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Kindheitslexikon: Kölledaer Geschäfte - Teil 1

Das ehemalige Sägewerk Sander im 21. Jahrhundert. (© 2010 by Edelgard Koch, Kölleda. Bild wurde im Auftrag des Autors erstellt.) Zu meiner Zeit war das Häuschen mit dem nur einen Fenster übrigens noch grün gestrichen. Was ich hingegen seit frühester Kindheit nicht anders kenne, ist das Kleinpflaster auf dem Fußweg. Und der gute, alte Nero, der auf dem Hof hinter dem Tor viele Jahre seinen Wachdienst versah, ist jetzt auch schon lange im Hundehimmel …
 
Könnte von Teppich-Voigt gewesen sein. (Bevor es dann Weiterverwendung in meinem Kinderkaufladen fand.)
 
Die Bäckerei Triebel auf einer Aufnahme vom Frühjahr 1980.
 
Und hier vom Jahr 2010. (© 2010 by Edelgard Koch, Kölleda. Bild wurde im Auftrag des Autors erstellt.) Am Rande bemerkt: Das eindrucksvolle Fachwerkhaus in der Mitte stammt von 1797.
 
Bäckerei Wickler.
 
Eine Lageskizze zur Gärtnerei Bachrodt, angefertigt von Maxi Herta Altrogge.
 
Eine Lageskizze zum Blumenladen Polacek, angefertigt von Maxi Herta Altrogge.
 
Relevant sind hier vor allem die Kästchen "Konsum-Warenlager" und "neuer Laden". "Konsum-Warenlager": Selbsterklärend. Der hier so bezeichnete "neue Laden" ist ein mehr oder weniger provisorischer Supermarkt, der irgendwann nach der Wiedervereinigung in einer der Lagerhallen der Firma Axthelm eingerichtet wurde. Es gab dort en gros sehr günstige Abverkaufswaren aus alten DDR-Beständen, aber auch ein gewisses Sortiment an westlichen Waren.
 
Blick auf das Backleber Tor auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1964. Im Haus direkt davor, dessen Fassade durch die Dachrinne zweigeteilt ist, sieht man noch sehr schön die seinerzeitige Obstaufkaufsstelle. Der augenscheinliche Holzrahmen in der Wand war die Geschäftsauslage, direkt daneben der Eingang. Als Geschäftslokal wurde das Anwesen zu dem Zeitpunkt allerdings schon nicht mehr genutzt.
 
Die Kölledaer Brückenstraße auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1980. Erläuterungen wegen des Zeichenlimits am Ende des Artikels.

1. Betriebe des Bau- und Baunebengewerbes; technische Gewerbe; Geschäfte rund um das Thema Heimwerken/Haushalt

Eine exaktere Abgrenzung wäre bei Betrieben dieser Art auf kommunaler Ebene unmöglich, da die Angebotspalette dort zu stark miteinander verzahnt ist.


Geschäft: Eisenhandlung H. Axthelm.
Gegründet 1845. Führte alles, was in irgendeiner Weise mit Metallwaren zu tun hatte. Hieß daher im Volksmund auch "Eisen-Axthelm".
Bank- und Kommunikationsverbindungen 1930: Bankkonto Darlehensbank Kölleda. Giro-Konto bei der Kreissparkasse Kölleda. Postscheckkonto: Leipzig 29835.
Fernruf Nr. 2. Drahtanschrift: Eisenaxthelm.
Angebote laut einer historischen Eigenwerbung von 1930:
- Abteilung I:
+ Stabeisen.
+ T-Träger.
+ Gusseiserne Säulen.
+ Bleche.
+ Röhren.
+ Metalle aller Art.
+ Eisenkonstruktionen.
+ Kanalisationsteile.
+ Gas- und Wasserleitungsartikel.
+ Eisenkurzwaren.
+ Werkzeuge und Maschinen.
+ Öfen und Herde.
+ Transportable Kachelöfen.
+ Haus- und Küchengeräte.
+ Nickelwaren.
+ Stahlwaren.
+ Borstenwaren.
+ Badewannen.
+ Eiserne Bettstellen.
+ Eiserne Gartenmöbel.
+ Waschmaschinen.
+ Wringmaschinen.
+ Nähmaschinen.
- Abteilung II:
+ Düngerstreuer.
+ Drillmaschinen.
+ Kultivatoren.
+ Eggen.
+ Ulmer Pflüge.
+ Kartoffelroder.
+ Kartoffelsortierer.
+ Häckselmaschinen.
+ Rübenschneider.
+ Dreschmaschinen.
+ Garbenbinder.
+ Getreidemäher.
+ Grasmäher.
+ Schwadenwender.
+ Gabelheuwender.
+ Zentrifugen mit und ohne elektrischen Antrieb.
+ Buttermaschinen.
+ Sowie sämtliche landwirtschaftliche Bedarfsartikel für Haus, Hof und Garten.
­ Transmissionsanlagen – Reparatur-Werkstatt – Autogene Schweißerei.
­ Generalvertreter der Pflugfabrik Gebr. Eberhardt, Ulm für die Kreise Eckartsberga, Weißensee, Sangerhausen, Querfurt, Weimar und Erfurt.
­ Alleinvertretung der Massey Harris Fabrikate für Kölleda und Umgegend.
­ Großes Ersatzlager für landwirtschaftliche Maschinen aller Systeme.
In einer Werbeeinschaltung einige Jahre später hieß es:
- In Abteilung I:
+ Stabeisen, Bandeisen, Formeisen, Eisenbleche schwarz, verzinkt, verbleit, Zinkbleche, Weißbleche, Messingbleche, Kupferbleche.
+ Röhren aller Art.
+ Gas-, Wasserleitungs- und Kanalisationsartikel.
+ Eisenkurzwaren.
+ Werkzeuge aller Art.
+ Werkzeugmaschinen.
+ Öfen und Herde.
+ Haus- und Küchengeräte.
+ Wirtschaftsartikel.
+ Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte.
- In Abteilung II:
+ Bau- und Maschinenschlosserei.
+ Eisenbaukonstruktionen.
+ Reparaturwerkstätte.
+ Autogene Schweißerei.
Ich kann mich noch sehr gut an ein riesengroßes, altmodisches Metallregal mit unzähligen Schubfächern erinnern. An jeder Schublade befand sich zur Orientierung ein Musterstück des jeweiligen Inhaltes. Das hat mich als Kind sehr beeindruckt, irgendwie war das eine eigene Welt.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Brückenstraße/Östliches Eckhaus zur Bahnhofstraße.

Geschäft: Tischlerei Harry Dittmar.
Auch wir haben bei ihm unter anderem Regale und größere Bilderrahmen für Ölgemälde anfertigen lassen.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Drogenhandlung Henseler.
Heilkräuter aller Art, vermutlich ungefähr bis Kriegsmitte, nach dem Krieg Verarbeitung und Handel nur noch in Kleinstausführung.
Hinter dem Wohnhaus war gleich ein großer Trakt für diesen Bereich angebaut. Nach dem Krieg baute man die obere Etage der großen Trockenböden zu einer geräumigen Mehrzimmer-Wohnung aus zum Vermieten. Dort wohnte einige Jahre meine Tante Hildegard, Tochter meiner Großtante Lisa, mit ihrem Mann Artur Schneider und ihren Kindern Axel und Monika.
Jahre später kaufte Dittmar das ganze Haus. Er nutzte die untere Kräuterhalle als Werkstatt.
Lage: Roßplatz 14.

Geschäft: Haushaltwarengeschäft.
Lange Jahre von einer Frau Trillhose geleitet.
Ab Mitte 1989 war dort kurz ein Schreibwarenladen drin, aber nicht für lange Zeit.
Nach der Wende, um das Jahr 1992, befand sich ein Sportartikelgeschäft drin.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Bei meinen Recherchen tauchte in dem Zusammenhang der Name Hankel auf. (War damals auch schon Haushaltwaren.)
Lage: Markt, Eckhaus zur Brückenstraße. Gegenüber vom Lebensmittelgeschäft Haupt.

Geschäft: Heyne.
Alteingesessene Kölledaer Unternehmerfamilie im Fahrzeugbereich.
Das erste 1907 gegründete Geschäft der Familie lag auf dem Markt (Offizielle Straßenbezeichnung in Kölleda.). Gründer und erster Besitzer war Arthur Heyne, ein aus Naumburg stammender Kaufmann. Gehandelt wurde mit Wasserpumpen, Butterzentrifugen, Desinfektions- und Anstreichmaschinen, Stabilbaukästen und Spielzeugen aus Metall.
In zweiter Generation führte dann Rudolf Heyne das Geschäft samt zugehöriger Reparaturwerkstatt. Repariert wurden alte Binder, Mäh- und Dreschmaschinen.
Das Geschäft führte laut historischer Eigenwerbung um das Jahr 1940 herum:
- In Abteilung 1: Eisenwarenhandlung.
+ Eisenkurzwaren.
+ Haus- und Küchengeräte.
+ Herde und Öfen in emaillierter Ausführung.
+ Kupfer- und gusseiserne Kessel.
+ Transportable Stahl- und Gusskesselöfen.
- In Abteilung 2: Landwirtschaftliche Maschinen.
+ Erntemaschinen.
+ Grasmäher.
+ Heurechen.
+ Heuwender.
+ Garbenbinder.
+ Drillmaschinen.
+ Hackmaschinen.
+ Strohpressen.
+ Reparaturwerkstatt für alle landwirtschaftlichen Maschinen.
+ Maschinen- und Bauschlosserei.
- In Abteilung 3: Elektroautomatische Wasserversorgungsanlagen mit langsam laufenden Kolben- und Kreiselpumpen.
+ WC-Anlagen mit Wasserspülung.
+ Stall-Selbsttränkanlagen mit automatischen Tränkbecken.
Enkel Wolfgang Heyne unternahm 1957 zunächst den Versuch, Landmaschinenschlosser zu werden. Zwei Jahre später, als Lehrling im Kfz-Gewerbe, entstand dann sein Entschluss, das Geschäft seines Großvaters und Vaters weiterzuführen.
1958 kam das vorläufige Aus für das Geschäft. Traktoren, Mähdrescher, Pflüge und Eggen wurden an anderer Stelle gewartet.
1972 erwarb Wolfgang Heyne den Meisterbrief.
Vier Jahre später erfolgte nach einigen bürokratischen Umständlichkeiten auch die Erteilung der Genehmigung für ein eigenes Geschäft. In der zuvor für viele Jahre verschlossenen Werkstatt von Vater Rudolf konnte eine neue eröffnet werden. Der unternehmerische Schwerpunkt lag hernach auf der Reparatur von tschechoslowakischen Pkw der Marke Škoda.
Während meiner Kindheit bis zum Jahr 1990 habe ich das Geschäft nur so in Erinnerung, dass sich vorn der "Gemüse-HO" befand, hinten weiterhin Autowerkstatt mit allem Serviceleistungen.
Auch in der Lehrlingsausbildung von Jugendlichen zum Kfz-Mechaniker war Heyne stets sehr aktiv. So unter anderem bei Tochter Angela Heyne, welche nach dem hundertjährigen Firmenjubiläum im Jahr 2007 das Familienerbe in vierter Generation übernahm.
Lage: Markt 19.

Geschäft: Verwaltung vom Kohlehandel in Kölleda. Dort musste man Briketts bestellen und bezahlen.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Damen- und Herrenfriseur Emil Wandel.
Lage: Bahnhofstraße 21a.

Geschäft: Dachdeckermeister Laue.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Bäckergasse 4.

Geschäft: Geschäft für Lampen, optische Geräte, Diaserien und Schmalfilme.
Lange Jahre geleitet von dem Ehepaar Lein, das in unserer Straße lebte.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Bahnhofstraße 8.

Geschäft: Motschmann (?)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Ich kann mich dunkel erinnern, dass zumindest noch um das Jahr 1980/81 herum ein Betrieb dieses Namens auf der Südseite der Erfurter Straße in der Nähe Kulturhaus existiert haben muss. Ich war in dieser Zeit einmal mit meiner Großmutter dort. (Ich sehe im Geiste einen etwas größeren Betriebshof vor mir.) Aber was dort gemacht wurde, daran kann ich mich nicht mehr erinnern und bin auch bisher bei meinen Recherchen noch nicht fündig geworden. Es muss wohl eine Dienstleistung gewesen sein, die auch von Privathaushalten in Anspruch genommen wurde, denn sonst wären wir nicht dort gewesen.
Ebenso bin ich mir nicht sicher, ob die hier angegebene Schreibweise des Namens richtig ist. Ich glaube, mich zu erinnern, dass wir mal einen Schüler dieses Namens an der Schule hatten.

Geschäft: Farben- und Lackegeschäft Mundt/später Ohlenforst.
(Wenn ich richtig informiert bin, war die Geschäftsfrau eine geborene Mundt. Sodass sich bloß der Name geändert hat, sonst nichts.
Die Tochter der Geschäftsleute, Annett, ging übrigens mit mir in eine Klasse.)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Malermeister und Malergeschäft Carl Schneegass.
Inhaber zu Beginn der 1930-er Jahre: Willy Schneegass.
Gegründet wahrscheinlich 1883.
Lage: Pfortenstraße 11.

Geschäft: Elektro-Metall Kölleda Gmbh.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Ich vermute stark, dass es sich hierbei um den Nachfolgebetrieb der seinerzeitigen "PGH Elektro Kölleda" aus DDR-Zeiten handelt.
Lage: Johannistor 3.

Geschäft: L. Sander
Baumeister. Bauausführungen, Baustoffhandlung. Während meiner gesamten Kindheit Sägewerk, ab ungefähr 1991/92 wieder Baufirma. Errichtete 1928 übrigens auch unser Haus.
Gegründet 1797.
Während der Zeit als Sägewerk gingen wir dort oft Hobelspäne und Sägemehl holen. Beides nahmen wir zur Aufbesserung der Qualität unserer Gartenerde. Manchmal "polsterten" wir mit den Hobelspänen auch den Hühnerhof, damit die Hühner Beschäftigung hatten.
Der Hofhund in dem Sägewerk hieß übrigens Nero. Er hatte ein graues Fell und sah einem Pudel ziemlich ähnlich. Lange Jahre lebte er dort. Ich kannte ihn schon als kleines Kind, und es gab ihn noch, als wir Ende 1992 wegzogen.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Schillerstraße, genau auf der Höhe Trägerstraße. Reicht nach hinten durch bis zur Goethestraße; genau da, wo die Goethestraße einen "Knick" macht, führt zwischen zwei Privathäusern ein Weg aus dem Firmengelände heraus.

Geschäft: Georg Schmidt ("Scherbel-Schmidt" genannt wegen seiner zahlreichen Porzellanwaren.).
Spielwaren, Geschenkartikel, Bauklempnerei und Installationsgeschäft.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Bäckergasse 1.

Geschäft: Werner Trinks. Ofensetzer.
Lage: Gebösestraße 12.

Geschäft: Haushalts- und Spielwarengeschäft Trüpschuh. Ab ungefähr Mitte der 1980-er Jahre hieß das Geschäft Wacker.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Südseite Brückenstraße. Vom Eckhaus Bahnhofstraße (Axthelm) aus kam Richtung Rathaus zunächst ein Wohnhaus, dann schon das Geschäft. Vorn Laden, dahinter Werkstatt und Lager.

Geschäft: Raumtextiliengeschäft Voigt.
(Kurz vor der Wiedervereinigung kam da dann eine Schlecker-Filiale rein, diese blieb dort bis zur Pleite des Imperiums 2012.)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Voigts gründeten den Laden.
Lage: Markt Westseite, Eckhaus Hundtgasse.


Betriebe, die vor meiner Zeit in der Stadt existierten:

Geschäft: Drechslermeister Gustav Becker. Später Möbel-Becker.
Lage: Salzstraße 12.

Geschäft: Klempner Paul Beger.
Lage: Unter den Linden 22.

Geschäft: Wagenbauerei Wilhelm Dennewitz.
Gegründet 1829. Fertigte unter anderem Kesselwaschmaschinen im Selbstbauverfahren.

Geschäft: Malermeister Hermann Bose oder Gose. (Vermutlich Gose, dieser Name war in Kölleda geläufiger.) Laut Zeitzeugenberichten gab es auch einen Elektromeister Gose, inwieweit da familiäre oder verwandtschaftliche Beziehungen bestehen, war nicht zu ermitteln.

Geschäft: Möbeltischlerei Graf.
(Angeblich soll laut Zeitzeugen die Gründerfamilie das Geschäft zumindest bis zur Wende 1989/90 geführt haben, ich gebe die Information mal unter Vorbehalt weiter.)
Lage: Man geht die Bahnhofstraße stadteinwärts. Vor einem zweigt die Friedrichstraße in östliche Richtung ab. Nachdem man die Friedrichstraße überquert hat, gleich das Eckhaus.

Geschäft: Tischlerei und Wagenbau Dahmert.
Tischlereiarbeiten aller Art, kleinere Wagen, viele Handwagen, auch Schlitten, vor allem nach dem Krieg lange Zeit viele Reparaturen.
Lage: Gleich neben späterer Tischlerei Dittmar Richtung Backleber Tor hin.

Geschäft: Möbeltischlerei Curt Junkel.

Geschäft: Böttchermeister Günther Kaufmann.
Baute Fässer, Holztröge, Holzwannen, kleine Kübel. Hörte ungefähr Ende der 1950-er Jahre auf.
Lage: An der Lohmühle 7.

Geschäft: Keilschindelwerk Karl Winzer.
Lage: Das Werk befand sich in einer Kellerhalle der VEAB auf der Kiebitzhöhe.
Sein villenartiges Privathaus, in dem auch das Büro der Firma untergebracht war, lag in der Schillerstraße, ungefähr da, wo die Albert-Träger-Straße rechtwinklig abzweigt. Dort befand sich am Gartentorpfeiler eine schwarze Steinguttafel. Sie trug die Aufschrift "Keilschindelwerk" sowie noch weitere Firmenangaben. Meiner Erinnerung nach hatte die Tafel außerdem die Form eines Wappens und es war irgendeine stark stilisierte Werbefigur darauf abgebildet.
Der seinerzeitige Betreiber der Firma soll nach Kriegsende die umliegende Wohnbevölkerung relativ kostengünstig mit Brennholz versorgt haben.

Geschäft: Carl Kittler.
Maschinen und Geräte zum Pflügen, Säen, Ernten.
Hauswirtschaftliche Maschinen und Geräte.
Öfen, Herde, Dämpfanlagen.
Zinn-, Lackier-, Eisenkurzwaren, Werkzeuge, Drahtgeflechte.
Existierte bis in die 1950-er Jahre, dann Wolle und Kurzwaren mit Frau Hemmecke.
Lage: Siehe historische Schwarzweißfotografie mit dem Straßenzug ganz am Ende des Kapitels.

Geschäft: Bauglaserei Carl Klube.
Gegründet 1822.
Lage: Mitte des 20. Jahrhunderts befand sich die Firma irgendwo in der Siedlung.

Geschäft: Farben- und Lackegeschäft Gustav Kunze.
Führte daneben auch die bekannten Palm-Zigarren.
Lage: Bahnhofstraße ...

Geschäft: Ingenieur N. Kutz.
- Führte laut historischer Eigenwerbung:
+ Radiohandel und –reparatur.
+ Elektrische Licht- und Kraftanlagen.
+ Bau von Blitzableitern.
+ Reparatur und Umwickeln von Motoren.
Lage: Siehe historische Schwarzweißfotografie mit dem Straßenzug ganz am Ende des Kapitels.

Geschäft: Otto Lehmann. Vertretung für Singer-Nähmaschinen.
Lage: Salzstraße 13, ab 1. Oktober 1933 Backlebertor 1. Abgerissenes altes, schmales Haus gleich neben dem Tor. Neben diesem war die damalige Aufkaufstelle für Obst.

Geschäft: Zimmerei, Bautischlerei und Holzhandlung Otto Meißner.

Geschäft: Bau- und Möbeltischlerei mit Glaserei W. Möller.
Lage: Pfortenstraße 4.

Geschäft: Klempnermeister Wilhelm Nieschler.
(Reparierte vor allem Wasser- und Gasleitungen, lötete nach dem Krieg zahllose Kochtöpfe, in denen ein Loch war, da es nichts Neues gab. Besaß als Fahrzeug ein "Christenverfolger" genanntes Fahrrad mit Hilfsmotor, arbeitete allein oder mit einem Gesellen. War passionierter Angler und Philatelist, wodurch er mit meinem Großvater gut bekannt war. Nach dem Krieg brachte er meinen Großeltern ab und zu kostenlos ein Stück seltenen Räucheraals.)

Geschäft: Glaserei Prellberg. (Fenster, Türen, Bilderrahmen. – Der Sohn wurde nach der Wiedervereinigung für kurze Zeit Bürgermeister.)
Lage: Enge Gasse 3, im Hinterhof der Druckerei Standhardt.

Geschäft: Tischlerei und Stellmacherei Pössel.
Gegründet 1855.
Lage: Roßplatz Ostseite, späteres Fahrradgeschäft Vollrath.

Geschäft: Bildhauerei und Steinmetz-Geschäft Paul Rasemann. Später Steinmetz Scherl.
Lage: Bahnhofstraße 14e, neben Garten Winkelmann.
(Ich bilde mir sogar ein, mich zu erinnern, dass auf dem Grundstück sogar noch zu meiner Zeit, als es das Unternehmen schon längst nicht mehr gab, noch irgendwelche Steinmetzerzeugnisse herumstanden.)

Geschäft: Möbeltischlerei P. Seidenstücker.

Geschäft: Steinmetz Springer.
Lage: Neben Gärtnerei Wilkening. Siehe Foto-Baisch im Unterpunkt "5. Fotografen/Fotofachgeschäfte in Kölleda".

Geschäft: Stellmacherei …
Lage: Bahnhofstraße, spätere Filiale des Dienstleistungskombinates. Siehe Unterpunkt "10. Haushaltsdienstleistungen".

Geschäft: W. Steinhäuser.
Reparaturen an Fahrrädern, Grammophonen, Schallplatten, Radios, Nähmaschinen.
Höchstwahrscheinlich auch Handel mit den genannten Gegenständen.
Lage: Bahnhofstraße 5.

Geschäft: "Holzhandlung C. Steinicke & Schmidt Kölleda-Burgwenden". Zimmer- und Maurermeister. Holzhandlung. Baustofflager für Maurer, Zweiglager in Großmonra.
Gegründet 1857. Hatte laut einer historischen Werbeeinschaltung den Fernruf Nr. 6.
Lage: Bahnhofstraße, zwischen Friedrichstraße und späterem Jugendklub, der Villa gegenüber der Post.

Geschäft: Wilhelm Tentscher. Mechanische Werkstätte.
Lage: Brückenstraße 15.

Geschäft: "Vonberg & Fundele".
Lage: Zwei-Mann-Maler-und-Tapezierer-Firma. Die beiden waren sehr geschätzt für ihre äußerst gewissenhafte Ausführung von Malerarbeiten.
Sie waren Schwäger. Die Frauen der beiden waren Schwestern. Die Familie Vonberg, er hieß übrigens Heinz mit Vornamen, lebte in der Trägerstraße 8, Fundele, mit Vornamen Josef, im Langen Weg.
Vonberg malte nebenbei auch Bilder. Hingen unter anderem im Flur des Krankenhauses.
Fundele ereilte zu DDR-Zeiten übrigens ein tragisches Schicksal. Als er anlässlich irgendeines staatlichen Feiertages an der Vorderfront des "Konsum" in der Bahnhofstraße die DDR-Fahne befestigen sollte, entglitt ihm diese und fiel zu Boden. Im ersten Zorn entfuhr es ihm: "Ach, heute muss ich doch Sch…. in den Pfoten haben!"
Ein Denunziant schnappte diesen unbedachten Ausruf auf und meldete ihn den Behörden weiter. Wegen angeblicher Herabwürdigung von staatlichen Symbolen der DDR bekam er Gefängnis. Obwohl der Ausruf in Wahrheit ja ein Schelten seiner eigenen Ungeschicklichkeit in dem Moment war …

Geschäft: Dekorationsmaler Paul Weiß.
Gegründet 1901.
Lage: Auenstraße 2, spätere Prof.-Hofmann-Straße, neben späterer Zahnarzt- und noch späterer Sportarzt-Praxis, gegenüber "Weißem Roß".


Abschließend noch ein paar Handwerker, zu denen ich nur über äußerst vage Angaben verfüge:
Zwei Dachdeckermeister namens Pfotenhauer und Schieweg, lebten beide vermutlich in der Siedlung.
Knauff, vermutlich Elektriker, lebte in dem namenlosen Verbindungsweg zwischen Bahnhofstraße und Lohmühle.
In der Pfortenstraße soll es laut Zeitzeugen auch eine Sattlerei gegeben haben.
Schornsteinfegermeister Engelhardt.
Wassermeister Hein, war zum Teil bei der Stadt angestellt.


Immer wenn an unserem Haus am Putz etwas zu reparieren war, kam ein junger Maurer mit Namen Sander zu uns. War aber, soviel ich weiß, nicht mit gleichnamiger Kölledaer Baufirma verwandt. Zu Beginn der Achtziger dürfte er so Anfang Zwanzig gewesen sein.


Zwei Schmieden gab es zur Zeit meiner Kindheit in unserer Stadt. Eine befand sich auf dem Roßplatz, unmittelbare Nähe Eingang Friedrichstraße, und gehörte einem Schmied namens Polke. Ich kann mich noch erinnern, dass man ihn nach Feierabend manchmal auf einer Bank vor seiner Werkstatt sitzen sah. Ich war damals noch ziemlich klein.
Die zweite Schmiede befand sich in der Straße "Am Pferdeteich". Der Name des Besitzers ist mir allerdings entfallen.
Und noch eine dritte, sehr kleine Schmiede hat es bis kurz nach Kriegsende gegeben. An den Namen des Betreibers können wir uns allerdings nicht mehr erinnern. Seinerzeitiger Standort: Man geht die Bahnhofstraße stadteinwärts. Vor einem zweigt die Friedrichstraße in östliche Richtung ab. Nachdem man die Friedrichstraße überquert hat, nicht das Eckhaus, sondern das übernächste Haus.


Ganz früher mal kündigte der Schornsteinfeger in unserer Gegend sein Kommen dadurch an, indem er von Haus zu Haus ging und mit Kreide eine Leiter und ein bestimmtes Datum an die Tür malte. Ist aber schon sehr lange her, kenne das nur noch aus Erzählungen.

2. Bäckereien in Kölleda

Vier Bäckereien existierten während meiner Kindheit in unserer Ortschaft. Wir gingen zu allen vieren gleich gern hin, da jeder irgendetwas Spezielles hatte, was die jeweils anderen nicht hatten.

Geschäft: Albert Triebel.
(Die Bäckerei Triebel stellte in der Nachkriegszeit auch eigenes Eis her. Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie dort als Kind ab und zu welches essen war. Einmal, als sie von der Eistüte zu lecken begann, schrie sie auf: "Aua, das ist aber kalt!"
Der alte Herr Triebel, der Firmengründer, grinste und fragte ironisch: "Willste warmes Eis hawe?"
Diese Geschichte wurde bei uns in der Familie in den Jahrzehnten danach sehr oft erzählt.)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Roßplatz 23.

Geschäft: Bäckerei an der Ecke Bäckergasse/Markt. Geleitet von einer Frau namens Lindner.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Bäckerei Bäumler.
Lage: Eckhaus südliche Seite Eingang Bäckergasse vom Markt her.

Geschäft: Uhlstein.
(Im Internet fand ich Folgendes:
""Ich habe mich gefreut, meine alten Kollegen von früher wiederzutreffen", sagt Günther Lungershausen. Der 77-jährige Bäckermeister aus Nordhausen wurde jüngst zusammen mit 64 weiteren Handwerksmeistern in Erfurt von der Handwerkskammer mit dem Goldenen Meisterbrief ausgezeichnet.

Nordhausen. Besonders gefreut hat sich Lungershausen über das Wiedersehen mit Karl Uhlstein aus Kölleda. "Mit ihm habe ich bei der Meisterschule in Weimar auf einem Zimmer gelegen", berichtet der Rentner. An die damalige Zeit Anfang 1962 hat Lungershausen noch viele Erinnerungen. (…)"
(Quelle: http://nordhausen.thueringer-allgemeine.de/web/lok... 16. 01. 2013.)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: "Am Pferdeteich".

Geschäft: Wickler.
(Es war so um die Zeit der Währungsunion herum, vermutlich noch kurz vorher, als die Betreiberfamilie in ihrem Laden eine kleine Eistruhe mit dem Logo der West-Eis-Marke "Eskimo" aufstellen ließ. Das war für uns damals natürlich eine kleine Sensation!)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Höchstwahrscheinlich Erstnutzung, da die Straße in den 1930-er-Jahren errichtet wurde und die Bäckerei an dieser Stelle annähernd seit dieser Zeit bekannt ist.
Lage: Jahnstraße 16. Das vorletzte Haus auf der Westseite vor der Wohnanlage zum Jahnplatz hin.

Erläuterungen zum Bild von der Bäckerei Wickler, wegen des Zeichenlimits bei den Bilduntertiteln hier veröffentlicht:
Foto von der Bäckerei Wickler aus dem Spätherbst 1992. Genauso sah es auch zu DDR-Zeiten aus, mit Ausnahme der modernen, weißen Tür und der auffallenden gelben Re-klame für eine bekannte westliche Kaffeemarke darüber.
In dem Zubau hinten raus mit dem Schornstein befand sich die Backstube.
Das spitz zulaufende Betonteil ganz vorn links gehört zu einer Garageneinfahrt der genannten Wohnanlage zum Jahnplatz hin.
Die Straße ist, wie auch schon erwähnt, die Jahnstraße, welche man bis zu ihrem Ende sehen kann, wo sie auf die horizontale Schillerstraße stößt.


Bäckereien, die vor meiner Zeit in der Stadt existierten:

Geschäft: Albert.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Erfurter Straße/gegenüber Eingang "Im Kloster".

Geschäft: Bäckerei, Konditorei und Café Johann Gorek.
(Im Konditorei-Zimmer spielte mein Großvater Walter Müller auf dem Klavier zur Unterhaltung der Gäste. Er war sozusagen der "DJ" Kölledas der Zwanziger Jahre.)
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: "An- und Verkauf".
Lage: Brückenstraße/westliche Seite Eingang Bahnhofstraße.

Geschäft: Knirsch.
(Die Tochter war übrigens meine spätere Russisch-Lehrerin, Frau Töpel.)
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Privater Wohnraum.
Lage: Bahnhofstraße, gegenüber Eingang Prof.-Hofmann-Straße.

Geschäft: Scherwonka.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: "Konsum" ("Verkaufsstelle 44").
Lage: Bahnhofstraße, neben Eingang Dr.-Stockmann-Straße, Südseite. Im Laue-Haus neben Lebensmitteln. Da, wo später dann die Pfandflaschen gesammelt wurden und dort noch ein wenig nach hinten hinaus.

Geschäft: Schmidt.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Johannesstraße.

Geschäft: Feinbäckerei Wilhelm Schiller.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Salzstraße, Eingang Pfortenstraße.

3. Drogerien in Kölleda

Geschäft: Drogerie Schubert.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Ungefähr zur Zeit des Nationalsozialismus firmierte das Geschäft als "Drogerie und Kolonialwaren W. Pfeifer".
Vermutlich in den Vierziger und/oder Fünfziger Jahren Drogerie Kuschel. Kuschel ging in den Westen. Es folgte Schubert, der dann die Drogerie Ulrich übernahm, als es der Besitzerin zu anstrengend wurde. Beide waren übrigens verwandt. Zu meiner Zeit leitete das Geschäft ein langer, hagerer Herr mit Stirnglatze, der glaube ich, Trommer hieß.
Lage: Salzstraße 18/Ecke Enge Gasse.

Geschäft: Drogerie Ulrich.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Ungefähr zur Zeit des Nationalsozialismus "Drogerie, Photohandlung und Kolonialwaren Alfred Ullrich. F. W. Kahnmeyer Nachf.". Gegründet 1786.
Lage: Brückenstraße 13. Ecke "Am Pferdeteich". (Wenn man mit dem Gesicht zum Eingang stand, zweigte gleich rechts daneben der "Pferdeteich" ab.)

4. Fleischereien in Kölleda

Geschäft: Stichling.
(Gegründet 1811.)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Mitte der Nordseite der Prof.-Hofmann-Straße.

Geschäft: Eckhaus Bahnhofstraße/Bäckergasse.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Früherer Besitzer vermutlich Junkel. Auf einer Werbeeinschaltung aus der Zeit des Nationalsozialismus stieß ich auch auf die Firmenangabe "Fleischermeister Erich Schollmeyer Adolf-Hitler-Straße 1".
Lage: Bahnhofstraße/südliche Seite Eingang Bäckergasse.

Geschäft: Mittag.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Früherer Besitzer Hauboldt oder Kalkhoff. Ich stieß bei meinen Recherchen auf eine historische Werbeeinschaltung mit der Information "Rind- und Schweineschlachterei Gebrüder Kalkoff, gegründet 1900".
Lage: Mitte der Südseite der Brückenstraße, vermutlich Hausnummer 29.

Geschäft: Fleischerei in der Salzstraße.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Früherer Besitzer Ziegler.
Lage: Salzstraße, Mitte der östlichen Hälfte der Südseite.


Fleischereien, die vor meiner Zeit in der Stadt existierten:

Geschäft: Fleischerei Karl Hoffmann.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Familie gab Fleischerei aus Altersgründen auf. Wurde später Fischladen.
Lage: Siehe historische Schwarzweißfotografie mit dem Straßenzug ganz am Ende des Kapitels.

Geschäft: Fleischerei Ribczynski.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Wurde nach der Wende Garderobegeschäft für Übergrößen.
Lage: Markt, neben Gemüse-HO.

Geschäft: Rind- und Schweine-Schlächterei Hermann Blossfeld.
Inhaber zu Beginn der 1930-er Jahre: Fleischermeister Oswald Junker. Spezialität: Warme Knoblauchwurst.
Lage: Markt 6.

Geschäft: Nordseite der Brückenstraße, ungefähr 100 Meter vom Rathaus entfernt. Vermutlich auch Kalkoff, aber nicht sicher.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Existierte nur nach dem Krieg ein paar Jahre. Wurde nach der Wende ein Buchgeschäft.
Lage: Nordseite der Brückenstraße, ungefähr 100 Meter vom Rathaus entfernt.

Geschäft: Freibank.
(Notschlachtungen gestürzter Pferde. Wurde als Hundefutter-Lieferant genutzt.)
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Brückenstraße, zwischen Modegeschäft "Chic" und Schmiede.

5. Fotografen/Fotofachgeschäfte in Kölleda

Kölledaer Fotografen und Fotofachgeschäfte:

Geschäft: Foto-Görtz.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Kurz- und Modewaren, Uniformmützen Richard Engelberg Nachf. E. Schwarz.
Lage: Brückenstraße 8.


Geschäfte, die vor meiner Zeit in der Stadt existierten:

Geschäft: Foto-Baisch.
Lage: Vom Stadtrand aus, auf der linken Seite, wenn man von Schillingstedt kommend zur Stadt hereinfuhr: BHG, Feldweg, Frauenbach, Gärtnerei Wilkening, schmaler Weg zum Schwanenteich, Steinmetz Springer, Foto-Baisch, privates Eckhaus, Straße zur Brauerei.

Geschäft: Foto-Rudel.
Lage: Brückenstraße Nordseite, neben Haushaltwaren. Das erste reguläre Haus in der Straße nach dem Eckhaus, in dem sich das Haushaltwarengeschäft befand.

Geschäft: "Drogerie, Photohandlung und Kolonialwaren Alfred Ullrich. F. W. Kahnmeyer Nachf.". Gegründet 1786.
Lage: Brückenstraße. Ecke "Am Pferdeteich". (Wenn man mit dem Gesicht zum Eingang stand, zweigte gleich rechts daneben der "Pferdeteich" ab.)

6. Frisöre in Kölleda

Geschäft: "PGH Charmant"
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Das Friseur-Großgeschäft unseres Ortes befand sich zu DDR-Zeiten unter der Adresse Markt 12, dem Gebäude direkt gegenüber vom Eingang zur Hundtgasse. Es trug die Firmenbezeichnung "PGH Charmant". (Hinweis für die "Nachgeborenen": PGH war zu DDR-Zeiten die Abkürzung für "Produktionsgenossenschaft des Handwerks" – nach Branchen gegliederte wirtschaftliche Zusammenschlüsse von Handwerksbetrieben.)


Frisöre, die vor meiner Zeit in der Stadt existierten:

Geschäft: Herren- und Damenfriseur Oskar Eylenstein.
Parfümerie und Toiletteartikel.
Gegründet 1912.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Wurde in den 1960-er Jahren eine Privatwohnung.
Lage: Bäckergasse 8.

Geschäft: Herren- und Damenfriseur, Theater-Friseur, Perücken-Verleihgeschäft, Fußpfleger Fritz Olle.
1904 gegründet.
(Als ich noch klein war, kam ab und zu der alte Friseurmeister Olle zu uns nach Hause, um meinem Großvater die Haare zu machen. Auch nachdem er schon lange in Rente war, ging er vereinzelt in Hausbesuchen noch seinem erlernten Handwerk nach.
Er lebte in dem Doppelhaus auf der Südseite der Schillerstraße an der Ecke zur Albert-Träger-Straße.)
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Privatwohnung.
Lage: Enge Gasse 5.

Geschäft: Friseursalon Hermann Rothe.
(Existierte laut Zeitzeugenberichten auf jeden Fall noch nach dem Krieg. Eventuell neben dem Diakonat auf dem Roßplatz, in dem Gebäude mit der kleinen Treppe davor, aber nicht sicher.)

Geschäft: Damen- und Herrenfriseur Emil Wandel.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Büro des Volkseigenen Kohlehandels. Dort musste man Briketts bestellen und bezahlen.
Lage: Bahnhofstraße 21a.

7. Gärtnereien in Kölleda

Geschäft: Albrecht.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Am Pferdeteich 2 sowie Nordseite der Salzstraße, neben Sparkasse.

Geschäft: Baumschule Werner Kunze.
(Zweimal im Jahr herrschte dort großer Auflauf. Einmal Anfang/Mitte März, manchmal auch schon im Februar, je nach Witterung.
Das zweite Mal, und dann noch intensiver, Anfang November.
Und zwar wurden zu diesen beiden Terminen Rosenpflanzen aller Art und aller Größe verkauft. Sowie Beerensträucher und Obstbäume. Die ganze Straße war dann jedes Mal beidseitig mit Autos zugeparkt, manchmal bis in die Schillerstraße hinein. Und die Kunden standen auf dem Gehweg oft bis an das übernächste Haus.)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Erstnutzung.
Lage: In einem Haus schräg gegenüber von uns in der Straße. (Erkennungszeichen war ein in auffallendem Hellgrün gestrichener hölzerner Gartenzaun.)

Geschäft: Niedling.
(1893 gegründet.)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Südseite der Erfurter Straße. Zwischen ehemaligem Gefängnis/Feuerwehr und Bauerngehöft.
Das Familienunternehmen besaß zwischen der Feistkornstraße und der erst Ende des 20. Jahrhunderts entstandenen Dr.-Fritz-Kalkoff-Straße (Auf welcher früher einmal die Pferdekoppel lag.) einen zusätzlichen Anbaugarten.

Geschäft: Rockenschuh.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Westseite der Brückentorstraße, Ecke Brückenfeldstraße. Schräg gegenüber von Wilkening, gegenüber der BHG.

Geschäft: Wilkening.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Ostseite der Straße "Brückentor", am Frauenbach, neben Steinmetz Springer. Reichte bis zum Schwanenteich.

Geschäft: Privat: Hugo Kaminski.
(Chemielehrer Kaminski, der bei uns die Straße hinab lebte, schuf sich jedes Frühjahr einen kleinen Zuverdienst, indem er aus seiner kleinen Plantage in seinem Privatgarten Frühblüher als Schnittblumen verkaufte. Er hatte bereits einen festen Kundenstamm.


Gärtnereien, die vor meiner Zeit in der Stadt existierten:

Geschäft: Bachrodt.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Stammbetrieb war an der Schillingstedter Straße zwischen Weg neben dem Frauenbach und der Brückenfeldstraße.
Noch ein großes Gartengelände besaß man im Gebiet Streitsee auf der gegenüberliegenden Seite vom Schwimmbad. Gärtner Schneider war dort sozusagen der Filialleiter. Er kam nach dem Krieg nach Kölleda. War für sein Fachwissen sehr geschätzt, insbesondere auf dem Gebiet der Steinpflanzen war er eine ausgewiesene Koryphäe.

Geschäft: Planke.
(Spitzname des Geschäftsinhabers: "Benari". War der Name der Samenhandlung, von der er seine Samen bezog und auf deren Qualität er schwor. So kam dieser Spitzname zustande.)
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Entenplan, ganz in der Ecke Richtung Friedhof.

Geschäft: Blumenladen Polacek.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Bahnhofstraße, neben Bäckerei Knirsch. Ganz genau auf der Höhe der Prof.-Hofmann-Straße.

8. Kölledaer Einrichtungen rund um das Thema Gesundheit

Geschäft: Apotheke.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Brückenstraße 33.

Geschäft: Optik-Scholze.
Lage: Man geht die Bahnhofstraße stadteinwärts. Vor einem zweigt die Friedrichstraße in östliche Richtung ab. Nachdem man die Friedrichstraße überquert hat, nicht das Eckhaus, sondern das gleich darauf folgende Haus.
Was jedoch die Achtziger Jahre betrifft, so kann ich mich an ein Geschäft auf der Nordseite der Brückenstraße erinnern, das direkt gegenüber vom Eingang zur Bahnhofstraße lag.

Der "Röntgenzug", ein freiwilliges Gesundheitsprophylaxe-Angebot des Rates des Kreises, kam zweimal im Jahr, Frühjahr und Herbst, in die Stadt. Die umfunktionierten Bau- oder Zirkuswagen mit Röntgengeräten machten dann auf dem Jahnplatz oder dem Roßplatz Station. Wurde auch in der Zeitung vorher angekündigt. Für den Schreibkram rund um die Behandlung wurden kurzfristig Leute aus dem jeweiligen Ort angeheuert. Auch meine Großmutter hat das viele Jahre gemacht.


Geschäfte, die vor meiner Zeit in der Stadt existierten:

Geschäft: Reformhaus mit medizinisch-orthopädischen Artikeln.
(Es roch dort auch stets entsprechend "medizinisch", wie mir Zeitzeugen berichteten.)
Lage: Siehe historische Schwarzweißfotografie mit dem Straßenzug ganz am Ende des Kapitels.

Geschäft: Werkstatt des orthopädischen Schuhmachermeisters Richter, wahrscheinlich bis in die Sechziger Jahre.
(Einer seiner Söhne war der gleiche Geburtsjahrgang wie meine Mutter, er ging aber auf die andere Schule der Stadt, nicht die Jahn-Schule.)
Lage: Siehe historische Schwarzweißfotografie mit dem Straßenzug ganz am Ende des Kapitels.

Im zweiten Haus der Südseite der Prof.-Hofmann-Straße, gleich nach dem Eckhaus zum Roßplatz, befand sich auf jeden Fall noch Ende der 1950-er Jahre eine Zahnarztpraxis. Zu meiner Zeit, in den Achtzigern, war dort unser städtischer Sportarzt untergebracht.

Homöopathie: Was viele nicht wissen: Die Homöopathie wurde bei uns in Mitteldeutschland entwickelt.
Sie geht zurück auf den Arzt Christian Friedrich Samuel Hahnemann. 1821 ließ er sich als Herzoglicher Leibarzt von Friedrich Ferdinand von Anhalt-Köthen in der gleichnamigen Stadt Köthen nieder. Dort brachte er seine bislang theoretischen Forschungen auf dem Gebiet der Homöopathie zur Marktreife.
Im März 2013 wechselte der Weltverband homöopathischer Ärzte seinen Sitz von Genf nach Köthen, ins seinerzeitige Wohnhaus Hahnemanns, das heute Gedenkstätte ist.
Auch bei uns in der Stadt praktizierte mal ein Homöopath. Er hatte seine temporär besetzte Praxis in einem Haus auf der Ostseite der Schillerstraße an der Ecke zur Jahnstraße. Meine Großmutter war mal bei ihm in Behandlung wegen ihrer Gallen-Geschichte.

9. Kölledaer Getränke-Shops

Gleich nach der Wende entstand eine ganze Reihe von Getränkeshops in der Stadt. Dies waren kleine Privatläden in den Wohnhäusern ihrer Betreiber, in welchen Getränke aller Art, Süßigkeiten, Eis und Snacks verkauft wurden.
An folgende Standorte kann ich mich erinnern:

Geschäft: Blick in die Vergangenheit: Bei meinen Recherchen stieß ich einmal auf eine kleine Werbeeinschaltung aus der Zeit Ende der Dreißiger/Anfang der Vierziger Jahre für einen "Getränkehandel Reinhold Seil". Allerdings ohne nähere Angaben.
Lage: ?

Geschäft: Ruhmann.
(Die Familie war die erste, die in der Stadt damit begann. Schon kurz vor der Wende, im Sommer 1988, eröffnete sie ihr Geschäft in der Garage ihres Privathauses. Der Geschäftsraum wurde im Verlauf der nächsten Jahre dann sukzessive immer weiter nach hinten in den Garten ausgebaut.)
Lage: Mitte der Ostseite der Jahnstraße.

Geschäft: Hauptmann (?)
Lage: Südseite der Mühlgasse.

Geschäft: Geschäft in der August-Bebel-Straße.
Lage: Südliches Ende der Westseite der August-Bebel-Straße, Ecke Karl-Marx-Straße. Garage eines Privathauses. Betrieb ein älterer Herr.

Geschäft: "Enge Gasse".
(Ich kann mich noch erinnern, wie ich dort nach der Wiedervereinigung, es war schon im Frühjahr 1991, erstmals in unserer Stadt zwei Fruchtmilch einer bekannten Großmolkerei aus dem Allgäu erstand. Banane und Erdbeere. Abgefüllt in Halb-Liter-Plastikbechern mit abziehbarer Metallfolie oben drauf, bei der man sehr darauf Acht geben musste, dass sie nicht verletzt wurde, weil sonst alles herausschwappte. Das war natürlich ein Erlebnis, nachdem wir das Zeug bereits viele Jahre aus der westlichen Fernseh-Reklame kannten!)
Lage: Mitte der Westseite der "Engen Gasse".

Geschäft: Irgendwo in der Straße "Langer Weg" oder Umgebung.
Lage: Anfang Oktober 1990 entdeckte ich laut einer zu jenem Zeitpunkt getätigten Tagebuchaufzeichnung in jener Straße eine Werbetafel für einen neu eröffneten Getränkeshop in der Nähe. Nähere Angaben machte ich mir damals allerdings nicht.
Wenn man jedoch die Siedlungsstruktur dort kennt, dann ist einem klar, dass es sich nur um einen Kellerraum oder eher noch um eine Garage auf einem Privatgrundstück gehandelt haben kann, was zu diesem Zweck umfunktioniert wurde.

10. Haushaltsdienstleistungen

Dienstleistungskombinat: Zu DDR-Zeiten landesweit tätiges Unternehmen mit Filialen in allen Städten ab einer gewissen Größe. Bot eine breite Palette von Haushaltsdienstleistungen an. Es war ein sehr intelligentes Unternehmenskonzept, das auch von der Bevölkerung gut angenommen wurde.
Die Kölledaer Filiale befand sich zunächst in der Bahnhofstraße. Wenn man diese Straße stadteinwärts ging, kam zuerst das Eckhaus zur Prof.-Hofmann-Straße, dann war das nächste schon das bewusste Haus. (Das übernächste Haus von diesem aus gezählt war dann das Geschäft für Lampen und optische Geräte von Herrn Lein.) Altes Stadtbauernhaus mit breiter Torfahrt.
Ganz früher befand sich mal eine Stellmacherei in dem Geschäftslokal. Und nachdem das Dienstleistungskombinat dort ausgezogen war, ging da ein Spielwarenladen rein. Die Betreiber machten nebenher übrigens auch kleine Reparaturen von Gegenständen aus dem Haushalt, Schirme, Strümpfe, kleine Elektrogeräte und Ähnliches.
Irgendwann später, meiner Erinnerung nach um das Jahr 1987, wurde dort Obst und Gemüse verkauft.
Zu meiner Zeit befand sich der Standort des Dienstleistungskombinates dann auf dem dorfplatzähnlichen Schnittpunkt von Gerbergasse, Johannisstraße und An der Lohmühle. Es war eine Holzbaracke.
Nach der Wiedervereinigung befand sich darin ein Ramschladen. 1991 habe ich dort mal zwei Freizeithemden gekauft, die ich sehr gern angezogen habe.

Ein Familienbetrieb, der in kleinerem Rahmen in derselben Branche tätig war, war die Wäscherolle Liebing. Gelegen auf dem oberen Roßplatz, Ecke Salzstraße, neben dem Rittergut.

Vor meiner Zeit in der Stadt tätig war die Wäscherolle Pohlmann.
Lage: Bahnhofstraße, Ecke Erfurter Straße. (Hohes, kunstvoll gestaltetes Holztor mit Dach.)
Die Rolle befand sich im hinteren Teil des Hauses, das sich entlang der Erfurter Straße hinzog. Dort war eine Art private "Waschküche" mit besagter Wäscherolle.
Viele Jahre Familienbetrieb. In den 1960-er Jahren gab man die Rolle aus familiären/gesundheitlichen Gründen auf.

11. Lebensmittel- und Tabakgeschäfte in Kölleda

Auch hier wäre eine genauere Abgrenzung aufgrund der damaligen Sortimentspolitik der Geschäfte im Einzelfall zu schwierig geworden.

Geschäft: "Konsum"-Verkaufsstelle 44.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Familie Laue. Inhaber in den Dreißiger Jahren Carl Laue. War laut historischer Eigenwerbung ein Kolonialwaren- und Delikatess-Geschäft.
Wurde vermutlich im Jahr 1993 ein Blumengeschäft.
Lage: Bahnhofstraße/Ecke Dr.-Stockmann-Straße.

Geschäft: "Treppen-Konsum" (Volksmundbezeichnung, da eine Außentreppe zum Eingang des Geschäftes führte.).
Gegen Ende der Achtziger Jahre Spezialgeschäft für Diabetiker-Lebensmittel.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Gegründet 1809. Wurde noch in den Dreißiger Jahren unter dem Namen Thilo Junne geführt. Inhaber zu Beginn der 1930-er Jahre: Hermann Preßler. Führte damals laut historischer Eigenwerbung: Feinkost, Kolonialwaren, lebende Fische, Weine, Liköre, Tabak, Zigarren, Zigaretten, Kaffees eigener Röstung, landwirtschaftliche Sämereien.
Lage: Bahnhofstraße/Ecke Gerbergasse, gegenüber Bäckergasse.

Geschäft: Kiosk in der Brückenfeldstraße in der Siedlung.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Brückenfeldstraße.

Geschäft: Lebensmittelgeschäft am Beginn der Brückenstraße, Südseite, am Eingang zum Markt.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Inhaber zu Beginn der 1930-er Jahre: Carl Haupt. Davor muss es Otto Haupt gewesen sein, da das Geschäft zu diesem Zeitpunkt offiziell den Namen Otto Haupt trug. Angeboten wurden zu Beginn der Dreißiger Jahre laut einer historischen Werbeeinschaltung Kolonialwaren, Kleesaaten, Weine, Spirituosen, Tabakfabrikate, Zucker-, Salz- und Soda-Niederlage.
Ab ungefähr 1990/91 befand sich ein Schuhgeschäft darin.
Lage: Markt/Ecke Brückenstraße.

Geschäft: Gemüseladen.
Im Volksmund übrigens meistens "Gemüse-HO" genannt, da er der staatlichen Einzelhandelskette "Handelsorganisation" (HO) unterstand.
Für die doch eher kleine Ladenlokalfläche führte er ein recht beachtliches Sortiment an Obst, Gemüse, tiefgefrorenem Gemüse, Säften, Schnittblumen und Tütensamen.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Bis 1958 Reparaturwerkstatt Heyne. Dann ab irgendwann bis zum deutschen Schicksalsjahr 1990 Gemüse-Laden. Ich selbst kannte den Laden ab frühester Kindheit nur als Gemüseladen. Ab 1990 Autohaus Heyne.
Lage: Markt, in derselben Häuserzeile wie May. Wenn man von Westen her kam, das zweite Haus. Adresse vermutlich Markt 19.

Geschäft: Gemüseladen in der Bahnhofstraße.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Ganz früher, bis irgendwann nach Kriegsende, befand sich mal eine Stellmacherei in dem Geschäftslokal.
Später wurde es die Kölledaer Filiale des Dienstleistungskombinates.
Nachdem das Dienstleistungskombinat dort ausgezogen war, ging da ein Spielwarenladen rein. Die Betreiber machten nebenher übrigens auch kleine Reparaturen von Gegenständen aus dem Haushalt, Schirme, Strümpfe, kleine Elektrogeräte und Ähnliches.
Um das Jahr 1987 herum befand sich dort mal ganz kurz ein Gemüseladen.
Lage: Auf der Ostseite der Bahnhofstraße, gleich im übernächsten Haus nach dem Eckhaus zur Prof.-Hofmann-Straße, wenn man Richtung Stadtinneres ging.

Geschäft: H. Boerner Nachf..
Inhaber zu Beginn der 1930-er Jahre: Kurt May. Handelte zu jener Zeit mit: Feinkost, Kolonialwaren, Wein, Zigarren, Zigaretten, Tabak, Kaffeerösterei mit Kraftbetrieb, lebende Flussfische, Seefische.
Hieß auch noch während meiner Kindheit im Volksmund Firma May, obwohl zu diesem Zeitpunkt längst verstaatlicht.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: An dieser Stelle kann nur auf den Namen H. Boerner verwiesen werden.
Lage: Markt 22/Ecke Enge Gasse.

Geschäft: "Konsum"-Verkaufsstelle (?).
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Lebensmittelgeschäft Koch.
Haus wurde im Frühsommer 1986 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Im Nachfolgerbau befand sich im Erdgeschoss aber auch wieder ein Lebensmittelgeschäft.
Lage: Am Ende der Brückenstraße/Ecke Straße Am Brauhaus. Nahe den Abzweigungen zu den Straßen "Brückentor" und "Am Pferdeteich."

Geschäft: Kiosk in der Johann-Sebastian-Bach-Straße.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Erstnutzung.
Wurde im Jahr 1993 oder 1994 abgerissen, um Platz zu schaffen für den Neubau einer Cafeteria.
Lage: Nordseite der Johann-Sebastian-Bach-Straße, Nähe Weimarisches Tor.
Wenn man von der Ostseite des Weimarischen Tors kommend die Bachstraße betrat, stand die Baracke in ungefähr zehn Meter Entfernung auf der Wiese zwischen Fußweg und Privatgärten.

Geschäft: "Delikat" (Hierbei handelte es sich um eine DDR-weite Handelskette, die Lebensmittel aus dem nichtsozialistischen Ausland sowie qualitativ besonders hoch stehende Lebensmittel aus der DDR vertrieb. Das Preisniveau war daher für DDR-Verhältnisse ziemlich hoch. Nichtsdestotrotz kann ich mich aber daran erinnern, dass dieses Geschäft in unserer Stadt immer sehr gut frequentiert war.)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Lebensmittelgeschäft "Damm's & Garf's". (Bei der Schreibweise der Namen bin ich mir allerdings nicht hundertprozentig sicher.)
Lage: Mitte der Südseite der Prof.-Hofmann-Straße.

Geschäft: "Schnapsladen". Die genaue Bezeichnung ist mir unbekannt.
Existierte meinen Erinnerungen nach auf jeden Fall Mitte der Achtziger Jahre.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Das Geschäft, das genau zwischen Foto-Görtz in der Brückenstraße 8 und dem Eis-Café zwei Häuser weiter Richtung Ortsausgang lag.

Geschäft: "Fischladen". Die genaue Bezeichnung ist mir unbekannt.
(Das Angebot war übrigens ganz exzellent, meine Leidenschaft für Fischspezialitäten, die bis heute anhält, ist durch dieses Geschäft geweckt worden!)
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Fleischerei Karl Hoffmann.
Lage: Siehe historische Schwarzweißfotografie mit dem Straßenzug ganz am Ende des Kapitels.

Geschäft: Um 1990 herum entstandener Supermarkt auf dem Gelände der Firma Axthelm.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Lagerhalle der Spedition Axthelm.
Lage: Eine Lageskizze von Maxi Herta Altrogge:

Am 5. Dezember 1991 wurde auf der Ostseite der Gebösestraße, nahe der Abzweigung Schillerstraße, in einem Neubau auf einem zuvor urbar gemachten Sumpfgebiet der "Extra-Verbrauchermarkt" eröffnet.

Nach der Wende wurde auf dem Gelände der ehemaligen KAP auf der Ostseite der Weimarischen Straße ein kleines Einkaufszentrum eröffnet.

Geschäft: Supermarkt "okay".
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Gasthaus "Zur Post". Im Volksmund "Singe-Post" genannt. Besitzer zu Beginn der 1930-er Jahre: Fritz Spieler. Damals folgende Infrastruktur: großer Saal, Gesellschaftszimmer, Fremdenzimmer, Gastgarten, ungefähr bis 1940 Einbahn-Kegelanlage, Autoeinfahrt.
Wurde später eine Turnhalle.
Am 10. September 1990 kam für reichlich ein Jahr der "okay"-Supermarkt herein, bis dann am 13. Februar 1992 dafür ein eigenes Gebäude am Wilhelm-Pieck-Ring am östlichen Stadtrand eröffnet wurde.
Lage: Dr.-Stockmann-Straße, Mitte der Südseite.


Lebensmittelgeschäfte, die vor meiner Zeit in der Stadt existierten:

Geschäft: Kolonialwarengeschäft C. Reifschneider.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: An der Stelle wurde später ein Wohnhaus-Neubau errichtet.
Lage: Roßplatz 24, neben Bäckerei Triebel.

Geschäft: Buchmann.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: War später Ausstellungsraum der Firma Möbel-Becker.
Lage: Pfortenstraße, neben Farbengeschäft Mundt/später Ohlenforst.

Geschäft: Ulrich. (Schrieben sich im Gegensatz zu den Drogerie-Ullrichs nur mit einem "L".)
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Erfurter Straße/Kalte Gasse.

Geschäft: "Drogerie und Kolonialwaren W. Pfeifer". Trug diesen Firmennamen ungefähr zur Zeit des Nationalsozialismus. Später Drogerie Schubert.
Lage: Salzstraße 18.

Geschäft: "Drogerie, Photohandlung und Kolonialwaren Alfred Ullrich. F. W. Kahnmeyer Nachf.". Gegründet 1786.
Lage: Brückenstraße 13. Ecke "Am Pferdeteich". (Wenn man mit dem Gesicht zum Eingang stand, zweigte gleich rechts daneben der "Pferdeteich" ab.)

Geschäft: Willy Schröter. Zigarren, Zigaretten, Tabak, Kolonialwaren.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Resi Dittmar. "Krimskrams"-Lebensmittelladen.
Wieder später Radio-Reparaturwerkstatt.
Nach Wende Schreibwaren.
Lage: Roßplatz 30. (Ostseite, letztes Haus vor der Häuserzeilenlücke, die zum Stadtgraben führt.)

Geschäft: A. Tentscher. Spezialvertrieb sämtlicher Tabakerzeugnisse. Großhandel, Kleinhandel.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Brückenstraße 15.

Geschäft: Marie Bernstein. Kaffee Richter-Leipzig, Schokoladen, Pralinen, Zuckerwaren, Backwaren und Fischmarinaden.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Friedrichstraße.

Geschäft: Willi Seidenstücker. Tabakwaren, Schreibwaren, Schulartikel, Zuckerwaren.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Obergasse.

Geschäft: Tabakwaren Eduard Trabitzsch.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Hindenburgstraße 14/15. (Nordseite heutige Salzstraße, direkt an der Ecke zur Pfortenstraße gelegen.)

Geschäft: Alter "Fischladen".
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Bäckergasse, neben "Scherbel-Schmidt".

Wörtlich hieß es auf einer historischen Werbeeinschaltung folgendermaßen: "Curt Koch i. Fa. Franz Koch.
Kolonialwaren, Feinkost und Vertretung von Allianz- und Stuttgarter Verein Versicherungs-Aktiengesellschaft."
Ich nehme stark an, es handelt sich hierbei um das Papierwarengeschäft am östlichen Ende der Prof.-Hofmann-Straße.

H. Boerner Nchf.
Filiale der Weingroßkellerei Pottel & Broskowski G. m. b. h.
???

Geschäft: Obstaufkaufstelle.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Siehe Bild.

Ganz allgemein zum Thema Obst: Eine nicht unbedeutende Lieferquelle für den staatlichen Lebensmittelhandel waren Privatgärten.
So manche Besitzer von Kleingärten, vor allem Rentner, verdienten sich etwas dazu, indem sie Obst- und Gemüseerzeugnisse aus ihren Privatgärten an die lokalen Lebensmittelgeschäfte verkauften. Bei der Übergabe der Ware wurde sowohl seitens der Produzenten als auch der Verkaufsstellenleiter sehr genau auf Qualität geachtet!

12. Kölledaer Unternehmen in der Modesparte

Geschäft: "chic".
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Kähler. (Zwei Schwestern.)
Wurde nach der Wiedervereinigung ein "Ramschladen".
Lage: Brückenstraße, auf der Höhe der Straße "Am Brauhaus".

Geschäft: Handarbeitswarengeschäft.
Ziemlich schmaler, altmodischer Laden, der jedoch im wahrsten Sinne des Wortes Tausende kleiner Dinge rund um das Thema führte. Dominierend vor allem Wollesorten in allen Farben des Spektrums, Knöpfe und Zubehör fürs Sticken.
Geführt wurde der Laden viele Jahre von einer Frau Hemmecke.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Landmaschinen Carl Kittler.
Lage: Siehe historische Schwarzweißfotografie mit dem Straßenzug ganz am Ende des Kapitels.

Geschäft: Paul Hilpert. Geschäftsführer ungefähr bis Kriegsende. Im Volksmund hatte sich der Name jedoch bis zur Wiedervereinigung gehalten.
Ebenfalls bis Kriegsende Vertretung für Bleyle-Moden.
Wurde nach der Wende kurzfristig ein etwas lieblos geführter "Ramschladen". Wir gingen aber trotzdem gern dort einkaufen, weil dort die Getränke sehr billig waren. Die mussten irgendeine günstige Direkt-Vermarkter-Quelle an der Hand gehabt haben.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Bahnhofstraße 13.

Geschäft: Hermann Ibe.
In einer historischen Eigenwerbung klassifiziert als Stoff- und Gardinengeschäft. Zu meiner Zeit jedoch war das Angebot wie in einem normalen Bekleidungsgeschäft. Durchaus möglich, dass sie zusätzlich noch Stoffe und Gardinen führten.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Unbekannt.
Lage: Markt, Ostseite, direkt vor dem Eingang Enge Gasse.

Geschäft: Modegeschäft auf dem Gelände der ehemaligen KAP. Nach der Wende entstanden.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion, kurz KAP. Solche Einrichtungen fassten die Feldwirtschaft mehrerer LPG (Abkürzung für "Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft".) beziehungsweise VEG (Abkürzung für "Volkseigenes Gut".) in der DDR zusammen.
Nach der Wende siedelten sich auf dem Areal unserer KAP mehrere kleine Betriebe, vor allem im Lebensmittel- und Einzelhandelsbereich, an.
Lage: Etwa ein Kilometer die Landstraße nach Weimar hinaus auf der östlichen Seite.

Geschäft: Kirsten.
Frühere Nutzung/Vorbesitzer: Kähler. (Zwei Schwestern.)
Lage: Nordseite der Gerbergasse, östliches Ende.


Modeunternehmen, die vor meiner Zeit in der Stadt existierten:

Geschäft: Manufaktur- und Modewaren Hermann Adam.
Lage: Brückenstraße 32.

Geschäft: Herren- und Damen-Schneidermeister Albert Fischer.
(Gegründet 1852.)
Lage: Roßplatz 37.

Geschäft: Mode-, Handarbeits- und Kurzwarengeschäft L. Fritsche Nachf..
Inhaberin zu Beginn der 1930-er Jahre: Johanna Bernstein.
Lage: Brückenstraße 28.

Geschäft: Modegeschäft Erich John.
Lage: Markt.

Geschäft: Mode- und Stoffgeschäft P. Kähler.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Siehe die beiden Geschäfte oben.
Lage: Siehe die beiden Geschäfte oben.

Geschäft: Kahle.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Unbekannt.
Lage: Nordseite der Prof.-Hofmann-Straße. Von der Bahnhofstraße aus das zweite oder dritte Haus.

Geschäft: Maßschneiderei Fritz Nieschler.
Lage: ?

Geschäft: Maßschneiderei Hermann Nowack.
Lage: ?

Geschäft: Damen- und Herrenschneidermeister Arno Pellkofer.
Lage: ?

Geschäft: Hut-, Mode- und Handarbeitsgeschäft O. Reichardt.
Lage: Bahnhofstraße 7.

Geschäft: Schneidermeister Schermaul.
Lage: Im selben Haus wie das Geschäft für Lampen und optische Geräte Lein in der Bahnhofstraße 8. Oben linke Tür. Dort befand sich eine kleine Wohnung, die zur Werkstatt umfunktioniert worden war.
Privat lebten Schermauls in der Schillerstraße in dem Haus, das sich östlich der Grünfläche, über das kleine, quadratische Straßenstück hinüber, etwas nach hinten versetzt befand.

Geschäft: Kurz- und Modewaren, Uniformmützen Richard Engelberg Nachf. E. Schwarz.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Foto-Görtz.
Lage: Brückenstraße 8 (Foto-Görtz und direkt westlich daneben.).

Geschäft: Richard Voigt Modehandel.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Teppichgeschäft Voigt.
Lage: Markt, Eckhaus Eingang Hundtgasse, Südseite.

Geschäft: Pelzwaren und Hutmacher Ernst Weiss.
Spätere Nutzung/Nachbesitzer: Uhrmacher Friedrich Polivka.
Lage: Beginn Enge Gasse, gleich neben Modegeschäft Ibe.

Geschäft: Gustav Ziegfeld Nachf..
Inhaber: Adolf Ziegfeld.
Herren-, Damen- und Kindermode. Bandagen.
(Gegründet 1867.)
Nach der Ära Ziegfeld ging dort ein Geschäft mit Kurzwaren und Wolle rein.
Lage: Markt/Ecke Hundtgasse, gegenüber Teppich-Voigt, dem späteren "Schlecker".

Frau Biller. Gelernte Schneiderin. Flüchtling. In ihrer Privatwohnung in der Karl-Marx-Straße übernahm sie in der Nachkriegszeit nach Feierabend kleinere Arbeiten.

Frau Rößler. Auch in den 1960-er Jahren versuchten manche Leute, sich mit irgendwas legal etwas dazu zu verdienen.
Da stieg der Kaufmann Kahle, der in der Prof.-Hofmann-Straße einen kleinen Konfektionsladen betrieb, in diese Lücke ein.
Er hatte von einem größeren DDR-Oberhemden-Produzenten über längere Zeit größere Mengen "Rohteile" für Herren-Oberhemden organisiert, die also in der Fabrik fertig zugeschnitten waren.
Nun suchte er im Kundinnen- und Bekanntenkreis Frauen, die gut nähen konnten. Eine davon war Frau Rößler, die nur ein paar Häuser weiter wohnte. Sie war noch dazu gelernte Schneiderin.
Die zugeschnittenen Teile mussten sehr sauber zusammengenäht werden, ebenso die etwas aufwändigeren Bündchen. Viel Zeit und Mühe kostete das genaue Umnähen der vielen Knopflöcher und das feste Annähen der Knöpfe!
Ein gewisser Zeitdruck war auch vorhanden, denn die Oberhemden waren im Geschäft Kahle sehr gefragt.
Da Frau Rößler, obwohl sie Fachkraft war, es nicht immer zeitgerecht schaffte, gab sie ihrer Bekannten, Lisa Rudel, meiner Großtante, einige ab zum Nähen.
Wenn diese das auch nicht zeitgerecht schaffte, sprang deren Schwester, Helene Müller, meine Großmutter mütterlicherseits, die sehr gut nähen konnte, ab und zu ein, um das Ganze am Laufen zu halten.
Für ein fertiges Oberhemd bekamen die Frauen fünf Mark Arbeitslohn. Sie arbeiteten jeweils mehrere Stunden daran.

Ähnliche Heimarbeit verrichteten einige Frauen für das Strickwaren-Kombinat Apolda.
Sie häkelten feinste "Ausfahr-Garnituren für Babys", Jäckchen und Mützchen, nach einer genauen Muster- und Größenvorlage, kunstvolle Noppenmuster, aus feinem Wollgarn in zarten Farben.
Eine höchst aufwändige Arbeit, da absolut fehlerfrei und gleichmäßig gehäkelt werden musste – und das unter Zeitlimit!
Da dies in der vorgegebenen Zeit absolut nicht zu schaffen war, hatte jede der Frauen auch hier noch eine Bekannte an der Hand, die heimlich mithäkelte, um das "Soll" zu schaffen. Sie teilten sich dann den Lohn halbe-halbe.
Für eine "Ausfahr-Garnitur" wurden elf Mark gezahlt.
Nach ein paar Jahren hörten die Frauen mit der Häkelei auf.

Frau Schuch. Das schon ältere, kinderlose Ehepaar gehörte ebenfalls zu den Flüchtlingen. Es lebte auf dem Roßplatz in der kleinen Dachwohnung im Anwesen der Familie Rohkrämer, ein schmales, zweistöckiges Haus, ein paar Häuser weiter oben nach der Bäckerei Triebel.
Der Mann arbeitete im Funkwerk, die Frau verdiente mit Modearbeiten dazu. Sie war gelernte Schneiderin. Dadurch hielt sich auch jemand von unserer Familie ab und zu dort auf. Sie übernahm Auftragsarbeiten für die Leute. Zumeist Monogramme in Wäschestücke, wie Wischtücher, Handtücher, Tischwäsche, Bettwäsche. Sehr filigran. Ein Monogramm 50 Pfennig. Zum Vergleich: Dafür bekam man im Geschäft zu jener Zeit ungefähr zehn kleine Semmeln.
Sie fertigte auch Maßschneiderei vom Feinsten an. Stoff musste man mitbringen. Schnitt konnte man dort aussuchen. Sie hatten im Fenster ganze Berge von Modezeitschriften liegen. Dieses geräumige Zimmer war gleichzeitig Nähstube und Wohnzimmer.





Erläuterungen zu der Ansicht von der Brückenstraße, wegen des Zeichenlimits beim Bilduntertext hier veröffentlicht:
Die Kölledaer Brückenstraße auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1980.

Drittletztes Haus auf der linken Seite, vor dem hohen, weißen: Landmaschinen Carl Kittler, später Wolle und Kurzwaren mit Geschäftsstellenleiterin Frau Hemmecke.

Im zweiten Haus rechts, wo der Strommast davorsteht, bei der repräsentativen Holzverkleidung vom Eingang, befand sich mutmaßlich die Radioreparaturwerkstatt Kutz.

Reformhaus/später Uhrmacher Hübner: Dreistöckiges Haus mit auf der linken Seite mit der einzelnen Person davor.

Werkstatt des orthopädischen Schuhmachermeisters Richter: Haus mit der Familie davor, gleich neben Reformhaus.

Spielzeugwaren, Geschäftsstellenleiterin Renate Hocker: Der Laden lag in dem vorletzten Haus auf der linken Seite; das hohe, weiße, vor dem mit dem Jeep und dem Radfahrer.

Im ersten Haus, das man auf diesem Bild auf der linken Seite NICHT mehr sieht, befanden sich die Fleischerei Karl Hoffmann und der Fischladen.
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1 Kommentar
6.542
Christoph Altrogge aus Kölleda | 10.02.2019 | 01:39  
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