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Gute Ergebnisse im DarmZentrum

Prof. Dr. Stefan B. Hosch, der Direktor der Chirurgischen Klinik I im Klinikum Ingolstadt ist einer der beiden Leiter des DarmZentrums im Klinikum. (Foto: Klinikum Ingolstadt)
Zentrenbildung ist einer der großen Trends in der Medizin. Auch im Klinikum Ingolstadt wurden in den letzten Jahren zahlreiche medizinische Zentren eingerichtet, die sich interdisziplinär speziell um bestimmte Krankheitsbilder kümmern. Dabei ist es längst nicht der Titel „Zentrum“, der die Verantwortlichen im Klinikum interessiert, sondern vielmehr sind es die neuen Strukturen und Qualitätsstandards, die durch die erfolgreiche Zertifizierung in einem „echten“, einem zertifizierten Zentrum entstehen. „Die bringen reale Vorteile für Patienten wie auch für Ärzte und Pflegekräfte“, sagt Prof. Dr. Stefan B. Hosch, der Direktor der Chirurgischen Klinik I im Klinikum Ingolstadt. Als einer der beiden Leiter des DarmZentrums im Klinikum ist er hochzufrieden mit der bisherigen Entwicklung: „Wir registrieren eine deutliche Steigerung der medizinischen Qualität, und die war vorher schon gut“, sagt der Klinikdirektor. Die Verbesserung hat er jetzt auch schwarz auf weiß, denn in einem zertifizierten Zentrum werden die Abläufe und Ergebnisse genau gemessen.

Komplikationsraten, Behandlungsverfahren, Angaben zum Therapieerfolg – die Liste der Parameter ist lang, die in einem erfolgreich zertifizierten Zentrum wie dem DarmZentrum im Klinikum Ingolstadt kontinuierlich gemessen werden müssen, die Dokumentation aufwendig. „Natürlich erfordert es einen Mehraufwand, die Ergebnisse zu registrieren und zu dokumentieren und all die Qualitätsstandards und Vorgaben zu erfüllen, die ein zertifiziertes Zentrum ausmachen“, sagt Hosch. „Aber unsere Erfahrungen und die Ergebnisse zeigen ganz klar, dass es den Aufwand wert ist.“ Erst letztes Jahr im November ist das neue DarmZentrum, das an der Chirurgischen Klinik I und der Medizinischen Klinik II unter Prof. Dr. Josef Menzel angesiedelt ist, erfolgreich zertifiziert worden.

Lange Liste mit Qualitätsstandards
Schon wenige Monate danach sieht Hosch deutliche Erfolge. „Die Verbesserungen können sich sehen lassen“, sagt der erfahrene Chirurg und deutet auf eine Liste auf seinem Schreibtisch. Über 30 medizinische Kennzahlenparameter stehen dort, fein säuberlich nach den einzelnen Kategorien und den Sollvorgaben aufgeschlüsselt. Die Kennzahlen auf der Liste sind nur einige der Qualitätsstandards, die in einem zertifizierten Zentrum eingehalten werden müssen. Sie zeigen, inwieweit das Zentrum die Qualitätsstandards erfüllt, und sind insofern ein Gradmesser der medizinischen Qualität des Zentrums bei der Behandlung von Darmkrebs. Denn darauf ist das DarmZentrum spezialisiert.

Beispielsweise muss die Anzahl der Operationen bei Primärfällen mit Kolon- oder Rektumkarzinomen, also Patienten, die zum ersten Mal wegen eines Dickdarm- oder Enddarmkrebses behandelt werden, bei mindestens 30 beziehungsweise 16 liegen. „Damit soll sichergestellt werden, dass die jeweilige zertifizierte Klinik auch über eine entsprechend große Erfahrung in der Therapie und Versorgung dieser Patienten hat“, erklärt Hosch. Im DarmZentrum, das er gemeinsam mit Prof. Dr. Josef Menzel, dem Direktor der Medizinischen Klinik II, leitet, sind es mit rund 100 Kolon- und 40 Rektum-Primärfällen deutlich mehr – selbst im Vergleich zu vielen großen Universitätskliniken. Das ist durchaus wichtig, denn in der Medizin geht man aufgrund der wissenschaftlichen Ergebnisse davon aus, dass nur eine routinierte und spezialisierte Versorgung mit entsprechenden Qualitätsstandards auch die bestmögliche Versorgung für die Patienten gewährleistet. Deshalb dürfen in einem zertifizierten Zentrum wie dem DarmZentrum im Klinikum die Eingriffe auch nur von erfahrenen Operateuren durchgeführt werden. Im Klinikum werden die Patienten daher derzeit ausschließlich von vier erfahrenen Spezialisten operiert. Zudem steht in spezialisierten Zentren wie in Ingolstadt auch eine psychoonkologische Betreuung durch qualifizierte Fachkräfte oder eine Unterstützung durch den Sozialdienst zur Verfügung.

Hohe Patientenzufriedenheit
Ein wichtiger Qualitätsmaßstab in einem zertifizierten Zentrum ist die Zufriedenheit der Patienten. Sie müssen daher im Rahmen einer Patientenbefragung um ihre Meinung gebeten werden, um Daten über ihre Zufriedenheit und mögliche Kritikpunkte zu erhalten, auf deren Basis die Versorgung der Patienten weiter verbessert werden kann. „Bei uns werden die Patienten kontinuierlich über ihren Aufenthalt befragt. Wir nehmen das sehr ernst, auch wenn natürlich nicht jeder Patient die Bögen ausfüllt“, sagt Hosch. Mit den Ergebnissen der bisherigen Umfragen sei er sehr zufrieden, denn die liege fast durchgehend in den Kategorien „gut“ bis „sehr gut“. Außerdem sollen nach den Vorgaben mindestens zehn Prozent der Fälle in Studien eingebunden sein. Ihre Daten werden wissenschaftlich ausgewertet und verarbeitet und tragen so zur Gewinnung neuer Erkenntnisse bezüglich der Ergebnisse und Wirksamkeit von Therapieverfahren in der Medizin und damit insgesamt zur bestmöglichen Behandlung der Patienten bei.

Hinzu kommen zahlreiche medizinische Parameter wie etwa die Zahl der entfernten Lymphknoten, die ein wichtiger Indikator für die Qualität des Eingriffs und die Sicherheit für die Patienten ist, und zum Beispiel andere Kennzahlen, die zeigen, ob selbst bei schwierigen Tumoren auch das komplette Tumorgewebe entfernt werden konnte. Die Qualitätsstandards der Deutschen Krebsgesellschaft, die in zertifizierten Zentren eingehalten werden müssen, sehen hier etwa bei Kolon- sowie Rektum-Karzinomen mindestens 90 Prozent sogenannte „R0-Resektionen“ vor, bei denen das gesamte Tumorgewebe komplett entfernt werden konnte, was die Chancen der Patienten auf eine dauerhafte Heilung deutlich erhöht. Das Klinikum übertrifft diese Werte mit 100 Prozent (Kolon) und 93,3 Prozent (Rektum) klar.

Deutlich verbesserte Werte seit 2008
Die Zentrumsbildung hat offenbar einen Trend zu deutlichen Qualitätsverbesserungen ausgelöst: Beispielsweise ist die Zahl der Revisions-Operationen, bei denen Korrekturen nach einer ersten Operation durchgeführt werden, von 11,3 Prozent 2008 über 11,1 Prozent 2009 auf nur noch 3,6 Prozent im ersten Halbjahr 2010 gesunken und liegt damit inzwischen deutlich unter dem geforderten Wert von zehn Prozent. Die Revisionsoperationen bei Rektum-Operationen sind ebenso von 11,4 Prozent 2008 und 4,8 Prozent 2009 im ersten Halbjahr diesen Jahres auf 0 Prozent gesunken.

Auch die übrigen Werte in den Säulen zeigen eine klare Tendenz: nämlich eine deutliche Verbesserung. „Wir erfüllen alle Qualitätsstandards und übertreffen sie in vielen Kategorien zum Teil deutlich“, sagt Hosch. „Damit registrieren wir nicht einmal ein Jahr nach der erfolgreichen Zertifizierung schon deutliche Verbesserungen.“ Die lägen natürlich nicht nur in den nackten Zahlen an sich, sondern in den Strukturen dahinter. „Jeder weiß, was er zu tun hat, und welche Standards und Ziele wir haben“, sagt Hosch. Das sei sehr wichtig und mache es zum Beispiel auch dem einzelnen Arzt leichter, Entscheidungen zu treffen, und auch die Sicherheit für die Patienten werde erhöht. Denn sie könnten sicher sein, dass sie nach modernsten Methoden und nach hohen Qualitätsmerkmalen bestmöglich versorgt würden.

Niedergelassene Ärzte in Tumorkonferenz
Dafür sorgt auch die wöchentliche Tumorkonferenz. Jeden Dienstag wird jeder einzelne Fall in einer interdisziplinären Konferenz der beteiligten Fachbereiche im DarmZentrum vorgestellt und gemeinsam die individuell beste Versorgung besprochen und festgelegt. Auch die Ergebnisse einer Therapie und die Weiterbehandlung nach dem Krankenhausaufenthalt werden dort diskutiert und die Genesung der Patienten so begleitet. Im DarmZentrum legt man daher auch großen Wert darauf, die niedergelassenen Ärzte einzubinden.

„Das ist uns sehr wichtig“, wie Prof. Menzel betont. „Wir arbeiten bereits sehr eng mit vielen niedergelassenen Kollegen und mit Praxen in Ingolstadt, aber auch in Eichstätt, Neuburg, Weißenburg und der ganzen Region zusammen“, erzählen Menzel und Hosch. Manche Ärzte kämen sogar selbst zu den Tumorkonferenzen ins Klinikum und stellten ihre Patienten persönlich vor. „Wir sind da für jeden offen und begrüßen eine gute Zusammenarbeit“, freut sich Hosch. Zu einer noch besseren Kommunikation und noch reibungsloseren Zusammenarbeit soll auch das neue Kommunikationsportal „www.arztportal-ingolstadt.de“ beitragen, über das seit diesem Jahr der Austausch wichtiger Patientendaten mit den niedergelassenen Ärzten einfach, unkompliziert und sicher möglich ist.
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