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„Frauenbetrieb“ Klinikum Ingolstadt braucht keine Quote

(Foto: Klinikum Ingolstadt)
Immer wieder tauchte im vergangenen Jahr die Frauenquote in der öffentlichen Diskussion auf. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will Unternehmen per gesetzlicher Regelung dazu zwingen, den Anteil der Frauen in Führungspositionen zu steigern. Familienministerin Kristina Schröder wiederum ist gegen eine solche gesetzliche Regelung und für eine Selbstverpflichtung. Quote hin oder Selbstverpflichtung her – im Klinikum Ingolstadt hätte man damit ohnehin kein Problem: Das Ingolstädter Schwerpunktkrankenhaus ist längst ein „Frauenbetrieb“, wie Geschäftsführer Heribert Fastenmeier sagt. Im Klinikum will man auch weiterhin engagierte Frauen fördern, die bereit sind, Führungsaufgaben zu übernehmen.

„Frauen haben bei uns traditionell schon immer die Oberhand“, sagt Heribert Fastenmeier lächelnd. Als langjähriger Personalchef weiß der Geschäftsführer des Klinikums, wovon er spricht. Wie der berühmte „Hahn im Korb“ wird er sich zwar nicht fühlen – schließlich gibt es in der Verwaltung des Klinikums eine gesunde Mischung beider Geschlechter. Für das gesamte Klinikum aber gilt: Mehr als drei Viertel der Mitarbeiter sind Mitarbeiterinnen. Vor allem die Pflege als personalintensivster Bereich ist traditionell ein Frauenberuf. Schon immer waren es schließlich vor allem Krankenschwestern und nicht „Krankenbrüder“, die sich pflegend der Versorgung kranker Menschen widmeten. Hier ist es sogar umgekehrt: Während in technischen Berufen die Frauen immer mehr Männerdomänen erobern, gibt es neben den Pflegerinnen auch immer mehr Pfleger, die sich um die Patienten kümmern – wenn auch immer noch in bescheidenem Umfang, wie Pflegedirektor Erich Göllner bestätigt.

In der Pflege sind weibliche Führungskräfte daher längst normal und füllen in der Krankenpflege insgesamt rund zwei Drittel der Führungsfunktionen wie Stations- oder Pflegedienstleitungen oder in speziellen Aufgabenbereichen wie den Pflegewissenschaften aus. Bei den Pflegedienstleitungen sind aktuell immerhin zwei von fünf Stellen mit Frauen besetzt. Und die Pflegedirektion ist zwar derzeit bei Erich Göllner in der Hand eines Mannes, zuvor aber stand seit der Gründung des Klinikums mit Oberin Helga Huber rund zwei Jahrzehnte lang eine Frau an der Spitze dieses wichtigen Aufgabengebietes und damit auch im Dreigestirn der Geschäftsführung. Und in den therapeutischen Berufen sind mehr als die Hälfte der Teamleiter Frauen. Ebenso übernehmen viele Frauen in der Verwaltung des Klinikums trotz eines in diesem Bereich deutlich höheren Männeranteils Führungsverantwortung. Immerhin sechs von 16 Abteilungsleitern in diesem Teil des Ingolstädter Schwerpunktkrankenhauses sind Frauen, darunter etwa Sabine Brückner, die die Personalabteilung leitet, oder Erika Raab, die für Beschwerdemanagement, Codierung und Bereiche des Medizincontrollings zuständig ist.

Babypause kein Karriereknick

Dieser Anteil entspricht etwa 38 Prozent – und damit bereits deutlich mehr, als die von Arbeitsministerin von der Leyen geforderten 30 Prozent, die nach ihrem Vorschlag bis 2018 in deutschen Konzernen erreicht werden sollen – auch wenn es bisher bei der von Familienministerin Schröder favorisierten „Flexi-Quote“, also einer Selbstverpflichtung der Unternehmen, geblieben ist. Im Klinikum will man auch weiterhin auf Frauen in Führungspositionen setzen. „Die berühmte Babypause muss kein Karriereknick sein“, sagt Geschäftsführer Heribert Fastenmeier. Wenn man diese Dinge entsprechend einplane, sei das im Rahmen einer Art „Arbeitslebenszyklus“ gut abbildbar. Durch entsprechende Fort- und Weiterbildungen könne man Frauen fördern und sie durch verschiedene Angebote wie etwa flexible Arbeitszeiten dabei unterstützen, ihre private und berufliche Situation möglichst gut miteinander zu vereinbaren.

So kommt man im Klinikum auch mit den rund 150 Schwangerschaften pro Jahr unter den Mitarbeiterinnen gut zurecht. Während manche Arbeitgeber in diesen Ausfällen ein Problem sehen oder eine mögliche Schwangerschaft für die weibliche Belegschaft eher als Malus betrachten, begreift Fastenmeier sie eher als Chance für den Betrieb: „Das bietet uns die Möglichkeit, junge Mitarbeiter neu einzuarbeiten und zu qualifizieren, denn unsere Belegschaft wird im Durchschnitt insgesamt immer älter. So bekommen wir die richtige Mischung aus Jung und Alt unter unseren Mitarbeitern.“

Wichtig sei vor allem, dass man es den Frauen ermögliche, Familie und Beruf möglichst gut in Einklang bringen zu können. Gerade in diesem Bereich hat man im Klinikum viel getan. Für arbeitende Mütter und Väter bietet das Klinikum eine eigene Kinderkrippe und einen Kindergarten an, in denen sie leichter einen Platz für ihre Kinder bekommen und die ihre Öffnungszeiten weitgehend an die Arbeitszeiten des Schichtbetriebs im Klinikum angepasst haben. Das ist nur eines von vielen Beispielen, mit denen das Klinikum den Eltern in seiner Belegschaft unter die Arme greift.

Flexible Arbeitszeiten für die Familie

„Unsere Mitarbeiter müssen viel leisten. In einem Krankenhaus ist ein hohes Maß an sozialem Engagement gefordert, und wir müssen 24 Stunden für unsere Patienten da sein“, erklärt Fastenmeier. Gerade durch die intensive Pflege kranker Menschen, in der fast alle Mitarbeiter direkt oder indirekt tätig sind, brauchen sie Möglichkeiten, zu entspannen und Freiräume für sich und ihre Familie zu schaffen. Trotz des Schichtbetriebs bietet das Klinikum daher die Möglichkeit, die eigenen Arbeitszeiten in einem vorgegebenen Rahmen flexibel zu planen. Im Klinikum definiert man Standards, wie viele Mitarbeiter mit welcher Qualifikation zu bestimmten Zeiten zur Verfügung stehen müssen, um eine hochwertige Versorgung der Patienten sicherzustellen. In der individuellen Gestaltung der Arbeitspläne dagegen sind die Teams in vielen Bereichen weitgehend frei und können selbst entscheiden, sodass der einzelne Mitarbeiter in Absprache mit seinen Teamkollegen die Möglichkeit hat, seine Arbeitszeit ein Stück weit flexibel zu planen – familienfreundlicher eben.

Dabei helfen auch Lebensarbeitszeitkonten, mit deren Hilfe man in Absprache mit dem Klinikum die Arbeitszeiten ein Stück weit seiner privaten Situation anpassen kann. Arbeitszeitkonten und Angebote zur Teilzeitbeschäftigung sollen vor allem auch Eltern die Chance geben, sich zum Beispiel mehr Zeit für Familie und Kindererziehung zu nehmen, solange die Kinder noch klein sind. Auf Wunsch können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch auf begleitende Angebote wie Unterstützung bei der Urlaubsplanung, Beurlaubungen oder Freistellungen zurückgreifen.

Der ärztliche Bereich war traditionell eine Männerdomäne. Aber auch hier sind immer mehr Frauen im Klinikum tätig und übernehmen zunehmend Führungsaufgaben. Auch wenn unter den Direktoren und Chefärzten mit Priv.-Doz. Dr. Brigitte Buchwald-Lancaster und Priv.-Doz. Dr. Elfriede Ring-Mrozik erst zwei Frauen sind, wird sich das sicher in Zukunft ändern. Denn der Arztberuf wird immer „weiblicher“. Während dieser bis in die 90er-Jahre hinein weitgehend ein Männerberuf war, ändert sich das seit einigen Jahren massiv, wie ein Blick auf die Studentenzahlen zeigt: Denn rund 60 Prozent der Absolventen des Medizinstudiums sind heute weiblich. Das wird sich in einigen Jahren in den Praxen, aber auch in der Krankenhausmedizin und in den Führungspositionen im Klinikum niederschlagen. So wird das Klinikum in Zukunft auch in Leitungsfunktionen wohl noch mehr zum Frauenbetrieb werden – und das ganz ohne Quote. Sie zu erfüllen, wäre für das Ingolstädter Schwerpunktkrankenhaus schon heute wohl kein Problem.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin aichacher | Erschienen am 05.04.2012
1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 04.03.2012 | 02:47  
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