Anzeige

Notfallklinik für den Fall der (Not)fälle gut gerüstet

Seit rund drei Jahren führt Dr. Florian Demetz die damals neu gegründete Klinik im NotfallZentrum des Klinikums Ingolstadt
Mehr als die Hälfte der rund 40.000 Patienten, die im Klinikum Ingolstadt jedes Jahr stationär behandelt werden, betritt das Klinikum durch die „Hintertür“. Denn auf der entgegengesetzten Seite zum Haupteingang liegen die Notaufnahme und das NotfallZentrum des Ingolstädter Schwerpunktkrankenhauses. Rund 70.000 Patienten mit akuten Beschwerden bis hin zu lebensgefährlichen Verletzungen werden hier jedes Jahr von Ärzten des Klinikums und den niedergelassenen Kollegen von GO IN versorgt. Schon diese gewaltige Zahl macht deutlich, wie wichtig die Notfallklinik für das Klinikum ist. Kein Wunder also, dass das Klinikum in den letzten Jahren enorme Anstrengungen unternommen hat, um sein Aushängeschild zu optimieren – mit Erfolg, wie es scheint.

„Wir haben seit Wochen keine einzige Beschwerde erhalten, sondern sogar viel Lob für unsere Mitarbeiter“, freut sich Dr. Florian Demetz, der Direktor der Notfallklinik. Das ist durchaus ungewöhnlich in der für die Patienten und Angehörigen von Stress und Unsicherheit geprägten Welt einer Notaufnahme, in der auch kurze Wartezeiten oft schon zur Belastung werden, wenn man sich um einen lieben Menschen sorgt. Auch an dieser Stelle hat das Klinikum unter anderem angesetzt und die Kommunikation sowie die Betreuung der Begleitpersonen verbessert. „Wir kümmern uns sehr um die Angehörigen. Das geht so weit, dass wir dem einen oder anderen hungrigen Familienmitglied, das ein wenig warten musste, ein Essen gebracht haben“, erzählt Demetz. „So etwas geht natürlich nicht immer, aber es ist nur eines von vielen Beispielen dafür, dass wir die menschliche Betreuung sehr ernst nehmen.“ Dazu gehört vor allem auch eine gute Kommunikation, damit der Angehörige jederzeit weiß, wie es weitergeht.

Seit rund drei Jahren führt Demetz die damals neu gegründete Klinik im NotfallZentrum des Klinikums. „Seitdem haben wir keinen Stein auf dem anderen gelassen und in mehreren Hundert Projekten daran gearbeitet, unsere Qualität weiter zu verbessern“, fasst der ebenso pragmatische wie sympathische Südtiroler zusammen. Der Aufwand habe sich gelohnt. „Man kann guten Gewissens sagen, es hat sich sowohl für das Klinikum als auch vor allem für die Patienten vieles stark verbessert.“

Während den Patienten oder Besuchern vor allem die räumlichen Neuerungen auffallen, die durch die komplette Modernisierung und Erweiterung der Notfallklinik entstanden sind, sind die Veränderungen hinter den Kulissen wohl noch weit gravierender. Nicht nur die Räume sind moderner und freundlicher gestaltet, bieten mehr Komfort und Privatsphäre. Auch die komplette Organisation der Notfallklinik habe sich verändert, so Demetz. Bei der Aufnahme sorgt eine Triagestelle dafür, dass der Zustand eines jeden Patienten sofort aufgenommen und nach klaren Kriterien festgestellt wird, wie dringend die Versorgung des Patienten ist. Die Patienten werden danach in eine Art Ampelsystem in fünf Dringlichkeitsstufen eingeordnet. Schwer oder gar lebensbedrohliche Patienten werden natürlich sofort von einem Arzt untersucht. Weniger kranke Patienten müssen je nach Patientenaufkommen einige Minuten warten. Aber auch bei ihnen achte man genau darauf, dass sie innerhalb fester Zeiten von einem Arzt untersucht werden und ihre Behandlung zügig fortgesetzt wird. Ohne solch klare Strukturen werde es vor allem zu Stoßzeiten schwierig, so Demetz.

Per Mausklick vollen Überblick
Ein eigens aufgebautes EDV-System steuert die Abläufe. Per Mausklick kann Demetz jederzeit nachsehen, wie viele Patienten sich gerade in seiner Klinik in Behandlung befinden, wie schwer krank sie sind und ob alles nach Plan läuft. Er sieht auch sofort, wie die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Patienten und Angehörigen ist und ob ein Patient oder Angehöriger einmal ausnahmsweise länger warten muss oder aber schon weit früher gehen kann. „Um diese Software beneiden uns viele Krankenhäuser“, sagt er lächelnd. Das weiß er aus persönlicher Erfahrung, denn seine Klinik ist Mitglied im „Arbeitskreis Klinische Notfallmedizin Bayern“, der 2011 erstmals im Klinikum getagt hat. Die Teilnehmer hatten sich bei dieser Gelegenheit beeindruckt gezeigt und die Strukturen im Klinikum sehr gelobt.

Noch wichtiger als Komfort und Betreuung der Patienten ist natürlich die medizinische Versorgung. Auch hier erreiche man im bundesdeutschen Vergleich sehr gute Werte auf höchstem Niveau. Das liegt unter anderem daran, dass die Patienten im Klinikum in der Notfallklinik mit allen wichtigen Diagnoseverfahren untersucht, gleichzeitig behandelt und bei Bedarf innerhalb kürzester Zeit operiert werden können. Seit einigen Monaten sorgen zudem neue Patientenarmbänder dafür, dass auch bewusstlose, verwirrte oder nicht ansprechbare Patienten absolut sicher identifiziert werden können. „Gerade in einer Notfallklinik, wo man es oft mit schwerverletzten Patienten zu tun hat und es meist schnell gehen muss, ist es besonders wichtig, auch das kleinste Risiko auszuschalten“, sagt Demetz.

Das ist vor allem an Tagen wie dem 2. Januar wichtig. „Da hatten wir 64 Patienten gleichzeitig in der Notaufnahme“, erzählt Demetz. Notfallmedizin sei eben nie vollständig planbar – und dennoch versucht man es so gut wie nur möglich. Einerseits weiß man aufgrund von Erfahrungswerten, dass das Patientenaufkommen zum Beispiel nach Feiertagen oder am Montag nach dem Wochenende höher ist, als am Dienstag oder Donnerstag, während es am Mittwoch und oft am Wochenende wieder steigt, wenn die Arztpraxen geschlossen haben. Zum anderen ist das Klinikum auch in bestimmte Meldedienste der Behörden eingebunden. „Wenn bei Audi ein großes Fußballturnier oder in Ingolstadt der Halbmarathon stattfindet, haben wir mehr Personal vor Ort“, erklärt Demetz.

Logistische Herausforderung
Mehr als die Hälfte der rund 40.000 Patienten, die jedes Jahr stationär im Klinikum behandelt werden, kommt aus der Notfallklinik. Rund 44.000 Menschen werden jedes Jahr in der Klinik selbst versorgt. Hinzu kommen noch einmal rund 25.000 Patienten mit leichteren Beschwerden, die zu den Öffnungszeiten von den niedergelassenen Ärzten in der GO IN-Notfallpraxis im gemeinsamen NotfallZentrum behandelt werden. Insgesamt werden so rund 70.000 Menschen mit akuten Beschwerden hier versorgt – eine logistische Großaufgabe. Eine gute Organisation der Notfallklinik ist daher entscheidend für das gute Funktionieren eines Krankenhauses.

Das enorme Patientenaufkommen sei durchaus eine Herausforderung und bringe auch viele Probleme mit sich, sagt Demetz. Beispielsweise gebe es immer wieder Schwierigkeiten mit den Krankenkassen, die die Fälle nicht vergüteten, weil es sich um sogenannte vorstationäre Patienten handle, ärgert sich auch Heribert Fastenmeier, der Geschäftsführer des Klinikums. In manchen anderen Häusern würden solche Patienten mit leichten Beschwerden einfach zu einer ambulanten Behandlung weggeschickt und an die niedergelassenen Ärzte verwiesen. In Ingolstadt habe man eine andere Philosophie. „Wir sehen uns da in der Pflicht. Wir schicken niemanden nach Hause“, sagt Demetz. Stattdessen wünscht man sich, die Öffnungszeiten der GO IN-Notfallpraxis auszuweiten.

„Das Schöne an einer Notaufnahme ist, dass man so viele verschiedene Dinge erlebt“, sagt Demetz. „Wir retten Leben, können aber manchmal auch nicht mehr helfen“, sagt Demetz. „Andererseits sind, seit ich im Klinikum bin, bei uns schon drei Kinder zur Welt gekommen, die nicht mehr bis zum Entbindungsbereich warten wollten“, erzählt er lächelnd. Für all diese verschiedenen Situationen arbeite man weiter daran, immer besser zu werden. „Wir haben uns schon enorm verbessert und gehören sicher zu den besten Notfallkliniken in Bayern“, so Demetz. Aber man arbeite eng mit Audi zusammen und verwende wie der Weltkonzern das Prinzip des „KVP“, des „Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses“, das in der modernen Wirtschaft häufig eingesetzt wird. „Wir sind gut und uns macht so schnell keiner etwas vor. Aber es gibt nichts, was man nicht noch weiter verbessern könnte.“
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.