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Klinikum Ingolstadt setzt erstmals neuartige Schockweste ein

Prof. Dr. Karlheinz Seidl, der Direktor der Medizinischen Klinik IV im Klinikum Ingolstadt
Bei der neuartigen Schockweste handelt es sich um ein neues Prinzip zur kontinuierlichen, ambulanten Überwachung und Therapie bei Patienten mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, bei denen eine komplette Ausheilung wahrscheinlich ist. Dieses System wurde erstmals im Klinikum Ingolstadt eingesetzt.

Eine Herzmuskelentzündung kann vorübergehend zu einer deutlichen Einschränkung der Pumpleistung des Herzens und dies wiederum zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, dem Kammerflimmern führen. Für solche Patienten ist die Schockweste geeignet, da lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen nur für eine begrenzte Zeit zu erwarten sind.

Welche Gefahren bestehen ohne die Weste?
In der Zeit der Heilung besteht das hohe Risiko, an plötzlichen, lebensbedrohlich auftretenden Herzrhythmusstörungen zu sterben. Bislang mussten die betroffenen Patienten monatelang im Krankenhaus bleiben oder den Patienten wurde ein kardioverter Defibrillator zur Rhythmusüberwachung implantiert. Anstelle eines implantierbaren Rhythmusüberwachungsgeräts mit Schockfunktion (das einen operativen Eingriff zur Folge hat), gibt es neuerdings für die Patienten eine auf ihre Körpergröße angepasste Schockweste, die einen Elektrodengürtel erhält. Angeschlossen ist ein Monitor, der die Herzrhythmusstörungen erkennt und diese, wenn notwendig, mit einer Elektroschockentladung beendet.

Funktionsweise dieser angepassten Schockweste
Sie registriert kontinuierlich den Herzrhythmus. Wenn eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung auftritt, startet das Gerät automatisch einen gespeicherten Behandlungsablauf. Da die Stromstöße, die die geordneten Herzmuskelkontraktionen wieder herstellen sollen, sehr schmerzhaft sind, wird der Patient zuvor mit einem Signal gewarnt. Wenn er bei Bewusstsein ist, kann er die Schockabgabe per Knopfdruck stoppen. Ist er ohnmächtig, fährt das Gerät selbstständig fort und leitet die Defibrillation in weniger als einer Minute ein.

Eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung geht mit einer Ohnmacht einher, in diesem Falle würde diese Weste automatisch mittels Elektroschock versuchen, einen normalen Herzrhythmus wiederherzustellen. Nach erfolgreicher Defibrillation (Schockabgabe) wird das Bewusstsein in der Regel wieder erlangt, und man sollte sich direkt in ärztliche Behandlung begeben. Bis zum Eintreffen des Arztes sollte die Weste auf keinen Fall abgelegt werden.

Die sogenannte Schock- oder Defibrillator-Weste ist lediglich für den Patienten gedacht, bei denen eine reversible Ursache für diese lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen bekannt ist und die Abheilung mehrere Monate dauern kann. Um einen so langen Krankenhausaufenthalt für die Patienten zu vermeiden, wurde dieses System entwickelt. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen. Für etwa fünf bis zehn Patienten pro Jahr ist das neue System im Klinikum Ingolstadt geeignet.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin aichacher | Erschienen am 02.09.2011
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