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Hygiene aus den eigenen Reihen

Maria Frank, die Leiterin des Reinigungsteams im Klinikum Ingolstadt glaubt, dass in anderen Häusern oft an der falschen Stelle gespart wird. Das zeigten nicht zuletzt die Hygieneskandale.
Viele Krankenhäuser haben sie aus Kostengründen längst ausgelagert. Im Klinikum Ingolstadt dagegen sind sie immer noch fester Bestandteil der Belegschaft: die Reinigungskräfte. Im Ingolstädter Schwerpunktkrankenhaus überlässt man in Sachen Sauberkeit und Hygiene nichts dem Zufall: In Eigenregie ausgebildete Reinigungskräfte sollen hohe Sicherheitsstandards in Sachen Hygiene gewährleisten.

Hygiene ist in einem Krankenhaus nicht nur in den Operationssälen oder Behandlungszimmern ein ganz entscheidender Faktor. Gerade wo viele kranke Menschen behandelt werden, muss jedes Infektionsrisiko soweit wie möglich ausgeschaltet werden. Hygieneskandale wie zuletzt in der Berliner Charité, die möglicherweise nicht zufällig oft an Häusern auftauchen, in denen das Reinigungspersonal ausgelagert wurde, zeigen, wie schwerwiegend die Konsequenzen sein können, wenn man sie vernachlässigt.

Im Klinikum Ingolstadt legt man daher größten Wert auf die Hygiene. Mit Priv.-Doz. Dr. Dr. Stefan Borgmann hat das Ingolstädter Schwerpunktkrankenhaus einen Leitenden Arzt für klinische Infektiologie und Hygiene installiert, der sich um die Einhaltung der hohen Hygienestandards, die Vermeidung von Infektionen und die Bekämpfung von multiresistenten Keimen sowie andere Themen wie ein umsichtiges Antibiotikamanagement kümmert. Das müssen heute die meisten großen Krankenhäuser tun. Im Gegensatz zu vielen anderen Kliniken aber setzt man im Ingolstädter Schwerpunktkrankenhaus nach wie vor auch in einem Bereich auf eigene Fachkräfte, in dem andere Krankenhäuser längst den Rotstift angesetzt haben: dem Reinigungspersonal.

Nicht an der falschen Stelle sparen
Denn private Reinigungsunternehmen schicken ihre Putzkolonnen meist für weniger Geld in die Krankenhäuser. In einem öffentlichen Haus wie dem Klinikum mit seinen Tarifverträgen im öffentlichen Dienst und den Kosten für Personalausfälle durch Krankheiten sowie Verwaltungskosten lägen die Ausgaben da weit höher – „zumindest auf den ersten Blick“, sagt Maria Frank einschränkend. Die Leiterin des Reinigungsteams im Klinikum Ingolstadt glaubt, dass dabei oft an der falschen Stelle gespart wird. Das zeigten nicht zuletzt die Hygieneskandale.

Dabei spielen nicht selten auch EU-Richtlinien eine Rolle, die die Auftragsvergabe nach einer Ausschreibung an den günstigsten Anbieter vorschreiben. Die Qualität komme bei einem auf die Kosten reduzierten Ansatz einfach häufig zu kurz, sagt Maria Frank. Bei privaten Firmen gebe es meist eine starke Fluktuation und oft auch Personal, das kaum Deutsch spreche. Diese Erfahrung habe man auch im Berufsbildungszentrum Gesundheit Ingolstadt (BBZ) und im Geriatrie- und Rehazentrum am Klinikum gemacht, sagt Frank. Auch dort habe man sich vorübergehend aus Kostengründen für private Reinigungsunternehmen entschieden, sei nun aber wieder zur Reinigungsmannschaft des Klinikums zurückgekehrt, freut sie sich. Sie ist sicher, dass durch die Kontinuität beim Personal und die solide Ausbildung auch die Hygiene einfach besser sei. Und die ist ebenfalls ein Kostenfaktor. Denn wenn es darum gehe, Infektionsgefahren oder MRSA und multiresistente Keime einzudämmen, sei eine möglichst gute Hygiene von entscheidender Bedeutung, so Frank.

„Wir legen viel Wert auf eine gute Ausbildung unserer Mitarbeiter“, erklärt sie. Hygienefachschulungen, Unterweisungen in Gefahrstoffen oder Einweisungen in Reinigungsmaschinen wie etwa Teppichextraktionsgeräte würden sehr ernst genommen. Die Reinigungsfachkräfte gehen nach detaillierten Reinigungsplänen vor und wissen ganz genau, worauf es ankommt. Sie müssen nach genauen Vorgaben und in einer bestimmten Reihenfolge putzen. Das beginnt bereits bei Kleinigkeiten: In den Krankenzimmern etwa werden die sensiblen Bereiche zuerst sowie von oben nach unten gereinigt, damit beispielsweise von den Lampen keine Schmutzpartikel auf bereits gesäuberte Oberflächen herunterfallen können. Sensible Bereiche müssen zuerst gereinigt und dabei nach bestimmten Abschnitten immer wieder neue Reinigungstücher verwendet werden. Auch die Mischung des Putzmittels und verschiedene Arten von Reinigungsmitteln sind genau vorgegeben. Die Pläne werden zudem exakt mit dem Hygieneexperten Stefan Borgmann abgestimmt.

Hinzu komme, dass man viele erfahrene Reinigungskräfte im Team habe, die jeden Winkel des Klinikums und jeden Handgriff kennen, betont Frank. „Wenn man das jeden Tag macht, dann weiß man einfach genau, worauf es ankommt“, erzählt Sonja Wartenfelser, während sie gerade ein Behandlungszimmer reinigt. Sie ist bereits seit vielen Jahren Teil des Teams und kennt ihre Aufgaben ganz genau. Gerade das sei ein wichtiger Vorteil gegenüber externen Putzkolonnen, wie sie viele andere Krankenhäuser aus Kostengründen einsetzten, so Frank.

Ohne Putzfrau keine Operation
Auch im Klinikum habe man sparen müssen und müsse mit etwas weniger Personal auskommen, aber hier habe man immer noch sehr gute Bedingungen, so Frank. Rund 130 Mitarbeiterinnen sorgen jeden Tag und meist mehrfach am Tag dafür, dass vor allem die wichtigen Bereiche des Klinikums immer sauber sind. Jeden Tag zwischen 6.00 Uhr morgens und 22.30 Uhr ist unter der Woche permanent Reinigungspersonal vor Ort, um für eine sterile Umgebung zu sorgen und damit zur Patientensicherheit beizutragen. In den Patientenzimmern etwa wird jeden Tag gereinigt, vier Tage lang komplett sowie einen Arbeitstag und am Wochenende eine Grundreinigung aller wichtigen Bereiche.

Besonders in sensiblen Bereichen wie den Operationssälen muss immer alles perfekt sauber sein. Hier wird nach jedem Eingriff eine komplett sterile Umgebung hergestellt. Auch in den Funktionsbereichen, wo Untersuchungen oder Behandlungen durchgeführt werden, wird nach jedem Patienten alles gründlich gereinigt und desinfiziert. Denn Hygiene und Sauberkeit spielen eine zentrale Rolle. Wenn es um die Sicherheit der Patienten und Mitarbeiter geht, will man im Klinikum nicht an der falschen Stelle sparen, sondern setzt auf sein eigenes erfahrenes Team. „In einem Krankenhaus muss man sehr genau sein. Das hat mit Hausputz wenig zu tun“, sagt Reinigungskraft Sabine Jorke. „Zuhause kann man das Putzen auch einmal verschieben. Hier wird ja oft jeden Tag mehrfach geputzt. Es operiert immer der Operateur, aber solange die Putzfrau nicht drin war, kann er gar nicht erst anfangen.“
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