Ritterschauspiele Kiefersfelden starteten Theaterpädagogik

Jugendliche Amazonen und Recken bei der Preisverleihung zum Malwettbewerb der Grund- und Mittelschule Kiefersfelden mit den weltweit einmaligen Ritterschauspielen
Kiefersfelden: Grund- und Mittelschule Kiefersfelden | Malwettbewerb für’s Märchentheater

Theaterpädagogische Initiativen werden inzwischen von allen Subventionstheater in Deutschland durchgeführt. Außergewöhnlich jedoch ist, dass das vielbeschäftigte Laienensemble der weltweit einmaligen Ritterschauspiele Kiefersfelden mit beträchtlichem Zeitaufwand für das „Publikum von morgen“ beherzt durchstartet.

Angefangen hatte alles mit einem von der Grund- und Mittelschule Kiefersfelden im Sommer 2011 gemeinsam veranstaltetem Kulturtag: Nach drei Schulstunden mit dem alleinigen Lerninhalt „Volkstheater und Ritterschauspiele“ in allen Klassen gab es für die gesamte Schule in der Comedihütte einen eigens vorbereiteten „Preview“ zu „Ezzelin der Grausame“. Viele Mitwirkende des Theaters hatte für diesen Vormittag Urlaub bei ihren Arbeitsstellen genommen. Die dargebotene Folge von Kampf- und Konfliktszenen begeisterte die Zuschauer im Alter von 6 bis 15 Jahren. Jugendgerecht sind die Ritterschauspiele trotz haarsträubender Handlungsführungen durch ihre Verankerung im Glauben an das Gute. Die Drastik von „Sex and Crime“ entsteht mehr im Kopf der Betrachter als in den pittoresken und sprachgewaltigen Szenen auf der barocken Bühne im Theaterbau von 1833.

Die Folge war ein Malwettbewerb, den Rektorin Isolde Raabe und Ritterschauspiel-Vorstand Philipp Kurz im Frühjahr gemeinsam in der Schule und in der Gemeinde ausschrieben. Themen sollten keine der sprichwörtlichen Schwertkämpfe sein, sondern das Augenmerk auf den ideellen Kern der Ritterschauspiele lenken. Dieses Märchentheater – eine Spätform des katholischen Jesuitentheaters – beinhaltet Bühneneffekte wie Seesturm und Höllenfahrt. Damit ist es auch kurzweiliger als etwa Humperdincks „Hänsel und Gretel“-Oper und moralisch unbedenklicher als „Snow White and the Huntsman“.

Die Themen „Helena auf dem Piratenschiff“ und „Die Hochzeit von Helena und dem König von Britannien“ aus dem Ritterschauspiel „Helena, Tochter des mächtigen Kaisers Antonius von Griechenland“ inspirierten zahlreiche SchülerInnen. Wie zu erwarten beteiligten sich weitaus mehr Mädchen als Jungen, das Thema „Hochzeit“ wurde mehr favorisiert als die „Piraten“. Für alle Wettbewerbsteilnehmer war schnell klar, wie abwechslungsreich und spannend ein altes Theaterstück sein kann.

Die Siegerinnen aller drei Altersstufen erhielten neben Theaterkarten für „Helena“ feine Preise: Felicia Schunk (Klasse 2b) einen Klapproller, Melanie Späth (Klasse 3a) ein Waveboard und Carina Wimmer (Klasse 6a) einen MP 3 Player IPod Nano. Die Jury bestand aus den Reihen der Lehrerschaft, des Fördervereins der Ritterschauspiele sowie der Theatergesellschaft als Veranstalter der Ritterschauspiele.

An einer Fortsetzung sind das Theater und die Schule weiterhin interessiert. Nach der Entscheidung für das Stück des Spieljahres 2013 im Herbst wird eine neue passende Aktion entwickelt werden. Rektorin Isolde Raabe regte an, kreative und spielfreudige SchülerInnen zur Mitwirkung im weltweit einmaligen Dorftheater zu motivieren. Das ist ein klares Bekenntnis zur lebensbereichernden Wirkung künstlerischer Praxis.

In Begleitung Erwachsener empfehlen sich die Ritterschauspiele Kiefersfelden ab ca. 8 Jahren, die Theatergesellschaft bietet geleiteten Jugendgruppen gerne Bühnen- und Fundusführungen an.

Auch beim ersten Familienfest des "Bündnis für Familie Kiefersfelden" am 16. Juni 2012 im Kohlstatt-Naturpark war die Theatergesellschaft mit einem Stand präsent. Hier konnten sich Kinder im ritterlichen Zweikampf erproben - wohlgemerkt mit den ungefährlichen Holzschwertern, die inzwischen ein beliebter Geschenkartikel sind. Spielerisch wurde den jungen Recken und Amazonen der Unterschied zwischen brutaler Gewalt und dem Schwertkampf als Ritual einer zivilisierten Konfliktbewätigung vermittelt.
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