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Neue Notfallklinik im Klinikum Ingolstadt

Dr. Florian Demetz ist der erste Klinikdirektor der neuen Notfallklinik im Klinikum Ingolstadt.
Die adäquate Versorgung von Notfallpatienten ist eine der größten Herausforderungen für Krankenhäuser. Notfälle können zu jeder Tages- und Nachtzeit auftauchen und müssen sofort richtig versorgt werden. Nicht selten geht es um wenige kritische Minuten, in denen die Ärzte die richtigen Entscheidungen treffen müssen, um das Leben eines Menschen zu retten. Gerade für schwerverletzte Patienten hat das Klinikum über Jahre eine exzellente Notfallversorgung mit einem beispielhaften Schockraummanagement aufgebaut. Nun soll die Versorgung für alle Notfallpatienten noch besser organisiert werden: Aus dem NotfallZentrum wird eine Notfallklinik.



Bereits seit Monaten wird im Notfallbereich im Klinikum Ingolstadt fieberhaft an der neuen „Prä-Klinik“ gearbeitet. Wenn die Umbauarbeiten im Juli planmäßig abgeschlossen sein sollten, wird sich für die Notfallpatienten im Klinikum Ingolstadt nicht nur die räumliche Situation deutlich verbessern, sondern die gesamte Notfallversorgung. Aus dem NotfallZentrum wird eine Notfallklinik mit zusätzlichem Bettenbereich, einem speziellen Ampelsystem und einer eigenen sogenannten „Decision Making Unit“ (DMU). Das Ziel ist klar: eine deutliche Verbesserung in der Qualität der Versorgung.



Das neue Notfallzentrum soll nicht nur größer und geräumiger, sondern auch klarer strukturiert, effizienter und für die Mediziner, vor allem aber die Patienten deutlich komfortabler sein. Im einheitlichen Empfangsbereich sollen die Patienten in Zukunft schneller durch eine entsprechend ausgebildete Fachkraft einer eingehenden Eingangsuntersuchung unterzogen und dann an die entsprechenden Stellen weitergeleitet werden. Die Wartezeiten sollen sich durch die Neuorganisation erheblich verkürzen und unnötige Verlegungen vermieden werden. Auch überflüssige Untersuchungen, wie sie anfangs bisweilen durch Verlegungen zwischen der GOIN-Notfallpraxis und dem Notfallzentrum des Klinikums vorgekommen waren, sollen damit der Vergangenheit angehören. Die Fläche des Notfallbereichs wird deutlich von zuvor etwa 1500 auf dann etwa 2500 Quadratmeter zunehmen und neue räumliche Möglichkeiten bieten.



Mehr räumliche Möglichkeiten

Neue Untersuchungs- und Behandlungszimmer bieten nach den Umbauplänen mehr Platz für Untersuchungen und Anwendungen: Statt bisher sieben wird es in Zukunft 14 Untersuchungszimmer sowie zwei Sichtungszimmer geben. Eine neue, so genannte „Holding Area“ mit fünf sowie ein Überwachungsbereich mit sieben Plätzen gewährleisten, dass Patienten im Normalfall nicht mehr auf dem Flur warten müssen, sondern in speziellen Zimmern überwacht werden können. Eine Bettenstation mit zwölf Betten soll darüber hinaus dafür sorgen, dass Patienten, die vorübergehend im Klinikum bleiben müssen, im Notfallzentrum bleiben können und nicht für kurze Zeit in die stationären Bereiche verlegt werden müssen. „Die Station gewährleistet, dass Notfallpatienten, bei denen das aus medizinsicher Sicht weder erforderlich noch sinnvoll ist, nicht in die Kernkliniken verlegt werden müssen“, erklärt Fastenmeier. „Dadurch können wir besser planen. Die Station erfüllt eine Pufferfunktion und schafft dadurch zusätzliche Kapazitäten in den Kernkliniken“ – zumal viele der Patienten, die bisher auf andere Stationen verlegt werden mussten, nur zwei Tage oder weniger im Klinikum bleiben müssen.



Die Notfallklinik wird unter der Leitung des erfahrenen Anästhesisten und Notfallmediziners Dr. Florian Demetz stehen, der bereits in London und Boston gearbeitet hat und zuletzt als Oberarzt am Klinikum Großhadern in München tätig war. Der gebürtige Bozener bekommt ein eigenes „Emergency Team“, das sich in Zukunft nicht mehr nur aus interdisziplinären Kontingenten verschiedener Fachbereiche zusammensetzen, sondern einen festen eigenen Personalkörper bilden wird, der nach eigenen Prozessstrukturen, sogenannten Standard Operating Procedures (SOPs), arbeiten wird.



Ampelsystem zur besseren Steuerung

Die Patienten sollen in Zukunft je nach Schwere der Erkrankung oder Verletzung nach einem Ampelsystem in drei Gruppen aufgeteilt und separat in baulich getrennten und nach farblich markierten Bereichen behandelt werden. Dadurch sollen die vorhandenen Kapazitäten gezielter genutzt werden. Auf der anderen Seite soll dadurch der Komfort für die Patienten steigen und zum Beispiel vermieden werden, dass leicht verletzte Patienten mit Schwerverletzten vermischt werden, wie es früher bisweilen vorgekommen ist. Wie in einem Ampelsystem werden leicht verletzte Patienten in Zukunft im grünen Bereich, mittelschwer Verletzte im gelben und traumatisierte Patienten im roten Bereich behandelt werden.



Hinter der einfachen Ampeleinteilung verbirgt sich ein wesentlich komplexeres System mit genauen Vorgaben für die Abläufe und Qualitätsstandards: „Rote“ Patienten etwa müssen als vitale Notfälle sofort adäquat versorgt werden, gelbe Patienten sollen nach maximal zehn Minuten von einem Arzt kontaktiert worden sein, und die leichteren Notfälle sollen innerhalb maximal einer halben Stunde versorgt sein. Insgesamt aber sollen sich die Wartezeiten, die sich in einem Notfallbereich manchmal durch hereinkommende Schwerverletzte manchmal zwangsläufig ergeben, deutlich gesenkt werden.



Hinter diesen Maßnahmen steht ein komplexes Prozessmanagement, das für die neue Hauptabteilung komplett neu entwickelt wird. Darin werden nicht nur die Zuständigkeiten und Abläufe genauestens koordiniert, sondern auch Qualitätsstandards definiert, die eine optimale Versorgung der Patienten nach anerkannten Gütekriterien gewährleisten sollen. Wie auch in den anderen Bereichen des Klinikums spielt die Qualifizierung der Mitarbeiter eine große Rolle. In der Notfallklinik werden daher neben den notfallmedizinisch geschulten Ärzten auch nur speziell ausgebildete Pflegekräfte zum Einsatz kommen, sodass durchgängig die hohen Behandlungsstandards gewährleistet werden können.



Echte „Prä“-Klinik

Ein besonderes Augenmerk gilt den „Kurzliegern“, Patienten also, die zur Stabilisierung und Überwachung ein bis drei Nächte und damit im Vergleich zu den anderen Patienten nur relativ kurze Zeit im Klinikum bleiben müssen. Gerade für sie bringt die Notfallklinik mit den neuen Räumen und Unterbringungsmöglichkeiten deutliche Verbesserungen: Sie müssen nicht mehr zum Beispiel für eine Nacht auf eine andere Station in den Kernkliniken verlegt werden, wenn es aus medizinischer Sicht nicht erforderlich ist, sondern können in der Notfallklinik bleiben. Sie befinden sich damit unter den wachsamen Augen der Notfallmediziner in besten Händen, finden in den separaten Ruheräumen der Notfallklinik eine komfortable Umgebung vor und müssen nicht verlegt werden.



Gleichzeitig verbessert sich dadurch auch die Situation in verschiedenen Kliniken im ganzen Klinikum, die nicht mehr in dem Maße wie bisher mit plötzlichen Verlegungen auf ihre Stationen rechnen müssen, die als sogenannte „Push“-Verlegungen jederzeit kommen können. Die Notfallklinik wird damit von einer vorgelagerten Aufnahmeeinheit der Bettenabteilungen mit konsiliarischen Diensten zu einer echten „Prä“-Klinik mit eigenen SOPs wird, die durch ihre DMU eine Steuerungsfunktion erfüllt und sich speziell um ambulante Notfälle und Kurzlieger kümmert. Sie übernimmt nach der Erstversorgung durch das Notfallteam die Versorgung der Patienten. Auch die Erstversorgung wird enger an die neue Klinik angebunden. Die Notarztwägen werden in Zukunft von Ärzten der Notfallklinik besetzt, sodass in diesem Bereich in Zukunft noch mehr Kontinuität in der Versorgung von Notfallpatienten und insbesondere Schwerverletzten besteht – nur einer von vielen Neuerungen der neuen Hauptabteilung, die eine deutliche Verbesserung in der Versorgung von Notfallpatienten ergeben sollen.



Außerdem könnte im Sinne der Patientensicherheit in Zukunft ein auf Funkchiptechnik basierendes Lokalisierungssystem zum Einsatz kommen. Die Patienten erhalten könnten demnach einen RFID-Chip bekommen, mit dem sie jederzeit und überall im Notfallzentrum geortet werden könnten, sodass zum Beispiel im Notfall schneller reagiert werden könnte. Der Umbau soll insgesamt rund 3,5 Millionen Euro kosten und eine deutliche Verbesserung der Behandlungssituation bringen. Die Klinikleitung reagiert damit auch auf die zunehmende Zahl der bisher rund 28.000 Patienten im Notfallzentrum, das zu Stoßzeiten manchmal bereits an die Kapazitätsgrenzen gestoßen war.



Um die Qualität der Versorgung zu optimieren, soll die neue Hauptabteilung zudem mit den Qualitätssicherungsprogrammen und den telemedizinischen Informationssystemen, die bereits in der ADAC-Luftrettung sowie im bodengebundenen Rettungsdienst am Klinikum erfolgreich eingesetzt werden, enger vernetzt werden. „Wir wollen damit auf die ständig steigenden quantitativen und qualitativen Anforderungen an ein effizientes Notfall- und Traumazentrum reagieren“, so Fastenmeier. Man habe ein interdisziplinäres und multiprofessionelles Konzept entwickelt, das allen logistischen Problemen im Rahmen der Rettungskette gerecht werde und zum anderen durch eine lückenlose Überwachung zu einer Verbesserung der Patientensicherheit beitrage.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin aichacher | Erschienen am 30.04.2010
Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Stadtmagazin donauwörther | Erschienen am 06.05.2010
Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Stadtmagazin Pfaffenhofen | Erschienen am 17.05.2010
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