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"Jetzt seid mo all rowich, aich will ach wos verzähn..."

Eine ganz schön kesse Sohle legen die älteren Herrschaften auf die Bühne.
   
In der Narhalla von Langenstein wird schon früh geschunkelt.
Kirchhain: Gemeinschaftshaus |

'Fasching der Liebe' mit tollem Programm am Samstag, d. 02. Februar 2013, in der Narhalla zu Langenstein !

Das Leben eines Bürgerreporters ist schon recht abwechslungsreich, abenteuerlich und führt zuweilen auch in den 'nahen Osten' - nämlich von Anzefahr nach Langenstein.

Die 'Narhalla' zu Langenstein war bis auf den letzten Platz gefüllt mit Besuchern, die gespannt auf den Beginn der Faschingssitzung warteten. Punkt 20.11 Uhr erklangen Schunkellieder und die Besucher kamen dadurch schon in Stimmung. Der Bühnenvorhang öffnete sich und Moderator 'Stocki' rief "Helau Langenstein" in den Saal und verkündete das Motto der diesjährigen Faschingssitzung: 'Fasching der Liebe'!

"Ich wette ihr seid gut drauf und so wollen wir auch gleich mit dem Programm beginnen" verkündete 'Stocki' und kündigte mit "Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frauen" die 'Sticke Stecke'-Tanzgarde aus Langenstein an. Nach dieser Tanzdarbietung rauschte bereits die erste Langensteiner Stimmungsrakete des Publikums durch den Saal.

"Ich habe wieder viel zu berichten und es ist zum Haare raufen, was so passiert ist", so begann der Langensteiner Landbote (Willi Knack) seinen Blick auf die große Politik. Die Moral aus seinem Vortrag lautet: "Trau einem Politiker nicht...". Eine Zeitung berichtet noch über viele weitere Themen und so beschäftigte sich auch der Landbote mit Gesundheit, Mathematik, Effektivität und Straßenverkehr. Schließlich war auch das jüngste Geschehen in dem hinter dem Berg liegenden Nachbarort Emsdorf eine Schlagzeile des Landboten und so stellte er die bange Frage: "Ist das Knallen in Emsdorf schon das 'jüngste Gericht' ? Zum Motto des Faschingsabends 'Liebe' berichtete der Landbote über die besondere Wirkung von 'Maggi' und verkündete zum Schluss: "...ist dein Mädel einmal böse - hilft auch Maggi !"

Die Mitglieder der jüngsten Tanzgarde sorgten als kleine Hippies zu Klängen aus der Flower-Power-Zeit für Begeisterung im Publikum. 'Stocki' ließ es sich auch hier nicht nehmen die Orden und auch die Küsschen zu verteilen, denn "das mache ich gerne selbst...".

"Macht nit so viel Musik, eich muss jo noch zom Saalzwirt nooch Erksdorf..." erklärte Christine und stellte ihren Korb auf dem Tisch ab. Christine (Christl Bock) hatte viel zu berichten über eine 'gesonde Bloose', Fußcreme für die Nase, einen Arztbesuch und eine Bahnfahrt von Marburg nach Kirchhain. Ihr Hauptproblem war jedoch ihre Kleidung. Sie trägt immer noch die evangelische Tracht, hat jedoch den Wunsch sich auch 'nau morisch osezeihe' ! "Bei de jonge Marerche git de Wend owe nen en onne naus, doas git bei mir nit !" Christine versuchte nun in Kirchhain neue Kleidung einzukaufen, musste jedoch bald einsehen, dass dies nicht so einfach ist. Nach dem lebhaft geschilderten Einkaufsversuch verkündete Christine dem begeisterten Publikum: "Ech less mich so oah. Ech sei ja och fein, vo hienne en vorn"! Mit dem Lied "Morgens beim Frühstück esse ich gerne Erdbeermarmelade. Es Gläsche is leer, woher kreie ich frische Erdbeermarmelade..." (nach der Melodie von 'Mandocino' von Michael Holm) machte sie sich nun auf 'zom Saalzwirt nooch Erksdorf'.

"Was alles ist bei uns passiert, wir haben es notiert, spitzt die Ohren und hört gut zu", so kündigten die Herbachspatzen ihren musikalischen Jahresrückblick an.
Sie berichteten über die Fusion der Kirchengemeinden Langenstein und Niederwald, den Jugendclub, Parkprobleme, Fahrt der Volkstanzgruppe nach Kröv und Orientierungsproblemen nach einer Après Ski Party. Zu den Themen wurde ein passender Text vorgetragen, wie z. Bsp. zur 'Kirchenfusion' - "Wir sollten zusammen halten, sonst die in Kassel uns verwalten. Wenn alle zusammen halten, dann bimmeln unsere Glocken noch lang". Natürlich finden echte Herbachspatzen auch Lieder, deren Text abgewandelt sich dann so anhörte: 'mir losse die Kirch beim langen Stein, do gehört sie hin...'. Das sangesfreudige Langensteiner Publikum stimmte immer wieder in die bekannten Melodien ein und schunkelte so durch den musikalischen Jahresrückblick. Die lange Faschingstradition der Herbachspatzen hier in Langenstein wurde allen klar, als es hieß: "...zum Abschluß wollen wir uns nicht loben, aber wir stehen nun schon 30 Jahr hier oben und haben so manches durch den Kakao gezogen...".

Die Bühne war nun frei für eine ganz besondere Tanzdarbietung. Hüllen fielen und zum Vorschein kamen bunte, südamerikanische Kostüme, die das Männerballett aus Nieder-Ofleiden zur Attraktion werden ließen. In perfekter Körperhaltung schwebten sie über die Bühne und ernteten so viel Beifall und die Bewunderung vor allem der Damenwelt.

Moderator 'Stocki' verkündete "...jetzt wird noch mal richtig Fahrt aufgenommen...". Diese Ankündigung galt einer Live-Fernsehsendung von Carmen Nebel (Christiane Nau), die auf der Narhalla Bühne Stars von gestern und heute präsentierte. Eine Welle der Begeisterung schwappte durch den Saal, als 'Abba', die 'Wildecker Herzbuben', 'Modern Talking', 'Las Ketchup' und die 'Kastelruther Spatzen' ihre Hits sangen. Besonders der Auftritt der 'Kastelruther Spatzen' sorgte bei dem Publikum für ausgelassene Stimmung auf und vor der Bühne.

Die deutsche Sprache ist schwierig und ein jeder von uns hat mit den Veränderungen so Tag für Tag seine Probleme. Die hat auch `s Hermine (Waltraud Lauer) aus Langenstein. Ihre Probleme mit der Handyrechnung wollte sie mit einem Anruf klären. Leichter gesagt wie getan. In der Leitung hörte sie die Frauenstimme sagen: "Please, hold the line..." und erklärte dem Publikum verärgert: "Meinst du, die hät mich zu Wort kommen lassen ?" Irgendwann konnte sie doch die Frage stellen: "Warum steht auf meiner Handyrechnung '20 Verbindungen mit dem Gehrmann Karl' ? Den kenn ich doch gar nicht." Da sagt die zu mir: "Das heißt 'German Call' "! Was hat `s Hermine geantwortet: "Ei, den kenn ich erst recht net." So hatte s`Hermine noch einiges zu berichten und sorgte so für viel Beifall und Zustimmung beim Publikum.

Entführt wurden die Besucher nun von der Tanzgarde der Volkstanzgruppe Langenstein unter die heiße Sonne von Mexiko und der eine oder andere träumte schon von einem Urlaub unter Palmen. Moderator 'Stocki' dankte den Damen mit einem Küsschen und beruhigte die Zwischenrufe aus dem Publikum mit dem Hinweis: "...Ihr kommt auch noch alle dran..."

Gerne überlies der Moderator dem nächsten Gast die Bühne, da er aus dem Langensteiner Fasching nicht mehr wegzudenken ist. Hannes (Rudi Böttner) schlappte auf die Bühne und rief in den Saal: "Jetzt seid mo all rowich, aich will ach wos verzähn...". Der Aufforderung kamen die Besucher nach und so berichtete Hannes von seinen Erfahrungen mit einer Kontaktanzeige und aus seinem Eheleben. Von dem Tag der Trauung berichtete er: "Als mir vier`m Altor stanne, hots geblitzt un gedonnert. Hät ich domols schun gewosst, wos der leiwe Gott mer domit sa wollt !" Sein Eheleben war wirklich sehr ereignisreich und so hatte er allerhand zu erzählen. In all den Jahren hatte er die Erfahrung gemacht, das 'die Weibsleut wei Medaille sei, erscht mosste um se kämpfe, dann hosst de se om Hals' und seine Ehe heute nur noch eine 'Glühwürmchen-Ehe' ist: 'Wann de Glout erscht a mol aus is, dann is nur noch de Worm dren.' Mit der Feststellung 'So, en etz wäs ech och na mie...' schlappte Hannes wieder zurück zu seiner Lisbeth.

'Stocki' war wohl auch ganz gespannt, was die Garde der Showtanzdamen auf der Bühne zeigen werden. Er hatte sie Tag für Tag gesehen, wie sie zur Burg gejoggt sind. Seine Vorsicht bestand zu Recht, da sich auf der Bühne eine echt 'schlagkräftige Truppe' präsentierte. Dies war jedoch nicht der Grund, dass der Moderator erstmals keine Küsschen verteilte. Nein, ein Hinweis auf die bereits fortgeschrittene Zeit verhinderte sein Vorhaben. Wer jedoch 'Stocki' kennt, der weiß, dass er das verpasste auf jeden Fall nachholt.

Vorbei an den Stuhlreihen der Langensteiner Narhalla bahnten sich recht betagte ältere Herrschaften den Weg zur Bühne. Das Publikum staunte nicht schlecht und fragte sich, was die, sich mit einem Stock stützenden und gebückt einhergehenden Herrschaften, nun auf der Bühne für eine 'kesse Sohle' hinzaubern.

Weit nach Mitternacht endete das offizielle Programm des "Faschings der Liebe" und ich wurde Zeuge zahlreicher Stimmungsraketen, tosenden Beifalls und viel Heiterkeit hier in Langenstein. Sicher bin ich mir, das noch lange gemeinsam geschunkelt und gesungen wurde.

Ich hoffe, ich konnte mit meinem Bericht und den Fotos wenigstens für Sie, die sie den Fasching hier in Langenstein verpasst haben, ein bisschen von der Stimmung einfangen und rufe Ihnen zu "Langenstein Helau".
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3 Kommentare
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Elke Menke aus Kassel | 06.02.2013 | 15:10  
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Günther Eims aus Sehnde | 07.02.2013 | 14:51  
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Berti Bonacker aus Kirchhain | 08.02.2013 | 12:16  
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