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Kindheitslexikon: Architektur/öffentliche Einrichtungen/Gastronomie in Kölleda - Teil 1

Am Wilhelm-Pieck-Ring, dem typisch sozialistischen Neubauviertel am Ostrand der Stadt. Der Name wurde vergeben nach dem ersten Staatsoberhaupt der DDR. (Technische Anmerkung: Diese Aufnahme entstand im Frühjahr 1992, nachdem wir unseren ersten Farbfotoapparat gekauft hatten. Sie dokumentiert jedoch exakt bis ins letzte Detail den Zustand der 1980-er Jahre.)
 
Hier noch die alt-romantische Kulisse am Backleber Tor, so wie ich sie noch aus frühester Kindheit kenne. Aufnahmen aus dem Jahr 1964. Wie man sieht, ist die Straße durch das Tor hindurch ziemlich eng. Vor allem von sowjetischen Militärfahrzeugen wurde das Gebäude immer wieder ramponiert. Später wurden daher dann ein paar Häuser um das Tor herum abgerissen, um eine Umgehungsstraße zu schaffen.
 
Backleber Tor 1964
 
Backleber Tor 1964
 
Das Backleber Tor auf einer Aufnahme aus dem Sommer 1992. Heute ist darin ein privat betriebenes heimatgeschichtliches Museum zur Geschichte des Luftkrieges in Mitteldeutschland untergebracht.
 
Rechts: Lina Einecke (* 1. 6. 1878, † 26. 3. 1956) und Tochter Helene Müller († 1990), meine Großmutter mütterlicherseits. Links: Hermann Einecke (* 28. 5. 1876, † 18. 3. 1956), Ehemann von Lina Einecke, und Walter Müller († 4. 7. 1980), Ehemann von Helene Müller. Die Blickrichtung hier auf dem Bild ist übrigens in Richtung Osten. Ungefähr zehn Meter neben dem rechten Bildrand lag der beschriebene schmale Weg, über welchen wir das Friedhofsgelände immer betraten.
 
Das weiße Haus ist das seinerzeitige Domizil Jahns. Aufnahme vom Frühjahr 1980.
 
Und hier vom Jahr 2010. (© 2010 by Edelgard Koch, Kölleda. Bild wurde im Auftrag des Autors erstellt.) Am Rande bemerkt: Das eindrucksvolle Fachwerkhaus in der Mitte stammt von 1797.
 
Mit ungefähr 12/13 Jahren hatte ich mal sämtliche Namen aus meiner Kindergartengruppe aufgeschrieben.
 
Meine Abschlussfeier im Kindergarten, Frühsommer 1982
 
Meine Abschlussfeier im Kindergarten, Frühsommer 1982
 
Die St. Wippertikirche auf zwei Aufnahmen aus dem Jahr 2010. (© 2010 by Edelgard Koch, Kölleda. Bilder wurden im Auftrag des Autors erstellt.)
 
Die St. Wippertikirche auf zwei Aufnahmen aus dem Jahr 2010. (© 2010 by Edelgard Koch, Kölleda. Bilder wurden im Auftrag des Autors erstellt.)
 
Das Kloster in der gleichnamigen Kölledaer Straße auf einer Aufnahme des Jahres 1992. Wenn man die Straße weiter geradeaus geht, kommt man übrigens auf die Erfurter Straße. Links im Bild die Mauer gehört zur historischen Trafo-Station. Und davor wiederum, also unterhalb des Bildrandes, lag der Nebenweg zum Friedhof, welchen wir immer benutzten. Den Haupteingang erreichte man, wenn man bei dem weißen Bauernhaus nach links ging. Dort befindet sich übrigens ein weiteres Lagergebäude des ehemaligen Klosters.
 
Die Musikschule auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2010. (© 2010 by Edelgard Koch, Kölleda. Bild wurde im Auftrag des Autors erstellt.)
 
So sah der Platz um das Rathaus im Jahr 2010 aus. (© 2010 by Edelgard Koch, Kölleda. Bild wurde im Auftrag des Autors erstellt.) Rechts, durch den Baum verdeckt, der Marktbrunnen. Die augenscheinlichste Veränderung seit der Kindheit betrifft das Rathaus. Die Fassade war meiner Erinnerung nach damals noch nicht so stark rebarockisiert wie hier. Auch war die Putzfarbe damals noch nicht rosenholzfarben, sondern ein ziemlich kräftiges Samtrot.
 
Das Kreishaus/Landratsamt/die Sparkasse/Grundschule in der Salzstraße 6. Aufnahme aus dem Frühjahr 1992. Zwischen dem weißen und dem grauen Haus im Anschluss sieht man die Herrengasse. Durch sie gelangte man zum seinerzeitigen Kino der Stadt. Und ging man die Straße hier geradeaus bis zu ihrem Ende, dann befand sich dort das Farben- und Lackegeschäft Mundt/später Ohlenforst.
 
Im Treppenhaus des Gebäudes. Aufnahme aus dem November 1992.
 
Werbeeinschaltung der Darlehensbank von 1928.
 
Werbeeinschaltung der Darlehensbank von 1939.

1. Allgemeines

Architektonische Stilelemente, die mir in meiner Kindheit besonders gut gefielen (und auch heute noch):
Fachwerkhäuser.
Jägerzäune.
Umgebindehäuser.
Die Gründe für das Gefallen lagen vermutlich in dem Lokalkolorit und der Rustikalität dieser Bauelemente.

Jugendstilfassade: Das Haus Salzstraße 14 in Kölleda weist eine Jugendstilfassade auf.

Klassizismus-Haus: Anwesen Roßplatz 39 in Kölleda. 1797 errichtet. Klassizistisches Treppenhaus von unten bis oben durchgehend. 20 Ofenplatten im Flur angebracht.

Gelbe Dachziegeln: Nicht untypisch für die gesamte Region im Umkreis von 100 Kilometern waren gelbe Dachschindeln. Auch wenn natürlich Rot die ganz dominierende Farbe bei der Dacheindeckung war, sah man so etwas durchaus öfters mal im Landstrich.
Das überübernächste Haus vom Postgebäude in der Bahnhofstraße aus Richtung Stadtinneres war ein Beispiel dafür.
Auch das letzte Haus auf der Südseite der Karl-Marx-Straße/Ecke Gebösestraße hatte während meiner Kindheit eine hafergelbe Eindeckung.
Außerdem glaube ich mich zu erinnern, dass in der Kölledaer Goethestraße in den Achtziger Jahren ebenfalls ein Haus mit gelben Schindeln eingedeckt wurde. Es befand sich in der Mitte der Nordseite der Straße, da wo die Straße einen "Knick" macht.

Der "Gang": Eine Art "Indiana Jones"-Mythos existierte in der Heimatgeschichtsforschung unserer Stadt. Er handelte von einem angeblich existierenden, geheimen unterirdischen Verbindungsgang. Welcher angeblich im fünf Kilometer entfernt liegenden (!) Schloss Beichlingen begann und im Kloster, dem ältesten Gebäude Kölledas, endete. Soweit die Legende.
"Der Gang" war lange Jahre eine Art heiliger Gral unter heimatgeschichtlich interessierten Insidern. Auch kam es immer mal wieder vor, dass mit archäologischen Tätigkeiten befasste Studenten von außerhalb, die in der Region irgendwelche ausbildungsbezogenen Ferialarbeiten verrichteten, begeistert "aufschrien": "Wir haben 'den Gang' entdeckt!" Allerdings stellte sich die vermeintliche sensationelle Entdeckung stets als irgendetwas Anderes heraus.
Ob dieser legendenumwobene "Gang" überhaupt jemals existierte, konnte meinem Wissen nach niemals wirklich gesichert bewiesen werden.

2. Denkmalgeschützte Gebäude in Kölleda

Zunächst eine Liste aus dem Internet, bevor ich mich einzelnen Objekten im Anschluss näher widme:

Als Denkmalensemble geschützt ist die Altstadt Kölleda, mit Marktplatz, Roßplatz, Brückenstraße und angrenzenden Bereichen.

Einzeldenkmale. Die offiziellen Bezeichnungen samt Lage:
- "Kirche St. Wigbert mit Ausstattung" (Marktplatz 2).
- "Kirche St. Johannes mit Ausstattung, sowie Friedhof mit historischen Grabsteinen, Umfassungsmauer und Kapelle" (Im Kloster).
- "Mühlengehöft" (An der Pforten 1).
- "Kindergarten" (August-Feine-Straße 1).
- "Haustür" (Bahnhofstraße 3).
- "Hofanlage" (Bahnhofstraße 13).
- "Hofanlage" (Bahnhofstraße 27).
- "Wohnhaus" (Bahnhofstraße 37).
- "Wohnhaus" (Bahnhofstraße 49.
Einstöckiges Gebäude aus roten Ziegelsteinen.
In der Nähe dieses Hauses gibt es übrigens zwei weitere sehenswerte Klinkersteinbauten, welche allerdings laut dieser Liste mit Stand 2006 nicht unter Denkmalschutz stehen.
Eines davon ist ein zweistöckiges, gelbes Gebäude, das sich dem ehemaligen Postgebäude unmittelbar in nördlicher Richtung anschließt.
Und schräg gegenüber von dem denkmalgeschützten Gebäude, zwischen Hopfendamm und Schillerstraße, steht ein zweifarbiges Ziegelsteinhaus.
Alle drei Gebäude wurden während meiner Kindheit rein privat zu Wohnzwecken genutzt.)
- "Weidenmühle" (Battgendorfer Straße 9).
- "Wohnhaus und Speicher" (Brückenstraße 7).
- "Stadthof" (Brückenstraße 13).
- "Hofanlage" (Brückenstraße 31).
- "Wohnhaus" (Feistkornstraße 2).
- "Trafohaus" (Feistkornstraße/Im Kloster).
- "Speicher" (Friedrichstraße 9).
- "Hofanlage (abgerissen)" (Hospitalstraße 1).
- "Wohnhaus" (Hundtgasse 7).
- "Wohnhaus" (Hundtgasse 10).
- "Klosterscheune" (Im Kloster 6).
- "Lagergebäude (Scheune mit Schüttboden)" (Im Kloster).
- "Johannesbrunnen".
- "Rathaus mit Prangerstein" (Marktplatz 1).
- "alte Schule (Berufsschule) – Funkwerkmuseum" (Marktplatz 3).
- "Marktbrunnen" (Markt).
- "Grundschule mit Nebengebäuden" (Mühlgasse 1a).
- "Hofanlage" (Mühlgasse 9).
- "Hofanlage" (Mühlgasse 10).
- "Wohnhaus" (Prof.-Hofmann-Straße 11).
- "Reste der alten Stadtmauer" (Promenadenweg).
- "Gartenhaus an der Stadtmauer (Salzstraße 1)" (Promenadenweg).
- "ehem. Druckerei Böhme – Museum" (Roßplatz 39).
- "Wohnhaus" (Roßplatz 41).
- "Backleber Tor" (Roßplatz).
- "Sparkasse/Hilfsschule (ehem. Landratsamt), mit Stallgebäude" (Salzstraße 5–7).
- "Schule" (Straße der Jugend 15).
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkmale_in_K%C3%B6lleda, Abruf vom 17. September 2017)

3. Backleber Tor

Einziges noch existierendes der einst vier Kölledaer Stadttore. Langgestreckter Rechteckbau. Zweigeschossig mit Satteldach. Durchfahrt mit Rundbogen. 1553 errichtet. Ende der Achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts aufgrund desolat gewordener Bausubstanz komplette Neuerrichtung im historischen Stil.
Die anderen Stadttore waren das
- Brückentor (1556),
- das Johannistor (1563 – noch heute sind die zwei entsprechenden Straßen danach benannt.)
- sowie das Krauttor (Ungefähr beim Denkmal für die Opfer des Faschismus gelegen – Zeitpunkt der Errichtung war nicht ermittelbar, für das Jahr 1735 ist aber seine Existenz auf jeden Fall verbürgt.).

4. Friedhof

Wenn wir auf den Friedhof gingen, nahmen wir in der Regel nicht den Haupteingang, sondern den schmalen Weg auf der Höhe August-Feine-Straße. Dort gab es auf einem Grundstück auf der nördlichen Seite des Weges immer mal wieder einen Schwarm Gänse zu sehen. Wenn sie sich von Gästen am Zaun bedroht fühlten, dann zischten sie.

In der DDR-Zeit gab es bei uns in der Stadt für weltliche Begräbnisse zwei Grabredner. Zu früheren Zeiten war dies Herr Bergler. Ich kannte ihn nur noch als steinalten, durch die Jahre gebückten Mann, wie er manchmal auf dem Weg in die Stadt an unserem Grundstück vorbeikam. Er lebte ebenfalls bei uns im Viertel, in dem Wohnblock bei uns hinten zwischen Trägerstraße und Jahnplatz.
In späteren Jahren übernahm das Amt dann Herr Trabitzsch.
Tragisch: Nach der Wiedervereinigung 1990 und dem massenhaften Niedergang von DDR-Betrieben in dieser Zeit erfuhren wir von ihm, dass die Anzahl der Selbstmörder, die er zur letzten Ruhe geleitete, geradezu exorbitant in die Höhe geschnellt sei. Diese Menschen sahen nach dem Verlust des Arbeitsplatzes einfach keinen Sinn mehr im Leben.

Nach unserem Wegzug nach Österreich im Jahr 1992 übernahm die Pflege der Gräber unserer Familie auf persönlich aufopferungsvolle Weise Frau Renate Heppner aus Kölleda. Wofür hier einmal ganz besonders gedankt werden soll!

5. Haus von Friedrich Ludwig Jahn

Deutscher Pädagoge, der als Initiator der deutschen Turnbewegung gilt. Aus dem von ihm begründeten Turnen ging unter anderem die heutige Sportart Gerätturnen hervor. Die Turngeräte Reck und Barren wurden von ihm eingeführt. (Wobei hier auch die Verdienste des vor seiner Zeit wirkenden Johann GutsMuths berücksichtigt werden müssen, auf dessen Leistungen Jahn bereits aufbauen konnte.)
In Kölleda befand sich Jahn in Verbannung wegen seiner politischen Aktivitäten. Bis zum heutigen Tage wird daran auf verschiedene Weise erinnert.

Geboren am 11. August 1778 als Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn in Lanz (Prignitz). Sohn eines Pfarrers.

Zuerst Hausunterricht beim Vater.

Ab 1791 Gymnasium in Salzwedel (Altmark).

Von 1794 an Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, das er zwei Jahre später ohne Abschluss verließ.

Ohne das dafür erforderliche Abitur immatrikulierte er sich 1796 an der Universität Halle zum Theologiestudium und verbrachte sieben Jahre an verschiedenen Universitäten, darunter der Universität Greifswald und der Universität Göttingen, die er, wie schon die Gymnasien, wegen schlechter Führung und seines nie bestandenen Abiturs verlassen musste.

1800: Prozess in Leipzig wegen seiner politischen Aktivitäten, es wurde ihm ein Verbot für alle deutschen Universitäten ausgesprochen.

Intensive Beschäftigung mit deutscher Sprache und Geschichte. In Halle trat er für die Reinheit der deutschen Sprache ein und verfasste die Schrift "Patriotismus in Preußen", woraufhin er die Stadt verlassen musste. Schon davor war er während seiner Hallenser Zeit, so um das Jahr 1800 herum, oftmals gezwungen, sich in einer Höhle in einem Felsen an der Saale, heute als Jahnhöhle bekannt, zu verstecken.

Nächste Station: Breslau.

Juli 1801 bis Januar 1802: Aufenthalt an der Brandenburgischen Universität Frankfurt ohne Immatrikulation.

1802 Begegnung mit Ernst Moritz Arndt an der Universität Greifswald; die vaterländische Idee des "Vereinigten Deutschland" entstand.
Er verließ die Universität ohne Abschluss.

Jahn gehörte dem Studentenorden der Unitisten an.

1803/04: Hauslehrer der Kinder von Baron Friedrich Heinrich Gottlieb von le Fort in Neubrandenburg.

Glashütte Sophienthal bei Waren (Müritz).

Privatlehrer in Jena.

Während der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 fungierte Jahn als Kurier im Regierungsauftrag.

1807 traf er Johann Christoph Friedrich GutsMuths in Schnepfenthal, dem er Impulse für das Turnen in Deutschland verdankte.

1808: Verfassung der Schrift "Deutsches Volksthum". Jahn skizzierte darin erstmals seinen entschiedenen Nationalismus, zu dem er während der französischen Besatzung gekommen war und den er mit scharfen Angriffen verband:
"Unglückliches Deutschland! Die Verachtung deiner Muttersprache hat sich fürchterlich gerächt. Du warst schon länger dir unwissend durch eine fremde Sprache besiegt, durch Fremdsucht ohnmächtig, durch Götzendienst des Auslandes entwürdigt. Nie hätte dein Überwinder so vielfach in einem andern Lande gesiegt, wo die Vergötterung seiner Sprache nicht mitgefochten […] Diese Sprache hat deine Männer betört, deine Jünglinge verführt, deine Weiber entehrt. – – – Deutsche, fühlt wieder mit männlichem Hochsinn den Wert eurer edeln lebendigen Sprache, schöpft aus ihrem nieversiegenden Urborn, grabet die alten Quellen auf, und lasset Lutetiens (Synonym für Paris, Anm..) stehende Lache in Ruhe!"
Jahn vertrat auch die Ansicht, Deutschland solle eine größere Rolle in Europa einnehmen. Ihm schwebte ein "Großdeutschland" vor, zu dem auch die Schweiz, Holland und Dänemark gehören würden. Hauptstadt solle die neue Stadt "Teutonia" werden, die in Thüringen gegründet werden solle, wo sich die Fernstraßen aus den dann deutschen Grenzstädten Genf, Memel, Fiume, Kopenhagen, Dünkirchen und Sandomir treffen würden.
Daneben richtete er seine Angriffe gegen die seiner Ansicht nach minderwertige Unterhaltungsliteratur der damaligen Zeit: "Diese sogenannten Unterhaltungsbücher werden zusammengeschmiert von elenden Hungerleidern …"

1810 an der Plamannschen Erziehungsanstalt in Berlin tätig, scheitert dann aber an einer Prüfung für die Oberlehrerstelle in Königsberg. Er wurde Hilfslehrer in Berlin und widmete sich der Turnerei.
Ebenfalls 1810 wird "Deutsches Volksthum" in Lübeck publiziert.

13. November 1810: An jenem Tag gründet Jahn mit elf Freunden in der Hasenheide bei Berlin den geheimen "Deutschen Bund zur Befreiung und Einigung Deutschlands". Aus den ausgedehnten Wanderungen, die Jahn mit seinen Schülern unternahm, entwickelte sich schließlich regelmäßiges Turnen.
Die Turnbewegung, auch Turnerbewegung oder turnerische Bewegung genannt, war von Anfang an mit der frühen Nationalbewegung verknüpft. Sie war unter anderem mit der Zielsetzung entstanden, die Jugend auf den Kampf gegen die napoleonische Besetzung und für die Rettung Preußens und Deutschlands vorzubereiten.

Am 19. Juni 1811 begann er an dem Treffpunkt seiner elf Mitstreiter mit dem öffentlichen Turnen. Somit wurde die Hasenheide zum ersten deutschen Turnplatz, der mit Geräten nach dem Vorbild von GutsMuths ausgestattet wurde. Ebenso entstammten die Leibesübungen, die Jahn Turnen nannte, dem Vorbild GutsMuths', allerdings meinte Jahn mit Turnen die Gesamtheit aller Leibesübungen: Geräteübungen wurden weiterentwickelt und durch Spiele, Schwimmen, Fechten und Wandern ergänzt.
Die von ihm und seinen Mitstreitern in der Hasenheide demonstrierten Vorstellungen von der "Deutschen Turnkunst" sind im heutigen Turnbetrieb noch wiederzufinden. Ebenso haben grundlegende von Jahn eingeführte Begriffe und Bezeichnungen Eingang in die Terminologie des Gerätturnens gefunden.
Was die politischen Ziele der Zusammenkünfte betraf, so waren diese zunächst von der romantischen Aura einer Freiheitsbewegung getragen. Als ideologische Gegner sah man sowohl die Franzosen als auch die deutschen Fürsten, die weiterhin die Einheit und Freiheit der deutschen Nation verhinderten, an. Jahn war ein leidenschaftlicher Befürworter der deutschen Einheit. Ihm schwebte die Idee eines künftigen deutschen Reiches unter preußischer Führung vor. Doch zunächst wollte er vor allem die Jugend durch das Turnen auf einen künftigen Befreiungskrieg gegen das napoleonische Frankreich ertüchtigen. Ein Modell dafür waren die Guerilla-Krieger, die kurz zuvor in Spanien gegen Napoleon gekämpft hatten.
Zusammen mit Anderen versuchte Jahn dem preußischen Königshof die Notwendigkeit des Aufstands deutlich zu machen. Offenbar verabredete er mit Scharnhorst und Hardenberg die Gründung eines Freikorps, denn er kam schon zum Sammelplatz, bevor dem König von den Ministern die Bitte um die Errichtung des Lützowschen Freikorps vorgelegt wurde. Mit einigen Turnern aus Berlin kam er dazu auch nach Breslau, viele weitere Freunde und Bekannte aus Studientagen konnte er darüber hinaus für das Korps gewinnen. Bei der Anreise regte er in Frankfurt (Oder) die Gründung des ersten Turnplatzes auf den Laudonsbergen der Frankfurter Dammvorstadt an.
Im Freikorps leistete er vor allem bei der Verwaltung, der Ermutigung und Anfeuerung der Freiwilligen sowie durch seine Ortskenntnis in Mittel- und Norddeutschland besondere Dienste. Er war auch zeitweise als Anführer eines Bataillons eingesetzt.

1813, in der Zeit der Völkerschlacht bei Leipzig, forderte Jahn: "… freie Rede, Verfassung, Einheit des Vaterlandes …" Im selben Jahr nahm Jahn in Berlin den in der Zwischenzeit von Ernst Eiselen geleiteten Turnbetrieb wieder in seine Hand. Er half bei der Verbreitung des Turnens, wo es ihm möglich war: Er schickte Vorturner und besuchte auf seinen Turnfahrten selbst verschiedene Turnplätze.

Am 12. Juni 1815 wurde in Jena die Urburschenschaft gegründet. Die Bewegung der Burschenschaften stand in engem Bezug zum Turnwesen. Sie und die Turner verfolgten im Grunde die gleichen politischen Ziele. Allerdings gab es auch kleine Gruppierungen, die sich von diesen Zielsetzungen abhoben. Es kam zur Spaltung des deutschen Liberalismus in eine demokratische und eine nationalliberale Richtung.

Der Wiener Kongress enttäuschte Jahn, da sich dort eine Politik des europäischen Gleichgewichts durchgesetzt hatte. Der Deutsche Bund unterdrückte die liberalen Verfassungsbewegungen in den Einzelstaaten. Von den eigentlichen Zielen Jahns war nur die Befreiung von Frankreich erfüllt.

1816 erschien das Buch "Die Deutsche Turnkunst" von Jahn und Ernst Eiselen. In diesem Buch beschreibt Jahn folgende Punkte:
- Ziele, Inhalte und Formen.
- Verhaltens- und Kleiderordnung.
- Allgemeine Verhaltensregeln.
Das Buch entstand aus der Praxis heraus für die Praxis. Für die Turner und Anhänger Jahns war es eine Art Bibel einer neuen volkstümlichen Erziehung über den Körper. Das Buch ist in mehrere Abschnitte unterteilt:
- In einem Vorbericht wird die Entstehung des Buches als Ergebnis einer Gemeinschaftsarbeit beschrieben.
- Die eigentlichen Turnübungen werden behandelt: Gehen, Laufen, Springen, Schwingen, Schweben, Reckübungen, Barrenübungen, Werfen, Ziehen, Schieben, Heben, Tragen, Strecken, Ringen.
- Turnspiele.
- Musterbeschreibung eines Turnplatzes und der Turngeräte.
- Turnordnung, Turngesetze, das Verhalten und die Kleidung der Turner und Lehrer.

Der Turnerwahlspruch "Frisch, fromm, fröhlich, frei" geht auf einen Reimspruch des 16. Jahrhunderts zurück – "Frisch, frey, fröhlich, frumb – Sind der Studenten Reichthumb!" 1816 erhob Jahn ihn im Turnlehrbuch "Die deutsche Turnkunst" zur sittlich-moralischen Maxime der Turner.

Einen Höhe- und Wendepunkt erlebte die frühe Turnbewegung in den Jahren 1817/18. Nach den Befreiungskriegen gewannen die konservativen politischen Kräfte in Preußen wieder an Einfluss. Somit war die Zeit reformatorischer Bestrebungen zunächst vorüber.
Auf dem Höhepunkt der Turnbewegung in Deutschland mit über 100 Turnplätzen allein in Preußen fand am 18./19. Oktober 1817 das Wartburgfest statt. Dabei kam es auf Jahns Initiative zur ersten neuzeitlichen Bücherverbrennung im deutschsprachigen Raum. Jahn war zwar nicht bei dem Fest anwesend, hatte aber die Liste der Bücher zusammengestellt, sein Schüler Hans Ferdinand Maßmann war maßgeblich an der Aktion beteiligt. Dieser symbolträchtige Akt zog den Argwohn Metternichs auf sich. Nachdem Jahn zudem bei einer Abendgesellschaft – mit nur gemischtem Erfolg – ein Hoch auf die Studenten des Wartburgfestes ausgebracht hatte, wurde er beim preußischen Ministerium zunehmend zur missliebigen Person. Seine Vorlesung über "Deutsches Volksthum" durfte er im Wintersemester nicht mehr offiziell an der Universität halten.
Jahn begann 1817 mit einer Vortragsreihe zum genannten Thema, in der er die Missstände im preußischen Heer anprangerte und die Beschränkung der bürgerlichen Rechte im Staat bedauerte. Damit schuf er sich nicht nur Anhänger, sondern auch Gegner wie den Staatskanzler Hardenberg, der das Turnen unter staatliche Aufsicht an den Schulen übernehmen wollte. Außerdem gab er immer wieder in derben Worten seinem Patriotismus beziehungsweise Nationalismus Ausdruck. Zuhörer waren von seiner Schroffheit nicht selten unangenehm berührt, etwa wenn Jahn auch noch nach dem Sieg über Napoleon die französische Sprache und ihr Erlernen verteufelte.

Die Ermordung des Schriftstellers, Journalisten und russischen Generalkonsuls August von Kotzebue, zuvor schon durch die Bücherverbrennung betroffen, durch den Studenten und Turner oder Burschenschafter Karl Ludwig Sand im März 1819 löste letztendlich das Turnverbot aus. Im Zuge der sogenannten Demagogenverfolgung wurde dem Turner und Burschenschafter Jahn die Wiederaufnahme des Turnens auf der Hasenheide untersagt, da die Turnübungen im Rahmen des Unterrichts stattfanden und der Schulbehörde untergeordnet werden sollten. Im Sommer 1819 kam es zur Berliner und Breslauer Turnfehde, worin Kritik gegen das Turnen oder gegen seine religiös-patriotische Richtung laut wurde.

13. Juli 1819: Inhaftierung Jahns wegen seiner politischen Umtriebe.
Die nächsten fünf Jahre verbrachte er in Haft in Spandau, Küstrin und Kolberg. Der Dichter und Richter E. T. A. Hoffmann leitete die Ermittlungen im Fall Jahns und seines Umfeldes. Jahn verharmloste seine Rolle im vergangenen Jahrzehnt, was durch seine ebenfalls verhörten Freunde gedeckt wurde. Hoffmann fällte 1820 ein mildes Urteil, trotz Beschuldigung des Regierungsrats Johann Ernst Theodor Janke, eines ehemaligen Mitglieds des geheimen Deutschen Bundes. Jahn solle freigelassen werden, da keine hochverräterischen Tendenzen bei ihm sichtbar geworden seien. Jedoch wurde Jahn auf höhere Anweisung noch fünf Jahre in Haft gehalten, da man in ihm nicht ganz zu Unrecht neben Fichte und Arndt den geistigen Vater der studentischen Freiheits- und Einheitsbewegung sah.

Infolge der Karlsbader Beschlüsse vom August/September 1819 wurden die Burschenschaften verboten, Universitäten unter Staatsaufsicht und viele studentische Turner und Burschenschafter unter polizeiliche Aufsicht gestellt. Mehrere Turner aus Jahns Umfeld wurden festgenommen oder erhielten ein Berufsverbot, so dass sie ins Ausland, vor allem Amerika, auswanderten. Ein Turnverbot in ganz Preußen und anderen deutschen Staaten wurde erlassen. Somit war offiziell in Preußen 1820 das Turnen eingestellt, allerdings fanden weiterhin vielerorts trotz dieser Sperre Leibesübungen statt.

Der Maler Caspar David Friedrich stellt in seinem in jenem Jahr entstandenen Gemälde "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes" Jahn zusammen mit dem Neubrandenburger Pastor Franz Christian Boll, er lebte von 1776 bis 1818, dar. Es handelt sich hier um eines der Gedächtnisbilder für den verstorbenen Boll, dem man die etwas untersetzte Figur mit Umhang zuordnen kann. Die andere, sportlich wirkende Figur ist aus den historischen Umständen heraus als Friedrich Ludwig Jahn in jungen Jahren zu identifizieren, während seiner Hauslehrerzeit in Neubrandenburg.

15. März 1825: Freispruch unter der Bedingung, in keiner Universitäts- oder Gymnasialstadt zu wohnen.
Von 1825 bis 1852 lebte Jahn unter Polizeiaufsicht in Freyburg an der Unstrut. Hier steht heute noch die älteste Turnhalle Deutschlands, deren Bau Jahn nach der politischen Rehabilitation initiiert hatte.

1828: Wegen des Kontakts mit Schülern und Lehrern Verbannung nach Cölleda. Sie dauert bis 1835. An der Fassade des Hauses Roßplatz 21 befindet sich eine Gedenktafel für ihn.

Im Laufe der Jahre wurden die Bestimmungen gelockert, und Ärzte und Pädagogen unterstützten das Wiederaufleben der Leibesübungen. 1837 wurden in den Gymnasien Leibesübungen gestattet.

1838/39: Jahn baut sich in Freyburg (Unstrut) ein Wohnhaus.

1840 erfolgte Jahns Amnestierung und vollkommene Rehabilitierung durch Friedrich Wilhelm IV.. Jahn erhielt das ihm aberkannte und vorenthaltene Eiserne Kreuz aus den Befreiungskriegen.

1842 hob Friedrich Wilhelm IV. den Erlass seines Vaters auf und beendete damit offiziell die Turnsperre. Turnen wurde in Preußen zugelassen und sogar Schulfach.

Ende 1843 erklärte Jahn der Frankfurter Turngemeinde die Bedeutung seines Wahlspruches "Frisch, fromm, fröhlich, frei", den er am Giebel seines Wohnhauses in Freyburg, dem heutigen Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum, anbringen ließ:
- "frisch nach dem Rechten und Erreichbaren streben, das Gute thun, das Bessere bedenken, und das Beste wählen";
- "frei sich halten von der Leidenschaft Drang, von des Vorurtheils Druck, und des Daseins Ängsten";
- "fröhlich die Gaben des Lebens genießen, nicht in träumerisch vergehn über das Unvermeidliche, nicht in Schmerz erstarren, wenn die Schuldigkeit gethan ist, und den höchsten Muth fassen, sich über das Mißlingen der besten Sache zu erheben";
- "fromm die Pflichten erfüllen, leutseelig und volklich, und zuletzt die letzte, den Heimgang. Dafür werden sie gesegnet sein, mit Gesundheit des Leibes und der Seele, mit Zufriedenheit so alle Reichthümer aufwiegt, mit erquickenden Schlummer nach des Tages Last, und bei des Lebens Müde durch sanftes Entschlafen."
Aus den Anfangsbuchstaben des Turnerwahlspruches, den vier F, formte der Darmstädter Kupferstecher Heinrich Felsing 1843/46 das Turnerkreuz.

1848 wurde Jahn in die Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche gewählt. Er wandte sich vom patriotischen Turnen ab, engagierte sich für Ruhe und Ordnung und vertrat die Idee eines preußischen Erbkaisertums. Damit büßte er seine Volkstümlichkeit zwar weitgehend ein, gelangte aber in der Folgezeit zu voller Anerkennung als Bahnbrecher der Leibeserziehung.

Gestorben am 15. Oktober 1852 im Alter von 74 Jahren in Freyburg (Unstrut). Dort wurde er an der Stirnseite der ersten deutschen Turnhalle beigesetzt.

Erhielt nach seinem Tod im Volksmund den Beinamen "Turnvater Jahn".

10. August 1872: An der Gründungsstätte der Turnbewegung, in der Berliner Hasenheide, wird die Bildsäule Friedrich Ludwig Jahn's enthüllt.

Der 1893 gegründete sozialistische Arbeiter-Turnerbund wandelte das Jahnsche Motto "Frisch, fromm, fröhlich, frei" in einen neuen Wahlspruch um: "Frisch – Frei – Stark – Treu".

Ab den 1930-er Jahren entsteht in dem neu erschlossenen Siedlungsgebiet in der Kölledaer Flur Geböse die Jahnstraße.

1931: Das Gymnasium in Salzwedel (Altmark), auf dem Jahn einen Teil seiner Jugendzeit verbrachte, wird nach seinem berühmten Schüler benannt.

Aus Anlass der Olympischen Spiele in Berlin 1936 Umbettung der Gebeine Jahns. Sie fanden ihre letzte Ruhestätte im Ehrenhof seines Wohnhauses von 1838/39. Dieses Gebäude beherbergt heute das Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum.

Vermutlich zweite Hälfte der Fünfziger Jahre: Der Stalinplatz am südlichen Ende der Stadt Kölleda wird in Jahnplatz umbenannt.

1. Mai 1967: An diesem Datum wird in Kölleda in der Adresse Straße des Friedens 77 die "Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportstätte" unter anderem als Heimstätte des örtlichen Fußballvereines eröffnet.

1972: Der bisher unter dem Namen "Zentralschule" geführten Bildungseinrichtung in der Straße der Jugend 15 in Kölleda wird der Name "Polytechnische Oberschule 'Friedrich Ludwig Jahn'" verliehen.

1992: Gründung der "Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft e. V.", einem Förderverein zur Traditionspflege und Erhaltung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gedenkstätten.

2008 durch Satzungsänderung Umbenennung der "Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft e. V." zur "Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft" mit Sitz in Freyburg (Unstrut). Der Fokus der Arbeit lag nun noch stärker auf der Jahn-Forschung. Dazu unterhält die Gesellschaft Beziehungen zum Deutschen Turner-Bund und den Landesturnverbänden, zu Hochschulen, Schulen, Museen und weiteren dem Thema verpflichteten Organisationen.
Dem Schaffen Friedrich Ludwig Jahns widmet sich auch die Friedrich-Ludwig-Jahn-Bibliothek in Freyburg (Unstrut), eine Einrichtung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Gesellschaft.

31. Mai 2013: Friedrich Ludwig Jahn wird in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Ein Teil seines Nachlasses wird heute durch die Historischen Sammlungen der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin verwaltet.


Eine – alles andere als vollständige – Liste von Institutionen, die in Deutschland Jahns Namen tragen:
- Schulen:
+ Staatliche Regelschule "Friedrich Ludwig Jahn" Kölleda (Jahnschule).
+ Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium Greifswald.
+ Sportschule Potsdam "Friedrich Ludwig Jahn".
+ Friedrich Ludwig Jahn Grundschule Freyburg.
- Sportstätten:
+ Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin, Prenzlauer Berg.
+ Jahn-Sporthalle Berlin-Neukölln.
+ Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion (Hoyerswerda).
+ Jahnstadion (Marl).
+ Jahnstadion (Rheine).
+ Jahnstadion (Bottrop).
+ Ludwig-Jahn-Stadion (Herford).
+ Jahnstadion (Neubrandenburg).
+ Jahnsportforum in Neubrandenburg.
- Sportvereine:
+ SSV Jahn Regensburg.
+ SpVgg Jahn Forchheim.
+ TS Jahn München.
+ TV Jahn-Rheine 1885.
- Verkehrsmittel:
+ Motorschulschiff "F. L. Jahn" der GST-Marineschule "August Lütgens" in Greifswald-Wieck. Das ehemalige Fischereifahrzeug war als Ausbildungsschiff der Gesellschaft für Sport und Technik von 1958 bis 1972 im Hafen Greifswald-Wieck stationiert und wurde anschließend in den Stadthafen Rostock verlegt.
- Sonstiges:
+ In zahlreichen deutschen Städten wurden Straßen und Plätze nach Jahn benannt.
+ Jahnhöhle in Halle (Saale).
+ Jahn-Bergturnfest auf dem Bückeberg im Landkreis Schaumburg (Niedersachsen).
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ludwig_Jahn, Abruf vom 31. März 2017)

Eine persönliche Erinnerung: Ich war ja von 1982 bis 1992 Schüler der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule Kölleda. Wenn man das Schulgebäude über den Eingang in der Straße der Jugend betrat, hing zu meiner Zeit an der Wand gleich gegenüber ein riesiges Konterfei des Turnvaters.

6. Kindergärten

Zwei Kindergärten gab es zu meiner Zeit in der Stadt:
- August-Feine-Straße 1.
- Wilhelm-Pieck-Ring 32.

Ich muss zugeben, dass ich nicht mal weiß, wie eigentlich die offiziellen Bezeichnungen für die zwei Einrichtungen zu DDR-Zeiten lauteten.
Bekannt sind mir lediglich die umgangssprachlichen Namen. So hieß der in der August-Feine-Straße im Volksmund "Feistkorn-Kindergarten", da er 1911 von zwei wohlhabenden Mäzenen, den Brüdern Feistkorn, gestiftet wurde (Siehe auch Kapitel "Geschichte".).
Der andere war der Funkwerk-Kindergarten. Er war der Betriebskindergarten des hier in einem eigenen Kapitel erwähnten Funkwerks. Es wurden aber, soviel ich weiß, auch Kinder aus nicht betriebszugehörigen Familien angenommen.
Ich glaube mich schemenhaft zu erinnern, dass für die zwei Kindergärten die Bezeichnungen "Kindergarten I" und "Kindergarten II" (Mit römischen Zahlen.) üblich waren. Aber verbürgen möchte ich mich dafür nicht.

Ich selbst befand mich mit drei Jahren, im Sommer 1979, einmal kurz im Funkwerk-Kindergarten. Und von meinem fünften bis zum sechsten Lebensjahr im Feistkorn-Kindergarten.

Ich kann mich noch genau an meinen ersten Tag im Feistkorn-Kindergarten erinnern. Als ich dort am Morgen angekommen war und von der Erzieherin einen Platz zugewiesen bekommen hatte, begann ich gleich darauf mit einer Sache zu spielen, die in unmittelbarer Nähe auf dem Tisch stand. Es handelte sich um einen Kasten mit kleinen, quadratischen, naturfarbenen und mit farblosem Lack überzogenen Holzbausteinen, die auf der Vorderseite über jeweils ein anderes Tiermotiv verfügten.

Es war höchstwahrscheinlich in der Adventzeit 1981, es herrschte jedenfalls in der Vorabendzeit schon Nacht, als unsere Kindergartengruppe anlässlich eines Elternabends einen Chorauftritt absolvierte.

Im Kindergarten hatten wir eine Art Adventkalenderbaum. Im Dezember durfte dann bis zu den Weihnachtsferien jedes Kind aus der Gruppe an einem Tag ein kleines Päckchen davon öffnen. Irgendwelcher Süßkram war drin. Was das Organisieren der Päckchen betraf, so waren die Erzieherinnen clever. Unter dem Geschenkpapier kamen kleine, stabile Schächtelchen von irgendwelchem Elektrozubehör zum Vorschein, die sie wahrscheinlich in Betrieben erbeten hatten. Diese Schächtelchen waren stabil und hatten auch die richtige Form.

In der Garderobe verwendete Peggy Bensing einmal das Wort "Steffelchen" für Stiefel.

Eine schöne Erinnerung ist der Spaziergang, den wir im Frühjahr 1982 einmal zum Spielplatz am Wilhelm-Pieck-Ring unternahmen. Ich weiß noch, das Wohnviertel war zu dem Zeitpunkt erst teilweise fertig gestellt, es befanden sich daher noch Hügel von Erdaushub am Spielplatzrand. Für uns im Kindesalter natürlich etwas sehr Abenteuerliches.

Eine weitere Erinnerung an diese Zeit: Einmal, als wir gerade irgendwie das Thema Haustiere behandelten, unternahmen wir eine Exkursion zur Großmutter eines Jungen aus meiner Gruppe. (René Prötel, mit dem ich dann auch die folgenden acht Jahre zusammen in einer Klasse war.) Sie betrieb nämlich eine private Zucht verschiedener Kleintierarten.
Das Grundstück lag, wenn ich mich richtig erinnere, auf der Ostseite der Straße des Friedens, auf jeden Fall aber im Siedlungsviertel.
Ganz genau hingegen weiß ich noch, dass es ein Morgen des Frühjahrs 1982 war. Und dass im Hintergrund der dortigen Gartenanlagen gerade die morgendliche Sonne aufgegangen war.

Einmal beschäftigten wir uns über einen gewissen Zeitraum mit dem Rathaus unserer Stadt. Es begann zunächst mit einem theoretischen Impetus, bei dem uns zunächst kindgerecht die Funktionen des Rathauses erklärt wurden. Dann bauten ein paar aus unserer Gruppe nach einer vergrößerten Fotografie das Kölledaer Rathaus mit Holzbausteinen annähernd nach.
Etwas später unternahmen wir dann eine Exkursion zum Rathaus.

Eine Kindergärtnerin, Frau Kallenberg, musste mal wegen irgendetwas ins Krankenhaus der Stadt. Bei einem Stadtgang mit unserer Gruppenleiterin, Frau Sulze, drehten wir daher eine Runde über das Krankenhausgelände. Wir stellten uns auf vor der Baracke, in der die Kindergärtnerin lag. Dann mussten wir ganz laut "Frau Kaaaaaaaaaaaaaallenberg" rufen.

Eine unpräzise Erinnerung habe ich zu einem zweiten Kindergartengebäude, das mit dem in der Feistkorn-Straße grundstücksmäßig verbunden war. Es war ein leicht villenartiges Gebäude. Gelegen in der Bahnhofstraße, Westseite, südlich der ehemaligen Melioration, also Richtung Bahnhof hin.
Ich kann mich dunkel erinnern, dass man, wenn man den Garten hinter diesem Gebäude durchquerte, in irgendein zweites, umzäuntes Grüngelände gelangte. Und von dort aus kam man dann in den Garten des Feistkorn-Kindergartens. Die genannten Grundstücke bildeten, wenn ich mich recht entsinne, einen rechten Winkel in Richtung Norden.
Einmal, es war im Frühsommer 1982, kehrte unsere Kindergartengruppe von einer Exkursion zurück. Aus irgendwelchen Gründen kamen wir dabei an dem Gebäude in der Bahnhofstraße vorbei. Wir durchquerten die Grundstücke in der beschriebenen Begehungsweise, spielten dabei überall kurz.

Eine schon stadtbekannte Tradition dieses Kindergartens fand jedes Jahr zum Internationalen Tag des Kindes am 1. Juni statt. Und zwar veranstalteten die Erzieherinnen des Feistkorn-Kindergartens mit den Kindern jedes Mal einen Umzug durch die Stadt. Es wurden dabei Lieder gesungen, welche von einer Erzieherin auf dem Akkordeon begleitet wurden. Bewohner der Stadt, welche zu dieser Zeit beruflich nicht gebunden waren, warteten jedes Jahr an diesem Tag in den Straßen bereits darauf.

"Putzileicht" war ein während meiner Kindergartenzeit übliches Wort für eine sehr leicht zu bewältigende Aufgabe.

Wenn wir mit den Holzbauklötzchen Häuser bauten, konnten wir sogar Bauarbeiterhelme in Kindergröße aufsetzen. Auch kleine Holztieflader für den Transport der Steine hatten wir.

Unter den Militärspielsachen gab es eine kleine, vom Bau her recht simple, dunkelolivgrüne Holzkanone, auf die aus irgendwelchen Gründen alle total scharf waren. Diese trug unter uns Kindern fälschlicherweise den Namen "Gulaschkanone", weshalb auch immer. Jedenfalls war sie fast ein Heiligtum. Und jeder, der gerade mit ihr spielte, gab sie danach nur einer besonderen Person seines Vertrauens weiter. Ich hatte sie auch ein paar Mal.

Gespielt habe ich im Kindergarten meistens mit Jan "Reini" Reinhard. Als wir in die Schule kamen, ging er dann in die Parallelklasse. Nach der Achten Klasse ging er ab und begann eine Ausbildung als Maler und Tapezierer; das war das Letzte, was ich von ihm persönlich gehört hatte, danach verloren wir uns aus den Augen.

Die Patenbrigade – so hieß zu DDR-Zeiten der Sponsorbetrieb einer Bildungseinrichtung – des Feistkorn-Kindergartens war die Spedition Axthelm am Bahnhof. Ich kann mich noch dunkel erinnern, wie die uns einmal massenhaft Spielzeug für die Sandkiste vorbeigebracht haben.

Als ich einmal von meiner Großmutter aus dem Kindergarten abgeholt wurde, gingen wir nicht gleich nach Hause, sondern raus ins Siedlungsviertel zu meiner Großtante Lisa. Dort aßen wir auch Mittag.

Bei der Abschlussuntersuchung im Kindergarten hatte jeder von uns ein kleines Comic-Heftchen bekommen, in denen Kundi, das Maskottchen des Hygienemuseums in Dresden, Hinweise zur gesunden Lebensweise gab.

7. Kino

Das seinerzeitige Kino der Stadt befand sich auf der Nordseite des Promenadenweges, ziemlich in der Nähe der Herrengasse, ungefähr auf der Höhe der Sparkasse.
Direkt vor seinem Eingang lag zu meiner Zeit ein Spielplatz.

Ich glaube im Frühjahr 1984 sahen wir uns an einem Nachmittag im Kölledaer Kino die Verfilmung von "Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen" an, ein Kinderbuch von Franz Fühmann, das 1960 in erster Auflage im Kinderbuchverlag Berlin erschienen ist. Die DEFA-Verfilmung erfolgte vier Jahre später, 1964.

An einem schon warmen Frühlingsnachmittag des Jahres 1985 sahen wir uns den DDR-Film über das Leben des Kommunistenführers Ernst Thälmann an.

Zu Beginn der Fünften Klasse befanden wir uns an einem Vormittag die letzten Stunden im Kölledaer Kino, um uns den sehr schön gemachten sowjetischen Zeichentrickfilm "Das bucklige Pferdchen" anzuschauen. Sehe ich mir übrigens heute noch an, wenn er im Fernsehen wiederholt wird!

Zu Beginn der Sechsten Klasse waren wir an einem Vormittag dort, um uns eine Verfilmung von "Robinson Crusoe" anzusehen.

Ohne Zweifel eine Art Höhepunkt in der Geschichte der Einrichtung: "Dirty Dancing".
Im Herbst 1989 kam der Kultfilm auch in das Kölledaer Kino.
Das Ereignis war Stadtgespräch. Ganze Firmenabteilungen gingen geschlossen in die Vorführungen.

Der Lichtspielbetrieb fand ungefähr zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung sein Ende.
Danach etablierte sich in dem Gebäude für kurze Zeit eine "Spielhölle". Gegen welche allerdings die Stadtverwaltung aus Gründen des Jugendschutzes mit verschiedenen Mitteln vorgegangen war.

Jahre später riss man dann das Kinogebäude samt ehemaligem Gartenlokal "Zur Erholung" ab.

1999 wurde an der Stelle eine Zweifelder-Sporthalle für die Grundschule eingeweiht.

8. Kirche

Zwei Kirchen existierten in unserer Stadt.

Die größere und für das Gemeindeleben bedeutendere war die St. Wippertikirche, auch Wippertuskirche genannt. (In der heimatgeschichtlichen Literatur teilweise auch "St. Wigbert" genannt.) Gelegen auf dem Marktplatz, südöstlich des Rathauses.
Westturm mit achteckigem Spitzhelm, 35 Meter hoch. Innen Epitaph. 1580 von der Familie von Werther aus Beichlingen gestiftet. War bereits zu DDR-Zeiten Bestandteil der Bezirksdenkmalliste.
Geschichte:
- Ungefähr zu der Zeit, als Kölleda die Stadtrechte verliehen bekam, auf jeden Fall aber vor 1404:
Errichtung der Kirche als Stadtkirche.
Die Inschrift über der dem Marktplatz zugewandten Kirchentür jedoch gibt das Jahr der Einweihung mit 1496 an.
Ursprünglich gotischer Stil.
- 1538:
Die Kirche brennt ab.
- 1542:
Eröffnung des Wiederaufbaus. Auch über der alten Sakristeitür als Wiederaufbaudatum und Zeitpunkt der Einführung der Reformation vermerkt.
- 1850:
Aufstellung der Epitaphe der Herren von Werthern.
(Quelle: https://www.thueringen-entdecken.de/urlaub-hotel-reisen/st.-wipperti-kirche-104262.html, Abruf vom 10. Mai 2016)
Ein paar lose persönliche Erinnerungen an das kirchliche Leben damals:
- Einmal im Jahr wurde in der Kirche "großreine" gemacht. Stets im Hochsommer, damit das Trocknen leichter voranging. Die Prozedur zog sich dabei über mehrere Tage. Auch meine Großmutter, die Jahrzehnte lang in der Kirchengemeinde engagiert war, beteiligte sich jedes Mal daran.
- An einem Nachmittag um meinen sechsten Geburtstag 1982, an dem die Nachbarn zu Kaffee und Kuchen da waren, kam auch unser damaliger Pfarrer vorbei. Er brachte irgendwelchen Süßkram und einen künstlerisch gestalteten Bilderbogen mit lauter Darstellungen aus der Bibel, bei denen die Inhalte auf der Rückseite in kindgerechter Sprache erklärt waren. Die Bilder sahen entfernt ein wenig aus wie Edvard-Munch-Gemälde, nur mit schwarzen Linien an den Rändern der Bildelemente. Schon als Kind hatte mich die künstlerische Gestaltung total fasziniert.
- Ich muss wohl gerade erst in die Schule gekommen sein, als ich mit meiner Großmutter mal zu einer Adventveranstaltung im Diakonat war. Kinder sangen und musizierten dort vor den Anwesenden. Dann bastelten alle Kinder gemeinsam mit ihren erwachsenen Begleitern Adventsachen.
- Ab Mitte der Achtziger Jahre schickte mir jedes Jahr Schwester Martha, die ehemalige Gemeindeschwester von Gorsleben, eine ganz reizende ältere Dame, die ihren Lebensabend im katholischen Altersheim St. Elisabeth in Weimar verbrachte, den "Christlichen Kinderkalender" zu.
- Im Juli 1988 war ich mit Großmutter an einem ziemlich warmen Abend zu einem Konzert in der Kirche. Geistliche Abendmusik barocker Komponisten wurde gespielt.
- Ich kann mich dunkel erinnern, dass, als ich Kind war, eine kleinwüchsige Frau namens Anita in der Kirche irgendwelche Funktionen wahrnahm. Ich sah sie manchmal im Diakonat etwas hantieren.
- Gegen Ende der Achtziger Jahre, kann ich mich noch erinnern, lagen auf dem Info-Materialien-Tisch im Gemeindesaal im Diakonat auch Schriften des sehr bekannten Missionswerkes Werner Heukelbach in Westdeutschland aus. Auf irgendwelchen Kanälen waren diese in die DDR gelangt.

Daneben gab es noch die Kirche St. Johannes, auf dem Friedhof der Stadt gelegen. Wurde von der sehr kleinen katholischen Gemeinde der Stadt benutzt, früher im wöchentlichen Wechsel mit einer evangelischen Gemeinde.
Einschiffige Saalkirche. Arkaden zu den ehemaligen Seitenschiffen außen sichtbar. Turm im Westen. Architektonische Besonderheit: In der Nordwand des Chorraumes der einfach gebauten Kirche befindet sich ein Bogen, in dem die Sitzplätze der Nonnen waren.
Geschichte:
- Zuvor befand sich an gleicher Stelle die Peter-Paul-Kirche. Diese wurde jedoch mit der Zeit zu klein.
- 1266:
Errichtung der neuen Klosterkirche St. Johannes, Johannes dem Täufer geweiht.
- 1393:
Widmung eines Grabdenkmales für Helene Gräfin von Beichlingen und ihre beiden Kinder.
- Etwa um 1462:
Errichtung eines freistehenden Turmes südlich der Kirche.
- 1825:
Errichtung des heutigen Turmes.
- 1965:
Umbau innen.

Zum Thema Konfirmation:
Sehr lange vor meiner Zeit gab es in unserer Stadt den Brauch, dass zur Konfirmation um die Haustür eine Girlande aus Tannengrün und weißen, künstlichen Blumen gehängt wurde.
Außerdem wurde der gesamte Fußweg von dem entferntesten Konfirmanden bis zur Kirche leicht, aber doch gut sichtbar mit kleinen Tannengrünstückchen gestreut. Der jeweils weiteste musste dabei bis zur Gartentür des nächsten Konfirmanden streuen.
Als meine Mutter konfirmiert wurde, musste sie von uns aus bis zur Schillerstraße, über die Straße hinweg bis zu Winzers streuen, wo Siegmar Winzer Konfirmand war.
Er musste dann bis zur nächsten Adresse streuen, wo die Konfirmandin die Tochter von Dr. Bartholomä war. Den Fußweg die gesamte Schillerstraße entlang, dann um die Eckvilla herum, das Weimarsche Tor weiter, bis zur nächsten Doppelhausvilla, wo der Doktor seine Praxis hatte.
Die Tochter wiederum musste dann weiterstreuen auf dem Fußweg am Stadtbad vorbei, unter den Kastanien entlang, auf die linke Seite vom Roßplatz, bis zum Bauernhof Teichmann, wo die Konfirmandin Monika Teichmann lebte. Und so ging es aus allen Ecken der Stadt sternförmig hin zur Kirche.
In früheren Zeiten war das Alpenveilchen mal ein ganz typisches Blumengeschenk zur Konfirmation. Das hatte sich irgendwie durch Angebot und Nachfrage mit der Zeit so eingebürgert. Wenn man im Frühjahr durch die Stadt ging und Ausschau hielt, in welchen Fenstern Alpenveilchen standen, konnte man mit einer ziemlich hohen Trefferquote ermitteln, in welchen Häusern gerade eine Konfirmation stattgefunden hatte.

Ich selbst bin übrigens nicht konfirmiert worden, sondern nur getauft. Mit 19 habe ich dann die katholische Firmung nachgeholt.

9. Kloster

In der Straße Im Kloster in Kölleda befinden sich noch die Scheune sowie ein Schüttboden des ehemaligen selbigen. Die Scheune liegt heute auf einem Privatgrundstück und wird privat genutzt, sie ist daher nicht von innen zu besichtigen.
Eine Besonderheit an dem Bau ist eine Figur, die dem Giebel aufgesetzt ist.

10. Kulturhaus

Die zentrale Einrichtung für Großveranstaltungen aller Art in unserer Ortschaft war das Kulturhaus in der Erfurter Straße, nahe der Straße Im Kloster.

Von der Funktion her im Grunde genau das, was etwa in einer durchschnittlichen österreichischen Gemeinde (Wo ich heute lebe.) der Stadtsaal ist.
Oder das, was man aus amerikanischen Filmen als den Gemeindesaal kennt, wo die Lokalpolitiker die Ortsbevölkerung zusammenrufen, wenn die Stadt gerade von kleinen, grünen Männchen belagert wird und der alte, griesgrämige Sonderling-Bauer vom Stadtrand damit herausrückt, dass er noch eine alte Anti-UFO-Waffe aus dem Zweiten Weltkrieg besitzt.

1837 errichtet unter dem Namen "Schützenhaus" diente es als Vereinslokal für den örtlichen Schützenverein. Historischen Dokumenten zufolge stand es aber auch damals schon für öffentliche Veranstaltungen aller Art offen.

So berichtete meine Großmutter, dass während ihrer Kindheit (Geburtsjahrgang 1904.) in den Räumlichkeiten Zigeuner-Clans rauschende, pompöse Hochzeitsfeiern abhielten, die noch lange Stadtgespräch waren.

Nach dem Krieg wurde es dann umbenannt in Kulturhaus. Eine Bezeichnung, wie sie für Einrichtungen dieser Art im gesamten damaligen Ostblock Standard war.

Nach der Wende 1989 hieß es wieder Schützenhaus.
Meine Großmutter hat übrigens ihr Leben lang Schützenhaus gesagt. Kurz vor Ende ihres Lebens hat ihr die Geschichte dann doch noch Recht gegeben!

Im Erdgeschoss befand sich eine kleine Gaststätte. Diese verfügte ungefähr bis 1940 auch über eine Einbahn-Kegelanlage.

Wenn man zum Haupteingang hineinging, befand sich rechts, hinter der einzigen Tür dort, ab den Sechziger Jahren die städtische Bibliothek. In zwei Räumen wurde sie dort geführt. Leiterin war eine Frau Laubersheim.
Ab den Siebziger Jahren reichen die Räumlichkeiten im Kulturhaus "vorn und hinten" nicht mehr aus. Es kommt daher während der Jahre 1970 bis 1973 zu einem Umzug in das ehemalige Finanzamt Markt 12.

Nach hinten raus, Richtung Süden, verfügt das Gebäude über einen sehr großen Garten im Stil eines englischen Parks. Das Gelände stößt im Süden an den benachbarten Friedhof.

Ich erinnere mich aktiv daran, fünfmal in dem großen Saal im Gebäude gewesen zu sein. Da gewesen bin ich bestimmt öfter, mit Sicherheit, aber an diese fünf Male kann ich mich noch erinnern.
Bezüglich der Termine muss ich allerdings schon raten, hier verschwimmt die Erinnerung bereits sehr stark:

In der Vorweihnachtszeit 1984 – da bin ich mir ziemlich sicher – trat in dem Saal das in der Region sehr populäre Kabarett "Ehringsdorfer Trümpfe" aus dem gleichnamigen Ort bei Weimar auf. Das Ensemble feierte in dem Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen.

Im Rahmen des Ferienspiels an unserer Schule sah ich dort – höchstwahrscheinlich im Sommer 1985 – eine Kaspertheatervorstellung.

Dann war ich dort mal anlässlich der Vorführung eines Magiers und eines Feuerspuckers. Der zeitliche Rahmen ist mir entfallen. Was ich noch genau weiß, ist, dass das in der Zeit war, als bei uns in der Stadt der psychopathische Brandstifter sein Unwesen trieb. Die Feuerschlucker-Darbietung wurde daher von einigen Zuschauern mit Schwarzem Humor, von anderen mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen.

Gründonnerstagabend 1987 zu einem Estradenprogramm (Kulturprogramm, das thematisch "quer durch den Gemüsegarten" geht.), das Schülerinnen und Schüler unserer Schule gestaltet hatten.

Und das letzte Mal war ich dort bei meiner Jugendweihe im Mai 1990.

Eine etwas "pikante" Anekdote über das Kulturhaus: Es war dort ein Allen bekanntes, stillschweigendes Übereinkommen, dass das Paar, das auf Tanzveranstaltungen den letzten Tanz tanzte, hinterher miteinander Geschlechtsverkehr hatte.

Vier Erinnerungen an den Garten:

In den Ferienmonaten Juli und August fand in diesem Garten an lauen Sommerabenden oft Freiluftkino statt. Wir waren allerdings nie dort gewesen. Wir bekamen bloß immer die Beschallung mit, welche sich über das gesamte Stadtviertel verteilte.

Im Rahmen der 1200-Jahr-Feier des Ortes im Juni 1986 fand dort am Sonnabend des Festwochen-Beginns eine Veranstaltung namens "Knirpsen-Kirmes" statt. Ein typisches Kinderfest eben mit allem, was so dazugehört. Mutter und ich waren auch dort.

Im Frühjahr 1987, kurz nach Ostern, führte ebenda der damalige Bürgermeister Zirnik einen Dia- oder Super-8-Schmalfilmvortrag, so genau weiß ich das nicht mehr, vor. Thema war die im Jahr zuvor abgehaltene 1200-Jahr-Feier. Besonders in Erinnerung geblieben davon ist mir, dass während der Erläuterungen des Bürgermeisters ein Mann im Publikum, der stadtweit für seinen, nun ja, etwas lockeren Umgang mit dem Alkohol bekannt war, ständig irgendwelche lustigen Bemerkungen dazwischenbrüllte. Teilweise auch mit politischer Brisanz.

Vom 13. bis 15. Juli 1990 fand dort erstmals seit dem politischen Umbruch wieder ein Schützenfest statt. Eine alte Kölledaer Tradition lebte somit wieder auf. (Persönliche Erinnerung: Hier habe ich im Flohmarktsbereich meine erste West-Schallplatte gekauft, und zwar mit den Musikeinlagen der Rudi-Carrell-Show.)

11. Musikschule

Die historische städtische Musikschule befand sich in der repräsentativen Villa Wagner auf der Ostseite der Straße Weimarisches Tor. Unmittelbar südlich neben dem schmalen Durchgangsweg in Richtung Wilhelm-Pieck-Ring.
Meine Großmutter hatte mir manchmal vom früheren regen musikalischen Treiben in dieser Villa berichtet. Eine richtige lokale Berühmtheit und in Kölleda auf vielen Veranstaltungen präsent war die "Musikschule Reichert", die in diesem Gebäude ihr Domizil hatte. Ihre Schüler wurden auf sehr vielen Instrumenten ausgebildet, vor allem Blasinstrumente.
Zu DDR-Zeiten wurde das Gebäude überwiegend privat genutzt. Bereits in einer Gemeindemitteilung von Anfang September 1950 ist in Bezug auf dieses Gebäude die Rede von der ehemaligen Musikschule. In welcher zu diesem Zeitpunkt aber dennoch Konzertmeister Franz Sykora Violinen- und Klavierunterricht erteilte.
Zu meiner Zeit praktizierte den Klavierunterricht dann ein Musiklehrer namens Habich.
In der Vergangenheit befand sich hier auch einmal der Schulhort für die Jahnschule, bis dann ein eigenes Hortgebäude auf dem Schulgelände errichtet wurde.
Wenn meine Informationen zuverlässig sind, wurde dort irgendwann nach der Wiedervereinigung wieder Musikschulunterricht aufgenommen.

Erläuterung zum Bild in der Übersicht:
Die Musikschule auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2010. (© 2010 by Edelgard Koch, Kölleda. Bild wurde im Auftrag des Autors erstellt.)
Wie man hier sieht, wurde das Gebäude irgendwann nach meinem Wegzug 1992 mustergültig renoviert. Was den Baukörper als solchen betrifft, so deckt sich das Bild mit meiner Erinnerung aus der Kindheit. Irgendwelche augenscheinlichen Umbauten vermag ich nicht zu erkennen, vermutlich auch aus Denkmalschutzgründen, nehme ich mal an.
Links und rechts des Gebäudes erkenne ich allerdings nichts mehr wieder.

12. Polizeiwache

Das Eckhaus Erfurter Straße/Im Kloster war mal Gefängnis. Später Sitz der städtischen Polizei.

Zu meiner Zeit befand sich die Polizei dann an der Stelle, wo die Bäckergasse und der Markt aufeinander treffen.
Das damalige vom Ratskellerwirt als Garküche genutzte Gebäude soll als einziges Haus den großen Stadtbrand von 1698 überstanden haben.
1701 erwarb sie die Stadt und richtete dort die Ratswaage ein.
Von 1792 bis 1835 diente die Immobilie als Wach- und Arrestlokal der Husaren. Danach wurde es Nachtwächterquartier.
Später Kohlenstall, Freibank-Verkaufslokal und Stadtarchiv. Schließlich Polizei.
Im März 2005 wurde dort das städtische Bürgerbüro eingerichtet, womit die lange Tradition kommunaler Nutzung fortgesetzt wurde.

13. Rathaus

Das Rathaus unserer Stadt wurde in dem Zeitraum vom 15. bis zum 18. Jahrhundert erbaut. Es handelt sich um einen zweigeschossigen Rechteckbau, der im Wesentlichen Merkmale des Barock aufweist. Das Dach ist ein Walmdach mit Dachreiter. An der Südseite befindet sich das Stadtwappen.
Der Eingang befindet sich im ersten Stock der Nordseite, wohin eine zweiseitige Treppe führt. Im Erdgeschoss der Südseite befindet sich der Eingang zum Ratskeller. Ich kann mich noch gut erinnern, dass dort zu DDR-Zeiten eine wirklich ausgezeichnete Soljanka angeboten wurde.

14. Bankwesen allgemein/
Sparkasse in Kölleda/
frühere "Darlehensbank Kölleda", späterer Jugendklub

"Etwas mit Geld machen" konnte man zu DDR-Zeiten an folgenden Stellen:
- Postämter und Poststellen.
- Verkaufsstellen des Postzeitungsvertriebes – Beträge bis zu 25,-- M.
- Sparkassen.
- Reichsbahn-Sparkassen.
- Genossenschaftskassen für Handwerk und Gewerbe, welche im allerweitesten Sinne den westlichen Volksbanken entsprachen.
- Banken für Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft.
- Bäuerliche Handelsgenossenschaften, kurz BHG. (Diese kamen ungefähr den westlichen Raiffeisen-Genossenschaften gleich.)

Über all dem stand die Staatsbank der DDR, welche im Wesentlichen dieselben Aufgaben hatte wie alle Staatsbanken auf dieser Welt.

Die Gebühr für einen Einzahlungsauftrag betrug:
Bis 10,-- M 0,10 M
Bis 25,-- M 0,15 M
Bis 100,-- M 0,20 M
Bis 250,-- M 0,25 M
Bis 500,-- M 0,30 M
Bis 750,-- M 0,40 M
Bis 1.000,-- M 0,50 M
Bis 1.250,-- M 0,60 M
Bis 1.500,-- M 0,70 M
Bis 1.750,-- M 0,80 M
Bis 2.000,-- M 0,90 M
Über 2.000,-- M unbeschränkt 1,-- M
Gedruckt wurden die Formulare dafür in Spremberg.

Wenn ich richtig informiert bin, durfte man zu DDR-Zeiten als Privatperson sein Konto nicht überziehen.


Geschichte der Sparkasse in Kölleda:

1. Juli 1857: Errichtung der Kreissparkasse des Landkreises Eckartsberga in Cölleda.

1858: Nach dem ersten Geschäftsjahr konnte sie 21.999 Taler, 20 Silbergroschen und 9 Pfennige an Spareinlagen verbuchen.

1879/80: Errichtung des Kreishauses in der Salzstraße 6 als Sitz des Landrates des Kreises Eckartsberga. (In der Fachliteratur tauchte diesbezüglich allerdings auch die Jahreszahl 1884 auf.)

1. Oktober 1880: Die Kreissparkasse Cölleda ist fortan im Kreishaus in der Salzstraße 6 tätig. Sie wird dieses Domizil bis zum Ende des 20. Jahrhunderts behalten.

1904: Umbau und Erweiterung der Geschäftsräume im Kreishaus.

1909: Die Sparkasse erlangt die Scheckfähigkeit.

1916: Einführung des Giroverkehrs durch den Deutschen Sparkassenverband.

1. Februar 1925: Einführung der doppelten Buchführung. Die Gesamteinlagen steigen.

April 1925: Eröffnung der Zweigstelle Bad Bibra.

April 1927: Eröffnung der Zweigstelle Eckartsberga.

Mai 1927: Eröffnung der Zweigstelle Wiehe.

Angebotspalette der Kreissparkasse laut einer Werbeeinschaltung von Ende 1927:
- Spar-, Überweisungs-, Kontokorrent- und Scheckverkehr, Reisekreditbriefe.
- Real- und Personalkredit.
- Diskontierung von Wechseln.
- Einziehung von Forderungen.
- Depotverwaltung und Vermietung von Schrankfächern.
- An- und Verkauf von Wertpapieren.
Laut derselben Werbeeinschaltung sah die Struktur des Unternehmens in jenem Jahr folgendermaßen aus: Hauptstelle in Cölleda. Zweigstelle in Bad Bibra, Marktstraße 8. Annahmestellen in Eckartsberga, Heldrungen, Wiehe, Beichlingen, Billroda, Bretleben, Bucha, Büchel, Donndorf, Etzleben, Herrengosserstedt, Cannawurf, Klosterhäsler, Leubingen, Lossa, Memleben, Oberheldrungen, Reinsdorf.

11. Juli 1928: Umbenennung von "Kreissparkasse des Eckartsbergaer Kreises" in "Kreissparkasse Kölleda".

Laut einer Werbeeinschaltung mit Stand Ende 1928 sind die Annahmestellen in Wiehe und Eckartsberga zu Zweigstellen aufgerückt. Beichlingen und Memleben scheinen nicht mehr auf, dafür ist Bilzingsleben hinzugekommen.

September 1930: Eröffnung der Zweigstelle Heldrungen.

1930: Einrichtung eines Kreisheimatmuseums in den Kellerräumen des Kreishauses in der Salzstraße 6.

31. Dezember 1931: Zu diesem Stichtag waren Spareinlagen in Höhe von 5.003.118 Reichsmark sowie Giro- und Kontokorrenteinlagen in Höhe von 858.097,18 Reichsmark zu verzeichnen.

Der Zeit entsprechend ideologisch gefärbter Text einer Werbeeinschaltung auf der vierten Umschlagseite der Festbroschüre anlässlich der "Zehn-Jahresfeier der NSDAP., Ortsgruppe Kölleda" am 26. und 27. August 1933:
"Kreisbewohner!
Fördert Eure Kreissparkasse!
Politische Wirrnis und lähmende Unruhe sind vorüber. Sicherheit und Ordnung schaffen Vertrauen und neue Hoffnung! Alle Kräfte gehören dem Aufbau! Zu neuem Aufstieg bedarf es auch der Sparer.
Durch Sparen dient jeder sich selbst und der Nation. Ohne Sparen des Einzelnen kein Gedeihen des Ganzen.
Reihe Dich ein in die Volksfront der Sparer.
Sparer heraus!"

Eine Werbeeinschaltung, herausgegeben Ende 1938, liest sich so:
"Errichtet 1852
Mündelsicher
Fördert die
Kreissparkasse zu Kölleda
– die Sparkasse des Kreises Eckartsberga –
Annahme von Spar- und Depositeneinlagen
Ausstellung von Bauernsparbüchern
Eröffnung von Konten in laufender Rechnung
Scheckkonten
Ankauf von Wechseln
(Leerzeile)
An- und Verkauf und Verwaltung von Wertpapieren
Gewährung von Hypotheken und Personalkrediten
Vermietung von Schrankfächern
Ausstellung von Reisekreditbriefen
Spargiro-Verkehr – Eilüberweisungs-Verkehr"
Entwicklungsstand der Unternehmensstruktur im Vergleich zu 1928 laut dieser Werbeeinschaltung: Etliche Veränderungen bei den Zweig- und Annahmestellen, welche jetzt als Hauptzweigstellen und Nebenzweigstellen bezeichnet werden. Als Hauptzweigstellen werden Bad Bibra, Eckartsberga, Wiehe und Heldrungen (am Bahnhof) geführt. Nebenzweigstellen in: Auerstedt, Bachra, Beichlingen, Bernsdorf-Kahlwinkel, Billroda, Bilzingsleben, Braunsroda b. E., Bretleben, Bucha, Büchel, Burgheßler, Burkersroda, Donndorf, Etzleben, Frohndorf, Gorsleben, Grieffstedt, Hauteroda, Hemleben, Herrengosserstedt, Kannawurf, Klosterhäsler, Leubingen, Lossa, Memleben, Oberheldrungen, Reinsdorf, Saubach, Tromsdorf, Wohlmirstedt.

Ende 1940: Werbeeinschaltung wie 1938, nur mit dem Unterschied, dass statt des Doppelnamens Bernsdorf-Kahlwinkel nur noch Kahlwinkel genannt wird.

1. Juli 1945: Die amerikanische Besatzung wird durch die sowjetische abgelöst.
Nach der Eingliederung der Stadt in die Sowjetische Besatzungszone wird das Kreishaus in der Salzstraße 6 Sitz der sowjetischen Kreiskommandantur. In den Kellerräumen wird ein provisorisches Gefängnis eingerichtet.

Im Zuge der Gebietsreform 1952, bei der Kölleda seinen Status als Kreisstadt an Sömmerda verloren hatte, wurde die Sparkasse eine Zweigstelle der neu gegründeten Kreissparkasse Sömmerda.
Was auch Auswirkungen auf das städtische Schulwesen hatte. In jenem Jahr zogen die oberen Klassen aus der Schule in der Mühlgasse aus. Sie fanden Quartier im nun ehemaligen Kreishaus in der Salzstraße 6, welches aufgrund der genannten Umstrukturierungen frei geworden war.

Währungsunion: Am 1. Juli 1990 wurde in Vorbereitung der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten in der gesamten damaligen DDR die Deutsche Mark als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt. Die Bestände auf sämtlichen Konten der DDR wurden auf D-Mark umgestellt. Gleichzeitig konnte an diesem Tag erstmalig D-Mark von den Konten behoben werden.
Als einziges Geldinstitut der Stadt übernahm für Kölleda die Sparkasse diese Aufgabe. Auch Mutter und ich waren an diesem geschichtlich so bedeutsamen Tag vor Ort anwesend.

30. Oktober 1991: Die Sparkasse installiert den ersten EC-Geldausgabeautomaten in Kölleda.

1992: Umbau der Zweigstelle in Kölleda.

Mit Beginn des Schuljahres 1993/94 zieht die Grundschule ins ehemalige Kreishaus in der Salzstraße 6 ein.

1996: Die Grundschule im ehemaligen Kreishaus in der Salzstraße 6 erhält den Namen "Wippertus-Schule".

1996/97: Errichtung des neuen Sparkassen-Gebäudes auf dem Grundstück Markt 4, seinerzeit Hotel "Preußischer Hof".

2. November 1997: Feierliche Eröffnung des Neubaus.

Nach dem Zusammenschluss der Sparkassen Erfurt, Weimar und der Kreissparkasse Sömmerda am 1. Mai 2003 zur neuen Sparkasse Mittelthüringen ist Kölleda zur Zweigstelle der neuen Sparkasse geworden.


Nun zur Geschichte der früheren Darlehensbank Kölleda. Gelegen in einer Jugendstilvilla genau östlich gegenüber der Post.
Ungefähr bis Kriegsende lag hier die Niederlassung der 1887 gegründeten "Darlehensbank Kölleda e. G. m. b. H.". Kurios: Der letzte Leiter dieser Einrichtung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hieß mit Nachnamen Benker. Die Familie lebte übrigens in dem Backsteinhaus, das sich dem Lebensmittelgeschäft Laue in der Bahnhofstraße unmittelbar in südlicher Richtung anschloss.
In der Nachkriegszeit war in dem nun ehemaligen Bankgebäude der Akkordeonmusiker Helmut Festner mal mit seinem Kinder- und Jugendorchester untergebracht.
Parallel dazu war in dieser Zeit dort die Hygiene-Inspektion des Rates des Kreises einquartiert. Unsere ehemalige Nachbarin Elfriede "Wieda" Weber arbeitete dort eine Zeitlang, bevor sie ihre diesbezügliche Tätigkeit dann in Sömmerda fortsetzte.
Zu meiner Zeit lag dort der städtische Jugendklub. Soweit ich mich erinnere, befand ich mich zweimal in dem Gebäude. Einmal anlässlich einer Faschingsfeier einer Klasse der Jahn-Schule im Jahr 1982. Und ein zweites Mal auch wieder anlässlich einer Feier einer Jahn-Schul-Klasse. Diesmal einer Adventfeier, in der Weihnachtszeit 1984.


Bei meinen Recherchen stieß ich auch auf folgende historische Werbeeinschaltung:
Kölledaer Bank
Gerhardt, Richter & Co.
Adolf-Hitler-Straße (Bahnhofstraße, Anm.) 11b.
Kassenstellen in Kindelbrück und Heldrungen.
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