Baronin Carin Gustava von Rosen

Eigentlich wollte ich am Volkstrauertag wieder eine Friedhofsführung "Gräber erzählen Stadtgeschichte" mit Schwerpunkt Kriegsopfer auf dem Städt. Friedhof Ichenhausen abhalten. Aber leider kam ein gewisses Virus dazwischen, das zur Zeit so viel verhindert.
Zum Glück gibt es das Internet, denn ich wollte u.a. auch an Carin von Rosen erinnern, die vor 75 Jahren, am 17. März 1945 in Ichenhausen an den Folgen des 2. Weltkrieges verstarb und deren trauriges Schicksal und Ahnengalerie höchst erwähnenswert sind.
Seit einigen Wochen erinnert eine kleine Gedenktafel auf dem Städt. Friedhof in Ichenhausen auf ihrem Grab an sie.
An dieser Stelle möchte ich ein herzliches Dankeschön an die Stadt Ichenhausen aussprechen, die damit meinem Wunsch nachgekommen ist.

Wer also war diese Frau?
Carin Gustava wurde am 11. Sept. 1890 in Sundhausen auf Schloss Carlsburg geboren,
einem Rittergut, das eine lange Geschichte vorweisen kann: https://de.wikipedia.org/wiki/Carlsburg_(Sundhausen)
http://www.sundhausen.info/Chronik/Chronik_Sundhau...
Ihre Eltern waren Gustav Oswald Walrad Alfred Wagner von Carlsburg, Amtsvorsteher und Rittergutsbesitzer, Direktor von Versicherungen (1848–1911) und seine Frau Freiin Marie Pauline Renata v. Ungern-Sternberg, Freiin zu Pürkel a.d.H. Echmes (1852-1932).
Auf der Stammliste der Carlsburg als Herren von Sundhausen werden sie unter Ziffer neun aufgeführt.
Hier unter diesem link ist mehr über ihre Eltern zu lesen: https://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/2296948#Gesc...
http://www.sundhausen.info/Chronik/Chronik_Sundhau...
Von einem entfernten Familienmitglied erfuhr ich, dass Carins Familie, die Familie von Carlsburg, um 1900 verarmt ist, d.h. das Stammhaus Carlsburg mit dem Dorf Sundhausen und Nentzelsrode wurden 1904 verkauft und ihre Eltern ließen sich in Halle, später in Meißen nieder.
Die Familie Carlsburg hieß eigentlich „Wagner von Carlsburg“ und erhielt den Adel erst 1712. Interessanterweise ist die Familie mit den Humboldts verwandt sowie mit der Familie Cranach. Carin von Rosen ist somit eine direkte Nachfahrin, wie übrigens auch die ehem. Königin Beatrix der Niederlande, von Lucas Cranach d.Ä.
Sie hatten auch Kontakte zum schwedischen Königshaus und es wird berichtet, dass Carin eine enge Freundin des schwedischen Königs war und mit ihm begeistert Tennis spielte.
Carins Mutter Marie war eine geborene Freiin von Ungern-Sternberg, Freiin v. Pürkel und zählt zu den ältesten baltischen Adelsgeschlechtern.
Maries Stammbaum, löste bei mir mehrere wow-Ausrufe aus.
Denn er lässt sich väterlicherseits lückenlos bis Igor (* vor 879; † 945), der Sohn Rjuriks, und noch weiter! zurückverfolgen.
Igor soll nach einer Regentschaftsphase durch Oleg den Weisen 912 die Herrschaft über das spätere Kiewer Rus übernommen und bis 945 innegehabt haben.
Igor ist einer der ersten Kiewer Fürsten, bei dem man mit einiger Sicherheit davon ausgehen kann, dass er wirklich gelebt hat und also keine Legendengestalt war. Siehe auch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Igor_(Kiewer_Rus)
Oleg der Weise, der Schwiegervater von Igor, ist übrigens auch eine höchst interessante Person. Sein Vater war angeblich Hvitserk Ragnarsson.
Wer die Serie „Vikings“ gesehen hat, kennt die beiden.
https://sciodoo.de/prinz-oleg-rus-vikings/#gesch
Olegs Tochter Olga von Kiew war Igors Ehefrau, die in der russisch-orthodoxen Kirche als apostelgleiche Heilige verehrt wird.
Wer mehr über sie erfahren will, kann hier nachschauen: https://www.curioctopus.de/read/20277/die-geschich...

Aber zurück zu Carin.
Carin hat über ihre Mutter Marie ihren Ehemann, Freiherr Eric von Rosen, der Verwalter auf Schloss Siebeneichen bei Dresden war, kennengelernt.
Sie heirateten am 27. Juli 1911.
Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Jutta Sophie, geb. 9.5.1915 in Reval und
Hans Jürgen Alfred Erik Benno, geb. 12.6.1920 auf Schloß Heynitz in Sachsen.
Die Ehe wurde aber 1926 geschieden.
Leider kann ich nicht viel über ihre Nachfahren berichten, nur, dass Ende März 1945, ihr Sohn als Oberleutnant und ihre Tochter nach Ichenhausen kamen, um ihr Grab zu besuchen.

Warum wurde Carin von Rosen in Ichenhausen beigesetzt?

Carin wohnte vermutlich zur fraglichen Zeit in Dresden, als im Februar 1945 auf das rund
630 000 Einwohner zählende Dresden der schwerste Luftangriff auf eine Stadt im 2. Weltkrieg erfolgte.
Damals kamen viele Evakuierte und Heimatvertriebene nach Ichenhausen.
So auch Carin von Rosen.
Sie kam schwerkrank hier an und starb an Auszehrung am 17. März 1945 um 21 Uhr im heutigen Schulmuseum, das damals bekanntlich das Schulhaus war, aber wegen den vielen Krankheitsfällen unter den Flüchtlingen in den letzten Kriegsmonaten auch als Krankenhaus diente.
Als ich über das Schicksal von Carin nachforschte und dabei auf diesen entfernten Verwandten stieß, erfuhr ich, dass er nicht wusste, dass Carin nach Ichenhausen kam, hier gestorben und beerdigt wurde.
Wenn man an das Bombardement in Dresden denkt, wäre es durchaus möglich, dass sie unter den vielen Toten hätte sein können.

Vielleicht wird ja dieser Bericht über Carin von Rosen eines Tages von einem weiteren Familienmitglied gelesen, der mir dann noch mehr über ihr Leben erzählen kann.
Ich würde mich sehr darüber freuen.

November 2020

Gabriele Walter
Stadträtin der Stadt Ichenhausen
6
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2 Kommentare
40.289
Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 09.03.2021 | 18:03  
12.424
Gabriele Walter aus Ichenhausen | 10.03.2021 | 11:02  
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