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Von dem Gefühl der Scham zur Schuld oder entgegengesetzt?

Scham ist eine qualvolle Empfindung der Herabwürdigung, Unzulänglichkeit, Demütigung und Entwürdigung.

Die Schamreaktion hat zwei Wurzeln:

1. die Angst vor Bewertung bzw. Abwertung
2. das Gefühl, der eigenen Wertbestimmung nicht gerecht geworden zu sein,

d. h. unter den Ansprüchen geblieben zu sein, und sich damit an sich selbst schuldig gemacht zu haben.

Jedes Versagen, jede Ablehnung und jede Selbstwertschwächung ist mit Scham verbunden. Deshalb bemühen Sie sich, Ihre Fehlerhaftigkeit zu verbergen, um sich nicht dafür schämen zu müssen.

Die Stärke der Schamreaktion hängt von Ihrer Stabilität Ihres Selbstwertes ab als auch von Ihrer individuellen Lerngeschichte.

Wenn Sie als Kind beschämt wurden und in einer „schamdominierten“ Familie aufgewachsen sind, werden Sie schneller mit Beschämung reagieren. Das bedeutet, dass Strukturen vorliegen, die weniger den Respekt für den anderen in den Vordergrund rücken als mehr die Bewertung und Zurechtweisung, mit der Unterweisung, was richtig und was falsch zu sein hat. Schamdominierte Systeme zeichnen sich u. a. durch einen hohen Grad an Kontrolle des Verhaltens aus.

Zur Scham gehört fast immer auch die Schuld. Scham und Schuld sind zwei Seiten eines Paares, die nicht immer gänzlich getrennt werden können und sich stückweise kreuzen. Scham ist meist schwerer zu ertragen als Schuld.
Scham wird oft in Schuld umgewandelt, um sich eine Handlungsmöglichkeit zu eröffnen, die in der Scham nicht erreichbar ist. Scham ist wie eine innere Lähmung, eine tiefe Ohnmacht und Hilflosigkeit, d. h. den Umständen, anderen Menschen und dem eigenen Verhalten mehr oder weniger ohnmächtig ausgeliefert zu sein.

Scham in Schuld gedreht bedeutet Wut, Rache und Beschämung von anderen. Wut und Rache sind eine nach außen gerichtete Bewegung. Scham ist eine nach innen gerichtete Bewegung. Die Verdrehung von Scham in Wut und Rache ist ein erster Schritt aus der Lähmung heraus, jedoch keine Lösung, denn in der Wut finden Sie keine Erlösung, da Sie in Ihrem alten System von Verletzung und Rache gefangen bleiben.
Dennoch ist nicht jede Verlegenheit sofort Scham. Verlegen sind Sie, wenn Sie etwas tun oder spüren, dass Ihrem Selbstbild nicht entspricht.
Wenn Sie etwas Positives über sich hören und das von sich weisen, vermeiden Sie damit Ihre Verlegenheit.

Spüren Sie Ihre Verlegenheit, d. h. lassen Sie die Verlegenheit zu, indem Sie die Komplimente keineswegs abwehren und halten Sie die Aufregung aus, dann haben Sie die Chance, das Positive in sich aufzunehmen und in Ihr Selbstbild zu einzuarbeiten.
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