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Stausebacher Schicksalsjahre im Dreißigjährigen Krieg

Ausschnitt aus den "Fuldaer Geschichtsblätter August 1902"
In einer Ausgabe der "Fuldaer Geschichtsblätter" aus dem Jahre 1902 werden uns die Ereignisse eines kleinen Dorfes während des Dreißigjährigen Krieges überliefert. Herausgegeben vom Fuldaer Geschichtsverein hat der Postsekretär Ruhl aus Marburg die handgeschriebene Stausebacher Chronik des Caspar Preis erstmalig übersetzt. In seiner schlichten Art hat Caspar Preis die selbst erlebten Schicksalsjahre niedergeschrieben und so der Nachwelt hinterlassen.

Das kleine unscheinbare Büchlein mit 98 Blättern im Format 18,5 x 15,5, das inzwischen beim Staatsarchiv in Marburg aufbewahrt wird, berichtet über den ganz normalen bäuerlichen Jahresablauf mit Feld- und Hofarbeit, über Freud und Leid im Dorf und in den benachbarten Orten im Amöneburger Becken während des leidvollen Krieges.

Wörtlich schreibt er am Anfang seiner Niederschrift: "Ich wil ein wenig bericht thun, wegen des blutigen Krigs nach meinem bäuerischen Verstandt und was ich selbst mit meinen Augen habe gesehen und an der That mit Schmerzen erfahren habe."

Im Jahre 1636 hatte er den Michaelshof - heute ist er in zwei Höfe geteilt : "Preisehöckhshof" und "Glasehof" - für "um Sieben hundert gulten" gekauft. Einen "gar berühmter Hof" so schreibt er selbst, der bis dahin dem Bruder seines Schwiegervaters, dem "Grohans und seiner Hausfrau Rebecka" gehört hatte. Jedoch war der Hof sehr verwahrlost und "So verwustet und ver dorben In dem Kriegswesen das nicht eine handvoll Korn war Aus gesehet."

Die Niederschrift, sehr lebhaft und manchmal eigenartig beschrieben, gewährt uns ein sehr anschauliches Gesamtbild der grausamen, leidvollen Zeit des bis 1667 dauernden Krieges. Immer wieder brachte er seinen christlichen Glauben zu erkennen, wenn er selbst die sonntäglichen Gottesdienste und die täglichen Gebete leitete.

Dieses einmalige Werk ist für die damalige Zeit sehr schön und auch leserlich geschrieben. Wenn auch in der Schreibweise große Freiheiten vorkommen, so muss man feststellenen, dass Caspar Preis nicht studiert hatte und ja nur ein "einfacher Bauer" war.
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2 Kommentare
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Erich Schmitt aus Stadtallendorf | 15.10.2012 | 19:05  
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Peter Gnau aus Kirchhain | 16.10.2012 | 09:12  
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