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Mit dem Heimatbund Hemmingen nach Berlin

Bundespräsidialamt
 
Vor dem Schloß Bellevue
Mit dem Heimatbund Hemmingen nach Berlin

Von Karl-Heinz Nowak, Ingeborg und Friedel Eickhoff

Die diesjährige Zweitagesfahrt des Heimatbundes führte uns nach Berlin.

Am 10. Mai ging es mit dem Bus früh los, denn Schloss Bellevue und das Bundespräsidialamt waren das erste Ziel.

Schloss Bellevue wurde in den Jahren 1785 bis 1787 von Prinz August Ferdinand von Preußen, dem jüngsten Bruder von Friedrich dem Großen, erbaut. Das Schloss wurde in einem Übergangsstil zwischen Barock und Klassizismus gestaltet. Es sollte als Wohnschloss dienen, repräsentative Ansprüche standen daher nicht im Vordergrund.

1843 erwarb König Friedrich Wilhelm IV. das Schloss als Krongut.
Dann wurde es Sommerwohnung für die königliche Familie. Danach wurde das Schloss als Wohnhaus für „Prominente“ und ab 1935 als „Staatliches Museum für Deutsche Volkskunde“ sowie nach Umbauarbeiten als Gästehaus benutzt.

Im Zweiten Weltkrieg – bereits 1941 – wurde das Schloss schwer beschädigt. Auch der Park und seine Gebäude lagen in Trümmern.

1957 bestimmte der Deutsche Bundestag das Schloss zum zweiten Amts- und Wohnsitz des Bundespräsidenten. Bis 1959 wurde es wieder aufgebaut und für größere Empfänge nutzbar gemacht und 1986/87 erneut gründlich renoviert und teilweise neu gestaltet. Der für wichtige Empfänge genutzte Langhanssaal blieb in seiner ursprünglichen historischen Form und Gestaltung erhalten.

Nachdem 1994 der erste Amtssitz des Bundespräsidenten von Bonn nach Berlin verlegt wurde, nahm der Veranstaltungsbetrieb im Schloss deutlich zu. Aus diesem Grunde wurden Umbau- und Sanierungsmaßnahmen erforderlich, die in 2004 und 2005 durchgeführt wurden.

Nach Schloss Bellevue wurde das Bundespräsidialamt besichtigt. Zu den Aufgaben des Amtes gehört die Beratung des Bundespräsidenten in seiner Amtsführung, die Information des Bundespräsidenten über politische Geschehnisse, die Vorbereitung der Entscheidungen des Bundespräsidenten sowie die Ausführung seiner Aufträge.

Das Amtsgebäude des Bundespräsidialamtes befindet sich direkt neben Schloss Bellevue am Rande des Tiergartens.

Das Gebäude besteht aus einem viergeschossigen elliptischen Büroring mit einer polierten schwarzen Steinfassade. Der Ring umschließt einen im umschlossenen Raum freistehenden Quader. Der Raum zwischen Ring und Quader wird durch ein Glasdach geschlossen.

Die Hemminger waren sich darin einig, dass beide Gebäude eine „architektonische“ Meisterleistung und ein „optischer“ Genuss sind.

Nach dieser Besichtigung fand eine Stadtrundfahrt statt mit den bekannten Sehenswürdigkeiten: Regierungsviertel, Hauptbahnhof, Brandenburger Tor, Nikolaiviertel, Gendarmenmarkt, Französischer Dom, Deutscher Dom, Rotes Rathaus, Fernsehturm, Museumsinsel.

Der zweite Tag unserer Berlinfahrt führte uns ins Neue Museum und zum Haus des Rundfunks.

Im Neuen Museum Berlin sind die Schätze dreier Museen zusammengestellt: des Ägyptischen Museums, der Papyrussammlung und des Museums für Vor- und Frühgeschichte.
Der preußische König beauftragte den Architekten Friedrich August Stüler 1840 mit der Planung des Museumsbaus, und einzelne Abteilungen wurde ab 1850 eröffnet. Im Herbst 1939 schloss man das Museum und evakuierte wertvolles Ausstellungsgut. Fotos der zerstörten Ost- und Südfassade belegen die schweren Schäden durch Bombenangriffe 1944.
Nach dem Krieg wollte man nicht einfach die Wiederherstellung des Alten, und so ging aus einem internationalen Wettbewerb als Sieger David Chipperfield hervor und verwirklichte seine Ansicht des „behutsamen Weiterbauens“. 2009 wurde das Neue Museum Berlin wiedereröffnet.
Zu Recht wurde bei der Führung ausführlich von der baulichen Gestaltung gesprochen (z.B. der Haupttreppenhalle) neben den Hinweisen auf besondere ausgestellte Schätze. Wir sahen u. a. eine Statue des Dionysos (1. Jh v. Chr.), den Hausaltar von Amarna und die Büste der Königin Nofretete (um 1.340 v. Chr.), wertvolle Exemplare der Papyrussammlung, den Goldhut aus der Bronzezeit (9. bis 8. Jh v. Chr.).
Der Bau und die Präsentation der wertvollen Objekte sind gelungen. Die Führung durch das Museum war ein besonderes Erlebnis.

Nach der Mittagpause gab es zwei verschiedene Angebote für den Nachmittag: etwa die Hälfte der Teilnehmer entschieden sich für eine Spreefahrt, die übrigen besuchten das Haus des Rundfunks am Funkturm zu einer Historischen Führung.

Das Haus des Rundfunks ist tatsächlich ein Haus der Radiogeschichte – eingeweiht im Januar 1931, ein Ort der Information und Propaganda in der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus, in den Nachkriegswirren und dem Kalten Krieg, in der Teilung und Wiedervereinigung Berlins. All diese Aspekte wurden uns anhand von Modellen und Fotos von dem kompetenten Mitarbeiter verdeutlicht.
Doch trotz der vielen historischen Fakten ist das Haus des Radios kein Radio-Museum. rbb-Kultur arbeitet und sendet aus dem einzigartigen Bau noch immer. So konnten wir den großen Sendesaal betreten, Sprecher abgeschirmt durch dickes Glas bei ihrer Arbeit beobachten und sogar einen modernen Arbeitsplatz voller Technik ansehen. Selbst das Dach des immer noch gewaltigen und zugleich zweckmäßigen Baus gewährte uns einen lohnenden Blick auf Berlin und des nahen Messegeländes.
Wir Besucher waren von der vielfältigen Geschichte und der lebendigen Gegenwart im Haus des Rundfunks beeindruckt.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Leine-Nachrichten | Erschienen am 14.06.2011
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