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Ein Jahr pure Lebenserfahrung

Seit rund 20 Jahren begleitet Franz Damböck, der Stellvertretende Pflegedirektor im Klinikum Ingolstadt, die jungen Männer und Frauen für das Freiwillige Soziale Jahr. (Foto: Klinikum Ingolstadt)
Was tun nach der Schulausbildung oder wenn man nach der Berufsausbildung oder den ersten Erfahrungen im Beruf feststellt, dass der Berufsalltag nicht dem entspricht, was man sich davon versprochen hat? Viele junge Menschen, die sich beruflich neu orientieren oder erste berufliche Erfahrungen sammeln wollen, entscheiden sich für eine besondere Möglichkeit, mit der sie zudem vielen Menschen helfen, die Unterstützung brauchen, nämlich für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Auch im Klinikum Ingolstadt leisten die jungen Frauen und Männer im Rahmen ihrer beruflichen Selbstfindung wertvolle Arbeit. Und auch die FSJler und der ausrichtende Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sind zufrieden: Er hat das Ingolstädter Schwerpunktkrankenhaus nun offiziell als FSJ-Einsatzstelle mit großer Erfahrung und umfassendem Qualitätsmanagement anerkannt.

„Ein paar Männer mehr dürften es sein“, sagt Franz Damböck schmunzelnd. „Aber sonst sind wir sehr glücklich mit unseren FSJlern.“ Seit rund 20 Jahren begleitet der Stellvertretende Pflegedirektor im Klinikum Ingolstadt die jungen Männer und Frauen. Denn so lange sind bereits FSJler im Klinikum tätig - anfangs noch einzelne, heute bereits bis zu 13 pro Jahr. Dass das Klinikum große Erfahrung im Umgang und mit der Ausbildung der jungen Männer und Frauen hat und die Tätigkeit am Patienten ihnen nicht nur viel Spaß macht, sondern auch sehr lehrreich ist, bestätigt auch das neue Anerkennungszeugnis des BDKJ. Es ist eine Art Qualitätszeugnis, das nur Einsatzstellen erhalten, die sich „an einem intensiven Qualitätssicherungsprozess“ beteiligen, der sich „sowohl auf die Beratung, Vermittlung und Begleitung der Freiwilligen (...), als auch auf die konkrete Umsetzung und Entwicklung der Qualitätsstandards im FSJ“ beziehe, wie es in der Urkunde heißt, die Johannes Merkl, der Landesjugendseelsorger und Geistliche Leiter des BDKJ Bayern vor Kurzem an Franz Damböck überreicht hat.

„Wir bekommen regelmäßig sehr positive Rückmeldungen von den jungen Frauen und Männern, dass sie sich im Klinikum sehr wohl fühlen und von den Teams gut aufgenommen werden“, sagt Ilse Schneider, Assistentin der Pflegedienstleitung, die sich ebenso wie Nadine Fürnrieder, Assistentin des Pflegedirektors Erich Göllner, und Franz Damböck um ihre jungen FSJ-Mitarbeiter kümmern. Denn die Betreuung der „Freiwilligen“ wird im Klinikum ganz groß geschrieben. „Wir sind jederzeit für sie da und helfen bei allen Fragen“, verspricht Schneider. Vom ersten Tag an bekommen sie eine Art „Mentor“, der sie unterstützt und ihnen hilft, sich in ihrer neuen Tätigkeit zurechtzufinden.

Jeder Dritte bleibt
Das gelingt offenbar sehr gut. Es gebe so gut wie keine Abbrecher, so Damböck – im Gegenteil: Viele der jungen Frauen und Männer, die auf diesem Weg die Pflegearbeit in einem Krankenhaus kennenlernen, finden Gefallen daran und wollen bleiben: 38 Prozent der Freiwilligen im sozialen Jahr im Klinikum, so hat man dort errechnet, entschieden sich anschließend für eine Ausbildung in dem Schwerpunktkrankenhaus. „Wir sind selbst überrascht über diese hohe Quote“, sagt Damböck. „Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir nehmen das als gutes Zeichen“, sagt er. Denn die FSJler hätten schließlich die Möglichkeit, das Klinikum und die Tätigkeit, die sie anschließend erwartet, ein Jahr lang ausgiebig kennenzulernen, und wüssten daher, worauf sie sich einließen.

Insgesamt knapp 100 junge Frauen und Männer entschieden sich zwischen 2001 und 2009 für den Freiwilligendienst im Klinikum. Die meisten kamen direkt aus der Schule und machten hier ihre ersten beruflichen Erfahrungen. „Meist sind es junge Menschen, die noch nicht sicher sind, in welche Richtung sie beruflich gehen wollen, oder einmal sehen wollen, wie es in einem sozialen Beruf ist“, sagt Schneider. „Aber wir hatten auch schon Berufsabbrecher, die sich neu orientieren wollten. Der Älteste war schon 26“ – und hatte damit fast die Altersgrenze erreicht.

Denn das FSJ richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die die Schulpflicht erfüllt und das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. In pädagogischer Begleitung haben die Freiwilligen die Möglichkeit, berufliche Erfahrungen zu sammeln und einen sozialen Dienst am Menschen kennenzulernen. „Das ist für junge Menschen eine wichtige Erfahrung“, sagt Damböck. „Sie lernen nicht nur sehr schnell verschiedene Tätigkeiten in der Krankenpflegehilfe, sondern auch Verantwortung zu übernehmen. Sie reifen dabei sehr schnell.“ Und sie seien mit ihrem Dienst eine große Hilfe im Klinikalltag, eine Entlastung für die Pflegekräfte und eine Bereicherung für die Patienten. Denn sie können viel mit den Patienten sprechen oder vielleicht mit ihnen spazieren gehen, helfen ihnen beim Essen, begleiten sie zu Untersuchungen und leisten viele andere wichtige Tätigkeiten.

Bewerbung beim BDKJ
Bevor sie ihren Dienst im Klinikum beginnen können, müssen sie sich erst einmal beim BDKJ – Sozialpädagogin Marion Fuchs ist dort für das Klinikum zuständig – bewerben, der einer der Träger ist, die das FSJ nach den gesetzlichen Vorschriften organisieren. Dabei sind keine besonderen Voraussetzungen zu erfüllen, aber natürlich müsse man gerne mit Menschen zu tun haben und sie gerne pflegen, so Damböck. Bevor jemand dann ins Klinikum kommt, hat er an zwei Schnuppertagen noch Gelegenheit, die Arbeit schon einmal kennenzulernen. Jedes Jahr am 1. September beginnt der eigentliche Dienst mit einem Einführungstag, an dem den Freiwilligen alles gezeigt wird.

Dann geht es gleich auf die Station, wo die neuen Mitarbeiter von ihrem neuen Team aufgenommen und mit Unterstützung ihres Mentors in ihre neue Tätigkeit eingeführt werden. Schrittweise lernen sie dann, immer mehr unterstützende Tätigkeiten selbst auszuführen. „Das dauert schon ein paar Wochen, bis sie voll eingearbeitet sind, aber besonders in der zweiten Hälfte des FSJ sind sie eine große Hilfe“, sagt Damböck – die längere Dienstzeit sei auch ein großer Vorteil im Vergleich zu den Zivildienstleistenden. „Aber natürlich gibt es auch Grenzen und genaue Vorschriften des FSJ-Dienstes. Die meisten Tätigkeiten müssen unter Aufsicht durchgeführt und andere dürfen nur von den ausgebildeten Pflegefachkräften übernommen werden.“

Im Klinikum ist man froh über jede junge Frau und jeden jungen Mann, der sich für den Dienst im Schwerpunktkrankenhaus entscheidet. „Interessenten können sich auch direkt an uns wenden. Wir beantworten gerne alle Fragen und helfen weiter“, sagt Ilse Schneider, die schon einmal „mütterliche Gefühle“ für die jungen Freiwilligen entwickle, wie sie zugibt, und sie auch gerne einmal als „ihre Mädchen und Buben“ bezeichnet, wie Franz Damböck verrät. Ansprechpartnerin im Klinikum ist Nadine Fürnrieder, die unter der Telefonnummer 0841/880-3001 erreichbar ist.

Guter Start ins Berufsleben
Auch ein kleines Wohn- und Taschengeld von insgesamt rund 450 Euro im Monat erhalten die Freiwilligen. Der eigentliche Gewinn aber sei kein monetärer, sondern eher ein reicher Schatz an Erfahrung, meint auch Franz Damböck. „Das Freiwillige Soziale Jahr ist eine gute Basis für die weitere berufliche Entwicklung und bei fast allen Arbeitgebern sehr gerne gesehen.“ Und auch das Klinikum freut sich über die jungen Mitarbeiter, die sich anschließend auch häufig dafür entscheiden, in diesem Beruf zu bleiben.

„Sie sind eine große Bereicherung für uns“, sagt Damböck. „Aber ich glaube, wir haben ihnen auch viel zu bieten: einen guten Start ins Berufsleben, viel positive Erfahrungen und Lebenserfahrung – und ein interessantes Berufsfeld.“ Denn die Krankenpflege biete heute ein breites Spektrum an beruflichen Möglichkeiten bis hin zu einem Studium, das man nach der Ausbildung im Beruf absolvieren könne, erklärt Damböck. „Und es ist ein sehr lohnender Beruf, weil man dabei jeden Tag Menschen helfen kann. Das ist viel wert. Ich habe es nie bereut.“
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