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Beim Sporer

Der Chef persönlich
 
Das Standardgetränk
Salzburg | Alle Welt kennt Salzburg, und wer schon in Salzburg war, kennt auch die Getreidegasse. Sie zählt zu den Hauptattraktionen der Mozartstadt.

Eine besondere Attraktion am oberen Ende der Getreidegasse ist das Haus Nr. 39. Dort befindet sich der „Sporer", ein kleiner Spirituosenladen, der seit über 100 Jahren als Familienbetrieb geführt wird. Er ist ein Geheimtipp unter den Salzburgtouristen und ein äußerst beliebter Anziehungspunkt der einheimischen Bevölkerung. Hier gibt es nämlich die besten Schnäpse und Liköre weit und breit, aber auch erlesene Weine zum Kaufen oder „Verkosten". Nichtalkoholische Getränke gibt es natürlich auch, aber die sind nicht so nachgefragt.

Die Geschäftstüre lässt sich nie ganz öffnen, so groß ist immer das Gedränge im Schankraum. Geschwätz und Lachen dringt an das Ohr und Tabakqualm kriecht in die Nase, wenn man sich an der Kasse gleich bei der Türe vorbei gezwängt hat. Und schon steht man an einem Ende der Theke, die immer voller Gläser und Ellbogen ist. Am ehesten findet man in der 3. Reihe etwas Platz zum Stehen. Dort kann man auch sein „Glaserl" deponieren und sich etwas an die kleinen hölzernen „Schnapsfassln" anlehnen. Sobald einer aus der vorderen Reihe seinen Platz verlässt, wird dieser sofort aus der hinteren Reihe neu belegt, denn nun ist es ja nicht mehr weit bis zu einem attraktiven Thekenplatz. Und dort geht es um Zentimeter!

Um bis zur Theke vorzudringen, brauche ich sicherlich wieder 20 Minuten, schätze ich mal und lasse mir mein Getränk durchreichen. Es ist aber schon vorgekommen, dass ich hinten stehen bleiben musste, weil sich weiter vorne einige Herrschaften festgeschwätzt hatten und partout nicht weichen wollten. Nicht nur durstige Männer sehe ich um mich herum. Nein, auch Frauen haben sich heute unter die Männer gemischt und genießen es sichtlich, umschwärmt zu werden. Der Alkohol hat auch ihre Zungen leicht gelöst und ihre Wangen zart gerötet.

Endlich habe ich es geschafft! Mein Vordermann ist am Zahlen und ich habe schon eine Hand durchgesteckt, um den frei werdenden Platz zu ergattern. Herr Sporer begrüßt mich per Handschlag, weil wir uns vorher nur zugenickt haben. "Noch einen Punsch bitte!" "Auch wieder einen Wiggerl-Punsch?" "Nein, bitte nicht. Diesmal einen ohne Enzian!" Gleich bekomme ich meinen Wunsch erfüllt und deponiere mein „Glaserl" auf der kleinen Abstellfläche. "Prost, Herr Nachbar!", sagt mein rechter Nebenmann und dreht sich zu mir. Es ist Luggi, mein neuer „Spezi", wie immer mit einem Glas „Veltliner" in der Hand. Wir prosten uns zu und kommen gleich auf Fußball zu sprechen, auf das gestrige Länderspiel Österreich gegen Deutschland. Unsere Analyse ist einmütig: Die Rot-Weiß-Roten haben tapfer gekämpft und unglücklich verloren, zu hoch auf jeden Fall. "Wenn die für 90 Minuten Luft gehabt hätten, dann hätten die Deutschen alt ausgesehen!", schaltet sich nun auch mein Hintermann ein und bringt mich in eine Klemme zwischen 2 Gegnern von gestern. Das Gespräch endet schiedlich-friedlich: Wir einigen uns auf ein gerechtes Unentschieden und Luggi schmeißt eine Runde für uns Drei.

Wenig später muss ich kurz hoch aufs „Heiserl". Bei meiner Rückkehr ist das eingetreten, was ich befürchtet hatte: Mein Hintermann hat schamlos meine Abwesenheit ausgenutzt und meinen Platz eingenommen! Ich verliere die Lust, mich noch einmal nach vorne durchzukämpfen und zwänge mich durch bis zur Kasse. Dort lasse ich mir noch eine „Hausmischung" einpacken und zahle. Die Türe hinter mir brauche ich nicht zuzuziehen. Sie wird ja automatisch zugedrückt ...
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6 Kommentare
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Siegfried Kuhl (sk1941) aus Marburg | 06.02.2009 | 21:49  
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Axel Haack aus Freilassing | 06.02.2009 | 21:55  
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Hans-Rudolf König aus Marburg | 07.02.2009 | 20:20  
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Axel Haack aus Freilassing | 07.02.2009 | 22:22  
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Karin Wenzel aus Magdeburg | 08.02.2009 | 22:35  
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Axel Haack aus Freilassing | 09.02.2009 | 06:41  
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