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Kindheitslexikon: Fernsehen: Allgemeines aus der Zeit meiner Kindheit

Folgende Fernsehkanäle konnten wir zu DDR-Zeiten daheim empfangen: DDR 1, DDR 2, ARD, ZDF, Hessischer Rundfunk, Norddeutscher Rundfunk.
Die beiden Regionalsender übertrugen damals noch nicht wie heute den ganzen Tag über Programm. Sie hatten zwischen 18:00 und 20:00 Uhr ein regionales Sendefenster im ARD. So lief auf den zwei "Knöpfen" für die genannten Sender den Rest des Tages über das normale ARD-Programm.

DEFA: Abkürzung für "Deutsche Film AG". Seinerzeitige staatliche Filmgesellschaft der DDR mit Sitz in Potsdam-Babelsberg.
Eine ihrer Abteilungen war das DEFA-Kopierwerk. Seinerzeitige Adresse:
- DEFA-Kopierwerk
Großberliner Damm 71
DDR-1197 Berlin.
Nach der Wiedervereinigung wurde dann Berlin Sitz der DEFA-Stiftung, welche sich um den Erhalt und die kommerzielle Vermarktung der filmischen Hinterlassenschaft kümmert.
Adresse:
- DEFA-Stiftung
Chausseestraße 103
D-10115 Berlin.
(Stand 2005.)

Unser erstes und zweites Fernsehgerät, welche beide oben in der Wohnstube meiner Großmutter standen, waren noch an einen Spannungsregler angeschlossen. Den musste man beim Ein- und Ausschalten des Gerätes jeweils separat betätigen. Der Einschalteknopf war ein etwa konservenglasdeckelgroßes Rad, das man bis zum Anschlag drehen musste.
An dieses Gerät habe ich eine Erinnerung aus frühester Kindheit. Und zwar saß ich auf dem Sofa und sah das Sandmännchen. Plötzlich gab es einen Stromausfall. Der Fernseher wurde dunkel. Und gleichzeitig – so habe ich es zumindest in der Erinnerung – drehte sich wie von Geisterhand das Rad an dem Spannungsregler auf "Aus". Ich fand den Anblick urkomisch und habe mich kaputtgelacht darüber. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es sich dabei um eine echte Erinnerung handelt oder vielmehr einen sehr realistischen Traum.

Als ziemlich spannend in Erinnerung habe ich den alten, deutschen Abenteuerfilm "Kautschuk" aus dem Jahr 1938. Produziert von Eduard von Borsody, in den Hauptrollen spielten René Deltgen, Gustav Diessl und Vera von Langen. Ich sah ihn erstmals an einem heißen Sommernachmittag in den Sommerferien 1988.
Nachfolgend eine Inhaltsbeschreibung auf ebay:


"Man schreibt das Jahr 1876, der Engländer Henry Wickham befindet sich an Bord der 'Wellington', sein Ziel ist Brasilien. Von dort will er Gummisamen nach England schmuggeln, um das brasilianische Monopol zu brechen. Es ist eine gefährliche Mission, bedroht mit der Todesstrafe. An Bord verliebt sich Henry in die hübsche Mary, die er auf einem Fest in Para wiedersieht. Gastgeber ist der reiche Don Alonzo, der zukünftige Verlobte von Mary. Ihm gehören riesige Gummiplantagen, und genau da muss Wickham hin, koste es, was es wolle. Weil er angeblich einen seltenen Schmetterling sucht, erhält er die Erlaubnis Don Alonzos für seine Expedition. Unter großen Gefahren gelingt es ihm, einige Kanister mit den kostbaren Samen zu füllen, doch geschwächt vom Sumpffieber verliert er kostbare Zeit in einem Urwaldfort, bis er endlich fliehen kann. Als er seine Kanister an Bord der 'Wellington' bringen will, wird er vom Kapitän daran gehindert, erst außerhalb der Hoheitsgrenze werde er sie übernehmen. Das gelingt aber nur ..."
(Quelle: www.ebay.de/itm/Kautschuk-OVP-Rene-Deltgen-Eduard-Borsody-/170586605702, Abruf vom 22. Oktober 2011)


Ich kann mich noch erinnern, wie ich mir in der Zeit, nachdem ich den Film zum ersten Mal sah, vorgenommen hatte, später auch mal so ein toller Draufgänger wie die Hauptgestalt zu werden.

Nach der Wende 1989/90 wurde vielfach die Geschichte erzählt, politisch übereifrige Lehrer hätten die DDR-Kinder in der Schule überall gefragt, wie denn bei ihnen zuhause die Fernsehuhr, also die Uhr, die im Fernsehbild kurz vor den Nachrichten eingeblendet wird, aussehe.
Auf dem Zifferblatt der Uhr des DDR-Fernsehens waren Punkte, auf dem der ARD Striche. Somit erfuhren die Lehrer angeblich die politische Einstellung der Eltern.
Mein persönlicher Forschungsstand zu dem Thema: Generell gegeben hat es das wohl schon.
Es lässt sich jedoch meiner Ansicht nach im Nachhinein nur schwer ermitteln, inwieweit dieses Phänomen tatsächlich flächendeckend verbreitet war, oder ob es möglicherweise nach einigen tatsächlichen Vorkommnissen zum Teil auch als Horror-Story zu einem Selbstläufer wurde. Also dass es häufiger kolportiert als tatsächlich in der Praxis angewendet wurde. Hier scheint mir noch Forschungsbedarf zu bestehen.

Ein spezieller Service der zwei Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten Westdeutschlands für die Zuseher in der DDR war die Programmvorschau auf die nächste Woche. Der eine Sender brachte sie Sonnabend, Viertel Zwei, der andere Sonntag Um Neun oder Halb Zehn, ungefähr in diesem Zeitraum. So die ungefähren Daten, wie ich sie im Familienkreis nachrecherchieren konnte. Das wurde auch bewusst langsam vorgetragen, damit die DDR-Zuschauer eine realistische Chance hatten, mitzuschreiben. Meine Mutter oder meine Großmutter schrieben dann bei uns immer am Stubentisch mit, in ein DIN-A-Vier-Schulheft. Welches die Woche über in Fernsehernähe lag.
Irgendwann nach dem Mauerfall wurde das dann eingestellt, weil es nun auch auf dem Gebiet der demokratisierten DDR überall die Fernsehzeitschriften mit den westlichen Programmen zu kaufen gab.
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