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Praxisnähe und Berufsorientierung am Gymnasium

     

Das Jakob-Brucker-Gymnasium Kaufbeuren ist durch immer neue Angebote bemüht, für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe mehr Praxisnähe und Orientierung in Bezug auf die spätere Berufswahl zu ermöglichen.

Studenten beraten
So gibt es seit einigen Jahren am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien eine Informationsveranstaltung für Schülerinnen und Schüler der Kollegstufe, zu der ehemalige SchülerInnen) eingeladen werden, die mitten im Studium stehen. Sie können den um 3-4 Jahre Jüngeren viele wichtige Dinge sagen, die man zu Beginn des Studiums wissen muss, bzw. Ratschläge geben, was man nicht versäumen darf. Oft fallen Anmeldefristen für ein Studium ja schon in die Zeit vor dem Abitur. Die Ehemaligen kommen gerne zurück an die alte Schule, sie nützen die Gelegenheit, um ihre alten Klassenkameraden zu treffen und die Schüler sind begeistert, da die Studenten die Schule ja noch ganz lebendig in Erinnerung haben.

Erwachsene Berufstätige beraten
Der noch ganz junge Förderverein des Jakob-Brucker-Gymnasiums hat sich zum Ziel gesetzt, ein Netzwerk zwischen ehemaligen Absolventen dieses Gymnasiums und den jetzigen Schülern der Oberstufe bzw. den aktuellen Absolventen herzustellen. Dazu gehört ganz wesentlich, dass Ehemalige, die mitten im Beruf stehen, den Schülern der Oberstufe bei ihrer Berufsorientierung behilflich sind. Angesichts der beinahe unübersehbar großen Zahl an Berufsfeldern, die man nach dem Abschluss des Gymnasiums ansteuern kann, fällt es den jungen Leuten nicht immer leicht für sich selbst den richtigen Weg zu finden.
Es gibt bisher an deutschen Gymnasien – im Unterschied z.B. zu amerikanischen (Privat-)schulen - kein eigenes Fach, in dem die Frage gestellt wird „Wo liegen meine Stärken? Worin bin ich wirklich gut? Was will ich später machen?“, und so möchte der Förderverein mit zunächst einer Veranstaltung pro Jahr dazu beitragen, dass Schüler sich mit der Frage konfrontieren: „Was könnte m e i n Weg nach dem Abitur sein?“
So fand am 25. März 2006, einem Samstag, am Jakob-Brucker-Gymnasium eine Berufsinfoveranstaltung für Gymnasiasten mit dem Titel „MEIN BERUF“ statt. Mehr als 40 Referenten aus den verschiedensten Bereichen konnten gewonnen werden und da die meisten in ihrer eigenen Schulzeit auch gerne eine solche Veranstaltung gehabt hätten, haben sie gerne zugesagt.
Der Lufthansa-Pilot, der weltweite Personalleiter von Avon, eine Bühnenbildnerin, eine Kulturwirtin und Festivalmanagerin,, ein Staatsanwalt, mehrere Vertreter der Bundeswehr und Polizei, Ärzte aller Fachrichtungen, Künstler, Architekten, Diplomchemiker, Mathematiker, Lehrer verschiedener Schularten , Manager und last but not least auch der Oberbürgermeister von Kaufbeuren nahmen sich an diesem Tag Zeit für die jungen Zuhörer.
Sie stellten ihren Beruf ganz persönlich dar, antworteten auf Fragen und gaben Ratschläge.
Durchwegs sehr positiv war das Echo bei allen Beteiligten. Die Schüler hätten gerne noch mehr Leute gehört – es sprachen bis zu 8 Referenten parallel - und die Referenten waren durchgehend der Meinung, dass dies eine sehr wichtige Veranstaltung ist und haben ihr erneutes Kommen gerne zugesagt.
Es ist zu hoffen, dass im nächsten Jahr auch die Schülerinnen des Mariengymnasiums in den Genuss dieser erfolgreichen Veranstaltung kommen können – leider hat die Schulleitung in diesem Jahr ganz kurzfristig wegen anderer Termine die Teilnahme der Schülerinnen abgesagt.
Text und Bilder: Susanne Jehl


„Seminarfächer“ – eine Neuerung in der Oberstufe des G8! Ende April 2006 wurden durch einen Beschluss des bayerischen Ministerrats die Eckpunkte für die Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums festgelegt. Eine wesentliche Neuerung ist dabei u.a. die Einführung von zwei Seminarfächern, die für alle Schüler der 11. und 12 Klasse des G8 fester Bestandteil des Unterrichtsprogramms sein werden. Die Seminarfächer sind mit 2 Wochenstunden ausgestattet und sollen in einer Gruppenstärke von ca. 15 Schülern durchgeführt werden.
Während es im Seminarfach 1 im Wesentlichen darum geht, eine Seminararbeit zu erstellen und zu präsentieren, soll im Seminarfach 2 eine anwendungsorientierte Projektarbeit unter Einbindung außerschulischer Partner (z.B. Betriebe, Hochschule etc.) im Mittelpunkt stehen. Auch ist es Auftrag des Seminars 2, die Studien- und Berufsorientierung der Oberstufenschüler zu vertiefen.
Da eine solche Neuerung nicht einfach „über Nacht“ eingeführt werden kann, werden die Seminare im laufenden Schuljahr an insgesamt 23 bayerischen Gymnasien im Rahmen eines Schulversuchs erprobt. Das Jakob-Brucker-Gymnasium ist mit insgesamt 4 Seminaren an diesem Schulversuch beteiligt. Text: Oberstudiendirektor H.P.Kempf

Eines der zwei Seminare 2 wurde im naturwissenschaftlich-technologischen Bereich erprobt. Das Thema lautete:
Chemische und biologische Betrachtung von Lebensmitteln.
In mehreren Kleingruppen suchten sich die 15 TeinehmerInnen größtenteils selber ihre Ziele, die sie im Verlauf des Schuljahres erreichen wollten. Zunächst besuchten die Schülergruppen einige Supermärkte und versuchten die Vielzahl der Lebensmittel in ein sinnvolles System einzuordnen. In einer zweiten Phase informierten sie sich über die Inhaltsstoffe, den damit verbundenen E-Nummern und deren Bedeutung für moderne Lebensmittel. So gelang es, einen guten Einblick in die Trickkiste der Lebensmittelhersteller zu erzielen. Dabei wurden auch mögliche Risiken, hervorgerufen durch den jahrelangen Verzehr bestimmter Inhaltsstoffe, von den Schülergruppen kritisch diskutiert.
Je nach Interessenslage der Gruppen beschäftigten sie sich z.B. mit Sinn und Unsinn von pre- bzw. probiotischen Lebensmitteln, Fertigprodukten, Alcopops, Biermixgetränken, Cerealien usw.
Wochenlang experimentierten die Jugendlichen im schülereigenen Chemielabor und analysierten verschiedene Lebensmittel auf ihre Inhaltsstoffe.
Da wir durch die Werbung sehr nachhaltig beeinflussbar sind, wollten sich die Schüler mit diesem Phänomen näher befassen und die Lebensmittelwerbung untersuchen. Mit großer Begeisterung machten sie sich an die Arbeit, schnitten Werbespots mit und analysierten sie kritisch.
Eine Besonderheit des Seminarfachs 2 ist seine berufsorientierende Auslegung. Dazu gehört u.a., dass man sich mit verschiedenen Berufsfeldern und Firmenstrukturen, hier im Bereich der Lebensmittelherstellung, auseinander setzt. Natürlich funktioniert das viel besser, wenn man Kontakt mit Hochschulen und Firmen aufnimmt und diese vor Ort besucht. So waren die Teilnehmer des Seminars im Laufe des Schuljahres zu verschiedenen Exkursionen unterwegs. Dazu gehörte eine ganztägige Einladung von der Fakultät für Ernährungsphysiologie in Weihenstephan. Neue Bachelor und Masterstudiengänge und das Aufnahmeverfahren ohne ZVS wurden vorgestellt. Ein Vorlesungsbesuch und eine Besichtigung der Forschungslabors rundeten das Gesamtbild des Tages ab.
In einem kleinen Familienbetrieb erfuhren die Schüler nicht nur, wie die Herstellung von Bränden und Likören funktioniert, sondern auch, welche Herausforderungen die freiberufliche Tätigkeit mit sich bringt.
Der Besuch von RAPUNZEL, ein Ökoprodukthersteller, diente als Beispiel für ein mittelständisches Unternehmen mitten im Allgäu. Firmenphilosophie und die Art der Produktherstellung wurden erklärt. Im berufsorientierenden Teil erfuhren die Schüler sehr viel über das Anfertigen von Bewerbungsschreiben und der Durchführung von Bewerbungsgesprächen.
Die Personalleiterin von Nestlé Biessenhofen besuchte die Seminarteilnehmer an einem Freitagnachmittag. Sie stellte u.a. den Standort Biessenhofen, die Firmenstruktur, die Produktpalette und deren Herstellung sowie verschiedene Berufe vor. Zuvor hatten die Schüler in Gruppenarbeit ein Bewerbungsschreiben und ein Bewerbungsgespräch vorbereitet. Durch die professionelle Analyse des Bewerbungsschreibens und des Bewerbungsgesprächs durch die Personalleiterin erhielten die Schüler viele wertvolle Orientierungshilfen für ihr späteres Berufsleben.
Der einjährige Schulversuch war nach Meinung der Schüler ein Erfolg, der ihnen viele neue, interessante, aber auch ungewohnte Möglichkeiten des Lernens und Erfahrens eröffnete.
Text: Dr. Claudia Kalbas



Seminar 2: Rhetorik
Obwohl Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe eigentlich schon Routine darin besitzen, im Unterricht Referate zu halten, empfinden die meisten diese Situation immer noch als sehr unangenehm: manche können die Nacht vorher nicht schlafen, andere bekommen einen Schweißausbruch und fangen an zu zittern, sobald sie vor ihrer Klasse stehen, und nicht wenigen versagt die Stimme – all das geschieht, obwohl die Redner gut vorbereitet sind und ihre Zuhörer seit Jahren kennen. Der Abbau von Lampenfieber war daher ein Schwerpunkt des Seminars Rhetorik. Mit Rollen- und Improvisationsspielen rückten wir der Angst vor dem öffentlichen Auftritt erfolgreich zu Leibe.
Daneben versuchten wir in praktischen Übungen Antworten auf vielfältige Fragen zu finden: Wie baue ich eine Rede richtig auf? Was drückt meine Körperhaltung aus? Welche Rolle spielt meine Kleidung? Was kann ich tun, wenn ich den Faden verliere? Wie gehe ich schonend mit meiner Stimme um? Muss ich Small Talk wirklich lernen? Wie reagiere ich, falls mich meine Gesprächspartner unter Druck setzen? Was kann ich tun, wenn sich die Zuhörer sichtbar langweilen? Wie können wir als Gruppe zielstrebig und schnell zu einer Entscheidung kommen? Die wichtigste Einsicht: Es gibt nicht nur einen Weg zum überzeugenden Redner und Moderator. Jeder muss den Stil finden, der zu seiner eigenen Persönlichkeit passt.
Mit der Zeit verloren die Teilnehmer/innen ihre Scheu vor der Videokamera, die alle unsere rhetorischen Übungen aufzeichnete. Denn sich selbst auf der Leinwand zu sehen, ist hilfreicher als manche Theorie.
Auch wenn das gesprochene Wort im Mittelpunkt stand, übten wir den Umgang mit Präsentationsprogrammen, auf die heute einfach nicht mehr verzichtet werden kann. Unter der geduldigen Anleitung unserer Textverarbeitungslehrerin Frau Monika Schubach zogen wir uns in den Computerraum zurück, um dann voller Stolz die ersten Beamer-Präsentationen zu Themen wie Kernfusion, Drei-Flüsse-Staudamm und Sigmund Freud vorzuführen.
Weitere Ziele des Seminars waren Berufsorientierung und Studienvorbereitung: die Schüler/innen nahmen an den beiden Berufsinformationstagen des JBG teil, besuchten Staatsbibliothek, Ludwig-Maximilians-Universität und TU München, besichtigten die exklusive Munich Business School, deren Studenten das Wort Freizeit zwar kaum kennen, dafür aber über ausgezeichnete berufliche Perspektiven verfügen. Der Höhepunkt des Seminars war ein ganztägiger Bewerber-Workshop, in dem die Teilnehmer den Ernstfall des Vorstellungsgesprächs gemeinsam mit den Profis von der Raiffeisenbank üben konnten. Wir bedanken uns herzlich bei Frau Joram und Herrn Wilczek für diesen ergiebigen Ausflug in die Wirklichkeit der Arbeitswelt.
Text: Gabriele Gippner, M.A.
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