Anzeige

Kindheitslexikon: Kölledaer Unternehmen in der Modesparte

Geschäft: "chic".
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Kähler. (Zwei Schwestern.)
Lage: Straße der DSF, auf der Höhe der Straße "Am Brauhaus".

Geschäft: Handarbeitswarengeschäft.
Ziemlich schmaler, altmodischer Laden, der jedoch im wahrsten Sinne des Wortes Tausende kleiner Dinge rund um das Thema führte. Dominierend vor allem Wollesorten in allen Farben des Spektrums, Knöpfe und Zubehör fürs Sticken.
Geführt wurde der Laden viele Jahre von einer Frau Hemmecke.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Straße der DSF, Nordseite. Am Ende der Straße Richtung Ortsausgang hin.
Da ich keine Möglichkeit besitze, auf Kölledaer Grundstücksnummern zuzugreifen, setze ich hier ein Foto ein. Es ist das drittletzte Haus auf der linken Seite, vor dem hohen, weißen.

Geschäft: Paul Hilpert. (Geschäftsführer ungefähr bis Kriegsende. Im Volksmund hatte sich der Name jedoch bis zur Wiedervereinigung gehalten.
Ebenfalls bis Kriegsende Vertretung für Bleyle-Moden.
Wurde nach der Wende kurzfristig ein etwas lieblos geführter "Ramschladen". Wir gingen aber trotzdem gern dort einkaufen, weil dort die Getränke sehr billig waren. Die mussten irgendeine günstige Direkt-Vermarkter-Quelle an der Hand gehabt haben.)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Bahnhofstraße 13.

Geschäft: Hermann Ibe.
(In einer historischen Eigenwerbung klassifiziert als Stoff- und Gardinengeschäft. Zu meiner Zeit jedoch war das Angebot wie in einem normalen Bekleidungsgeschäft. Durchaus möglich, dass sie zusätzlich noch Stoffe und Gardinen führten.)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Markt, Ostseite, direkt vor dem Eingang Enge Gasse.

Geschäft: Modegeschäft auf dem Gelände der ehemaligen KAP. Nach der Wende entstanden.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion, kurz KAP. Solche Einrichtungen fassten die Feldwirtschaft mehrerer LPG (Abkürzung für "Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft".) beziehungsweise VEG (Abkürzung für "Volkseigenes Gut".) in der DDR zusammen.
Nach der Wende siedelten sich auf dem Areal unserer KAP mehrere kleine Betriebe, vor allem im Lebensmittel- und Einzelhandelsbereich, an.
Lage: Etwa ein Kilometer die Landstraße nach Weimar hinaus auf der östlichen Seite.

Geschäft: Kirsten.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Kähler. (Zwei Schwestern.)
Lage: Östliches Ende der Gerbergasse.


Modeunternehmen, die vor meiner Zeit in der Stadt existierten:

Geschäft: Manufaktur- und Modewaren Hermann Adam.
Lage: Brückenstraße 32.

Geschäft: Herren- und Damen-Schneidermeister Albert Fischer.
(Gegründet 1852.)
Lage: Roßplatz 37.

Geschäft: Mode-, Handarbeits- und Kurzwarengeschäft L. Fritsche Nachf..
Inhaberin zu Beginn der 1930-er Jahre: Johanna Bernstein.
Lage: Brückenstraße 28.

Geschäft: Modegeschäft Erich John.
Lage: Markt.

Geschäft: Mode- und Stoffgeschäft P. Kähler.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Siehe oben.
Lage: Siehe oben.

Geschäft: Kahle.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Nordseite der Prof.-Hofmann-Straße. Von der Bahnhofstraße aus das zweite oder dritte Haus.

Geschäft: Maßschneiderei Fritz Nieschler.
Lage:

Geschäft: Maßschneiderei Hermann Nowack.
Lage:

Geschäft: Damen- und Herrenschneidermeister Arno Pellkofer.
Lage:

Geschäft: Hut-, Mode- und Handarbeitsgeschäft O. Reichardt.
Lage: Bahnhofstraße 7.

Geschäft: Schneidermeister Schermaul.
Lage: Im selben Haus wie das Geschäft für Lampen und optische Geräte Lein in der Bahnhofstraße 8. Oben linke Tür. Dort befand sich eine kleine Wohnung, die zur Werkstatt umfunktioniert worden war.
Privat lebten Schermauls in der Schillerstraße in dem Haus, das sich östlich der Grünfläche, über das kleine, quadratische Straßenstück hinüber, etwas nach hinten versetzt befand.

Geschäft: Kurz- und Modewaren, Uniformmützen Richard Engelberg Nachf. E. Schwarz.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Foto-Görtz.
Lage: Brückenstraße 8 (Foto-Görtz und direkt westlich daneben.).

Geschäft: Richard Voigt Modehandel.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Teppichgeschäft Voigt.
Lage: Markt, Eckhaus Eingang Hundtgasse, Südseite.

Geschäft: Pelzwaren und Hutmacher Ernst Weiss.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Uhrmacher Friedrich Polivka.
Lage: Beginn Enge Gasse, gleich neben Modegeschäft Ibe.

Geschäft: Gustav Ziegfeld Nachf..
Inhaber: Adolf Ziegfeld.
Herren-, Damen- und Kindermode. Bandagen.
(Gegründet 1867.)
Nach der Ära Ziegfeld ging dort ein Geschäft mit Kurzwaren und Wolle rein.
Lage: Markt/Ecke Hundtgasse, gegenüber Teppich-Voigt, dem späteren "Schlecker".

Frau Biller. Gelernte Schneiderin. Flüchtling. In ihrer Privatwohnung in der Karl-Marx-Straße übernahm sie in der Nachkriegszeit nach Feierabend kleinere Arbeiten.

Frau Rößler. Auch in den 1960-er Jahren versuchten manche Leute, sich mit irgendwas legal etwas dazu zu verdienen.
Da stieg der Kaufmann Kahle, der in der Prof.-Hofmann-Straße einen kleinen Konfektionsladen betrieb, in diese Lücke ein.
Er hatte von einem größeren DDR-Oberhemden-Produzenten über längere Zeit größere Mengen "Rohteile" für Herren-Oberhemden organisiert, die also in der Fabrik fertig zugeschnitten waren.
Nun suchte er im Kundinnen- und Bekanntenkreis Frauen, die gut nähen konnten. Eine davon war Frau Rößler, die nur ein paar Häuser weiter wohnte. Sie war noch dazu gelernte Schneiderin.
Die zugeschnittenen Teile mussten sehr sauber zusammengenäht werden, ebenso die etwas aufwändigeren Bündchen. Viel Zeit und Mühe kostete das genaue Umnähen der vielen Knopflöcher und das feste Annähen der Knöpfe!
Ein gewisser Zeitdruck war auch vorhanden, denn die Oberhemden waren im Geschäft Kahle sehr gefragt.
Da Frau Rößler, obwohl sie Fachkraft war, es nicht immer zeitgerecht schaffte, gab sie ihrer Bekannten, Lisa Rudel, meiner Großtante, einige ab zum Nähen.
Wenn diese das auch nicht zeitgerecht schaffte, sprang deren Schwester, Helene Müller, meine Großmutter mütterlicherseits, die sehr gut nähen konnte, ab und zu ein, um das Ganze am Laufen zu halten.
Für ein fertiges Oberhemd bekamen die Frauen fünf Mark Arbeitslohn. Sie arbeiteten jeweils mehrere Stunden daran.

Ähnliche Heimarbeit verrichteten einige Frauen für das Strickwaren-Kombinat Apolda.
Sie häkelten feinste "Ausfahr-Garnituren für Babys", Jäckchen und Mützchen, nach einer genauen Muster- und Größenvorlage, kunstvolle Noppenmuster, aus feinem Wollgarn in zarten Farben.
Eine höchst aufwändige Arbeit, da absolut fehlerfrei und gleichmäßig gehäkelt werden musste – und das unter Zeitlimit!
Da dies in der vorgegebenen Zeit absolut nicht zu schaffen war, hatte jede der Frauen noch eine Bekannte an der Hand, die heimlich mithäkelte, um das "Soll" zu schaffen. Sie teilten sich dann den Lohn halbe-halbe.
Für eine "Ausfahr-Garnitur" wurden elf Mark gezahlt.
Nach ein paar Jahren hörten die Frauen mit der Häkelei auf.

Frau Schuch. Das schon ältere, kinderlose Ehepaar gehörte ebenfalls zu den Flüchtlingen. Es lebte auf dem Roßplatz in der kleinen Dachwohnung im Anwesen der Familie Rohkrämer, ein schmales, zweistöckiges Haus, ein paar Häuser weiter oben hinter Triebels.
Der Mann arbeitete im Funkwerk, die Frau verdiente mit Modearbeiten dazu. Sie war gelernte Schneiderin. Dadurch hielt sich auch jemand von unserer Familie ab und zu dort auf. Sie übernahm Auftragsarbeiten für die Leute. Zumeist Monogramme in Wäschestücke, wie Wischtücher, Handtücher, Tischwäsche, Bettwäsche. Sehr filigran. Ein Monogramm 50 Pfennig. Zum Vergleich: Dafür bekam man im Geschäft zu jener Zeit ungefähr zehn kleine Semmeln.
Sie fertigte auch Maßschneiderei vom Feinsten an. Stoff musste man mitbringen. Schnitt konnte man dort aussuchen. Sie hatten im Fenster ganze Berge von Modezeitschriften liegen. Dieses geräumige Zimmer war gleichzeitig Nähstube und Wohnzimmer.
4
Diesen Mitgliedern gefällt das:
4 Kommentare
29
Jürgen Reinhardt aus Kölleda | 21.05.2017 | 14:31  
4.061
Christoph Altrogge aus Kölleda | 21.05.2017 | 18:54  
4.061
Christoph Altrogge aus Kölleda | 23.05.2017 | 20:36  
4.061
Christoph Altrogge aus Kölleda | 03.06.2017 | 20:28  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.