Anzeige

O, schaurig ists, übers Moor zu gehen

Das Kernstück des Schönramer Filz': der Moorsee
 
Die alte Trasse der Torfeisenbahn
"O, schaurig ists, übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt -
O, schaurig ists, übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!"
(Annette von Droste-Hülshoff: Der Knabe im Moor, 1842)

Heutige Moore dürften nicht mehr so Bange machen wie zu Drostes Zeiten. Die Moore, die ich kenne, sind ehemalige Hochmoore, durch die gesicherte Wege führen oder die man auf befestigten Wanderwegen bequem umrunden kann.

Zu diesen Naherholungsgebieten zählt auch der "Schönramer Filz", ein Moorgebiet im bairischen Alpenvorland, ca. eine halbe Stunde Autofahrt von Salzburg entfernt.

Wenn man Glück hat, findet man noch einen freien Parkplatz an Wochenenden oder an Feiertagen. Doch die viele Besucher verlieren sich schnell auf dem Rundweg um das ehemalige Hochmoor, das heute wieder in einen naturnahen Zustand mühsam zurück geführt wird.

Eine erste Schautafel des Forstamtes Traunstein gibt zur "Renaturierung" eines gestörten Ökosystems folgende Erklärung: "Durch die starke Austrocknung in Folge der Entwässerung und des Torfabbaus hat sich der Wald auf weiten Teilen des ehemals offenen Hochmoores ausgebreitet und drängt die typische Moorvegetation immer mehr zurück. Durch Verschließen der Entwässerungsgräben und Entfernen der Bäume soll diesem Prozess entgegen gewirkt werden."

Umkreist man das Kerngebiet dieses Moores entgegen dem Uhrzeigersinn, so folgt man für lange Zeit der schnurgeraden Trasse der alten Torfeisenbahn. Der Weg führt vorbei an Renaturierungs- und Latschenfilzflächen bis zu einer Abbiegung nach links, wo der Weiterweg über einen sanften Waldboden führt. Rechter Hand erstreckt sich ein Nadelwald mit riesigen Heidelbeerbüschen, die sicherlich bald wieder viele Blaubeerpflücker anlocken werden.

Nach der nächsten Kehre beginnt ein breiter mulchbedeckter Weg, der den Blick frei gibt auf weite Heideflächen und die nahen Voralpen. Zum Thema Verheidung und die Renaturierung von Heideflächen werden auf einer Info-Tafel verschiedene Etappen angegeben:
- Bis 1900 intaktes Hochmoor
- Um 1920 Entwässerung
- Ab 1950 Verheidung
- Ab 1970 gestörtes Hochmoor
- Ab 1990 Renaturierung durch Wiedervernässung
- Ab 1995 Freistellung (Entfernung der aufkommenden Baumvegetation)

Und nach der nächsten Kehre dann das wohl imposanteste Stück des Rundwanderweges: Der riesige Moorsee mit seinen heraus ragenden Baumstümpfen und seiner malerischen Uferregion.

Nur wenige Schritte weiter und man kommt an einer Stelle vorbei, wo gelegentlich noch Torf mit der Hand gestochen wird, sicherlich nicht mehr kommerziell.

Kurz vor dem Parkplatz weist eine letzte Schautafel darauf hin, dass sich hier einmal die Holzbaracken der "Moorsoldaten" befanden, die dann Platz machen mussten für kranke Zwangsarbeiter des 2. Weltkrieges und nach 1945 für Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten. Ein Stück bedrückender Geschichte, das nachdenklich stimmt, nicht nur für den kurzen Rest des Weges ...

(Siehe auch http://www.lfu.bayern.de/natur/fachinformationen/b...)
2
0
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
5 Kommentare
16.153
Silke Krause aus Dillingen | 04.06.2009 | 13:49  
32.931
Günther Eims aus Sehnde | 04.06.2009 | 21:57  
73.574
Axel Haack aus Freilassing | 04.06.2009 | 22:05  
17.225
Wolfgang H. aus Gladenbach | 05.06.2009 | 07:51  
73.574
Axel Haack aus Freilassing | 05.06.2009 | 07:57  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.