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Die Zaubersprüche von Merseburg, mystisch

An einem regnerischen Dezembertag verweilte ich im Dom/Schloss Merseburg.
Vier Stunden Besichtigung, und man hat bei weitem noch nicht alles gesehen.
Unbedingt sehenswert! Vor allem die Präsentation der Zaubersprüche in einem gotischem Gewölbe.

Das Pergament, auf dem die Zaubersprüche niedergeschrieben stehen, stammt aus dem 10. Jahrhundert. Entdeckt wurden sie 1841 vom Wissenschaftler Georg Waitz in der Bibliothek des Domstifts Merseburg, wo sie sich noch heute befinden.
Dieser gab sie zur weiteren Bearbeitung an die Gebrüder Grimm. Jacob Grimm wählte sie für einen Antrittsvortrag vor der Berliner Akademie der Wissenschaften im Jahre 1842.
Die magischen Beschwörungsformeln sind typisch für die heidnischen Germanen.
Odin, Wodan und Friia werden hier neben weiteren germanischen Gottheiten angerufen. Der erste Spruch soll Gefangene aus ihren Fesseln befreien.
Der Zweite soll eine Heilung von Beinverletzungen bei Pferden bewirken.
Hier der Originaltext der Zaubersprüche ( versuchen Sie ruhig einmal diese nachzusprechen)

Eiris sazun idisi sazun hera duoda suma
hapt heptidun sumaherilezidun sumaclu
bodun umbicuonio uudi insprinc hapt
bandun inuar uigandum. H.

Phol ende uuodan ziholza duuuart
demobalderes uolon sin uuoz birenkict
thubiguolen friia uolla conda
sosebenrenki sosebluotrenki soselidi
renki ben zibena bluot zibluoda
lid zigeliden sosegelimida sin

Soweit der Zauberspruch in der Sprache unserer Vorfahren
Hier die Übersetzung:

Einst saßen Idisi auf Scharen von Kriegern
Einige fesselten einen Gefangenen, einige hemmten die Heere
Einige zertrennten scharfe Fesseln
Entspringe den Fesseln, entfahre den Feinden!

Phol und Wodan begaben sich in den Wald.
Dort wurde dem Fohlen Balders der Fuß eingerenkt.
Da besangen ihn Sinhtgunt und Sunna, ihre Schwester.
Da besangen ihn Frija und Volla, ihre Schwester.
Da besang ihn Wodan, so wie er es gut verstand:
Wenn Knochenrenkung, wenn Blutrenkung, wenn Gelenkrenkung:
Knochen zu Knochen, Blut zu Blut, Glied zu Glied!
So seien sie zusammengefügt.

Eine CD mit gut gesprochenem Text und Musik erhält man im Museumsshop vor Ort.
Lassen Sie sich von den Bilder zu einem Besuch inspirieren.


Quellen:
Vereinigte Domstifter
zu Merseburg und Naumburg
und des Kollegiatstifts Zeitz
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