Älteste Zeugen sind Taufstein und Kruzifix

Kirchenaufgang
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Im Jahre 2004 feierte der Kirchhainer Stadtteil Betziesdorf den 750. Jahrestag seiner urkundlichen Ersterwähnung. In diesem Zusammenhang entstand eine Chronik, in der die Dorfentwicklung aufgearbeitet und in schriftlicher Form dargestellt wurde.

Ein Kapitel dieses Buches befasst sich auf mehreren Seiten auch mit der Geschichte der Betziesdorfer Kirche. Die spätbarocke Pfarrkirche wurde im Jahre 1789 erbaut. Bereits 1784 hatte der damalige Pfarrer in einem Schreiben an den Landgrafen von Hessen über die Baufälligkeit der vorhandenen Kirche berichtet. Die Abwägung aller Argumente führte schließlich dazu, dass ein Kirchenneubau aus Stein mit einem mäßigen Turm genehmigt wurde und im Oktober 1789 bereits die Einweihung erfolgte.

Verschiedene Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass die Geschichte der Betziesdorfer Kirche wesentlich älter ist.

Bereits im Jahre 1123 wird in einer Urkunde durch den Erzbischof Adalbert von Mainz bekundet, dass '...Volgmarus de Itra dem Altar der heiligen Petrus und Paulus eine Kirche und acht Hufen Land in dem Dorf, das Betzchendorf genannt wird...' geschenkt hat. Auch der Motivstein mit einem Doppelwappen an der Ostseite der Kirche, bringt keine Klarheit über die genauen Daten einer Vorgängerkirche, da die Jahreszahl sowohl als '1516' aber auch als '1216' gedeutet werden kann. Im linken Wappen sind die Buchstaben 'I H S' für Jesus und das rechte Wappen zeigt das Monogramm der Mutter Maria.

Nach den heutigen Erkenntnissen ist jedoch sicher, dass bereits im Jahre 1516 eine der Jungfrau Maria geweihte Wallfahrtskirche hier in Betziesdorf erbaut wurde.

Auf den nächsten Seiten der Chronik finden wir eine Auflistung der Pfarrer seit dem Jahr 1550. Im Jahr 1926 wird das Kircheninnere renoviert und neu gestaltet. Dabei wurden die Bankreihen im Chor in der heutigen Anordnung aufgestellt. Vorher gab es einen Mittelgang von der Eingangstür bis zum Altar hin und die Bänke im Chor waren rechts und links angeordnet.

Hier in der Kirche finden wir auch die ältesten sakralen Gegenstände und zwar einen Taufstein aus dem Jahre 1459 und das Kruzifix am Altar, das ebenfalls dem 15. Jahrhundert zugerechnet werden kann.

In den Jahren 1951 und von 1966 bis 1967 wurden weitere Veränderungen in der Kirche vorgenommen. So wurde eine neue Kirchturmuhr eingebaut, das Kircheninnere gründlich renoviert und eine elektrische Heizung montiert. Ein elektrisches Läutewerk erhielt die Kirche im Jahre 1973.

Der Kirchhof ist von einer Mauer umgeben, die im 15./16. Jahrhundert entstanden ist und zu einer Wehranlage ausgebaut wurde. Auf dem Kirchhof selbst sehen wir das 1923 entstandene und 1956 neu gestaltete Kriegerdenkmal sowie alte Grabsteine, die zumeist aus dem 18. Jahrhundert stammen und noch recht gut erhalten sind. Besonders auffällig ist jedoch eine schön gestaltete Säule, die von einer besonderen Familientragik zu berichten weis. In der Betziesdorfer Chronik lesen wir hierüber:

"...Die Säule kündet von der Tragik der Familie Meisner,... ...Aber die Erstgeborene war Tuberkulös und infizierte die übrigen Geschwister, deren kleine Körper dadurch zu schwach waren, um anderen Infektionen Widerstand leisten zu können. ...Die ersten vier Kinder Katharina, Christian, Heinrich und Elisabeth wurden nur ein bis sieben Jahre alt. Alle starben in einem Zeitraum von 18 Monaten. ...Aber die Tragik der Familie nahm weiter seinen Lauf und bis 1811 starben weitere drei Kinder - Helene, Anna-Dorothea und Eckhard - noch in der Wiege. ..."

Ein wirklich schöner und sicher auch einzigartiger Obelisk, kündet uns so heute noch von tragischen Ereignissen aus dem Jahre 1800 !

Die Gemeinde Betziesdorf ist der westlichste Stadtteil von Kirchhain und hat etwa 700 Einwohner. Unterhalb des Dorfes fließt die Ohm, und die Main-Weser-Bahn befindet sich ebenso wie die B 62 in der Nähe. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Betziesdorf in einer Urkunde des Klosters Haina vom 13. Dezember 1254 als 'Bezchindorph'. Auch wenn bereits im Jahre 1123 in einer Urkunde von "Betzchendorf" die Rede ist, so wird doch das Jahr 1254 wissenschaftlich als Ersterwähnung anerkannt. Grund hierfür ist, dass in der ersten Urkunde die genaue Lage des Ortes nicht vermerkt ist.

Herrn Pfarrer Golin danke ich für die freundliche Genehmigung zu diesem Bericht und möchte noch darauf hinweisen, dass meine Angaben dem Buch "Betziesdorfer Chronik - Beiträge zur Geschichte des Dorfes" entnommen sind.

Bürgerreporter:in:

Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain

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