Anzeige

Neues Inseltagebuch 2017

Helgoland: Helgoland | Angekommen!

Nun habe ich so ganz nebenbei mit dem Neuen Inseltagebuch begonnen. Die Worte fließen wie von selbst......! Dabei schaue ich hinaus aufs Meer. Es flüstert mir zu. Möwen huschen vorbei und locken mich hinaus. So soll es sein.
Es wird kein Protokoll werden, dieses Neue Inseltagebuch. Vielmehr will ich festhalten, was mich bewegt. Alles fängt damit an, dass ich mich eines Gedichtes erinnere, das ich genau an diesem Platz mit dem Blick auf die Nordsee und hinüber zur Düne vor einiger Zeit schrieb…




Helgoland

Auf meiner Insel lebt die Welt
Hier ins Meer ist sie gestellt
Ein roter Felsen mit grünem Land
Und in der Sonne weißem Strand

Mein müdes Herz lernt wieder fliegen
Steigt mit den Möwen hoch hinauf
Wird alle Düsternis besiegen
Lässt frohem Leben leichten Lauf

© Gerhard Falk

Den ersten Tag verbringe ich wieder damit, meine Festlandzeit auf die Inselzeit umzustellen. Sie bemisst sich nicht nach Uhren. Was macht diese Zeit hier aus? Lässt man sich auf sie ein, dann sind es die Wolken, die Wellen, der Wind, die Sonne. Sie alle kommen und gehen nach einem eigenen Rhythmus, in dem deine Seele zu schwingen beginnt. Du glaubst, dass dir die Möwen im Vorbeiflug zuzwinkern. Natürlich ist das alles relativ. Der rote Felsen strahlt die millionenhafte Beständigkeit seiner Existenz. Nichts geht verloren, nur sein Gesicht unterliegt dem Wandel.


Der Charme des Unperfekten

Das Unperfekte trägt oft seine deutlichen Gebrauchsspuren. Die ausgefranzte Flagge weiß von Stürmen zu berichten, die Falten im Gesicht von einem langen Leben, seinen Höhen und Tiefen. Das alte Haus von den Menschen, die dort gingen ein und aus. Der knorrige Baum entfaltet im Alter erst seine volle Schönheit und nimmt die Jahreszeiten gelassen entgegen, denn er weiß um seine Wurzeln. Das alte Schiff kennt seine Wege durch Wind und Wellen, die unzähligen Häfen und Ankerbuchten sind seine weltweiten Freunde geworden. Nachts im Museumshafen streichelt das plätschernde Wasser seinen Rumpf und die Masten wiegen sich in den Schlaf.

Der Charme der Insel Helgoland gründet sich für mich im Unperfekten. Lebendige Geschichte spricht aus ihren Gebrauchsspuren zu mir. Sie ist das Unverwechselbare, das Teil der Erinnerungen geworden ist. Da hängen am Rand des Klippenweges oft Teile der alten Wegbefestigung, weil wieder ein Stück verlorenging. Vor Jahren und Jahrzehnten führte dort noch mein Weg entlang. Hinten an der alten Aussichtsplattform hielten wir die Kinder hoch, damit sie der Langen Anna zuwinken konnten. Später dann bekam sie ihr Korsett, damit sie noch eine Weile hält als Wahrzeichen – niemand weiß für wie lange es sein wird. Ganz zu schweigen von den Resten der kriegerischen Vergangenheit. Sie zeigen sich überall und mahnen für den Frieden. Die Hummerbuden sind in meinen Augen die Perlenkette, die meine Insel mit Stolz trägt. Auch wenn die Nutzungen sich verändern, so gehören sie doch zur Insel wie der rote Fels. Wer an ihnen entlanggeht, der hört sie flüstern von den Fischern und den Alten, die sie einmal bewohnten und von ihrer Liebe zur Heimat Helgoland.

Der Tourismus ist auf Helgoland nur zu Besuch, und so sollte er sich ihr gegenüber auch respektvoll verhalten. Das gilt für mich und alle, aber es gilt auch für die Planungsverantwortlichen. Sie sollten nicht nach Perfektion streben. Nicht der schnelle Konsum ist es, der dauerhafte Freundschaften entstehen lässt. Es ist der Charme des Unperfekten, der alleine seine spannenden Erlebnisgeschichten zu erzählen vermag. Sie sind dann untrennbar und ganz individuell nur mit diesem bunten Tupfer in der Nordsee verbunden, die sie zu „unserer Insel“ macht, denn ihre Originalität mit Charme macht sie „inseliger“ als alle anderen Eilande.


Fachzeitschriften der Frisörin

Da liegen „Die Frau im Spiegel“ und andere Fachzeitschriften vor mir unter dem Spiegel bei der Inselfrisörin. Es war mal wieder notwendig, wollte ich nicht riskieren, dass man mich für einen alten Zausel hält, wie mein jüngster Sohn einmal angesichts eines ähnlichen Anblicks zu mir sagte. Sie erkannte mich wieder, obwohl mein letzter Besuch im Salon im Jahr 2014 stattfand. Zu meiner Entschuldigung bemerkte ich, dass ich 2015 nur eine Woche mit meiner Frau auf Einladung unseres Jüngsten hier gewesen sei. Dafür plane ich aber, ihre Renovierungsdienste noch einmal Ende des Monats in Anspruch nehmen zu wollen. Meine Frau solle schließlich auch einen optischen Eindruck von meiner Runderneuerung gewinnen. Sie, die Frisörin, kann übrigens perfekt mit Kamm und Schere umgehen; sie hat sich die Zeit dafür genommen. Außerdem kann man bei einem solchen Schwätzchen auch die eine oder andere Neuigkeit austauschen. Aber das wäre dann ein anderes Thema. Als ich sie noch auf ihre Fachzeitschriften ansprach, wovon meine Frau auch eine regelmäßig studiert, meinte sie wie meine liebe Frau: Man müsse schließlich informiert sein. Recht hat sie.

Trübe Aussichten und kein bisschen Trübsal

Am Tag vor meinem Geburtstag zeigt sich das Wetter trübe. Für den Nachmittag plane ich einen Gang zum Südhafen, um dort die MS HELGOLAND zu verabschieden. An Bord werden viele sein, die den Inselabschied schmerzlich empfinden. Andere treten ihre verdiente Urlaubsreise in den warmen Süden an. Ich bleibe zurück und empfinde das dann als ein besonderes Geschenk. Wenn man so reichlich beschenkt wird, dann ist kein Platz für Trübsal.

Der Tag

Eine Kerze begleitet mich in diesen Morgen. Es ist noch dunkel. Drüben auf der Düne grüßen rote, grüne und weiße Lichter zu mir herüber. Die Nordsee ist ruhig und der Wind schläft noch. Über mir funkelt ein unendlicher Sternenhimmel unter dem die weißen Finger des Leuchtturms schützend die Insel und das Meer bestreichen. Es ist meine Stunde.
Einer Freundin, die tapfer, aufrecht und hoffnungsvoll jeden neuen Tag als Geschenk entgegennimmt, schickte ich diese Verse, deren ich mich erinnerte, weil sie etwas über ein segnendes Licht schrieb…..

Ewiges Licht

Der Nebel liegt auf diesem Morgen
und macht ihn kalt und nass.
Da möcht ich mir die Sonne borgen
und vielleicht noch dies und das.

Ein in der Nacht vergessenes Licht
fließt und verliert sich schnell.
Es bringt die Sommerbilder nicht,
doch durch allen Nebel wird es hell.

Da ist es wieder und strahlt für mich,
kein Nebel löscht es aus.
Hinter allen Schatten findet sich
das Licht im Himmelshaus.

Ein trüber Herbst hat mir
die Farben nicht verdorben.
Unvergänglich hell in Dir
haben sie mich erworben.

© Gerhard Falk

Mit Regen begann der Weg übers Oberland entlang der Klippen, doch dann kurz nach der Langen und der Kleinen Anna hat sich die Sonne durchgesetzt, so wie sie mir von meiner Frau übers Telefon angekündigt wurde. Mit Betroffenheit sah ich, dass die neue Aussichtsplattform zur Langen Anna ein Opfer der Erosion geworden ist. Weit fortgerückt ist nun ganz vorne der alte Platz, an dem wir vor Jahrzehnten mit den Kindern standen. Die Zeit ist auch an uns nicht spurlos vorübergegangen. Die Trauer ist dann von den Sonnenfliegern beim Lummenfelsen aufs Meer getragen worden. Meine Schritte sind wieder fest und hoffnungsvoll. Noch vor einigen Monaten nach dem Schlaganfall schien alles unsicher geworden zu sein. Das Bild hat sich gewandelt, so wie alles im Wandel ist. Die Insel wandelt ihr Gesicht in der Zeit und ist doch der Fels in der Brandung, der unvergänglich scheint. Mein Lieblingsplatz am Klippenweg lag in der Sonne. Das alleine zählt.

Mein Inseldoktor ist im Urlaub

Natürlich wollte ich in seine Praxis zum Inseldoktor, der mir damals vor Jahren die Düne als Terrain-Kur verschrieb, damit meine Lunge sich erhole. Er befindet sich im Urlaub. Die Praxis ist geschlossen. Er hatte damals einen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen, ganz abgesehen davon, dass ich viel von ihm lernte - auch seine Gelassenheit. Sie ist noch nicht ganz so mein wirkliches Prinzip geworden, denn noch immer rege ich mich über die Welt auf. Sie scheint gewalttätiger denn je. Vielleicht aber ist es nur die ungebremste Flut der Nachrichten, die uns täglich überwältigt. „Sei Du die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt“, sagte Gandhi. Das stimmt ganz sicher. Vielleicht bin ich auch um dieser Gelassenheit willen auf meine Insel geflohen. Gestern feierte ich ganz in der Stille für mich meinen 70. Geburtstag. Der lauten Welt bin ich entflohen. Vielleicht schütteln die potentiellen Geburtstagsgäste drüben auf dem festen Land den Kopf und nennen mich einen Geburtstagsflüchtling, wie ein lieber Paddelkamerad es auf seiner Karte formulierte. Flüchtling zu sein empfinde ich in diesen Zeiten aber eher als Auszeichnung. Sie sind aber die Gejagten, die Vertriebenen, die ihre Heimat im ungewissen Schicksal zurücklassen mussten. Ich habe nur für kurze Zeit die Heimat gewechselt.

Für die Schritte in den letzten Lebensabschnitt will ich die inselige Gelassenheit spüren und sie als neues Kapital gut angelegt wissen. Der Schlaganfall im vergangenen Jahr hat meine Welt verändert. War es ein Warnschuss oder ein Weckruf zur späten Stunde?

Heute will ich den Tag auf der Düne verbringen. Meinen Robben-Freunden gleich will ich mich in den Sand legen und hören, was mir diese Welt für Nachrichten übermitteln will. Es ist keine Traurigkeit, die ich einmal in diesem Gedicht ausdrücken wollte, sondern die Gelassenheit und die Zuversicht, die mir meine Insel Helgoland immer wieder vermittelt hat.

Horizonte

Ich schau aufs Meer ins weite Rund
und fühl mich ganz verlassen.
Sie steht vor mir die letzte Stund,
ich spür’ sie nach mir fassen.

Lebensblumen blühten lange schon,
Herbstblätter sind verweht.
Zum fernen Horizont sind sie davon
wo nichts mehr weiter geht?

Die Möwe im Wind, sie schaut nach mir,
hat mich wohl längst erkannt.
Sie ruft mir zu: „Ich bleib’ bei dir!“
führt mich nun fort vom Land.


Ich schau aufs Meer ins weite Rund
und höre die Wellen rauschen.
Will ihrem Lied zur letzten Stund’
noch eine Weile lauschen.

Ein Seehund namens BIDO

Von ihnen war in meiner kleinen Geschichte „Nudeln im Wind“ die Rede. Sie soll einmal der Anfang für etwas Längeres werden. Es sind unsere beiden Söhne, die mit meiner Frau und mir ab Anfang der Siebziger regelmäßig zu Ostern in die Jugendherberge Helgoland fuhren. Damals war es die Seute Deern, die uns durch die Nordsee trug. Meist trafen wir in der JH auf bekannte Gesichter. Die Kinder waren schnell unter ihresgleichen, auch wenn sie anfangs kaum über die Tischtennisplatten schauen konnten, war das eines ihrer beliebtesten Spiele. Vor allen Dingen war es der Rundlauf vieler, die den Ball abwechselnd auf der Platte zu halten hatten, der lautstark für Begeisterung sorgte.

Irgendwann dann zogen sie ihre Kreise weiter. Besonders der Jüngste ließ sich von den Helgoländer Kindern anstecken, die an der Treppe zum Oberland ihre Donnerkeile, Muscheln, Seeigel und was da an Fundsachen noch so alles anfiel, zum Verkauf an die Touristen anboten. Unser Kleiner sah nun einen ganz besonderen Anreiz darin, auf der Düne seine Schätze zu sammeln und setzte sich eines Tags zwischen die Helgoländer Kinder und eröffnete sein Geschäft. Er erzählte uns, dass es gleich eine wilde Klopperei gegeben habe, weil die kleinen Insulaner keine Fremden im Geschäft dulden wollten. Wie er es schaffte, wissen wir nicht wirklich, aber er hatte dann doch seinen Platz und präsentierte zum Abendbrot stolz seinen Gewinn. So wurden die Taschengeld-Groschen deutlich aufgestockt. Allerdings ging alles recht schnell zurück in den Helgoländer Wirtschaftskreislauf. Im Kochlöffel landete alles schnell wieder für die tollen Sachen, die es in der Jugendherberge nicht gab. Gesund Ernährung hatte schon damals unwiderstehliche Konkurrenz.

Eine ausgesprochene Inselattraktion war das Seehundbecken am Aquarium. Kein Tag verging, an dem wir nicht alle zusammen oder die Kinder alleine dort vorbei gingen und die Kerlchen bestaunten. Einmal waren wir auch im Sommer für einige Wochen auf der Insel. Der Älteste hatte für seine Sandspielsachen einen gelben Seehund mit vier Rädern, den er am Seil hinter sich herzog. Er trägt den Namen „BIDO“ und steht noch heute in einem Regal in der Garage.

Später waren die Jungens in den Sommerferien auch alleine auf der Insel, als Ferienhelfer in der Jugendherberge. Beide sind aktive Segler geworden. Der Ältere wurde promovierter Physiker und unterrichtet am Gymnasium Physik und Mathematik. Jedes Mal wenn ich am Gedenkstein für Heisenberg vorbei gehe, dann kommt ein Lächeln in mein Gesicht. Der Jüngere wurde Diplom-Sozialpädagoge, gründete ein eigenes Unternehmen und bildet an der Hochschule Erlebnispädagogen aus. Vielleicht haben die Helgoländer Jugendherberge und die Treppe zum Oberland ihren Anteil daran.

Wenn ich das heute von Düne zurückkommend in mein Inseltagebuch schreibe, dann ist es auch ein Stück Dankbarkeit, die ich der Insel Helgoland damit ausdrücken möchte.

Wenn der Sonnenaufgang müde ist…..

…dann bleibe auch ich länger in den Federn. Vermutlich hat mich die Inselzeit jetzt erobert. Die See ist bewegt. Es weht eine frische Brise. Eine dichte Wolkendecke verschließt den Himmel. Zwei Möwen segeln ohne Eile vor meinem Fenster hin und her. Sie beobachten genau, ob sich da ein Frühstück zeigt. Nun sind es drei. Greifvögel über dem Festland fliegen nur, wenn sie Nahrung suchen. Bei den Möwen bin ich mir nicht sicher, seit ich von Jonathan gelesen habe.

Den morgendlichen Schiffsverkehr zum Windpark habe ich verpasst. Auch das Boot der Biologischen Anstalt hat seine Proben wohl schon gesammelt. Das Dünenboot sah ich auch oder war es ein anderes Börteboot, das da unterwegs war? Sie jedenfalls sind mir die liebsten, diese schweren aus kräftigen Holzplanken nach alter Schiffsbauerkunst für eine wilde See gebauten Zeugen Helgoländer Tradition. Gestern fuhr ich in einem solchen hinüber zur Düne und wieder zurück. Auf der Motorkiste draußen sitzend hörte und spürte ich den kräftigen Schiffsdiesel. Es schmiegte sich in die Wellen und rollte dabei in einem Takt, dem man sich nicht entziehen will. Hinten hat ein Helgoländer Schiffer im Ölzeug die Pinne unter dem Arm und fest am Körper. Breitbeinig steht er da und liest die Wellen voraus. So ist gut fahren!

Nun bin ich wach!

Heisenbergs Geist schwebt über Helgoland.....

....wie anders kann es sein, dass mir beim Verzehr meines Fischbrötchens und meinem Blick draußen in die Wellen seine Quantenmechanik in den Sinn kommt? Eindeutig aber ist die Zubereitung des Fischbrötchens kein Doppelspaltversuch. Die Welle bleibt eine Welle und der Hering mit Brötchen sind unverwechselbare Teilchen, auch wenn mir nun eine Welle des Wohlbehagens durch den Festkörper strömt.

Kein Foto wird dieser Insel wirklich gerecht….,

……die so viele Gesichter hat. Sie ist ein Seelenspiegel für alle, die sich auf sie einlassen. Und sie hat ihre eigene Seele, die sie freundlich öffnet für alle, die sich von ihr berühren lassen. Schon immer hat sie sich als ein Kraftquell erwiesen. Das spürten schon früher Menschen, die kraftlos und manchmal verzagt hier eintrafen und dann mit neuer Hoffnung gestärkt wieder abreisten. Im Gepäck allerdings nehmen alle eine tiefe Sehnsucht mit, die sie von ihr träumen lassen und die sie zurückführt – eines Tages, ganz bestimmt.

Für mich ist das die Erfahrung aus einem bis jetzt langen Leben, das mich hier einen Anker hat werfen lassen. Für heute bin ich froh, dass mein Insel-Abschied noch hinter dem Horizont liegt.


Die Nacht…

Erst wollte ich noch ins Inselkino gehen „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ nach einem Roman von James Krüss in einer Neuverfilmung. Dann aber fühlte ich mich am Nachmittag sehr unwohl, dass ich doch lieber früh ins Bett ging. Die Nacht bescherte mir Unruhe und einen Albtraum bis mich der Morgen und eine Teekanne aus Beidem befreiten. Der Blutdruck, den ich regelmäßig messe, war in Ordnung und auch die Zuckerwerte bewegen sich nach unten. Auf der Küchenzeile stehen zahlreiche Medikamente, die ich seit der Klinik regelmäßig schlucke und die mich daran erinnern, dass meine Zeit hier auf der Insel nicht nur meinem reinen Vergnügen dienen soll.

Heute will ich wieder hinüber zur Düne auch wenn es draußen kein ausgesprochenes Dünenwetter ist. Der Wind ist eisig und der Himmel besteht noch immer aus einer geschlossenen Wolkendecke. Aber die Wetterfrösche meinen, es solle besser werden……..?! Natürlich ist es dann doch wieder reines Vergnügen, mit dem Börteboot durch die Wellen zu pflügen, am Strand entlang zu stapfen, Robben und Möwen zu beobachten und die vielen Erinnerungsperspektiven wieder aufleben zu sehen. Dabei geht mir immer wieder durch die Gedanken, ob dies nun ein Abschiedsbesuch auf meiner Insel sein könnte. Doch ich verwerfe das schnell. Nein, das wird es nicht!!! Seit zwei Tagen laufe ich entschieden leichter. Es ist nicht mehr das bleierne Schleichen wie zuvor, obwohl mein Gang schon auf dem Festland dieses leichte Schwanken verloren hatte. Die Taubheit des linken Ohres ist lästig, weil ich im Gespräch nun oft nachfragen muss und auch die Kopfgeräusche sind allgegenwärtig. Wenn meine Aufmerksamkeit stark nach außen gerichtet ist, dann ignoriere ich sie.
Der neue Tag soll kommen!

Ein Leben in der Postkarte…..,

……das ist es nicht. Die Untiefentonne liegt schräg in den Wellen, die weiße Schaumkronen tragen – nicht alle, aber viele. Als ich die Flügeltüre zum Balkon öffne, drückt sie mir der Wind an den Körper. Wie eine kalte Dusche umströmt mich die Nordseeluft. Nun bin ich richtig wach. Der heiße Tee zieht in der Kanne, während ich die rosa und weißen Tabletten in ein Schnapsglas fülle und sie mit einem Glas Wasser herunterspüle. Draußen jagen währenddessen die Möwen vor dem Fenster über die See, die ihr Rauschen mit dem des Windes vermählt. Drüben hinter dem Dünenleuchtturm weiß ich die Sonne, die als roter Ball aus dem Meer aufsteigt. Stattdessen zieht ein Schwarm schwarzer Vögel eilig von rechts nach links vorbei. Vielleicht sollte ich sagen von steuerbord nach backbord? Helgoland ist ein Schiff vor Anker auf einem Felsen, und es fährt dennoch mit mir durch die Zeit. Ich genieße den Augenblick am 10. Inseltag. Noch weitere 18 sollen folgen. Solche Rechnerei ist mir fremd geworden an diesem Morgen, hier am Schreibtisch vor dem großen Fenster, das vom Boden bis zur Decke reicht und neben der Tasse heißen Tees, die neben mir steht. Ich messe heute keinen Blutdruck und keinen Zucker. Die Messung verändert doch nichts. Heisenbergs Quanten sähen das anders, aber ich? Ich sehe einen prächtigen Sonnenaufgang hinter der Düne, der sich mir verweigert. Aber in meinem Kopf ist er unauslöschlich. Eine lebendige Erinnerung lässt mich hinter die graue Wolkenwand sehen. Ich muss sie nicht wie eine Postkarte ständig betrachten – die Erinnerung lebt! Ein Flieger setzt drüben gegen den Wind zur Landung an.

6 Blitz – 1 Blink…..,

….das ist die Kennung der Untiefentonne draußen beim Wittekliff. Weiter westlich steht der Windpark im Meer. Vom Oberland aus kann man ihn gerade mal so sehen. Er ist mir allemal lieber als das AKW bei Hameln an der Weser, wo ich gelegentlich vorbeipaddele und es mir den Hals zuschnürt. Zu Hause haben wir auf den Höhen nun auch Windräder. Meine Frau zürnt ihnen, mich stören sie nicht. Es ist vielleicht doch eine Frage, die sich nicht im Kopf sondern im Bauch entscheidet. Die Helgoländer haben ja auch ganz, ganz früher dort draußen Kreide und Baumaterial abgebaut und verkauft, bis dann in einer Sturmflut alles zusammenbrach und nun die Düne keine Verbindung mehr zur Hauptinsel hat. Die Naturzerstörung zum eigenen „Vorteil“ ist noch immer menschliche Praxis, nicht hier – die Insulaner haben gelernt. Die Ausmaße sind weltweit größer geworden, aber ein schlechtes Gewissen kommt auf. Für 25 Jahre hat der Windpark eine Lizenz. Seine Fundamente können vielleicht bleiben, weil sich dort ein neuer Lebensraum entwickelt. Ich werde das wohl nicht mehr erleben, aber ich bin froh, dass sich die Richtung, in der wir unterwegs sind, doch hier und da geändert hat.

Mir scheint, dass der Wind heute etwas nachgelassen hat. Die weißen Schaumkronen auf den Wellen fehlen. Das Wochenende hat begonnen. Da darf auch der Wind seine Pause nehmen, so wie die Arbeiter, die in ihren Shuttle-Booten morgens bei mir in Richtung Windpark vorbeikommen. Das Kraftwerk im Meer liefert nicht nur Strom, sondern hat auch dauerhafte Arbeitsplätze auf die Insel gebracht.

Draußen läuft ein Jogger vor dem Deich, und die Möwen segeln. Aber der Morgen tut sich mit dem Erwachen noch schwer. Einem Paddelkameraden schrieb ich eben auf die Postkarte vom Norwegen-Sehnsuchtskalender, den er mir zu Weihnachten schenkte und der nun auf meinem Schreibtisch steht:

„God dag!
Jeg hilser dere fra Helgoland. Dessverre er det ingen nordlys.
Hilsen fra, Gerhard“

Vielleicht trägt mich mein Bulli doch einmal nach Fjord-Norwegen und auf die Lofoten? Hier auf Helgoland können Träume das Fliegen lernen – warum auch nicht? Dazu sind sie da!

Er muss es wohl gehört haben, …..

…….der Wind, den ich heute am Morgen ins ruhige Wochenende schicken wollte. Er ist zurückgekommen und mit 6 Windstärken unterwegs - Sturmwarnung!
An meinem Lieblingsplatz an den Klippen war es relativ ruhig, doch wollten meine Finger bei 0 °C schnell wieder in die Handschuhe nachdem ich im Notizenheft notierte:


Erosion der Zeit!

Hört ihr,
wie der Sturm
in den Klippen heult?
Ich hole sie mir alle,
die Wege, die Bunker,
die Zeit und die Ewigkeit!
Menschlein liebe mich,
denn ich hole auch Dich!
Im Meer die rote Kant,
ihr nennt sie Helgoland.
Sie liebt mich und auch Dich!

Allen Grund zu jubeln…..,

habe ich heute früh bei den Messritualen. Mein Blutzucker ist erstmalig mit 98 mg/dl wieder unter die Hundertgrenze gesunken, so wie es nach der Klinikentlassung die Vorgabe war. Auch der Blutdruck ist mit 114/74 aus seinen alten Höhen herabgestiegen. Der sollte dauerhaft unter 140/90 mmHg liegen, und das ist nun auch der Fall. Mein Puls schlägt mit 97 entsprechend hoch. Nur mein PeakFlow liegt bei 370, aber das ist dem Umstand geschuldet, dass ich seit meinem Eintreffen auf der Insel das Asthma-Medikament abgesetzt habe. Die anderen Pillen sind mir genug und außerdem steht das Inhalationspulver auf der Dopingliste.

Nun könnte ich vor lauter Freude um die Insel rennen und den Tag im Kalender rot anstreichen. Der aber weist den Sonntag heute bereits rot aus. Helgoland, ich könnte Dich küssen! Ich wusste es, auf sie ist Verlass!



Der Gipfel scheint erreicht!

Nun folgt der Abstieg. Jedenfalls sagt mir das mein Sehnsuchtskalender auf dem Schreibtisch. Ein neues Wochenblatt beginnt heute, und das Bild zeigt einen roten Sonnenaufgang über den norwegischen Bergen am Tilremfjord. Noch zwei Wochen auf Helgoland liegen vor mir. Da wird es noch so manchen Weg entlang der Klippen geben mit sehnsuchtsvollen Blicken hinaus in die unendlich scheinende Weite des Meeres. Den Lummen werde ich erzählen, dass es weiter oben im Norden auch solche Sehnsuchtsorte gibt, wie Helgoland einer ist. Sie werden das verstehen – ganz sicher.

Das Café Hinrichs im Unterland hat wieder geöffnet. Natürlich will ich auch wieder hinauf zu Benno im Café Krebs. Er soll mir noch sein Buch signieren, das ich mit Hilfe einer Münchnerin in Frankfurt aufgetrieben habe. Sie erhielt dafür drei meiner Bücher. Nicht so ein dickes Geschichtsbuch wie das von Benno, nur eines mit Kurzgeschichten, eines mit Gedichten und ein Kinderbuch. Ich wollte hier auf Helgoland eine Gesamtausgabe mit meinen Gedichten vorbereiten, aber ich habe noch nichts getan. Stattdessen reift der Plan, meine Helgoland-Tagebücher als neues Projekt zu beginnen - „Sehnsuchtsort Helgoland“ wäre ein Arbeitstitel.

Am Schreibwettbewerb der Kurverwaltung habe ich jedenfalls schon einmal teilgenommen. Vielleicht zeigt sich die Jury mir wohlgesonnen. Das wäre ein zusätzlicher Impuls.

Zwei Wochen für den Abstieg? Nein, es ist kein „Abstieg“. Es ist geschenkte Zeit, die ich mit Vorfreude auspacken will. Sie soll mich dann zusammen mit dem ganzen Monat begleiten und zu einem Felsen meiner Zeit werden.

Der Dünentag…..

….gestern wird mir unvergessen sein. Obwohl der Wind schon schwach, doch immer noch kalt war, hatte die Sonne eine Frühlingswärme, dass ich mich gerne an windgeschützten Stellen in ihre Arme fallen ließ. Auch eine kleine Robbe hat mich im Wasser neugierig begleitet. Meine Schritte auf den Kieseln entlang des Wassers an der Westküste waren relativ laut und wohl auch unter Wasser gut zu hören. Da schien sie nachschauen zu wollen, wer da so einen Krach macht.

Während ich morgens noch mit einem Börteboot hinüber fuhr, war es am Nachmittag die Witte Kliff, die ihren Dienst wieder aufgenommen hat. Die neue Saison steht vor der Türe. An den Landungsbrücken stand ein Fernsehteam und drehte ein Interview zum Inselradio, das am 1. März 2017 „on air“ gehen soll. Ich habe es versäumt zu lächeln, als ich beim Ausstieg in das Objektiv des Kameramannes blickte – ganz laienhaft. Hinten bei der Jugendherberge laufen am Strand die Dreharbeiten zu einem Film. Es ist ganz schön was los hier am roten Felsen, während bei mir so langsam der Abreisemodus beginnt. Ich freue mich auf zu Hause und doch ist da wieder dieser kleine Schmerz des Abschieds von meiner Insel. Nach den Ereignissen des vergangenen Jahres kann ich es nicht vermeiden, mich auch zu fragen, ob es ein letzter Besuch gewesen sein könnte. Wegwischen geht nicht. Mein neues Jahrzehnt habe ich hier begonnen. Es soll gut werden, und ich will es voll machen. In meiner Hand liegt es wohl nicht, aber ich kann dazu beitragen.

Heute will ich hinten an der Jugendherberge den Treppenaufgang „Himmelsleiter“ hinauf zum Oberland nehmen. Der Wind ist hier hinten mäßig, denn er kommt aus Südwest. Im Südhafen bläst er mit 6 bft. Es hat sich frühlingshaft auf 6 °C erwärmt. An den Klippen wird ein frischer Wind auf mich warten, und ich erwarte ihn.

An den Klippen

Es treibt mich wieder übers Oberland
Das Geschrei der Möwen im Wind
Dort wo ich an den roten Klippen stand
Der Sturm vom Meer die Lieder singt

Der Wind bläst mir die Freiheit zu
Die Möwe lässt mich fliegen
In wilden Wogen wohnt die Ruh
Ich will dich immer lieben

© Gerhard Falk

Die Sonnentage scheinen vorüber….,

…doch was macht das schon? Ich wollte keine Postkarte konsumieren. Ich wollte? Ich wollte ganz einfach hier sein und sie spüren – meine Insel. Die salzige Luft wollte ich ebenso schmecken, wie die Fischbrötchen und die Fischsuppe, die ich mir in meinem großzügigen Appartement im Kurmittelhaus immer wieder zubereitet habe. Die Hummerbude, in der ich zu anderen Zeiten Fischbrötchen bekam, hat geschlossen, ebenso die anderen Verkaufsstellen im Unterland. Kein Problem! Ich weiß wie man das macht. Die Damen vom Hausservice begrüßen mich mit Namen, wenn ich zufällig mit ihnen zusammentreffe. Kürzlich fragten sie angesichts meines Einkaufsbeutels, ob ich heute wieder kochen würde. Neulich habe es im ganzen Etagenflur ganz wunderbar geduftet, dass sie Hunger bekommen hätten. Vielleicht war es auch nur ein zarter Hinweis. Der Dunstabzug über der Küchenzeile sei wohl nicht so leistungsstark erklärte ich. Dann verteilte ich an jede eine kleine Stange mit Ferrero-Küsschen und sie meinten, nun sei ihre Mittagspause wieder gesichert.

Mein Appartement besteht aus einem großen Schlafzimmer mit Bad und Balkon und durch eine Zwischentüre verbunden einem Wohnraum mit einem weiteren Balkon, einer Küchenzeile und einem Bad. Ein großer Fernseher vor dem Sofa lässt mich die Biathlon-WM gelegentlich miterleben. Meine Frau zu Hause fiebert sicher bei jedem der Rennen mit. Ich versäume auch schon mal eines. Über die gesamte Breite der beiden Balkone befinden sich bis zum Boden reichende Flügeltürenfenster, sodass ich einen ungehinderten Blick auf die Nordsee und die gegenüberliegende Düne habe, die im Augenblick vom Morgendunst verhüllt wird. Den Esstisch habe ich zum Schreibtisch umfunktioniert und vor das Fenster geschoben. Draußen sehe ich außer den patrouillierenden Möwen regelmäßig auch den Schiffsverkehr. Was also will ich mehr?

Die letzte Woche liegt vor mir

Es ist mit 5 °C zwar deutlich wärmer, aber dafür regnet es auch leicht. Im Südhafen werden noch 5 bft. angezeigt, allerdings über den Tag abnehmend 4. Also wird heute die Regenhose drüber angezogen, Stiefel sowieso und die dicke Jacke passt immer. So will ich mich treiben lassen an diesem vorletzten Sonntag hier auf Helgoland.

Dann blieb es doch trocken und auch die Sonne schaute kurz vorbei. Mit dem Fahrstuhl zum Oberland, die Falmmauer entlang gebummelt, die MS Helgoland den Hafen verlassen gesehen, dann die Treppe hinab zu den Hummerbuden, in den Südhafen, Bank sitzen, mit zu Hause telefonieren, zurück in das Appartement, Biathlon-WM zu Ende gesehen, Geschirr gespült, nachgedacht. Der Abschieds-Countdown läuft.

Im Hafen liegt eine Ketsch

Vielleicht hat sie eine Länge von zehn Metern oder mehr. Auf alle Fälle sind am Groß- und am Besanbaum die Segel aufgetucht. Dazwischen liegt das Deckshaus mit dem Innensteuerstand. Sie ist der einzige Segler im Südhafen. Er hat an der Hafenmauer festgemacht. Die Stege für die Segler liegen auf dem Trockenen. Aber dieses Schiff ist im Winter auf der Nordsee unterwegs. Woher kommt es, wohin will es? Es atmet einen Hauch von Freiheit. Vorne liegt die „Hermann Marwede“, der große Seenotretter. Am nächsten Donnerstag ist ein Gedenkgottesdienst in St. Nicolai. Vor 50 Jahren, am 23. Februar 1967, verunglückte die „Adolph Bermpohl“. „Damals verloren drei zuvor gerettete niederländische Fischer und vier Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS, Sitz: Bremen) ihr Leben.“, so lautet eine Zeitungsnotiz. Drüben auf der Düne gibt es den Friedhof der Namenlosen.
Auf Helgoland gibt es das Leben mit der See und das Sterben in der See. Beides ist intensiv.

Gestern saß ich bei Benno…

…trank den Karawanen-Tee mit kandierten Kirschen und aß von seiner Pflaumentorte. Er hat mir sein Buch zur Helgoländer Geschichte aus dem Jahre 1985 signiert. Schon einmal signierte er dieses Buch 1986. Damals kaufte es eine Frau. Über die Vermittlung einer Münchnerin kam es aus Frankfurt zu mir und reiste dann an seinen Ursprungsort nach Helgoland zurück.

Drüben lag die Düne im Nebel während ich in einer Broschüre über Heinrich Heine und seine Zeit auf Helgoland aus dessen Nordseelyrik las. Er beschrieb so unvergleichlich schön seinen ersten Versuch, 1823 die Insel mit einem Schiff zu erreichen und welche Szenen er dabei erlebte, die Wildheit des Meeres und die Seekrankheit. Dies alles liest sich hier auf dem roten Felsen im Winter so spürbar real, wenn der Sturm das Leben bestimmt.

Zuvor war ich in der Nicolai-Kirche und bestaunte wieder einmal die Schiffsmodelle, die dort von der Decke hängen und die friedliche Atmosphäre des warmen Holzes und der Stürmen trotzenden Steine. Ich bin kein regelmäßiger Kirchgänger, aber glaube zu spüren, dass es da eine Göttlichkeit gibt, die Vertrauen und Liebe wachsen lässt.

Wieder ist ein Morgen. Wieder brennt ein kleines Licht in der Schale und wieder bestreichen die weißen Finger des Leuchtturms das Meer.

In der Nacht hat es geregnet…..,

…..da habe ich mich im frühen Dunkel noch einmal in die Decke gerollt, um in einen Zimmer-Hafen-Tag zu schlafen. Als er schon hell war, hockte ich noch traumverloren auf der Bettkante und schaute ins trübe Grau. Im Osten am Horizont sah ich die verschwommenen Umrisse eines Schiffes, das dort wohl vor Anker liegt. Schon wollte ich im Internet nachsehen, wo die aktuellen Positionen der Schiffe angegeben und nähere Informationen über sie ablesbar sind. Dann aber wollte ich es doch lieber meiner Fantasie überlassen. Das entspricht mehr dem Wesen dieser Insel, sich in die eigene Fantasie zu vertiefen und sie im Hintergrund Regie führen zu lassen.

Während ich das aufschreibe und meine erste Tasse Kaffee neben mir steht, hat sich die Sonne zwischen den Wolken Platz verschafft und lässt das weiße Holz der Balkone leuchten. Drüben an der Dünenmole brechen sich einige Wellen und stäuben im reinen Weiß empor. Es ist eine Freude, ihrem Spiel zuzuschauen. Der Wind treibt die Wellen und lässt einige sich weiß brechen. Die Möwe vor dem Fenster segelt vorbei und zeigt mir ihr weißes Gefieder. Das große Börte-Boot Aade ist unterwegs und sammelt die täglichen Proben für das Alfred-Wegener-Institut.

Stimmungen und solche Momente wollte ich in meinem Neuen Inseltagebuch festhalten, damit ich sie einmal später, wenn ich nicht mehr reisen kann, nachlese und meiner Erinnerung auf die letzten Sprünge helfe. Eine liebe Freundin hat mir ein Heftchen mit „Zehn Geboten der Gelassenheit“ mit auf diese Reise gegeben. Dort lese ich zum Beispiel:

„Nur für heute
werde ich mich an die Umstände anpassen,
ohne zu verlangen,
dass die Umstände
sich an meine Wünsche anpassen.“
Das passt!

Gestern saß ich lange im Südhafen auf einer Bank, dort wo die MS Helgoland festgemacht hat. Ich beobachtete, wie nach und nach die Passagiere und ihr Gepäck eintrafen. Bei jedem versuchte ich mir vorzustellen wie seine Umstände seien und was ihn auf die Insel führte und wohin er jetzt auf dem Weg war. Da waren die fröhlichen Männer, die mit ihren rollenden Gepäcksäcken vorbeieilten, lachten, sich erzählten und dann schnell im Schiff verschwanden. Da schob die junge Frau einen Kinderwagen, auf dem sich Pakete mit Eingekauftem türmten, darunter vergraben vielleicht auch das Baby oder war der Kinderwagen nur Transporthilfe? Das Paar mit den kleinen Rucksäckchen und vielen Beuteln an beiden Armen schien zu verhandeln, wie man die Gepäcklogistik wohl beim nächsten Mal gestalten werde. Aber da war auch die ältere Dame mit dem Rollator und einer großen Pelzmütze, die neben dem Schiff Aufstellung nahm und dann später gleich mir zuschaute, wie es den Hafen in Richtung Cuxhaven verließ. Stolz im Seebäderschiff-Weiß, angestrahlt von der schon im Westen stehenden Sonne, die auch den Felsen zum Abendabschied rot glühen lässt, schwingt mein Traumschiff hinaus in die See.

Ich bleibe zurück und freue mich, dass ich noch ein paar Tage Inselglück genießen darf. Diese Insel und das Meer, die mir täglich ihre Geschichten erzählen, auch von den unbekannten Toten, die das Meer zurückgegeben hat und die trüben auf dem Dünenfriedhof der Namenlosen eine letzte Ruhe gefunden haben. Ich habe dort die Gedenkglocke angeschlagen und ihnen gesagt, dass sie nicht vergessen sind.

Entronnen……

…….bin ich einem Schicksale, das in dieser unglaublichen Dramatik nur auf Helgoland oder am Everest er- und überlebbar wäre. Das Unvorstellbare kommt unerwartet. Zurückgekehrt will ich versuchen in einigermaßen verständlichem Deutsch und nicht etwa in Jägerlatein oder in gesponnenem Seemannsgarn zu beschreiben, was eigentlich nicht beschreibbar ist. So ihr also als gefestigte Persönlichkeiten mir folgen wollt, tut ihr dies auf eigene Gefahr und bei Ausschluss jeglicher posttraumatischer Haftungsansprüche…….!

Es fing alles völlig unspektakulär an, dass ich meinen Rucksack packte und auch die Regenhose und eine Thermoskanne mit Tee und Rum füllte. Der Rum allerdings war eine vorbeugende Maßnahme, weil man ihm in kalter Jahreszeit und auf See eine heilende Wirkung nachsagt. Warum ich das tat, ist mir nicht klar, denn bisher nahm ich nur Kaffee mit auf Touren, wo anderweitige Verpflegungsstationen nicht zu erwarten waren. Auch ein Schweizermesser ist immer dabei, aber das sei nur am Rande erwähnt.

Zunächst ging es mit dem einzigen landgebundenen öffentlichen Verkehrsmittel Helgolands – dem Aufzug – hinauf zum Oberland. Es scheint auch ein beliebter Kommunikationsort der Eingeborenen zu sein, was nur nebenbei bemerkt sein soll. Es wird noch bar bezahlt und Fahrkarten geknipst. Hoffentlich fällt das nicht irgendwann einem Rationalisierer zum Opfer. Ein frischer Wind begleitete mich die Falmmauer entlang und oben sah ich im Südhafen die MS Helgoland einlaufen. Sie ist ein tapferes Mädchen angesichts der Entwicklungen, die nun ihren Lauf nahmen. Wegen einer Baustelle – der Tunnel muss einer Neuplanung weichen – war der Beginn des Klippenweges gesperrt, was mich nicht davon abhielt, eine alternative Umgehungsroute zu wählen. Schließlich hatten meine Wanderstiefel schon alpine Erfahrung in Gesellschaft Reinhold Messners. Das aber wäre eine andere Geschichte.

Am Leuchtturm und dem Antennenmast vorbei gelangte ich dann doch zum Klippenweg. Schon hier begann ich breitbeinig wie ein schwankender Seemann an Deck Stabilität in den immer häufiger einsetzenden Böen zu gewinnen. Nun kam mir in Erinnerung, dass ich irgendwo bei den Windvorhersagen etwas von „in Böen 9 Windstärken“ gelesen hatte. So also fühlt sich das an. Den Klippenweg entlang bekam ich immer häufiger einen gehörigen Schubs von hinten, dass ich einen Sprung nach vorne vollführte und froh war über jedes Kilo, dem ich ansonsten auf der Waage gezürnt hatte. Hier hielten sie mich am Boden. Unten an den Klippen war die See über dem Sockel, aus dem die Insel herausragt, weiß von den anrollenden und brechenden Wellen. Grandios. Oben zurrte ich die Kapuze fest, weil sie mir vom Sturm fortgerissen wurde, wenn ich mich seitlich zu seiner Richtung drehte oder ihm gar ins Gesicht sah. Schaute ich aufs Meer, denn musste ich mich am Draht des Sicherheitszaunes festhalten. So kämpfte ich mich zu meinem Lieblingsplatz. Das Metallgeländer zum Meer und in die Windrichtung vibrierte, während ich es umfasste. Sofort war mir klar: Da kannst du nicht bleiben. Am Lummenfelsen sah ich die Bastölpel an den Klippen kauern. Nur die Mutigsten von ihnen segelten herum und übten sich mit entsprechender Flügelstellung im Rückwärtsfliegen.

Die Lange Anna zeigte sich unbeeindruckt. Da hatte sie Schlimmeres erlebt. Sie steht noch immer, obwohl in ihrem Rücken die Insel so langsam Opfer der Erosion wird. Ich hingegen wollte kein Opfer werden und kämpfte mich todesmutig, wissend um meine gute Ausrüstung, vorwärts. Es gibt kein zurück. Da muss ich jetzt durch. So wäre es auch Reinholds Devise gewesen. Es geht ums Überleben. Das will geübt sein. Also stelle ich mich der Herausforderung und gehe, torkele weiter. Nahziel ist die Leeseite des Oberlandes. Eingedenk meiner Thermoskanne, die seitlich am Rucksack sicher verstaut ist, biete ich letzte Kräfte auf und erreiche meinen Halbkrater unter dem ich die Jugendherberge ausmachen kann. Eine sichere Bank bietet mir die Gelegenheit, meine Ausrüstung abzulegen, mich zu setzen und die Thermoskanne zum Einsatz zu bringen. Doch auch hier wird in einzelnen Böen der Captain-Morgan-Tee fortgerissen bevor er den Becher erreicht. So nutze ich die Windpausen und bin dankbar für das heiße Getränk, das mir wohltuend durch die Glieder strömt.
Schon beim Lummenfelsen hatte ich meine Frau angerufen und ihr für die vielen schönen Jahre gedankt, die wir gemeinsam verbracht haben. Sie gestand mir, dass auch zu Hause ein Windchen wehe, aber sie versicherte mich ihrer unverminderten Liebe. So etwas setzt Kräfte frei. Nun konnte ich ihr vom glücklichen Ausgang der Expedition berichten, die ich ohne Sherpas und zusätzlichen Sauerstoff erfolgreich überlebt hatte. Über den Südost-Sattel gelang mir schließlich der Abstieg zum Kurmittelhaus problemfrei.

So grüße ich die geneigte Leserschaft als Gerhard, Baron von Münchhausen, Holzhausen und zu Helgoland.

P.S. Jede Geschichte hat einen wahren Kern und von ihm berichte ich gern!


Gewissheiten…..

Auf Ebbe und Flut ist Verlass
Auf sonst noch was?
Dass die Erde sich dreht
Und es immer weiter geht
Sag nie, dass es zu spät!

Es lebt im Wechsel
Die Beständigkeit

©Gerhard Falk

Gestern besuchte ich den Gedenkgottesdienst in der Inselkirche St. Nicolai. Das Gedenken galt den Seeleuten, den zunächst geretteten Fischern und den Rettern der Adolph Bermpohl, die vor 50 Jahren, am 23. Februar 1967, nördlich von Helgoland in einem Orkan auf See geblieben waren. Es war ergreifend zu sehen, wie Angehörige der Opfer auf die Insel gekommen waren, um noch einmal gemeinsam mit Seenotrettern aus Büsum, Cuxhaven und Helgoland und einer großen Gemeinde von Mitfühlenden sich zu erinnern und der Toten zu gedenken. Der Gottesdienst war aber nicht nur den Toten gewidmet. Er war vielmehr auch eine dankbare und anerkennende Geste für die Seenotretter und alle Rettungsdienste, die heute, wie in der Vergangenheit und in der Zukunft ihr Leben bereit sind einzusetzen, um Menschen in Not zu Hilfe zu eilen. Immer wieder wurde betont, dass wenn andere in die Sicherheit eines Hafens flüchten, sie hinausfahren, um in Not geratenen Menschen zu helfen.

Vor Jahrzehnten besuchte ich mit meinen Kindern den im Südhafen stationierten Seenotrettungskreuzer. Ich erinnere mich noch lebhaft wie sie fragten, bis zu welcher Windstärke sie wohl hinausfahren würden. Der Mann im roten Overall lächelte und sagte: „Bei jedem Wetter fahren wir, wenn wir gerufen werden!“ Das hatte sie damals sehr beeindruckt und wir erzählten ihnen von der Adolph Bermpohl und schauten in den Büchern nach, wie schon früher entschlossene Seeleute in offenen Booten hinausruderten, wenn ein Schiff an der Küste in Seenot geraten war. Jedes Jahr führte uns der Weg immer als Erstes in den Südhafen, um zu staunen und auch oft wieder ein neues Schiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zu entdecken. Sie sind beide heute aktive Segler und waren es schon als Kinder bei ihrem Papa. Der älteste ist freiwilliger Feuerwehrmann. Es gibt viele, die sich ehrenamtlich in den Rettungsdienst für in Not geratene Menschen stellen. Ihnen allen galt auch diese Gedenkveranstaltung auf Helgoland. Ihnen gelten auch mein Dank und meine Anerkennung. Was wäre unsere Gesellschaft ohne sie?

„Wenn die weißen Wogen hoch gehen….

…und die Sonne dazu lacht, dann hat dies ein lieber Gott nur für mich gemacht“, möchte ich singen. Das Orkan-Tief Thomas weckt die See auf, die den ganzen Februar über schon recht munter war. Meine Düne drüben gefällt sich im frühen Sonnenschein und die Robben werden die warmen Strahlen faul am Strand genießen. Sie waren fruchtbar in diesem Winter. Ich sehe die Wellen drüben am Nordstrand anrollen und sich im stolzen Weiß brechen. Das Meer umtost dieses Eiland draußen in der Nordsee, wo die Möwen die Leichtigkeit des Seins segelnd im Sturm demonstrieren. Hinterlassen möchte ich hier meinen Helgoland-Zyklus, der hier einst entstanden ist und der mich erinnern wird an die vielen schönen Jahre, in denen mich die Insel willkommen geheißen hat….

Helgoland

Auf meiner Insel lebt die Welt
Hier ins Meer ist sie gestellt
Ein roter Felsen mit grünem Land
Und in der Sonne weißem Strand

Mein müdes Herz lernt wieder fliegen
Steigt mit den Möwen hoch hinauf
Wird alle Düsternis besiegen
Lässt frohem Leben leichten Lauf

© Gerhard Falk

Zeitlos in der Zeit

Im süßen Schlummer liegt der Morgen
Und schüchtern ist das Licht
Nichts will mich da besorgen
Bis dass der Tag anbricht

Für diese Stunde will ich leben
In der befriedet ist die Zeit
Wo gute Geister stille weben
Hinein in eine Ewigkeit

© Gerhard Falk

An den Klippen

Es treibt mich wieder übers Oberland
Das Geschrei der Möwen im Wind
Dort wo ich an den roten Klippen stand
Der Sturm vom Meer die Lieder singt

Der Wind bläst mir die Freiheit zu
Die Möwe lässt mich fliegen
In wilden Wogen wohnt die Ruh
Ich will dich immer lieben

© Gerhard Falk


Abschied von Helgoland

Weiß schäumt die See, die Sonne lacht,
der Wind bläst aus Nordwest mit Macht,
rot glüht der Felsen im Abendlicht,
grünes Land vergiss mich nicht.

© Gerhard Falk


Bei meinem Rundgang durch den Südhafen heute sprach ich mit einem Mann von der Börte, der an einem der Boote arbeitete. Wir waren uns einig, dass es die besten Boote für das Seegebiet Helgoland überhaupt sind und seetüchtiger als so mancher Plastikbecher, wie ich die neuen Boote nenne. Es ist aus massiven Eichenbohlen gebaut und bringt gut 8 Tonnen auf die Waage. So mindestens zwei mit angepasstem Aufbau sollte die Gemeinde als neues Dünenboot bestellen und nicht wieder so einen Joghurt-Becher, war mein Vorschlag. Die Börte gehört zu Helgoland wie die Lange Anna. Helgoland ohne Börte-Boote ist wie Strand ohne Sand.

Natürlich bin ich einer von diesen romantisierenden Besserwissern, die alles behaupten und nichts beweisen müssen. Dennoch halte ich es mit Antoine de Saint-Exupéry, der im Kleinen Prinzen schreibt, dass man nur mit dem Herzen gut sieht. So soll man Helgoland mit dem Herzen ansehen und eben nicht mit der Wellness-Brieftasche. Die Schickeria hat schnell wieder ein neues Objekt des Vergnügens gefunden und fährt lieber mit dem Wassertaxi zur Düne als ins Börteboot zu steigen. Die Inselliebhaber aber werden immer wieder kommen, denn ihre Liebe zur Insel ist vererblich. Sie kommen nicht nur wegen schneller Attraktionen. Jeder hat so seine eigenen Erlebnisse, und sie erkennen sich, egal wo sie sich begegnen. Sie möchten auch, dass die Helgoländerinnen und Helgoländer selbst eine verlässliche Zukunft haben und gerne hier leben wollen, auch ohne den immer schnelleren Euro. Sie haben mit Liebe ihre Insel wieder aufgebaut und deshalb sollten wir Helgolandfahrer diese Liebe auch erwidern, damit sie dauerhaft bleibt und Freude bereitet.

Die MS Helgoland wird mich am 28. Februar wieder an Bord nehmen und sicher über die winterliche Nordsee nach Cuxhaven tragen. Zurück lasse ich meine ganze Inselliebe und einen tiefen Anker, den ich dort für alle Zeiten versenkt habe. Mit auf die Reise nehme ich einen Seesack voller Erinnerungen, die sich über die Jahre angesammelt haben und vermischen in einem Gefühl der Dankbarkeit.


Ich danke den Menschen, die mir begegnet sind und der Crew des Kurmittelhauses, die freundlich und treu gesorgt hat und immer ein liebes Lächeln verschenkte.


Ruhig liegt die See an diesem Morgen, so als wolle sie noch etwas schlafen. Doch über der Düne schaut das Auge der Sonne aus den Wolken, zwinkert mir zu und verschwindet wieder, so als wollte sie mir sagen: „Ich bin da, auch wenn du mich nicht siehst.“

Ein letztes Mal bin ich den Klippenweg über das Oberland gegangen und habe mich gegen den Wind gestemmt und bin dann die Treppe zum Mittelland hinunter an der Nordseeklinik vorbei zum Zoll. Mein Koffer war schon da. Alles ging schnell. Morgen will ich noch einmal hinüber zu Düne, sie den Strand entlang umrunden, dann im Unterland traurig umhergehen, auf einer Bank an den Landungsbrücken sitzen, meinen Rucksack im Kurmittelhaus holen, den Schlüssel abgeben, mit dem Aufzug hinauffahren und über die Dächer hinweg die Helgoländer Häfen sehen. Meinem jüngsten Sohn bringe ich eine Helgolandflagge mit, damit er sie dereinst unter der Steuerbordsaling als Gastlandflagge setzen kann, wenn er mit seinem neuen Schiff in den Südhafen einlaufen wird. Dann will ich an Bord sein oder es zu meinem Traum werden lassen. Mein Anker aber wird für alle Zeiten hier auf „meiner Insel“ bleiben.


Gestern habe ich mich noch einmal ganz besonders von der Düne verabschiedet. Natürlich habe ich auch jeder Robbe die Flosse geschüttelt und ihr versprochen, dass ich beim Kegeln nur an sie denken werde. Dann hatte ich eine ruhige Überfahrt mit der Helgoland. 6 Windstärken sind auf ihr kaum relevant. Auf dem Hauptdeck im Ledersessel sitzend fuhr ich in einen traumhaften Sonnenuntergang, bis dann Neuwerk steuerbord querab lag und wir schon im Fährhafen von Cuxhaven bei Dunkelheit festmachten. Die Nacht im Hotel war schnell vorüber und was in dieser Nacht dieses Trumpeltier in Amerika abgedrückt hat, interessierte mich schlicht nicht mehr. Ich träumte noch einmal intensiv von meiner Insel, die ich zurücklassen musste, aber der ich treu bleibe.
Nun sitze ich im Bahnhofscafé in Hamburg-Harburg, warte auf den Intercity nach Marburg, wo mich am Abend mein Mädchen erwartet, das sich schon auf den seefahrenden Spätheimkehrer freut, wie sie mir glaubhaft am Telefon versicherte.

Der IC trägt den schönen Namen „Wattenmeer“, doch in der Ankündigung und Ansage ist er nur die Nummer 2375 nach Karlsruhe über Lüneburg, Kassel/Wilhelmshöhe und natürlich Marburg nicht zu vergessen, obwohl die alte Universitätsstadt, die schönste in Hessen überhaupt, nicht genannt wird. Es folgt dann nur noch Frankfurt am Main – wie gemein. Marburg an der Lahn haben sie ganz schön abgehängt. Nicht einmal ein ICE fährt hier durch, geschweige denn, dass er halten würde. Ich fahre sowieso lieber mit den Intercitys. Sie haben weniger technische Probleme als die ICEs. Und vom Rasen halte ich ohnehin nichts. Ich stamme halt noch aus der Zeit, wo es Eilzüge gab und sogenannte D-Züge und diesen legendären Rheingoldexpress. Das waren noch Zeiten, als es auch mal Winter sein durfte und die Bahn fuhr trotzdem. Und ein Fenster im Abteil konnte man öffnen, ein richtiges und keines in Windows 10. Wenn man Glück hatte, dann schnaufte vorne eine Dampflok. Und im Abteil schrieb man bestenfalls in einen Schreibblock und nicht ins Notebook, wie ich zurzeit.

Angekommen, zurückgekommen!



ENDE
6
Diesen Mitgliedern gefällt das:
4 Kommentare
13.790
Volker Beilborn aus Marburg | 05.03.2017 | 11:44  
419
Gerhard Falk aus Dautphetal | 05.03.2017 | 12:32  
4.591
Romi Romberg aus Berlin | 05.03.2017 | 13:57  
419
Gerhard Falk aus Dautphetal | 07.03.2017 | 11:07  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.