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Grenzenlose Einsatzbereitschaft mit Herz: Die Aktiven in Arnum

Die Aktiven "mit Herz"
Ein schriller Piepton erfüllt das Schlafzimmer. Es ist 1.58 Uhr. Schlaftrunken erfolgt der Kurzcheck: War es das Babyphone, der Wecker oder das Handy? Noch bevor die Sirene in Arnum laut aufheult, steht die Antwort der sekundenschnellen Analyse fest: Es ist der digitale Meldeempfänger der Feuerwehr Arnum mit dem Hinweis: „Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person auf der K225“. Ein kurzer abstimmender Blick zwischen uns „Feuerwehr-Ehepartnern“ klärt, wer in der ehrenamtlichen Tätigkeit als Feuerwehrwehrfrau/ -mann einen Menschen aus einer Gefahrensituation retten wird und wer zu Hause bleibt und auf die kleine schlafende Tochter aufpasst. Danach geht alles schnell: Anziehen, Autoschlüssel suchen und zügig zum Arnumer Feuerwehrgerätehaus die Bockstraße hochfahren. Es ist eine grimmige Kälte und leichter Schneefall bei minus 5 Grad. Zu dieser späten Nachtstunde ist Arnum eigentlich recht verschlafen, doch aus diversen Straßenzügen kommen Autos auf dem Weg zum Gerätehaus. Es sind die Frauen und Männer der Feuerwehr Arnum, die nur ein Ziel vor Augen haben: Das Leben dieses verunglückten PKW-Fahrers zu retten. Aber was bewegt diese Menschen, nachts bei Minustemperaturen das warme Bett zu verlassen und unentgeltlich den Mitbürgern zu helfen?

Die Feuerwehr Arnum steht seit 115 Jahren für ihren ortsverbundenen, idealistischen und zuverlässigen Charakter und ist im Ort fest verwurzelt. Daran hat sich auch nach über einem Jahrhundert nichts geändert.
Trotz der Größe besteht in der Feuerwehr ein unbeschreibliches „Wir-Gefühl“, das auch mit neuen aktiven Mitgliedern geteilt wird. Vertrauen und Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und Loyalität kennzeichnen das aktive Team der Frauen und Männer und das nicht nur im Einsatz sondern auch bei vielen anderen Aktivitäten der Feuerwehr. Das sind Eigenschaften, die in anderen Bereichen unseres Lebens manchmal vergeblich gesucht werden, sich aber im Feuerwehrwesen in einem Wort zusammen fassen lassen: „Kameradschaft“.
Diese ausgeprägte Kameradschaft und das große Engagement zeichnet die Arnumer Wehr so besonders aus und sorgt für konstante Mitgliederzahlen in der „Mehrgenerationenfeuerwehr Arnum“: Bei den Löschteufeln, der Jugendfeuerwehr, den Aktiven, der Altersgruppe, dem Musikzug und den Förderern. Keine Sparte arbeitet nur für sich allein, da alle wissen, wie wichtig die gute Zusammenarbeit über die Grenzen der einzelnen Abteilungen -und das über Generationen hinweg- für die Feuerwehr ist: Sie sichert den Bestand der aktiven Mitglieder, die die Kernaufgabe der Feuerwehr ehrenamtlich sicherstellen: Retten, löschen, bergen und schützen.

Hierfür absolvieren die rund 50 aktiven Feuerwehrmitglieder in Arnum jährlich zahlreiche Übungsstunden, um sich mit der Feuerwehrtechnik permanent auf dem Laufenden zu halten. Das Zusammenspiel von 4 Feuerwehrfahrzeugen muss weiterhin regelmäßig geübt werden, um durchschnittlich einmal pro Woche einen reibungslosen Einsatz im Bereich „technischer Hilfeleistung (TH)“ oder beim Löschen des Brandes vom Papierkorb bis hin zum Wohnungs- oder Dachstuhlbrand zu gewährleisten. In den letzten Jahren sind die Zahlen an „TH-Einsätzen“ deutlich gestiegen: Türöffnung bei hilflosen Mitbürgern, Tierrettungen, Sturm- und Wasserschäden, die Beseitigung von Ölspuren, Verkehrsunfall etc. fordern den Aktiven ein umfangreiches Wissen in der Freiwilligen Feuerwehr ab.

Das Basiswissen zur Bewältigung dieser Einsätze wird in der Truppmannausbildung gelegt, die mit Vollendung des 16. Lebensjahres –optimaler Weise an die Ausbildungszeit in der Jugendfeuerwehr angrenzend- erfolgen darf. Aber auch „Quereinsteiger“ ohne Vorbildung in der Jugendfeuerwehr, werden in den Reihen der Arnumer Feuerwehr gern willkommen geheißen.
Zur Erweiterung des Basiswissens werden die Kameraden von den Gruppenführern in den Bereichen Atemschutz, Sprechfunk, Maschinisten und sonstigen Spezialthemen ausgebildet. Zu diesen technischen Themen werden von den Arnumer Aktiven auch Lehrgänge an der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Ronnenberg bzw. an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz in Celle besucht.

Die ausgeprägte Wissensvernetzung zwischen den praktizierten Berufsbildern und den Tätigkeiten in der Feuerwehr macht dieses Ehrenamt in der Feuerwehr Arnum weiterhin so speziell. Das Feuerwehrgeschick vereint sich mit dem beruflichen Wissen im Einsatzgeschehen: Der gelernte Gartenlandschaftsbauer koordiniert das Zersägen von Bäumen bei Sturmschäden. Die Gefahreneinschätzung bei elektrischen Anlagen erfolgt durch den Elektroinstallateur und bei Schadensfällen an Gasleitungen und sonstigen Hausanschlüssen tritt der als Gas- und Wasserinstallateur gelernte Feuerwehrmann hervor. Die Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Berufsfeuerwehr lassen ihre Spezialkenntnisse im Feuerwehrwesen und in der medizinischen Versorgung bei Einsätzen und im Ausbildungsdienst mit einfließen. Aber auch die Werbefachleute, der Rechtsanwalt, die Selbstständigen, die Bankkauffrau, der Bürokaufmann, die Schüler und Auszubildende sowie alle weiteren bereichern mit ihrem beruflichen Fachwissen die Rahmenaufgaben der Feuerwehr.
Niemand behält sein Wissen für sich. Alle Kameraden profitieren vom jeweiligen Feuerwehr- und Fachwissen des anderen. Von dieser in der Feuerwehr Arnum gelebten Teamfähigkeit, der Hilfsbereitschaft, dem Engagement und dem beschriebenen „Wissensnetz“ profitieren auch die Arbeitgeber der Feuerwehrmitglieder. So manche Firma hat das auch schon erfreulicher Weise erkannt.
Jeder Einsatz eines Arnumer Feuerwehrmitgliedes erfolgt unter der Berücksichtigung seiner feuerwehrtechnischen und persönlichen Qualifikationen. Dieses verlangt dem Feuerwehreinsatzleiter auf der anderen Seite ein hohes Maß an Führungsgeschick ab. Jedoch mit nachhaltigem Erfolg:
Die Feuerwehr Arnum hat eine hochmotivierte Generation an aktiven Kameraden, die über Einsätze und Ausbildung hinaus unzählige Stunden Freizeit in den Dienst der Arnumer Wehr steckt, private Interessen im Einsatzfall zurückstellt und damit einen „ehrenamtlichen Spagat“ zwischen Familie, Beruf und Feuerwehr absolviert. Die Feuerwehr Arnum ist eine „Feuerwehr mit Leidenschaft und Herz“.

…und das auch bei diesem Verkehrsunfall: Binnen von Minuten waren die Einsatzkräfte am Unglückort auf der K225 zwischen Devese und Ohlendorf. Da glücklicher Weise kein PKW-Insasse eingeklemmt war, musste das schwere Rettungsgerät nicht zum Einsatz kommen. Die Einsatzstelle wurde ausgeleuchtet und die Verletzten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes von der Feuerwehr betreut. Anschließend wurde der umgekippte PKW wieder aufgerichtet. Das Schneetreiben hatte nachgelassen, als die Arnumer Wehr nach gut 2,5 Stunden wieder ins Gerätehaus zurückkehrte. Im Ort war es noch dunkel und ruhig. Alle Aktiven fassten müde mit an und es dauerte noch ein wenig, bis die Fahrzeuge gesäubert und wieder einsatzbereit waren.
Fazit zum Einsatz: „Glück gehabt, es ist seitens der Feuerwehr mal wieder alles gut gegangen“…
Nein, es war kein „Glück“: Die Arnumer Feuerwehrmitglieder waren dank der qualifizierten Aus- und Fortbildung, der umfangreichen technischen Ausrüstung sowie der grenzenlosen persönlichen Einsatzbereitschaft sehr gut auf diesen Einsatz vorbereitet.
5.40 Uhr: Es ertönt schon wieder ein durchdringender Piepton, dieses Mal jedoch vom Wecker. Aufstehen, ein neuer Tag beginnt – es war eine kurze Nacht.
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