holzstab gesteckt. Er wiederum stand senkrecht in der Mitte einer kleinen Holzscheibe.

Ich ging zum nächsten Stand weiter. Währenddessen sah ich im Hintergrund auf der Straße die traktorbetriebene Lilliput-Eisenbahn vorbeifahren, die im Sommer der "Promille-Express" war. Ich erinnerte mich, wie ich Ende Juni einen Artikel über diese Einrichtung geschrieben hatte. Darüber, dass sie Touristen billig zu Heurigen in der Umgebung brachte, damit sie beim Trinken nicht ans Autofahren denken mussten.

Im darauffolgenden Stand verkaufte der neue FPÖ-Gemeinderat Christopher Baumgräber zusammen mit einem anderen Mann, den ich nicht kannte. "Grüß dich, Herr Gemeinderat", rief ich ihm zu, als er mich bemerkte.
"Hallo, Christoph. Gut, dass ich dich sehe. Hast du vielleicht einen Moment Zeit?"
"Ja, um was ginge es denn?"
"Um das Standl hier. Ich versuche mal, in wenigen Worten zusammenzufassen, was sich hinter der ganzen Aktion verbirgt.
Und zwar bin ich Mitglied in der KÖL Josefina. Das ist eine monarchistische Wiener Studentenverbindung, die ihre Anschauung vor allem durch das Unterstützen von Sozialprojekten in den ehemaligen österreichischen Kronländern lebt.
Ja, und im Sinne dessen habe ich vor ein paar Wochen in einer Behindertenwerkstätte in Třebič drüben in Tschechien auf meine privaten Kosten etliche dort produzierte Holzeisenbahnen angeschafft, die wir hier gemeinsam mit Punsch in Gläsern verkaufen.
Der Reinerlös kommt einem Kinderkrankenhaus in Czernowitz in der Ukraine zugute, der früheren Landeshauptstadt der Bukowina.
Unterstützt hat mich dabei übrigens das Althof-Management, das mir ohne weiteres die gesamte dafür benötigte Infrastruktur gratis zur Verfügung gestellt hat. Da wäre es auf jeden Fall wichtig, dass man das in dem Artikel irgendwie lobend erwähnt."
"Ich hole jetzt mein Schreibzeug raus, und da erzählst du mir die ganze Sache noch einmal Punkt für Punkt."

Etwa zwanzig Minuten später war ich in der Mitte der Standreihe zum Verderberhaus hin angelangt. Nun kam auch die Adventsbeleuchtung an den anderen Hauptplatzhäusern in Sicht. Jedes Gebäude verfügte über mindestens die Lichterkette, die auf gleicher Höhe über sämtlichen Fenstern der ersten Stockwerke entlangging.
Bei etlichen Geschäften stand zusätzlich noch links und rechts des Eingangs je ein kleiner Weihnachtsbaum. Die Raiffeisenkasse hatte wie schon im vergangenen Jahr einen etwas größeren Baum auf der Terrasse aufgebaut.
Die spektakulärsten Dekorationen befanden sich wieder bei den zwei einflussreichsten Firmen auf dem Platz, Steffl und Herzog. Auch das war mir schon bei den zwei Weihnachtszeiten zuvor aufgefallen, erinnerte ich mich. Am Sgraffitohaus der Firma Steffl hing sie wieder über der gesamten Hausfront. Ein aus einer Lichterkette gebildeter, riesiger Weihnachtsbaum-Umriss.
Gegenüber an der Nordseite des Platzes dominierte die Firma Herzog. Auch sie hatte an der Hauswand wieder die Installation angebracht, die ich schon kannte. Sie bestand wieder aus den zahlreichen nebeneinander herunterhängenden Lichterketten. Die offensichtlich Lametta symbolisierten. Links und rechts davon befand sich auch wieder je ein kleiner Lichterkettenumriss eines Weihnachtsbaumes.
Irgendwo im Hintergrund blies unterdessen gerade die Jagdhornbläsergruppe Retz unter der Leitung von Hornmeister Rudolf Schach.

Auf der Höhe der Marktbrunnen konnte man beim Wildbretverkauf der Retzer Jägerschaft einen Festtagsbraten ergattern. Die Strecke, wie das erledigte Wildbret hieß, war ordentlich auf Decken auf dem Pflaster ausgebreitet worden.

Zwischen den beiden Marktbrunnen hatte die Familie Becher aus Obernalb wieder ihre selbstgezüchteten Weihnachtsbäume zum Verkauf aufgestellt. Wie in den Jahren zuvor war damit wieder ein kleiner Wald entstanden. Ein Stück weiter in Richtung Rathaus lag auch eine ziemlich lange Reihe Bäume auf dem Boden gestapelt.
Am Beginn einer der künstlichen Gassen inmitten der aufgestellten Bäume waren plötzlich Wilhelm und sein Vater aufgetaucht. Beide sahen sich gerade die Bäume näher an.
Ich ging auf sie zu. "Guten Abend!"
"Guten Abend", antwortete mir Wilhelms Vater. "Heia moachn mia dös amoi allanich", erklärte er mir dann in Bezug auf das Baumaussuchen. "Mei Frau tuat derwäü mit da Magda 's Heabeagsbetn vuabereitn."
"Was ist das eigentlich? Gehört habe ich schon ein paar Mal davon, aber so richtig was darunter vorstellen kann ich mir nicht."
"Dös is so a regelmeßiges Treffn zum Betn oan Oabenden in da Oadventszeit. Bei uns im Oat giabts mehrare soicha Rundn, de doass Joah fia Joah moachn. De Runde, bei dea mia doabei san, existiat seit ungefeah hundat Joahn. Unsare Famü is vuan Oafang oa mit doabei gwesn."
"Gut, da will ich mal wieder. Schönen Abend noch."

Der Stand der Caritas folgte, an dem Erzeugnisse aus den hausinternen Werkstätten verkauft wurden: verschiedene Weihnachtsgestecke, Krippen, Holzspielzeuge, Anzugfliegen, Tücher und Kissenbezüge. Manche der Dinge hatte ich schon auf dem Caritas-Adventsmarkt gesehen. Beziehungsweise wurde einiges davon auch das Jahr über im Caritasladen auf der Südseite des Hauptplatzes angeboten.

Als ich weiterging, fiel mir auf, dass Jungscharkinder auf dem Platz umherliefen und Kerzen an Passanten verschenkten. Gleich darauf tauchte auch vor mir ein kleines Mädchen mit langen, glatten, blonden Haaren auf. Vielleicht acht Jahre mag es alt gewesen sein. Wortlos drückte es mir ebenfalls eine Kerze in die Hand.
Ich sah sie mir näher an. Sie war weiß, hatte einen Durchmesser von ungefähr fünf Zentimetern. Auf der Mantelfläche befand sich ein aus einer roten Wachsschicht geschnittenes und aufgeklebtes Kreuz. Ich beschloss, die Kerze bei mir daheim in den Glasschrank zu stellen, da sie etwas Besonderes war. Noch bevor ich mich bedanken konnte, war das Mädchen schon wieder weggerannt.

Der Stand der örtlichen Katholischen Frauenbewegung kam als Nächstes. Adventskränze und –gestecke, viele Handarbeiten, künstlerisch gestaltete Lampen, Raumschmuck und Eingemachtes wurden an ihm feilgeboten.

Ein Stand mit lauter Weihnachtskrippen folgte.

Danach kam der Stand der Stadtgemeinde. Glühweingeruch lag um ihn herum in der Luft. Im Vorbeigehen sah ich, dass gerade Stadtamtsdirektor Piglmayr mit noch Jemandem vom Stadtamt Verkaufsdienst hatte.

Am nächsten Stand wurden Punsch und wieder alles Mögliche an Gebäck angeboten. Ganz am Rand fiel mir eine Plätzchensorte besonders auf. Sie bestand, nach Sorten geordnet, aus Weihnachtsbäumen, Herzen und Sternen. Die Weihnachtsbäume hatten auf der Oberfläche eine grüne Glasur. Die Herzen eine rote. Und die Sterne eine gelbe. Entlang der Ränder der Gebäckstücke befand sich jeweils eine dünne, weiße Linie aus Zuckerguss. Ich beschloss, von jeder Sorte je einen der Pappteller im Format A5 zu kaufen. Zuhause, nahm ich mir weiter vor, würde ich dann davon nehmen, während ich mir die neuen Bücher ansehe.

Ich hatte das Gebäck gekauft und verstaute es bei mir in der Tasche. Dabei fiel mir auf, dass ich auf der Höhe des Gemeindeweihnachtsbaumes angekommen war. Er stand nur ein paar Meter von der linken Standreihe Richtung Hauptplatzinneres entfernt. Ich bewegte mich zu ihm hin.
Wie jedes Jahr hatte die Gemeinde kurz vor dem Rathausturm ihren riesigen Weihnachtsbaum aufstellen lassen. Bis zu seiner Spitze auf halber Rathausturmhöhe brannten in ihm zahlreiche elektrische Kerzen. Auf dem Boden wurde er wieder von dem kleinen, viereckigen Jägerzaun eingegrenzt. An der Vorderseite des Zauns fiel mir ein Holzschild auf. Auf weißem Untergrund mit grünem Rand enthielt es in grünen, altdeutschen Lettern eine Grußbotschaft. "Die besten Wünsche zum Weihnachtsfest und für das neue Jahr. Der Bürgermeister und die Gemeindevertretung".
Auf einmal waren Posaunenklänge zu vernehmen. Trotz des Lärms verbreiteten sie sich überdeutlich über den gesamten Platz.
Automatisch sah ich zu der Quelle. Auf dem Gang im Freien rings um die Rathausturmspitze hatten wie jeden Advent die Turmbläser zu spielen begonnen.

Vom Baum aus ging ich zum nächsten Stand der Reihe. Ich stellte fest, dass ich wieder an der Stelle angekommen war, von wo aus ich den Rundgang begonnen hatte.

Den fulminanten Ausklang aller Festivitäten des ersten Tages bildete schließlich eine Feuer- und Lichtillumination am Rathaus.

Kapitel 51. 9. 8.: Im ÖVP-Büro

Auf dem Hauptplatz war mir eingefallen, dass ich gestern per Post die Einladung erhalten hatte, mir im ÖVP-Büro eines jener Adventspakete abzuholen, die all jene bekamen, die sich in irgendeiner Weise regelmäßig um die Stadt verdient machten. Ich beschloss daher, bevor ich nach Hause ging, im Büro vorbeizusehen, ob noch irgendjemand da war. Ungefähr fünf Minuten später kam ich dann in der Znaimerstraße an. Als ich das alte Holztor zum Bürgerspitalshof öffnete, sah ich tatsächlich im Fenster der ÖVP-Zentrale Licht brennen.
Ich betrat den Hausflur und klopfte an der Bürotür an. Von innen rief jemand "Herein".
Es war Leopoldine Neubauer, wie sich zeigte. Aus irgendwelchen Gründen hatte sie kurz den ÖVP-Frauen-Basar im Rathaus verlassen.
"'n Abend. Ich habe da gestern so eine Reservierung für eines der Adventspakete bekommen ...", begann ich mein Anliegen vorzutragen.
"Untaschreibns ma doa un doann nemans Sie se ans." Sie schob auf dem Schreibtisch einen Zettel und einen Stift nach vorn. Der Zettel war die Empfängerliste, wie ich sah, als ich an den Schreibtisch herantrat. Nachdem ich meinen Namen darauf gesetzt hatte, ging ich zu der Wand links, wo mehrere Reihen dieser Pakete standen. Ich nahm mir eines, das gleich ganz vorn stand und sagte zu Leopoldine Neubauer: "Da möchte ich mich recht herzlich bedanken. Schönen Abend noch."
Als ich die Tür erreicht hatte, rief sie mir hinterher: "Un miassens heit nau wohi?"
"Nein, für heute ist erstmal Schluss. Aber morgen bin ich dann wieder den ganzen Tag unterwegs. Und übermorgen Sonntag auch."

Kapitel 51. 10.: Der 3. Dezember 1994

Als ich am Vormittag über den Hauptplatz ging, herrschte etwas weniger Gedränge als am Tag zuvor. Es war aber immer noch ordentlich.
Mein erster Termin war die Lesung adventlicher Texte im Ratssaal. Nach ihrem Ende hatte ich ein Bild von den Vortragenden gemacht.

Nur etwas später begann in der Rathauskapelle im Erdgeschoss des Rathauses der nächste Termin. Die Singgruppe Zellerndorf veranstaltete ein Adventskonzert mit Lesung adventlicher Texte durch ihren Leiter Oberschulrat Hermann Fluchtenengel. Ich hatte nur den Beginn abgewartet, eine Gesamtaufnahme vom Chor gemacht, während er gerade sang. Danach war ich wieder nach Hause gegangen, da ich noch einiges zu erledigen hatte.

Mein nächster Termin fiel auf den späteren Nachmittag, als es draußen schon finster war. Ebenfalls wieder in der Rathauskapelle fanden die "Kerzenlichtimpressionen" der Ortsgruppe der Katholischen Jugend statt. Ich machte ebenfalls wieder nur Bilder von den Verantwortlichen und ging dann wieder.

Eine Stunde später begann auf dem Hauptplatz der "Perchtenlauf". Wie ich schon Tage zuvor erfahren hatte, war vom Tourismusverein eine Perchten-Brauchtumsgruppe aus dem Salzburger Land eingeladen worden. Diese führte dann auf dem Hauptplatz in ihren bizarren Dämonenmasken und ihren Fellkostümen rituelle Tänze auf.

Als die Darbietung vorbei war, hatte ich mich zu Fuß auf den Weg zum Caritasbauernhof in Unternalb gemacht. Parallel zu den Aktivitäten in Retz hatte dort schon das Krippenspiel vom "Theater Westliches Weinviertel" aus Guntersdorf begonnen.
Unterwegs ging ich im Kopf bereits ein paar Fakten durch, die ich auf jeden Fall erwähnen wollte. Dass es in Zusammenarbeit mit den Bewohnern des Caritasheimes Unternalb aufgeführt wird. Dass es Jahr für Jahr im Dezember an jedem Sonnabend und Sonntag bis zum Heiligen Abend je einmal stattfindet. Dass es mittlerweile weit über die Region hinaus Bekanntheit erlangt hat.

Über den Dächern war bereits Sternhimmel zu sehen, als ich den barocken Gutshof in einer Nebenstraße des Dorfes betrat. Vom Stück war gerade der erste Teil vorbei, wie sich zeigte. Überall im vorderen Hof hielten sich Zuschauer auf. Beim Weitergehen fiel mir auf, dass links vom Tor zum hinteren Hof ein Stand aufgebaut war. Fleischereiwaren aus der hauseigenen Schlachtung wurden an ihm verkauft.
Gleich darauf sah ich, dass sich rechts gegenüber der Stand vom Weltladen befand. Cornelia und Franziska standen hinter ihm. Ich nahm mir vor, später zu ihnen hinzugehen. Vorerst wollte ich mich um das Bild von den Schauspielern zu kümmern.

Der hintere Hof lag völlig verlassen da, als ich ihn betrat. Gleich links neben dem Durchgang stand im Winkel von 45 Grad zur Wand des Torhauses die Bühne vom Krippenspiel.
Ich bewegte mich in den rechten Bereich des Hofes, um nach dem Aufenthaltsraum der Schauspieler zu suchen.

Kurze Zeit später sah ich in einem Raum hinter einer Ecke Licht brennen. Beim Näherkommen hörte ich auch alle möglichen Gespräche dahinter.
Ich öffnete eine Tür an dem Gebäude. Ein Flur befand sich dahinter. Gleich links führte eine Tür zu dem Raum, in dem Licht brannte.

Ich klopfte an und trat ein. An die zwanzig Schauspieler in biblischen oder Engelskostümen hielten sich in dem Raum auf.
"Grüß Gott!", rief ich in die Umherstehenden hinein. "Ich komme von den 'Bezirksnachrichten Hollabrunn' und soll von den Darstellern des Stücks ein Bild machen."

Es dauerte eine Weile, ehe man auch die auf dem Bauernhof lebenden behinderten Darsteller zusammengeholt hatte. Wie ich unterdessen erfuhr, war man bestrebt, das möglichst viele von ihnen kleinere Rollen übernahmen. Als dann alle beieinander standen, drückte ich mehrmals ab, bedankte mich und ging.
Im ersten Hof hatte ich dann zuerst ein Bild von Franziska und Cornelia hinter dem Verkaufsstand vom Weltladen gemacht. Danach eines vom Verkaufspersonal des Fleischstandes. Noch während ich danach die Kamera wieder einpackte, fiel mir bereits ein Untertitel für das Bild ein:
"Ausgezeichnet im Geschmack, ökologisch produziert und für einen sozialen Zweck – der Kauf der Erzeugnisse des Caritasbauernhofes Unternalb anlässlich des Adventsspiels mit dem 'Theater Westliches Weinviertel' zahlte sich gleich dreifach aus."

Als ich vor dem Tor des Barockhofes ankam, sah ich erst einmal auf die Uhr. Der nächste Termin, ging es mir durch den Sinn, war der Auftritt des Bäuerinnenchors aus Geras im Waldviertel. Auf Einladung der Katholischen Frauenbewegung würden die während der Samstagsmesse adventliche Texte und Lieder in Mundart vortragen. Angesichts der vorgerückten Zeit nahm ich mir vor, nicht erst noch nach Hause zu gehen. Stattdessen würde ich gleich vom Rückweg aus wie jeden Sonnabend in die Messe gehen. Die Messe mache ich erst einmal ganz normal mit wie immer, beschloss ich. Und den Bäuerinnenchor fotografiere ich danach. Für ihn findet danach mit Sicherheit ein Abendessen im Mehrzweckraum im Pfarrhaus statt. Und da spreche ich dann wegen eines Bildes vor. Die ganze Sache wäre dann der letzte Punkt des heutigen Tages, dachte ich abschließend.
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2 Kommentare
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Romi Romberg aus Berlin | 28.11.2017 | 15:48  
4.061
Christoph Altrogge aus Kölleda | 04.12.2017 | 20:35  
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