Zur Obstblüte ins Alte Land

Obstblüte im Alten Land - Prunkpforte in Neuenfelde (Foto: Katja Woidtke)
 
Obstblüte im Alten Land (Foto: Katja Woidtke)
Jork: Altes Land |

Wer im Frühjahr das Alte Land an der Elbe besucht, wird von einem wahren Blütenmeer empfangen. Bereits Mitte April öffnen die Kirschbäume ihre Knospen, kurz danach schließen sich die unzähligen Apfelbäume in den Plantagen an. Auf über einhundert Quadratkilometern erstreckt sich das von den Niederländern zwischen 1130 und 1230 urbar gemachte Gebiet in der Elbmarsch. Wenn ihr auf eurer Tour durch das Alte Land genau hinschaut, werdet ihr überall auf Spuren dieser Besiedlung treffen, die an unser Nachbarland erinnern - Entwässerungsgräben, Klappbrücken und Windmühlen. Die Hogendiekbrücke in Steinkirchen und die Mühle Aurora in Borstel solltet ihr unbedingt besuchen. Der 1856 erbaute Galerieholländer bekam seinen Namen von der Gräfin Aurora von Königsmarck, die 1662 in Stade geboren wurde.

Prachtvolle Bauernhäuser mit ihren Brauttüren und Prunkpforten prägen neben den endlos scheinenden Reihen von Obstbäumen das Bild dieser besonderen Landschaft des Olland, wie das Alte Land auf Plattdeusch heißt. Sie zeugen vom Wohlstand der Obstbauern im 17. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurden die mächtigen, weißen Pforten mit ihren bunten Schnitzereien an den Zugängen der Höfe errichtet. Das größere Tor der Pforten war für Fuhrwerke und Pferde, das kleinere Tor für Menschen gedacht. Gleich zwei der kleineren Tore hat die Pforte vor dem Hof Rieper in Jork. Das schmucke Altländer Bauernhaus mit seinem für die Region typischen Buntmauerfachwerk ist hier ein weiterer Hingucker. Oft sind die Prunkpforten mit Schnitzwerk wie Trauben und Löwenköpfen verziert. Diese Schnitzereien stehen für Fruchtbarkeit und sollen den Hof und seine Bewohner und Bewohnerinnen schützen. Die Walmdächer der prunkvollen Eingänge zu den Höfen sind mit Reet oder Dachziegeln gedeckt. Um keine der Prunkpforten zu verpassen, haben wir uns vor dem Urlaub eine Karte erstellt, in der neben den Pforten weitere Sehenswürdigkeiten, Hofläden und Cafés eingezeichnet waren.

Schnuckelige Cafés und Hofläden gibt es hier an jeder Ecke. Wir haben unter blühenden Kirschbäumen in Jork eine leckere Tasse Kaffee getrunken und sind anschließend über den dortigen Obstlehrpfad spaziert. Hier kommt man ins Träumen - vom Frühling und von süßen Früchtchen. Wenn ihr noch mehr Altes Land erleben wollt, solltet ihr unbedingt das ehrenamtlich geführte Museum in Jork besuchen. Im Altländer Fachhallenhaus und in der Durchfahrtsscheune warten sehenswerte Exponate aus dem Alten Land auf euch. Prunkschlitten, Brauttür, Altländer Trachten und sogar ein Kolonialwarenladen sind hier unter anderem zu bewundern.

Die Brauttüren sind eine weitere Besonderheit des Alten Landes. Diese Türen wurden nur von innen geöffnet und sind an der Giebelseite der Bauernhäuser zu finden. Wurde die Braut nach Hause geführt, brachte man sie und ihre Mitgift durch diese Tür ins Haus. Verstorbene wurden durch die Tür im Sarg nach draußen getragen. Auch bei Feuer wurde diese Tür geöffnet, um die Besitztümer, die sich in einer Kammer hinter ihr befanden, möglichst schnell und sicher aus dem Haus bringen zu können. Ansonsten blieb die Brauttür verschlossen. Heute sind viele Brauttüren zu Eingangstüren umgebaut.

Wenn ihr ein Stück Altes Land mit nach Hause nehmen möchtet, solltet ihr unbedingt in einem (oder zweien oder dreien...) der Hofläden halten und Äpfel, Saft und Co. einkaufen. 

Ich wünsche euch viel Spaß beim Bummel durch meine kleine Bildergalerie zur Obstblüte im Alten Land!

Hier geht's zu einem Beitrag zur Mühle Venti Amica in Hollern-Twielenfleth:
https://www.myheimat.de/hollern-twielenfleth/kultu...
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4 Kommentare
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 01.05.2022 | 21:07  
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 04.05.2022 | 10:24  
30.300
Katja W. aus Langenhagen | 06.05.2022 | 10:07  
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Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode | 06.05.2022 | 20:44  
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